Hauptmenü öffnen

Wikipedia β

Streetscooter

Hersteller von Elektrofahrzeugen
(Weitergeleitet von StreetScooter)

Die Streetscooter GmbH (Eigenschreibweise StreetScooter) in Aachen ist ein Hersteller von Elektrofahrzeugen. Das Unternehmen ist eine Tochtergesellschaft der Deutsche Post Beteiligungen Holding. Die Streetscooter GmbH produziert neben vollelektrischen Kleintransportern auch elektrische Lastenräder für den überwiegend innerstädtischen Gebrauch.

Streetscooter GmbH[1]
Rechtsform GmbH
Gründung 2010
Sitz Aachen, DeutschlandDeutschland Deutschland
Leitung Achim Kampker
Branche Fahrzeugbau
Website www.streetscooter.eu

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

 
Der Work als Lieferwagen von DHL (2017)
 
Der Prototyp des C16 aus dem Jahr 2014[2]

Im Juni 2010 gründete Achim Kampker gemeinsam mit Günther Schuh die Street Scooter GmbH (im August 2014 Umfirmierung in StreetScooter GmbH), eine privatwirtschaftlich organisierte Forschungsinitiative an der RWTH Aachen, die zusammen mit 80 mittelständischen Unternehmen und zahlreichen Forschungseinrichtungen das erste Elektrofahrzeug ausdrücklich für den Kurzstreckenverkehr entwickelte. Die Forschungsinitiative hat sich mittlerweile zu einem eigenständigen Unternehmen entwickelt. Im Mai 2011 wurde das Concept Zeitgeist zum ersten Mal der Öffentlichkeit gezeigt, und im Herbst folgte der erste Prototyp des Streetscooter Compact auf der IAA in Frankfurt. Ihm folgte die Nutzfahrzeugversion Work. 2012 gründete Kampker den gemeinnützigen Verein Netzwerk für bezahlbare und nachhaltige Elektromobilität und wurde sein erster Vorsitzender.[3] 2013 wurde die Produktvision eines Leichtelektromobils (Flocken Urbano) erarbeitet.[4] Daraus entstand das Projekt C16, das am 25. Oktober 2014 der Öffentlichkeit präsentiert wurde.[5]

2014 fertigten etwa 100 Mitarbeiter auf dem Gelände der Waggonfabrik Talbot an der Jülicher Straße 200 Fahrzeuge. Im Mai 2014 wurde bekannt, dass die Stadt Aachen, die Städteregion Aachen und die Sparkasse Aachen Elektrofahrzeuge des Unternehmens bestellt haben. Im Dezember 2014 kaufte die Deutsche Post das Unternehmen, das damit zum hundertprozentigen Tochterunternehmen wurde.[6] Zuvor waren Versuche der Deutsche Post AG, von einem Automobilhersteller ein Elektrofahrzeug für den Zustellbetrieb entwickeln zu lassen, fehlgeschlagen, woraufhin sie beschloss, selbst ein Fahrzeug zu entwickeln.[7] Das Unternehmen baute zu dieser Zeit (2014) bereits im deutsch-niederländischen Gewerbepark Avantis eine Teststrecke für seine Zustellfahrzeuge.

Im April 2016 gab die Post bekannt, mit der Serienfertigung des 'Streetscooter Work' zu beginnen; bis zum Jahresende sollten die ersten 2.000 Fahrzeuge hergestellt werden. Tatsächlich gelang es, bis Ende 2016 insgesamt 1.906 Fahrzeuge zu produzieren. Langfristig soll die gesamte Post-Flotte von etwa 70.000 Fahrzeugen durch Elektroautos ersetzt werden. Ab 2017 sollten jährlich ursprünglich etwa 10.000 Fahrzeuge produziert werden[8]. Die Produktionskapazität hat sich mittlerweile auf 15.000 Fahrzeugen pro Jahr erhöht (Stand: September 2017).[9]

Auf der IAA Nutzfahrzeuge 2016 präsentierte die Streetscooter GmbH das größere Modell Streetscooter Work L.[10]

Im April 2017 kündigte die Post an, noch im selben Jahr eine zweite Produktionsstätte in Nordrhein-Westfalen in Betrieb nehmen zu wollen[11]. Nach ersten Medienberichten wird dieser Standort in Düren sein[9]. Die jährliche Produktion soll sich gleichmäßig auf die Modelle Work und Work L verteilen. Außerdem ist der Streetscooter, der ab 32.000 Euro kosten soll, nun auch für externe Kunden wie Kommunen erhältlich.[12] Noch im gleichen Monat kündigte der Fischgroßhändler Deutsche See an, 80 Streetscooter zu kaufen. Die Fahrzeuge sind mit Kühlkoffern für bis zu 680 Kilogramm Fisch ausgestattet und sollen in deutschen Großstädten eingesetzt werden.[11]

Außerdem kündigte die Post an, ab Juli 2017 den Work XL (20 Kubikmeter) in Kooperation mit Ford zu produzieren. Bis Ende 2018 will die Post mindestens 2.500 Fahrzeuge des Typs im innerstädtischen Lieferverkehr einsetzen. Der Work XL wird zunächst nur für den Eigenbedarf der Deutschen Post produziert.[13]

Modell Streetscooter WorkBearbeiten

 
Streetscooter Work als Kastenwagen der Städteregion Aachen (2015)
 
Streetscooter Work als Pritschenwagen (2017)

Das frontangetriebene Fahrzeug verfügt über eine elektrohydraulische Servolenkung.[14] Die Höhe der Ladefläche wurde für den Zustellbetrieb des Paketdienstes DHL und für die Verbundzustellung auf Rückenfreundlichkeit optimiert. Die höhere Ladefläche ermöglicht es konstruktiv auch, dass die Radkästen nicht in die Ladefläche ragen. Der Transportkasten ist auf beiden Seiten und von hinten zugänglich. Auf der rechten Seite neben dem Fahrersitz können sieben Briefbehälter verstaut werden. Die Karosserie besteht aus Kunststoff.

technische Daten Streetscooter Work[15]
Motor Permanenterregte Synchronmaschine
Leistung 48 kW / 65 PS
Antriebsart Frontantrieb
Leergewicht 1440 kg
Gesamtzuladung 740 kg
Nutzvolumen 4,3 m³
Akkumulator 20 kWh Li-Ion
Reichweite 80 km (NEFZ)
Höchstgeschwindigkeit 85 km/h

Modell Streetscooter Work LBearbeiten

Das Modell L stellt die größere Variante des StreetScooter Work dar, mit 30 % mehr Zuladungskapazität und knapp doppeltem Ladevolumen.

technische Daten Streetscooter Work L[16]
Motor Permanenterregte Synchronmaschine
Leistung 48 kW / 65 PS
Antriebsart Frontantrieb
Leergewicht 1640 kg
Gesamtzuladung 960 kg
Nutzvolumen 8 m³
Akkumulator 30 kWh Li-Ion
Reichweite 80 km (NEFZ)
Höchstgeschwindigkeit 85 km/h

Modell Streetscooter Work XLBearbeiten

Am 16. August 2017 wurde die neue Variante „Modell XL“ vorgestellt, welcher ein Nutzvolumen von 20 Kubikmetern haben wird. Bis Ende 2018 sollen 2.500 Stück gefertigt werden.[17]

ZulassungszahlenBearbeiten

Den verfügbaren Statistiken des Kraftfahrt-Bundesamts nach wurden in Deutschland erste Fahrzeuge der Marke Streetscooter im Oktober 2015[18] zugelassen.

Nachfolgend in tabellarischer Form die Anzahl der jährlichen Zulassungen in Deutschland (Auswertung der veröffentlichten Neuzulassungen des Kraftfahrt-Bundesamts[19]) :

Jahr 2015 2016 2017

inkl. August

Summe
Anzahl der

Neuzulassungen

237 1.669 1.707 3.613

Weitere ArbeitsfelderBearbeiten

Streetscooter hat von der Post einen Forschungs- und Entwicklungsauftrag für Pedelecs, Trikes, Einsitzer oder Cabrios erhalten. Der Prototyp des Trikes hat eine Zuladung von 90 kg, der des Pedelecs von 60 kg.

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. http://www.dpdhl.com/de/presse/pressemitteilungen/2014/deutsche_post_dhl_uebernimmt_streetscooter_gmbh.html
  2. http://www.presseportal.de/pm/53065/2862005/auto-bild-e-autos-deutscher-hochschulen-gehen-in-serie-foto
  3. www.euro-network-emobility.eu
  4. Flocken Urbano. In: Franz-haag.de.
  5. Streetscooter: Das E-Auto für unter 10.000 Euro. 24. Oktober 2014. Abgerufen am 5. April 2016.
  6. Deutsche Post DHL übernimmt StreetScooter GmbH. 9. Dezember 2014. Abgerufen am 5. April 2016.
  7. Frank Dohmen: Gelber Weckruf. In: Der Spiegel. Nr. 33/2016, S. 58 ff.
  8. Der tausendste Elektro-Transporter der Post. In: FAZ.net, 23. August 2016.
  9. a b Post will Streetscooter wohl auch in Düren bauen. RP Online, abgerufen am 14. September 2017.
  10. Uli Baumann: Streetscooter Work L: Neuer Look und viel mehr Platz. In: auto motor und sport. Abgerufen am 11. Dezember 2016.
  11. a b Fischhändler goes Elektro Deutsche See will 80 Elektro-Lieferfahrzeuge kaufen. 30. April 2017. Abgerufen am 30. April 2017.
  12. Benedikt Plass-Fleßenkämper: Die Deutsche Post expandiert mit ihrem Elektrolaster weltweit. In: WIRED Germany. 11. April 2017 (wired.de [abgerufen am 8. August 2017]).
  13. Lutz Reiche: Deutsche Post baut größere Version des Streetscooters - manager magazin. In: manager magazin. 15. Juni 2017 (manager-magazin.de [abgerufen am 8. August 2017]).
  14. Work – StreetScooter GmbH. In: streetscooter.eu. Abgerufen am 11. Dezember 2016.
  15. Work - StreetScooter GmbH. In: StreetScooter. (streetscooter.eu [abgerufen am 8. August 2017]).
  16. Work L - StreetScooter GmbH. In: StreetScooter. (streetscooter.eu [abgerufen am 8. August 2017]).
  17. Wolfgang Kempkens: Die Post baut ihre Elektrotransporter lieber selbst. 17. August 2017, abgerufen am 17. August 2017.
  18. Kraftfahrt-Bundesamt: Statistische Mitteilungen des Kraftfahrt-Bundesamtes FZ 8, Oktober 2015. Kraftfahrt-Bundesamt, abgerufen am 13. Juni 2017 (deutsch).
  19. Kraftfahrt-Bundesamt: Kraftfahrt-Bundesamt - Monatliche Neuzulassungen. Kraftfahrt-Bundesamt, abgerufen am 16. Juli 2017 (deutsch).