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Straßenbahn Kopenhagen

Erste Tram in Dänemark
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Ehemalige Straßenbahn
in Kopenhagen
Bild
Elektrische Straßenbahn der De kjøbenhavnske
Sporveje (DKS) in Kopenhagen um 1902
Basisinformationen
Staat Dänemark
Stadt Kopenhagen
Eröffnung 22. Oktober 1863
Elektrifizierung 4. März 1897 (Akkubetrieb)
19. September 1899 (Oberleitungsbetrieb)
Stilllegung 22. April 1972
Betreiber Kommunal ab 1911: Københavns Sporveje (KS)
Infrastruktur
Spurweite 1435 mm (Normalspur)

Kopenhagens Straßenbahn war die erste Tram (dänisch Sporveje) in Dänemark. 1863 wurde das Nahverkehrsmittel von einem Privatunternehmen gegründet. Ab 1911 übernahm die Stadt Kopenhagen mit der Københavns Sporveje (KS) den Betrieb.

Danach bekamen Århus (1884–1971)[1] und Odense (1911–1952)[2] Straßenbahnen.

Die Einstellung des Tramverkehr in der dänischen Hauptstadt erfolgte nach fast 110 Jahren 1972. Die letzte Kopenhagener Strecke, die Linie 5, war die letzte Straßenbahn Dänemarks. Landesweit besteht seitdem keine Trambahn mehr, lediglich im mittelseeländischen Jystrup wird noch auf einem Ausstellungsgelände eine Museumsstraßenbahn betrieben.

Möglicherweise steht in Kopenhagen ein Wiederaufleben mit straßenbahnartigen Schienenfahrzeugen bevor, denn für die dänische Metropolregion ist ein Liniennetz einer sogenannten Leichtbahn geplant.[3]

Der Begriff Københavns Sporveje war sowohl eine Bezeichnung des hauptstädtischen Verkehrsmittel wie auch der Name einer Betreibergesellschaft, der KS.

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

Dampf- und PferdebahnBearbeiten

 
Die Dampfstraßenbahn im Norden Kopenhagens von 1884 verkehrte teilweise auf der Strecke der späteren Linie 14. Die Zeichnung zeigt einen Dampftriebwagen der Bauart Rowan.
 
Zeichnung eines Ko­pen­ha­ge­ner Pfer­de­stra­ßen­bahn­aus­lenk­w­agens von 1872.

Am 22. Oktober 1863 begann das Zeitalter der Straßenbahn in Kopenhagen. Die Copenhagen Railway Company Ltd. (CRC), eine Aktiengesellschaft und Tochterfirma eines britischen Unternehmens errichtete die erste Bahn. Die Hovedlinien (Stamm-, bzw. Hauptstrecke) führte vom Frederiksberg Runddel über die Vesterbrogade ins Stadtzentrum.[4] Diese Strecke wurde als Pferdestraßenbahn betrieben. Die CRC erweiterte noch ihr Linienangebot. Unter dem gleichen Namen Hovedlinien folgte eine Verlängerung zu drei weiteren Endhaltestellen. Es gab sowohl die Traktion von Pferdekraft wie auch Dampfkraft.

1884 eröffnete die Strandvejens Dampsporvejs-Selskab die Strecke Strandvejens Dampsporvej. Sie wurde als Dampfstraßenbahn mit Rowan’schen Dampftriebwagen betrieben. Diese Linie verband:

  • Trianglen – ein Platz im nördlichen Kopenhagen – mit dem an die Stadtgrenze anschließenden
  • Ortsteil des heutigen Gemeindeverbandes Gentofte, Hellerup und weiter mit dem
  • nördlichsten Teil Gentoftes, Klampenborg.[5]

Über den Trianglen führten bald mehrere Straßenbahn- und Pferdeomnibuslinien. Der Platz wurde zum nördlichen Verkehrsknotenpunkt Kopenhagens, zum Pendant der Innenstadt wurde der Rathausplatz.

Ende 1865 gründete der dänische Bankier und Industrielle Carl Frederik Tietgen die Kjøbenhavns Sporvei-Selskab (KSS) und übernahm Fahrzeuge und Strecke der CRC. Die Copenhagen Railway Company Ltd. war im Dezember gleichen Jahres in die Insolvenz gegangen. Tietgens KSS betrieb neben den vier ehemaligen Linien der CRC weitere Strecken, einschließlich solcher von Pferdeomnibussen[6]. Die letzte Pferdestraßenbahn Kopenhagens verkehrte erst 1915.

Elektrische StraßenbahnBearbeiten

 
Wagen des Unternehmens DKS, Linie 10.
 
Doppelstockwagen der KS, Linie 3.
 
Netz um 1920, die erste der Hovedlinien von 1863, ist Blau gekennzeichnet. Die „saure Bahn“ verkehrte auf der Strecke der späteren Nr. 7

1897 entstand die erste elektrische Strecke der Straßenbahn, anfänglich noch oberleitungsfrei und batteriebetrieben. Es war die Nørrebrogadelinien deren Wagen zwischen Kongens Nytorv in Kopenhagens Innenstadt und dem nordöstlichen Nørrebro (Linie Nr. 7) verkehrten. Die Akkubahn wurde im Volksmund als „saure Bahn“ bezeichnet, da der Geruch der Batteriesäure sehr markant war. Sie wurde nach fünf Jahren 1902 wieder eingestellt.

1898 fand die Betriebsgründung der De kjøbenhavnske Sporveje (DKS) statt[7]. Diese Straßenbahngesellschaft entstand aus der Fusion von fünf Privatgesellschaften, einschließlich der von C. F. Tietgens gegründeten KSS.

1899 wurde die erste Linie Kopenhagens mit Oberleitungsbetrieb eingerichtet, die Energieversorgung erfolgte nun über den Fahrdraht.

Am 27. November 1902 wurden einheitliche Liniennummern für die Straßenbahnen Kopenhagens eingeführt. Im nächsten Jahr eröffnete die Tuborg Klampenborg Elektriske Sporvej (TKES), eine Tochterfirma der DKS, eine 5,5 km lange elektrische Linie in Nord-Süd-Richtung. Sie führte über Gentofte Strandvej und ersetzte die bisherige Dampfbahn. Die Strecke wurde 1908 über den Bernstorffsvej erweitert.

1911 wurde aus der TKES die selbstständige Nordsjællands Elektricitets- og Sporvejs Aktieselskab (NESA bzw. NESAG) gegründet, ein Energieunternehmen, das zunächst aus der Gentofter Straßenbahn zwischen Hellerup und Klampenborg und einem Kraftwerk in Skovshoved bestand, das außer der eigenen auch Straßenbahnen anderer Gesellschaften mit Fahrstrom versorgte. Die NESA stellte 1953 die Fahrgastbeförderung von Straßenbahnen auf O-Busse um. Nach 63 Jahren zog sich die Aktiengesellschaft 1974 endgültig als Verkehrsunternehmen zurück und konzentrierte sich auf seine Energiesparte. 2006 fusionierte sie mit der Dansk Olie og Naturgas A/S und vier von weiteren Energieunternehmen zu Dänemarks größten Energieversorger Dong Energy Aktieselskab.[8][9]

Kommunaler BetriebBearbeiten

Die Stadt Kopenhagen begann den Betrieb von Straßenbahnen am 1. August 1911 mit dem Unternehmen Københavns Sporveje (KS), nach Übernahme der 1998 gegründeten DKS. 1919 übernahm die KS eine weitere Gesellschaft, diesmal aus Frederiksberg. Die Frederiksberg Sporvejsselskab hatte seit dem 14. Juni 1872 begonnen, mit einer Pferdestraßenbahn Frederiksberg zu erschließen. 1896 schloss sie sich mit der 1883 gegründeten Falkoneralléens Sporvejsselskab zur Frederiksberg Sporvejs- og Elektricitets Aktieselskab zusammen[10][11], die 1919 in der KS aufging. Mit dieser letzten Übernahme von Straßenbahnen bestand in diesem Jahr in der Stadt Kopenhagen bereits ein ausgedehntes Netz von 14 Strecken der kommunalen KS, durch die damalige Vororte wie Hellerup, Brønshøj, Valby sowie Sundby auf Amager erreichbar waren.[12]

Von 1960 bis 1966 beschaffte Kopenhagen 100 neue Duewag-Gelenkwagen und modernisierte damit den Fahrzeugpark. Trotz dieses Modernisierungsschritts fiel wenige Jahre später der Beschluss zu Einstellung. Am 22. April 1972 stellte die Københavns Sporveje (KS) als Betreibergesellschaft der Kopenhagener Straßenbahn die letzte betriebene Linie ein (Linie Nr. 5).[13] Die noch vergleichsweise neuen Gelenkwagen von Duewag, wurden an die Straßenbahn Alexandria verkauft. Einige Züge und Wagen aus Kopenhagen fahren heute noch im ägyptischen Alexandria. 2001 kehrten zwei der Gelenkwagen nach Dänemark zurück und wurden in die Sammlung des Straßenbahnmuseums Skjoldenæsholm aufgenommen.[14] KS wurde am 1. Oktober 1974 mit elf anderen Verkehrsgesellschaften zu der neuen Hovedstadsområdets Trafikselskab zusammengelegt. Im Jahr 2000 ging diese mit weiteren Gesellschaften in HUR Trafik auf, die den gesamten Nahverkehr in Hovedstadsregionen plante und abwickelte. Am 1. Januar 2007 wurde HUR Trafik mit Storstrøms Trafikselskab und Vestsjællands Trafikselskab zu der überregionalen Trafikselskabet Movia zusammengelegt, die für den gesamten Nahverkehr östlich des Großen Belt, mit Ausnahme von Bornholm, verantwortlich zeichnet.

København Ring 3 LetbaneBearbeiten

PlanungBearbeiten

Für Kopenhagen gibt es eine Planung, die København Ring 3 Letbane als Ergänzung zu den hauptstädtischen Nahverkehrsmitteln S-tog und U-Bahn eine sogenannte Leichtbahn zu errichten. Nach einer Untersuchung von Dänemarks Technischer Universität würde solch eine Bahn bestehende Lücken des Nahverkehrsnetzes von Kopenhagen schließen. Das Konzept schließt Linien bzw. Straßen ein, die in Teilen der Streckenführung der ehemaligen Kopenhagener Straßenbahn entsprechen.[15]

Im dänischen Folketing kam es im Juni 2013 zu einer Einigung zum Bau von fast 30 km der Letbane zwischen Lyngby und Ishøj. Die Kosten wollen sich der dänische Staat, die Region Hovedstaden und einige Gemeinden teilen.[16][17]

Die Präqualifikation für die einzelnen Bauabschnitte und technischen Lose begann im November 2015. Die vorbereitenden Bautätigkeiten sollten im Spätsommer 2017 beginnen, die Eröffnung der Strecke wird 2023 bis 2024 erwartet.Vorlage:Zukunft/In 5 Jahren Nach derzeitigem Planungsstand soll es 28 Stationen auf einer 28 km langen Strecke geben, an sechs Stationen gibt es dann Umsteigemöglichkeiten zur S-Bahn. Geplant ist ein Taktfrequenz von zwölf Zügen pro Stunde (werktags) für 13–14 Millionen Fahrgäste pro Jahr. Die Fahrzeuge sollen 35 Meter lang sein und 200–230 Fahrgäste transportieren. Mit Gesamtkosten von 4 Milliarden DKK wird gerechnet.[18]

ProjektrealisierungBearbeiten

Am 14. März 2018 wurde bekannt gegeben, dass Siemens zusammen mit dem dänischen Unternehmen Per Aarsleff A/S mit der Realisierung dieses Straßenbahnprojekts beauftragt wurde.[19] Die zweigleisige Strecke wird 28 km lang mit 29 Haltestellen sein. Zum Lieferumfang gehören 27 vierteilige Straßenbahnen vom Typ Siemens Avenio mit 64 Sitz- und 199 Stehplätzen, die täglich etwa 44.000 Passagiere befördern können. Die Eröffnung der Strecke ist für 2024 geplant.

BegriffBearbeiten

Light rail vehicle (sinngemäß = Leichtbahn bzw. Letbane) ist ein Schienenfahrzeug, das auf ähnlichen Strecken wie von Überland-, Klein- oder innerstädtischen Straßenbahnen betrieben wird und ebenso teilweise am Straßenverkehr teilnimmt. Der Begriff Light train bezeichnet umfassender als das, was mit der Begrifflichkeit der herkömmlichen Straßenbahn definiert wird. Er stammt aus dem Englischen und stellt in dieser Sprache das Pendant zur Schwerbahn (englisch Heavy rail), die eher auf Vollbahnstrecken verkehren.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Aarhuus Sporvejsselskab. Abgerufen am 11. Juli 2013 (dänisch).
  2. Odense, Elspårväg, 9. Oktober 1911 bis 30. Juni 1952, 1435 mm. (PDF) Abgerufen am 11. Februar 2016 (schwedisch).
  3. Peter Stanners Light rail, angepriesen als Heilmittel für Stadt-Stau Copenhagen Post 6. April, 2013, Copenhagen Post by Ejvind Sandal, abgerufen 14. Juli 2013.
  4. Copenhagen Railway Company Ltd. Abgerufen am 11. Juli 2013 (dänisch).
  5. N. K. Zeeberg: Linie 14 - Trafikken ad Strandvejen til Klampenborg. Broschüre des Straßenbahnmuseums Skjoldenæsholm
  6. Kjøbenhavns Sporvei-Selskab, Hovedlinjen. Abgerufen am 11. Juli 2013 (dänisch).
  7. De kjøbenhavnske Sporveje (DKS). Abgerufen am 11. Juli 2013 (dänisch).
  8. ehemalige Firmenwebseite der NESA, veröffentlicht auf 1902-45 nesa.dk (Memento vom 26. Dezember 2005 im Internet Archive), abgerufen 11. Juli 2013 (dänisch)
  9. Strøm til danskerne Veröffentlichungen des Lokalhistorisk Arkiv i Gentofte, abgerufen am 13. Juli 2013.
  10. Frederiksberg Sporvejsselskab. Abgerufen am 12. Juli 2013 (dänisch).
  11. Frederiksberg Sporvejs- og Elektricitets Aktieselskab. Abgerufen am 12. Juli 2013 (dänisch).
  12. Arne Melby Pedersen: Københavns Sporveje. In: sporvej.dk. Abgerufen am 16. Mai 2019 (dänisch).
  13. Kurzchronik auf sporvej.dk (dänisch) abgerufen am 9. Juli 2013.
  14. Wagen 815 auf der Seite des Museums, Wagen 890 auf der Seite des Museums (abgerufen am 9. Juli 2013)
  15. Peter Stanners ebenda.
  16. Anders Olshov: Letbane Ring 3. In: Øresunds Regionen - Københavns outnyttjade möjlighet. Gyldendal Business, 2013, ISBN 978-87-02-14739-1.
  17. Ritzau und Nyheder Politisk aftale om letbane i hovedstaden er på plads. In: Ekstra Bladet. København, 19. Juni 2013.
  18. Hovedstadens Letbane. Abgerufen am 7. Oktober 2016 (englisch).
  19. Siemens baut Straßenbahnsystem im Großraum Kopenhagen. Siemens AG, 14. März 2018, abgerufen am 22. März 2018 (Pressemitteilung).

WeblinksBearbeiten