Stiftsschule St. Johann

allgemeinbildendes Gymnasium in Amöneburg

Die Stiftsschule St. Johann in Amöneburg ist ein staatlich anerkanntes, allgemeinbildendes Gymnasium, dessen Träger das Bistum Fulda ist.

Stiftsschule St. Johann
Stiftsschule St. Johann 1.jpg
Der Schulhof der Stiftsschule, die Bonifatius-Halle (halbrechts) und das Elisabeth-Haus (links)
Schulform Gymnasium
Gründung 1885
Adresse

Rentereigasse 2

Ort Amöneburg
Land Hessen
Staat Deutschland
Koordinaten 50° 47′ 47″ N, 8° 55′ 21″ OKoordinaten: 50° 47′ 47″ N, 8° 55′ 21″ O
Träger Bistum Fulda
Schüler 800 (Stand 2017/2018)[1]
Lehrkräfte 72 und 12 Referendar(inn)en (Stand 01.08.2018)
Leitung Hans-Georg Lang
Website www.stiftsschule.de

SchulprofilBearbeiten

Die Schule hat als Schule in der Trägerschaft eines katholischen Bistums ein ausgesprochen religiöses Profil, wobei dem Gedanken der Ökumene Rechnung getragen wird: Nur etwa die Hälfte der Schülerinnen und Schüler gehören der römisch-katholischen Kirche an. Neben der christlichen Ausrichtung wird Wert auf humanistische Bildung gelegt. Latein ist verpflichtende erste Fremdsprache ab Klasse 5, in der inzwischen (2018) Englisch ebenfalls gelehrt wird, jedoch in geringerem Umfang von zwei bis drei Wochenstunden. Altgriechisch oder Französisch können in Klasse 8 als dritte Fremdsprache gewählt werden.

In der Oberstufe kann ab Q1 der Biotechnologiekurs besucht werden. Es handelt sich um ein fächerübergreifendes Projekt, bei dem Themen wie Strom aus Hefezellen, Immobilisierung von Enzymen, Klimarettung durch Algen, Gentechnik, Bioinformatik und viele mehr experimentell bearbeitet werden.

Die Ausgestaltung der Eingangsstufe in einem Modell, das den Übergang von der Grundschule zum Gymnasium erleichtert, sowie fächerübergreifende Unterrichtsprojekte in der Oberstufe als reformpädagogische Arbeit führten 1989 zur Anerkennung der Stiftsschule als „Schule besonderer pädagogischer Prägung“ durch die hessische Landesregierung.

SchulgebäudeBearbeiten

 
Aufgang zur Pfarrkirche St. Johannes der Täufer zwischen Elisabeth-Haus und Bonifatius-Halle

Der Hauptkomplex der Stiftsschule St. Johann liegt unmittelbar nordöstlich unterhalb der Pfarrkirche St. Johannes der Täufer und schließt sich südwestlich an den Marktplatz an. Beginnend im Norden, wo die Rentereigasse direkt vom Marktplatz an der Straße Am Markt in den Schulhof führt, wird dieser, im Uhrzeigersinn, von den folgenden Gebäuden gerahmt:

  • Thomas-Haus (Sitz der Schulleitung und des Haupt-Lehrerzimmers; 2018 in Sanierung)
  • Benedikt-Haus (Klassenräume, Fachschaftsräume und Fachräume der Biologie)
  • St. Martin-Haus (Klassenräume, Fachräume Religion und EDV-Fachraum)
  • Domenico Savio-Haus (Mensa und Mediathek)
  • Elisabeth-Haus (Klassenräume, Fachräume Physik, Chemie und Kunst)
  • Bonifatius-Halle (Aula und Sporthalle)
 
Das Rabanus-Haus; links der Innenhof der Burgruine, rechts der Friedhof

Nur durch die Burgstraße vom Hauptkomplex getrennt, liegt nordwestlich der Bonifatius-Halle das ältere Gebäude des Teresa-Hauses mit den Fachräumen Musik und der Konzerthalle. Südwestlich der beiden letztgenannten Gebäude und durch einen Hang und den Friedhof von diesen getrennt, liegt, am Südwestrand der Bebauung der Kernstadt und unmittelbar nordwestlich der Burg Amöneburg, das Rabanus-Haus mit den Klassenräumen der Klassen 5 und 6 und der Kapelle, in der die evangelischen Schulgottesdienste stattfinden. Katholische Gottesdienste finden unmittelbar östlich der Burg in der Pfarrkirche statt, von der eine Treppe zwischen Bonifatius-Halle und Elisabeth-Haus von oben in den Schulhof führt. Auch das Johannes-Haus südlich der Kirche, das Gemeindezentrum und gleichzeitig Tagungsort, wird z. T. von der Stiftsschule genutzt.

Insgesamt umfasst das durch die Burgstraße und den Südabschnitt der Ritterstraße geteilte, ansonsten zusammenhängende Gebiet des Bistums Fulda eine Fläche von rund 1,8 ha, die nach Süden und Westen an die Bebauungsgrenze der Kernstadt Amöneburgs stößt, nach Südwesten an das ebenfalls randständige Gebiet der Burg Amöneburg. Davon entfallen 0,60 ha, also rund 6000 m², auf das Hauptgelände der Schule, 0,10 ha auf das Grundstück des Teresa-Hauses jenseits der Burgstraße und 0,11 ha auf das Rabanus-Haus nebst Vorplatz jenseits des Friedhofs. Der Friedhof nimmt 0,33 ha ein, das Gelände um die Kirche nebst Johannes-Haus 0,50 ha. [2]

GeschichteBearbeiten

Die Schultradition in Amöneburg geht auf ein 721 von Bonifatius gegründetes Kloster zurück. Erste Pläne für ein Progymnasium wurden 1867 in Angriff genommen, aber von Seiten des Staates im Rahmen des Kulturkampfes abgelehnt. Nach dessen Ende wurde 1885 die Stiftsschule als Lateinschule gegründet. Im Jahr 1939 wurde sie vom NS-Regime aufgelöst. 1946 kam es zur Wiedergründung als Progymnasium, wobei bis 1978 auch ein Internat bestand. Der Ausbau zu einem vollwertigen Gymnasium mit Oberstufe fand in den 1960er Jahren statt, 1964 erfolgte die erste Abiturprüfung an der Schule.

MissbrauchsfälleBearbeiten

2010 wurden im Skandal um den sexuellen Missbrauch in der römisch-katholischen Kirche Missbrauchsfälle an der Stiftsschule bekannt. Demnach gab es in den Jahren 1974 bis 1976 sexuelle Übergriffe durch einen Erzieher in dem 1978 geschlossenen Schülerheim. Der Erzieher wurde nach Bekanntwerden der Vorfälle aus dem Dienst entlassen.[3] 1992 bis 1996 gab es sexuelle Übergriffe auf zwei Schülerinnen durch zwei Lehrer. Im Herbst 2011 beendete die Staatsanwaltschaft Marburg das Verfahren gegen die Beschuldigten wegen Verjährung der Vorwürfe.[4]

Bekannte SchülerBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Stiftsschule St. Johann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Stiftsschule in Zahlen 2017/18. In: Stiftsschule St. Johann. Abgerufen am 10. Oktober 2018.
  2. Hessenviewer (Geoportal Hessen) des Hessischen Landesamtes für Bodenmanagement und Geoinformation mit Liegenschaftskartierung (Hinweise)
    Die Differenz der Summe (1,64 ha) zur angegebenen Gesamtfläche erklärt sich durch die Flächen der das Gebiet teilenden öffentlichen Straßen.
  3. Brief an die Schulgemeinde. Stiftsschule St. Johann Amöneburg, März 2010, archiviert vom Original am 27. Januar 2014; abgerufen am 27. Januar 2014.
  4. Nach Missbrauch: Schule soll sich entschuldigen. Frankfurter Neue Presse, 24. Februar 2012, abgerufen am 27. Januar 2014.