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Mischkan

transportables Heiligtum, welches nach dem biblischen Text das Volk Israel auf seinen Wanderungen nach dem Auszug aus Ägypten mitführte
(Weitergeleitet von Stiftshütte)
Modell der Stiftshütte im Timna Park, Israel.
Gezeichnetes Wüstenheiligtum mit Brandopfer (Vordergrund) und der Schechina Gottes als Wolke über dem Mischkan mit der Bundeslade im Innern

Der Mischkan (hebräisch מִשְׁכַּן „Wohnung“) bzw. die Stiftshütte oder das Stiftszelt (hebr. אֹהֶל מוֹעֵד ʔohel mōʕēd) ist das transportable Heiligtum, welches nach dem Tanach, der jüdischen Bibel, das Volk Israel auf seinen Wanderungen nach dem Auszug aus Ägypten mitführte, bevor ein permanentes Zentralheiligtum errichtet wurde.

NamenBearbeiten

Mischkan (Ex 26,1 EU) ist nur eine von mehreren Bezeichnungen für das transportable Heiligtum. „Mischkan“ bedeutet „Wohnung“ und ist sprachlich von der Wurzel שׁכן schakhan, „wohnen“, abgeleitet (wie auch Schechina). Im engeren Sinne wird mit Mischkan nur der vergoldete Holzbau bezeichnet, über den dann das Zelt gelegt werden soll (Ex 26,7 EU).

Weitere biblische Bezeichnungen der Kultstätte sind Miqdasch (מִקְדָּשׁ, Ex 25,8 EU, „Heiligtum“), Ohel HaEdut (אֹהֶל הָעֵדוּת, Num 17,22 EU, „Zelt des Zeugnisses“) sowie Ohel Moed (אֹהֶל מוֹעֵד, Ex 27,21 EU). Letzteres ist die Bezeichnung, die mit „Stiftszelt“, „Stiftshütte“ (so die Lutherübersetzung) oder „Zelt der Begegnung“ übersetzt werden kann.

Zwischen diesen Bezeichnungen wird im Bibeltext nicht immer klar differenziert. So ist in Ex 39,32 EU vom Mischkan des Ohel Moed die Rede, also der „Wohnung der Stiftshütte“. Die Septuaginta hat Mischkan und Ohel mit dem gleichen Wort σκηνὴ (skänä, „Zelt“) übersetzt, das inhaltlich Ohel entspricht, aber lautlich an Mischkan anklingt. Ohel Moed und Ohel HaEdut werden gleichermaßen als σκηνὴ μαρτυρίου (skänä martyriu), „Zelt des Zeugnisses“, wiedergegeben. Diesem Vorbild folgte Hieronymus in seiner lateinischen Übersetzung, indem er sowohl Ohel als auch Mischkan mit tabernaculum übersetzte. Daran schloss sich später unter anderem die King James Version an, die beides mit tabernacle wiedergibt.

BedeutungBearbeiten

Die Vorschrift zum Bau des Heiligtums wird auf Ex 25,8 EU zurückgeführt, wo es heißt: „Macht mir ein Heiligtum! Dann werde ich in ihrer Mitte wohnen.“ Der Ausdruck „in ihrer Mitte“ lässt nach der jüdischen Tradition darauf schließen, dass das Heiligtum nicht als Wohnsitz Gottes zu verstehen ist, sondern als ein Symbol für die Heiligkeit Gottes, dem das Volk nachzuleben hatte, wenn sein Geist in ihrer Gemeinschaft weilen sollte.[1] Das Zelt diente den Israeliten während ihrer Wüstenwanderung und bis zur Zeit König Davids als zentraler Ort der Begegnung mit Gott. Zuerst wurde es auf den Wanderungen mitgeführt, später hatte es seinen Standort in Schilo etwa in der Mitte des Landes Israel. Nachdem David Jerusalem von den Jebusitern erobert und zur Hauptstadt Israels gemacht hatte, ließ er das Zeltheiligtum dorthin bringen. Später wurde es möglicherweise in zerlegter Form im salomonischen Tempel aufbewahrt; spätestens mit der Zerstörung dieses Tempels ging es verloren.

Aufbau des MischkanBearbeiten

Die Größenangaben sind in der Bibel in Ellen angegeben, deren heutige Entsprechung zwischen 45 cm und 52,5 cm liegen kann. Nach der biblischen Beschreibung war die Stiftshütte 30 Ellen lang, zehn Ellen hoch und zehn Ellen breit. Im Inneren befand sich das Allerheiligste und das Heilige, das zweimal länger als breit war. Die Konstruktion bestand aus Fachwerkrahmen. Er war aus mit Gold überzogenem Akazienholz gemacht. Über diesen Rahmen wurden Leinendecken gehängt, auf die bunte Cherubim gestickt waren. Auf den Leinendecken lagen Decken aus Ziegenhaar, darauf Decken aus rot gefärbten Widderfellen und darauf schließlich Decken aus Seehundfellen (oder Seekuhhäuten bzw. -fellen, oder noch etwas anderes; die genaue Übersetzung des entsprechenden hebräischen Wortes tahasch ist heute nicht mehr bekannt).

Das HeiligeBearbeiten

Am Eingang zum Heiligen (קֹדֶשׁ Kodesh) standen fünf mit Gold überzogene Säulen. Im Heiligen befanden sich der goldene Leuchter, der goldene Altar für das Weihrauchopfer und der goldene Schaubrottisch mit den dazugehörigen Geräten.

Das AllerheiligsteBearbeiten

Das Allerheiligste, Kodesh HaKodashim (קדש הקדשים wörtlich „das Heiligtum der Heiligtümer“), war durch einen Vorhang innerhalb des Heiligtums abgetrennt. Es wurde nur einmal im Jahr zum Jom Kippur vom Hohenpriester betreten. Im Allerheiligsten stand die Bundeslade, die mit einem Deckel versehen war, an dessen Enden sich zwei Cherubim befanden.

VorhofBearbeiten

Die Stiftshütte war von einem Vorhof umgeben, der 100 mal 50 Ellen maß. Der Vorhof war nach außen hin mit einer fünf Ellen hohen Wand aus Leinen umgeben, die an kupfernen Säulen befestigt war. Im Vorhof stand der Brandopferaltar und ein kupfernes Becken, das mit Wasser zum Waschen der Priester gefüllt wurde.

Neutestamentlicher BezugBearbeiten

Die Stiftshütte ist unter der Bezeichnung „Heiligtum“ mehrfach im Hebräerbrief im Neuen Testament angeführt. Gemäß Hebr 8,2 EU dient Jesus als der wahre Hohepriester im Himmel, welcher das wahre Heiligtum Gottes ist. Das von Menschen errichtete Heiligtum ist demnach nur der Abglanz der himmlischen Stiftshütte (Hebr 8,5 EU).

Siehe auchBearbeiten

  • Tabernakel, der Aufbewahrungsort der konsekrierten Hostien in katholischen Kirchen

WeblinkBearbeiten

  Commons: Mischkan – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Pentateuch und Haftaroth mit Kommentar von Dr. Hertz, Verlag Morascha Zürich 1984, Band II, S. 296