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Straßensystem in Island

Wikimedia-Liste
Karte des Hringvegur (Stand 2004); (1) Reykjavík; (2) Borgarnes; (3) Blönduós; (4) Akureyri; (5) Egilsstaðir; (6) Höfn; (7) Selfoss.

Das Straßensystem in Island wird rechtlich durch das Wegegesetz (isl. Vegalög, Nr. 80/2007) definiert und durch die isländische Straßenverwaltung Vegagerðin (dt. Wegebau) verwaltet, die aber selber keine Bauarbeiten ausführt. Die bedeutendste Straße Islands ist der Hringvegur (dt. Ringstraße), der die wichtigsten Orte Islands miteinander verbindet.

NationalstraßenBearbeiten

Nationalstraßen (isl. Þjóðvegir) in Island dienen laut dem Wegegesetz von 2007 „der freien Bewegung der allgemeinen Öffentlichkeit“[1] und werden dort in die folgenden Kategorien unterteilt:

HauptstraßeBearbeiten

Hauptstraßen (isl. Stofnvegir) sind Teil des grundlegenden Transportsystems und dienen der überregionalen Verbindung der urbanen Gebiete des Landes. Als urban gelten hierbei laut Wegegesetz bereits Dörfer mit mehr als 100 Einwohnern. Viele der Hauptverkehrsstraßen, allen voran jene im Stadtgebiet von Reykjavík sowie die Ringstraße, sind heute befestigte Asphaltstraßen mit teilweise zwei und mehr Fahrstreifen je Fahrtrichtung. In ländlichen und relativ dünn besiedelten Gegenden finden sich jedoch zum Großteil noch Schotterpisten.

Hauptstraße im HochlandBearbeiten

Nur vier der Hochlandstraßen gelten als Hauptstraßen im Hochland:

Sprengisandsleið, (F26)
Kjalvegur, (35)
Fjallabaksleið nyrðri, (F208)
Kaldadalsvegur, (550)

Der Unterschied zu normalen Hauptverkehrsstraßen sind die eingeschränkten Tank- und Rastmöglichkeiten. Die meisten dieser Straßen sind Schotterpisten, die teilweise unbefestigt sind und oft über keine Brückenbauwerke zur Überquerung von Flüssen und Wasserläufen verfügen. Während der Wintermonate (je nach Witterung von Ende August bis Mitte Juni) sind sie oft unpassierbar oder gar geschlossen. Auf Straßen mit Furten besteht ein Allradobligatorium.

NebenstraßeBearbeiten

 
Bei den Vatnsdalshólar im Bezirk Austur-Húnavatnssýsla: Anzeigetafel einer Nebenstraße mit Namen der Bauernhöfe, die am Weg liegen

Nebenstraßen (isl. Tengivegir) sind Straßen außerhalb von besiedelten Gebieten, die Hauptverkehrsstraßen mit Hochlandstraßen oder einer anderen Hauptverkehrsstraße verbinden. Zu diesen zählen auch Straßen, die Dörfer mit weniger als 100 Einwohnern oder besondere Stätten wie See- oder Flughäfen und Nationalparks zur logistischen und touristischen Erschließung an das Hauptverkehrsstraßennetz anschließen.

Lokale EinfallstraßeBearbeiten

Lokale Einfallstraßen (isl. Héraðsvegir) stellen Verbindungen zu einzelnen Höfen, Fabriken, Kirchen, Kraftwerken, öffentlichen Schulen und sonstigen Einrichtungen in unbesiedelten Gebieten dar. Diese Straßen sind meist unbefestigt.

HochlandstraßeBearbeiten

 
Hochlandpiste Landmannaleið (F225)

Als Hochlandstraßen (isl. Landsvegir) werden alle Straßen bezeichnet, die sich in keine andere der vorherigen Kategorien einordnen lassen. Diese führen in der Regel über Berge und durch Steinwüsten im Hochland und unterliegen dadurch besonderen saisonalen Gegebenheiten und Einschränkungen. Hochlandstraßen sind enge, unbefestigte Schotterpisten ohne Bauwerke zur Überbrückung von Flussläufen und Geländeeinschnitten. Für viele dieser Straßen werden daher allradangetriebene Fahrzeuge nicht nur empfohlen, sondern auch vorgeschrieben und teils erlischt der Versicherungsschutz für Fahrzeuge mit herkömmlichem Antrieb beim Befahren dieser Straßen.

Sonstige Straßen und öffentliche WegeBearbeiten

Öffentliche Wege dienen zum Radfahren, Reiten und Wandern für jedermann und werden von der isländischen Straßenverwaltung betrieben und unterhalten. Die Verantwortung für Privatstraßen und -wege obliegt dagegen den jeweiligen Eigentümern.

Nummerierung der StraßenBearbeiten

 
Brücke auf Straßen unterster Ordnung

Die Nummer der Straße ergibt sich aus ihrer Lage.

2er-Straßen   vom Skeiðarársandur bis östlich der Þjórsá
3er-Straßen westlich der Þjórsá bis zum Hauptstadtgebiet
4er-Straßen das Gebiet um Reykjavík und die Halbinsel Reykjanesskagi
5er-Straßen der Bereich von Snæfellsnes
6er-Straßen   die Westfjorde
7er-Straßen vom Hrútafjörður etwa bis Siglufjörður
8er-Straßen etwa von Ólafsfjörður bis Langanes
9er-Straßen Ostisland bis zum Skeiðarársandur

Neben der Nummer hat jede Straße einen Namen. Beispielsweise trägt die Hochlandstraße   den Namen Fjallabaksleið nyrðri („Nördlicher Weg hinter den Bergen“); die südlich davon liegende   wird als Fjallabaksleið syðri bezeichnet.

TunnelBearbeiten

 
Múlagöng (auch Ólafsfjarðargöng genannt)
 
Kreuzung im Tunnelinnern des Vestfjarðagöng

Siehe auch: Kategorie:Tunnel in Island

Trotz der anspruchsvollen Topographie Islands gibt es in ganz Island nur 11 resp. 12 Tunnel, die dem allgemeinen Straßenverkehr dienen (je nach Zählung[2]). Tunnel wurden in Island erst spät gebaut. So datiert der älteste – und mit 30 Metern zugleich kürzeste Tunnel – aus dem Jahr 1948 (Arnarnessgöng). Der nächste Tunnel – Strákagöng – wurde erst 1967, und der drittälteste Tunnel – Oddsskarðsgöng – 1978 eröffnet. Mit 800 resp. 640 Metern sind sie zudem bis heute die zweit- resp. drittkürzesten Tunnel Islands. Alle übrigen (und längeren) Tunnel wurden erst ab 1990 erbaut.

Die isländischen Tunnel wurden in der Regel aus einem von zwei Gründen erbaut: Entweder sie verbinden zwei auf der Luftlinie nur wenige Kilometer auseinandergelegene Ortschaften, die aufgrund der Topographie (Fjorde, Berge) auf dem Landweg weit (50–200 km) auseinanderliegen (Bsp. hierfür sind Hvalfjarðargöng, Héðinsfjarðargöng, Múlagöng und Fáskrúðsfjarðargöng) oder sie ersetzen eine Passstraße, die aufgrund der nordischen Witterungsbedingungen nicht wintersicher und mitunter wochenlang gesperrt war, im Falle von Strákagöng sogar 7–8 Monate im Jahr (Beispiele hierfür sind daneben Almannaskarðsgöng, Bolungarvíkurgöng, Oddsskarðsgöng und Vestfjarðagöng). Da jeweils eine Alternativroute bestand (entweder eine lange Fahrt über Land oder der Umstieg auf das Schiff, von dem aus jeder betroffene Ort erreichbar war), war das Bedürfnis nach Tunneln unter Berücksichtigung der hohen Kosten weniger ausgeprägt als in anderen gebirgigen Ländern.

Die Tunnel verteilen sich sehr unregelmäßig über Island: Drei der Tunnel (Arnarnessgöng, Bolungarvíkurgöng, Vestfjarðagöng) sind in den nördlichen Westfjorden in Ísafjarðarbær und der Nachbargemeinde Bolungarvík zu finden, weitere drei Tunnel (Strákagöng, Héðinsfjarðargöng, Múlagöng) in der Gemeinde Fjallabyggð (mit den Städten Ólafsfjörður und Siglufjörður) im Norden Islands, zwei Tunnel in den Ostfjorden (Fáskrúðsfjarðargöng, Oddsskarðsgöng) sowie zwei Tunnel an der Ringstraße an unterschiedlichen Orten, (Hvalfjarðargöng nördlich von Reykjavík im Westen und Almannaskarðsgöng bei Höfn im Süden).

Eine Besonderheit weist Vestfjarðagöng auf. Er verfügt über drei Tunnelportale und eine Verzweigung im Berg (und damit über drei Tunneläste). Dementsprechend ist auch die Frage nach dem längsten Tunnel nicht leicht zu beantworten. Gemäß offizieller Darstellung des isländischen Straßenverkehrsamts Vegagerðin ist Héðinsfjarðargöng mit 11 Kilometern der längste Tunnel.[3] Dieser Tunnel besteht jedoch aus zwei Tunneln à 6,9 resp. 3,7 km sowie dazwischen einem Übertagestück (Durchquerung eines Tals) mit knapp 600 Metern Länge. Alle drei Äste des Vestfjarðagöng weisen dagegen zusammen eine Länge von 9160 Metern auf. Dies kann jedoch nicht am Stück gefahren werden. Die beiden längsten Äste – die Fahrt vom Súgandafjörður Richtung Südwesten – sind zusammen 7057 Meter lang. Damit ist Vestfjarðagöng der längste durchgehende Tunnel Islands.

Der im Bau befindliche Tunnel Vaðlaheiðargöng soll durch Maut refinanziert werden, davon abgesehen sind sämtliche Tunnel in Island aktuell mautfrei, seit Ende September 2018 auch der zuvor privat betriebene Hvalfjarðargöng.

In der Planung von Tunneln der isländischen Straßenverwaltung Vegagerðin wurden 21 mögliche Projekte untersucht. Davon sind inzwischen vier Tunnel fertiggestellt und weitere zwei befinden sich im Bau.[4]

Liste der TunnelBearbeiten

Name Länge Eröffnung Region Straße (Nr)
Fjarðarheiðargöng (in Planung) 13,5 km unbekannt Austurland  
Vestfjarðagöng3 9.120 m1 September 1996 Vestfirðir   und  
Vaðlaheiðargöng 7.400 m 12. Januar 2019 Norðurland eystra  
Héðinsfjarðargöng I 6.910 m 2. Oktober 2010 Norðurland eystra  
Norðfjarðargöng 7.542 m 11. November 2017 Austurland  
Fáskrúðsfjarðargöng 5.850 m 9. September 2005 Austurland  
Hvalfjarðargöng 5.770 m 1. Juli 1998 HöfuðborgarsvæðiðVesturland  
Dýrafjarðargöng (im Bau) 5.600 m unbekannt (~ 2020) Vestfirðir  
Bolungarvíkurgöng 5.156 m 25. September 2010[5] Vestfirðir  
Héðinsfjarðargöng II 3.650 m 2. Oktober 2010 Norðurland eystra  
Múlagöng2 3.400 m 1. März 1991 Norðurland eystra  
Almannaskarðsgöng 1.308 m 24. Juni 2005 Austurland  
Húsavíkurgöng4 0943 m 2017 Norðurland eystra ---
Strákagöng2 0800 m 1967 Norðurland vestra  
Oddsskarðsgöng (ersetzt) 2, 5 0640 m 1977 Austurland früher  
Arnarnessgöng 0030 m 1948 Vestfirðir  
Álftafjarðargöng (in Planung) 6 2700 unbekannt Vestfirðir  
Quelle:[6]

1 Der Tunnel verzweigt sich untertag und hat daher drei Arme.
2 Einstreifig mit Ausweichmöglichkeiten
3 Ein Arm zweistreifig, zwei Arme einstreifig mit Ausweichmöglichkeiten
4 Nicht für den allgemeinen Straßenverkehr
5 Nicht mehr im Betrieb, wurde durch den Norðfjarðargöng ersetzt
6 In Planung, soll den Arnarnessgöng ersetzen

BrückenBearbeiten

Aufgrund der zahlreichen Flüsse in Island gibt es dementsprechend viele Brücken im isländischen Straßennetz. Auf den Hochlandpisten existieren jedoch beinahe keine Brücken, d. h. Bäche und Flüsse müssen gefurtet werden. Im übrigen Straßennetz sind sämtliche Flüsse und Bäche überbrückt. Brücken sind in Island traditionell einstreifig. Eine der frühesten bedeutenden Kfz-Brücken ist die Hvítá-Brücke von 1928 bei Borgarnes. Auf stärker befahrenen Strecken und auf der Ringstraße wurden und werden die einstreifigen Brücke aber zunehmend durch zweistreifige Brücken ersetzt. Noch gibt es entlang der Ringstraße 39 einstreifige Brücken.[7] Durch aktuelle Bauarbeiten reduziert sich die Zahl auf 34. Auch die längste und einstreifige Skeiðarárbrú wird davon betroffen sein. Sie wurde am 30. August 2017 außer Betrieb genommen und durch eine 68 Meter lange Brücke über die Morsá ersetzt.

Längste BrückenBearbeiten

überbrücktes Gewässer Baujahr Länge Fahrstreifen Straße Bemerkungen
Skeiðará 1974 880 m einstreifig Hringvegur außer Betrieb
Borgarfjörður 1979 520 m zweistreifig Hringvegur
Súla 1973 420 m einstreifig Hringvegur mit Ausweichbuchten auf der Brücke
Ölfusáós 1988 360 m zweistreifig Eyrarbakkavegur (34) an der Mündung
Gígjukvísl 1998 336 m zweistreifig Hringvegur
Kúðafljót 1993 302 m zweistreifig Hringvegur
Lagarfljót 1958 301 m zweistreifig Hringvegur Metallfahrbahn
Hvítá (Ölfusá) 2010 270 m zweistreifig Skálholtsvegur (31)
Hornafjarðarfljót 1961 254 m einstreifig Hringvegur
Markarfljót 1991 250 m zweistreifig Hringvegur

FährenBearbeiten

Der staatliche Haushalt für das Straßensystem umfasst auch Mittel für den Betrieb und Ausbau von Fährverbindungen über Meerengen und Fjorde, sofern diese für einen Teil des Jahres eine bestehende Straßenverbindung ersetzen, wie beispielsweise in den Wintermonaten aufgrund von Witterungsverhältnissen.[8]

Straßenzustand / Öffnungszeiten der StraßenBearbeiten

Die Straßen sind grundsätzlich in einem guten Ausbauzustand, soweit es sich nicht um unbefestigte Schotterpisten handelt. Die Hauptstraßen sind weitestgehend und die Nebenstraßen oft asphaltiert. Die Schotterstraßen sind grundsätzlich – mit Rücksichtnahme auf die Naturfahrbahn – gut befahrbar. Die Asphaltstraßen sind grundsätzlich zweistreifig (6 Meter), die Schotterstraßen ebenfalls, hingegen muss beim Kreuzen aufgrund der Fahrbahnbreite von meistens 4 Metern die Geschwindigkeit reduziert werden. Längere einstreifige Straßenabschnitte sind – von Tunneln und Brücken abgesehen – selten und nur auf Nebenstraßen anzutreffen. Insbesondere Schotterstraßen und -pisten können unübersichtliche Kuppen, enge Kurven und starke Steigungen aufweisen. Aufgrund des arktischen Klimas muss zwischen September bis Juni mit Schnee und Eis gerechnet werden. Insbesondere im Winter (Oktober bis April) können die Straßenverhältnisse prekär sein. Die witterungsbedingte Sperrung von Straßen im Winter ist üblich und kann einige Tage andauern. Sperrungen der Ringstraße sind dagegen eher selten. Die isländische Straßenverwaltung Vegagerðin informiert laufend über den aktuellen Straßenzustand und das aktuelle Verkehrsaufkommen aller Haupt- und der meisten Nebenstraßen. Pisten und exponierte Straßen sind in der Regel von Mitte September bis Ende Mai gesperrt, besonders exponierte Strecken können jedoch bereits ab August bis Anfang/Mitte Juli gesperrt sein.

BesonderheitenBearbeiten

AutobahnenBearbeiten

In Island gibt es keine Autobahnen. Einige Hauptverkehrsstraßen im Stadtgebiet von Reykjavík sowie die Reykjanesbraut, die das Stadtzentrum mit dem etwa 40 km weiter westlich auf der Halbinsel Reykjanes gelegenen internationalen Flughafen Keflavík verbindet, sind heute zwar bereits autobahnähnlich (d. h. mindestens vierstreifig und mit baulicher Trennung der Richtungsfahrbahnen) ausgebaut, darunter auch ein Autobahnkreuz. Trotzdem sind diese nach der Definition des Wegegesetzes lediglich Hauptverkehrsstraßen.

EuropastraßenBearbeiten

Island ist, abgesehen von den europäischen Zwergstaaten, der einzige Staat in Europa, der über keine Europastraßen verfügt.

LinksverkehrBearbeiten

Bis ins Jahr 1968 herrschte in Island Linksverkehr.

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Vegagerðin: Vegakerfið 2009 (PDF; 2,9 MB), S. 2, Abschnitt "Þjóðvegir". Abgerufen am 9. Oktober 2011.
  2. Héðinsfjarðargöng besteht aus zwei Tunneln und dazwischen einem kurzen oberirdischen Teilstück, wird aber dennoch oft als ein Tunnel bezeichnet.
  3. Vegagerdin.is Road System, S. 8
  4. Tunnelplanung aus dem Jahr 2000 (isl.)
  5. Bolungarvíkurgöng opnuð. (Nicht mehr online verfügbar.) In: vegagerdin.is. Archiviert vom Original am 7. Juni 2011; abgerufen am 25. September 2010 (isländisch).
  6. Eugenio Merzagora: Road Tunnels in Iceland. The World's Longest Tunnel Page. Juni 2006. Abgerufen am 22. Oktober 2008.
  7. Gabriele Schneider: Ein halbes Jahrhundert, um einspurige Brücken an der Ringstraße zu ersetzen. (Nicht mehr online verfügbar.) In: icelandreview.com. 20. September 2016, archiviert vom Original am 15. September 2017; abgerufen am 30. September 2016.
  8. Ferjur. Abgerufen am 6. September 2016.