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Stephan Protschka

deutscher Politiker

Stephan Protschka (* 8. November 1977 in Dingolfing) ist ein deutscher Politiker (AfD) und Mitglied des 19. Bundestags. Seit Dezember 2017 ist er einer von sechs Beisitzern im AfD-Bundesvorstand.[1]

Inhaltsverzeichnis

LebenBearbeiten

Nach Besuch der Realschule in seiner Heimatstadt machte er eine Lehre als Elektroinstallateur und leistete anschließend seinen Wehrdienst ab. Zuletzt übte er mehrere selbständige Tätigkeiten aus, unter anderem als Vertriebspartner von Kosmetika der Marke Forever Living Products.[2]

PolitikBearbeiten

Stephan Protschka war von 1993 bis 2010 Mitglied der Jungen Union Bayerns. 2013 trat er in die AfD ein. Als Motiv für seinen Eintritt nannte Protschka die Maßnahmen zur Eurorettung der Bundesregierung. Daraufhin habe er die Union verlassen und eine neue politische Heimat gesucht und sei in die AfD eingetreten.[3] Im November 2013 trat er aus gesundheitlichen Gründen als Bezirksvorsitzender der AfD Niederbayern zurück.[4]

2014 schrieb Protschka auf seinem Twitter-Profil, Bundeskanzlerin Angela Merkel plane einen "Deutschen Völkermord".[5] Die EU sei nicht Europa, sondern "das 4.Reich".[6] Später löschte er die Tweets.

Nach der Bundestagswahl 2017 zog er über die Landesliste der AfD Bayern in den Deutschen Bundestag ein. Er ist Ordentliches Mitglied im Bundestagsausschuss für Ernährung und Landwirtschaft sowie stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit. Dort vertritt er als Klimawandelleugner die Meinung, dass menschliches Handeln, wenn überhaupt, nur einen unbedeutenden Einfluss auf das Klima hat.[7]

Bereits im November 2017 wurde bekannt, dass er und weitere AfD-Abgeordnete Mitglieder der Facebook-Gruppe „Die Patrioten“ sind. In dieser Gruppe werden unter anderem Holocaustopfer verunglimpft, aber auch Adolf Hitler und die Wehrmacht glorifiziert. Einer Empfehlung des parlamentarischen Geschäftsführers der AfD-Fraktion im Bundestag, aus dieser Gruppe auszutreten, folgte Protschka bewusst nicht.[8][9]

Zur Bewältigung seiner Mandatsaufgaben und Unterstützung seiner parlamentarischen Arbeit hatte Protschka, wenn auch nur für kurze Zeit, nach Recherchen von Zeit Online, ähnlich wie achtzehn weitere Abgeordnete seiner Fraktion, Mitarbeiter aus dem rechtsextremen Milieu eingestellt: Der fragliche ehemalige Mitarbeiter war Mitglied (mittlerweile wurde er dort ausgeschlossen)[10] der schlagenden Berliner Burschenschaft Gothia, die zum nationalistischen Dachverband Deutsche Burschenschaft gehört und hatte sich außerdem an Aktionen oder Demonstrationen der Identitären beteiligt.[11]

Öffentliche WahrnehmungBearbeiten

Verhalten in sozialen NetzwerkenBearbeiten

Über Stephan Protschkas Twitter-Account wurde am 29. August 2018 ein Foto mit dem Haftbefehl[12] gegen einen mutmaßlichen Haupttäter, welcher an der Tötung eines 35-Jährigen in Chemnitz beteiligt gewesen sein soll, veröffentlicht.[13] Der Tweet wurde kurz darauf wieder gelöscht, die Staatsanwaltschaft Dresden leitete wegen der Veröffentlichung des Dokuments ein Prüfverfahren ein.[14]

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. AfD wählt neuen Bundesvorstand (Pressemeldung 4. Dezember 2017)
  2. Forever Living Products Germany. Abgerufen am 21. Juli 2018.
  3. Kai Biermann, Astrid Geisler, Christina Holzinger, Paul Middelhoff, Karsten Polke-Majewski: AfD-Fraktion: Rechts bis extrem im Bundestag. In: Die Zeit. 26. September 2017, abgerufen am 4. Oktober 2017.
  4. AfD-Bezirksvorsitzender tritt zurück. In: Wochenblatt.de. 13. November 2013, abgerufen am 4. Oktober 2017.
  5. Stephan Protschka: Twitter. In: archive.org. Abgerufen am 3. Februar 2019.
  6. Stephan Protschka: Twitter. In: archive.org. Abgerufen am 3. Februar 2019.
  7. Stephan Protschka. Abgerufen am 21. Juli 2018.
  8. Theresa Martus: AfD-Abgeordnete Mitglieder in rassistischer Facebook-Gruppe. (morgenpost.de [abgerufen am 21. Juli 2018]).
  9. Katja Bauer: Angst vor Schaden für die Partei - AfD-Abgeordnete sollen rassistische Facebook-Gruppe verlassen. 14. November 2017, abgerufen am 21. Juli 2018.
  10. https://www.tagesspiegel.de/berlin/junge-alternative-berlin-afd-jugend-neuer-vorstand-alte-graeben/23832822.html
  11. Kai Biermann, Astrid Geisler, Johannes Radke, Tilman Steffen: AfD-Abgeordnete beschäftigen Rechtsextreme und Verfassungsfeinde. In: Zeit online. 21. März 2018.
  12. Matthias Meisner, Jakob Schulz: Behörden halten von Rechten publizierten Haftbefehl für echt. In: Der Tagesspiegel Online. 29. August 2018, ISSN 1865-2263 (tagesspiegel.de [abgerufen am 29. August 2018]).
  13. Tötungsdelikt in Chemnitz: Gericht erlässt Haftbefehl gegen zwei Tatverdächtige. In: Spiegel Online. 27. August 2018 (spiegel.de [abgerufen am 29. August 2018]).
  14. AfD-Abgeordneter Stephan Protschka teilte Haftbefehl im Internet. Passauer Neue Presse, 5. September 2018, abgerufen am 3. Januar 2019.