Strauße (Gattung)

Familie der Laufvögel (Struthioniformes)

Die Strauße (Struthio) sind eine Gattung großer, flugunfähiger Vögel, die in relativ ariden Gebieten in Afrika vorkommt. Sie umfasst zwei rezente Arten, den Afrikanischen Strauß (Struthio camelus) und den Somalistrauß (Struthio molybdophanes). Daneben existiert eine Reihe fossiler und subfossiler Funde aus Asien[1] und Europa, die der Gattung zugerechnet werden.

Strauße
Afrikanische Strauße (Struthio camelus)

Afrikanische Strauße (Struthio camelus)

Systematik
ohne Rang: Archosauria
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Urkiefervögel (Palaeognathae)
Ordnung: Struthioniformes
Familie: Strauße
Gattung: Strauße
Wissenschaftlicher Name der Ordnung
Struthioniformes
Latham, 1790
Wissenschaftlicher Name der Familie
Struthionidae
Vigors, 1825
Wissenschaftlicher Name der Gattung
Struthio
Linnaeus, 1758
Verbreitung: orange – Nordafrikanischer Strauß (S. c. camelus), grün – Massai-Strauß (S. c. massaicus), rot – Südafrikanischer Strauß (S. c. australis) und gelb der Somali-Strauß (S. molybdophanes)

MerkmaleBearbeiten

Die Männchen der Strauße sind bis zu 275 Zentimeter hoch und haben ein Gewicht bis zu 156 Kilogramm. Weibchen sind kleiner: Sie sind 175 bis 190 Zentimeter hoch und 90 bis 110 Kilogramm schwer. Strauße sind damit die größten Vögel der Welt. Sie haben einen ovalen, horizontal ausgerichteten, schweren Rumpf und lange, unbefiederte Beine mit zwei nach vorn gerichteten, dicken Zehen an den Füßen. Der Kopf ist klein und unbefiedert, der Hals lang und nur minimal befiedert. Die Augen sind relativ groß; der Schnabel ist kurz, flach und breit. Das Gefieder der Männchen ist größtenteils schwarz, das der Weibchen ist graubraun.[2]

LebensweiseBearbeiten

Strauße kommen in Steppen, Savannen, offenen, trockenen Wäldern und Halbwüsten in Afrika vor. Sie sind Allesfresser, bevorzugen aber Grünpflanzen. Kleine Pflanzen werden aus dem Boden gezogen und mitsamt ihren Wurzeln gefressen. Strauße verbringen einen großen Teil des Tages mit der Nahrungssuche und beziehen über ihre Nahrung auch einen großen Teil der benötigten Feuchtigkeit.[2]

FortpflanzungBearbeiten

Strauße sind polygam. Sowohl Männchen als auch Weibchen paaren sich mit mehreren Sexualpartnern. Als „Nest“ kratzt das Männchen eine Vertiefung in den Erdboden, in die mehrere (bis zu 18) Weibchen ihre Eier legen. Zuerst legt das Hauptweibchen in der Regel sieben bis zehn Eier in das Nest, darauf mehrere Nebenweibchen weitere Eier, so das die gesamte Gelegegröße 20 bis 25 Eier umfassen kann. Als Standort des Nestes wird ein Ort gewählt, der dem brütenden Strauß einen guten Überblick über die Umgebung ermöglicht. Sowohl das Männchen als auch das Hauptweibchen bebrüten über einen Zeitraum von etwa sechs Wochen das Gelege. Drei Tage nach dem Schlüpfen verlassen die Jungstrauße das Nest und werden anschließend vom Männchen und vom Hauptweibchen geführt und beschützt. Selbständig sind sie mit einem Alter von etwa einem Jahr.[2]

ArtenBearbeiten

Einzelne aus der altpleistozänen Fundstelle von Dmanissi in Georgien überlieferte Knochenfunde eines ausgestorbenen Riesenlaufvogels wurden ursprünglich ebenfalls den Straußen zugerechnet und unter der wissenschaftlichen Bezeichnung Struthio dmanisensis geführt. Eine Studie aus dem Jahr 2019 verwies die Art aber zur möglicherweise verwandten Gattung Pachystruthio.[4] Palaeotis wiederum, ein aus dem Geiseltal und der Grube Messel belegter Laufvogel des Mittleren Eozäns, galt lange Zeit als mit den Straußen eng verbunden und stand somit innerhalb der Familie der Struthionidae. Hier bildete er die eigene Unterfamilie der Palaeotidinae.[5] Neuere Bearbeitungen sehen diese nun als eigenständige Familie der Palaeotididae an. Je nach Auffassung wird diese als Schwestergruppe der Nandus (Rheidae)[6] oder als Schwestertaxon aller übrigen Laufvögel betrachtet.[7][8]

QuellenBearbeiten

  1. a b Sonal Jain, Niraj Rai, Giriraj Kumar, Parul Aggarwal Pruthi, Kumarasamy Thangaraj, Sunil Bajpai, Vikas Pruthi: Ancient DNA Reveals Late Pleistocene Existence of Ostriches in Indian Sub-Continent. In: PLoS ONE Band 12 (3), 2017, S. e0164823, doi:10.1371/journal.pone.0164823.
  2. a b c David W. Winkler, Shawn M. Billerman, Irby J. Lovette: Bird Families of the World: A Guide to the Spectacular Diversity of Birds. Lynx Edicions (2015), ISBN 978-8494189203. Seite 36.
  3. Zlatozar Boev, Nikolai Spassov: First record of ostriches (Aves, Struthioniformes, Struthionidae) from the late Miocene of Bulgaria with taxonomic and zoogeographic discussion. In: Geodiversitas. Band 31 (3), 2009, S. 493–507.
  4. Nikita V. Zelenkov, Alexander V. Lavrov, Dmitry B. Startsev, Innessa A. Vislobokova, Alexey V. Lopatin: A giant early Pleistocene bird from eastern Europe: unexpected component of terrestrial faunas at the time of early Homo arrival. In: Journal of Vertebrate Paleontology, 2019, S. e1605521, doi:10.1080/02724634.2019.1605521.
  5. Peter Houde, Hartmut Haubold: Palaeotis weigelti restudied: a small Middle Eocene ostrich (Aves: Struthioniformes). In: Palaeovertebrata. Band 17, 1987, S. 27–42.
  6. Dieter Stefan Peters: Ein vollständiges Skelett von Palaeotis weigelti (Aves, Palaeognathae). In: Courier Forschungsinstitut Senckenberg Band 107, 1988, S. 223–233.
  7. Gareth J. Dyke, Marcel van Tuinen: The evolutionary radiation of modern birds (Neornithes): reconciling molecules, morphology and the fossil record. In: Zoological Journal of the Linnean Society Band 141, 2004, S. 153–177.
  8. Gerald Mayr: Hindlimb morphology of Palaeotis suggests palaeognathous affinities of the Geranoididae and other “crane-like” birds from the Eocene of the Northern Hemisphere. In: Acta Palaeontologica Polonica Band 64 (4), 2019, S. 669–678, doi:10.4202/app.00650.2019.

WeblinksBearbeiten

Commons: Strauße – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien