Stenotypist ist ein Schreibberuf, der hauptsächlich in Büros ausgeübt wird. Dabei nehmen die meist im Angestelltenstatus Arbeitenden gesprochenen Text (z. B. Geschäftsbriefe oder Diskussionsbeiträge) stenografisch auf und übertragen den Text anschließend in Schriftsätze. Dabei benutzen sie Schreibmaschinen und moderne PC-Systeme mit entsprechenden Textverarbeitungsprogrammen.

Stenotypistin bei der Arbeit an der Schreibmaschine, 1937
Stenotypistin beim Bedienen der Schreibmaschine

Die meisten Stenotypisten waren Stenotypistinnen – dieser Beruf war einer der ersten im Angestelltenstatus, der jungen Frauen nach 1918 offen stand.

ArbeitBearbeiten

Falls erforderlich, rufen sie Textbausteine nach Vorgabe ab und setzen diese zu Standardbriefen zusammen. Sie kontrollieren ihre fertigen Schriftsätze auf Vollständigkeit und Orthografie und leiten sie weiter. Soweit sie am PC arbeiten, speichern sie ihre Arbeit nach den jeweiligen Vorgaben.

Im Englischen bezeichnet das Wort typist eine mit der Maschine schreibende (englisch to type) Person. Der klassische Stenotypist wird dort jedoch shorthand typist genannt.

GeschichteBearbeiten

ZwischenkriegszeitBearbeiten

Die Stenotypistin ist eine Figur, die in zahlreichen literarischen Werken und Filmen der Zwischenkriegszeit dargestellt wird.[1] Das hat einen historischen Hintergrund, denn in Deutschland war die Zahl der weiblichen kaufmännischen Angestellten zwischen 1907 und 1925 um 501 % (auf 276.000) angewachsen.[2] Dieser Beruf stand auch Frauen aus bürgerlichen Familien offen, denn er war einerseits kein 'proletarischer', andererseits "erforderte [er] keine aufwendige Qualifikation".[3] Dabei war die Bezahlung außerordentlich gering, beinahe die Hälfte aller weiblichen Büroangestellten unter 25 Jahren verdienten ein Gehalt, das unter dem Existenzminimum lag – und zwei Drittel aller weiblichen Büroangestellten waren unter 25 Jahre alt.[4]

HeuteBearbeiten

Noch bis vor einigen Jahren galt der Stenotypist / die Stenotypistin als eigenständiger Beruf. Heute handelt es sich in der Regel nur noch um eine Zusatzqualifikation, die meist von Sekretären oder Fachkaufleuten für Büromanagement angestrebt wird. In der Prüfung für Stenotypisten werden je nach prüfender Kammer verschiedene Anforderungen an die Prüflinge gestellt. Meist werden hohe Schreibfertigkeiten in Kurzschrift (ca. 150 Silben pro Minute) und 10-Finger-Schnellschreiben (ca. 210 Anschläge pro Minute) sowie überdurchschnittliche Kenntnisse in der Textverarbeitung (vor allem Formgestaltung) verlangt.

Verschiedene Bildungsträger bieten Kurse zur Vorbereitung auf die Kammerprüfung an.

Die Stenotypistin als Figur in der LiteraturBearbeiten

  • Joe Lederer: Das Mädchen George. Roman. Berlin: Wegweiser Verlag 1928 (Nachdruck Hamburg: Igel Verlag 2008)
  • Paula Schlier: Petras Aufzeichnungen oder Konzept einer Jugend nach dem Diktat der Zeit. Innsbruck: Brenner-Verlag 1926 (Neuauflage Salzburg / Wien: Otto Müller 2018)

Siehe auch: Parlamentsstenografie

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Ute Frevert: Vom Klavier zur Schreibmaschine. Weiblicher Arbeitsmarkt und Rollenzuweisungen am Beispiel der weiblichen Angestellten in der Weimarer Republik. In: Annette Kuhn / Gerhard Schneider (Hrsg.): Frauen in der Geschichte I. Frauenrechte und die gesellschaftliche Arbeit der Frauen im Wandel. 3. Auflage. Schwann, Düsseldorf 1984, S. 82–112, hier 88.
  2. Ute Frevert: Vom Klavier zur Schreibmaschine. S. 108.
  3. Ute Frevert: Vom Klavier zur Schreibmaschine. S. 88.
  4. Ute Frevert: Vom Klavier zur Schreibmaschine. S. 110.