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Steineibengewächse

Familie der Ordnung Araucariales
Steineibengewächse
Schlankes Afrogelbholz (Afrocarpus gracilior)

Schlankes Afrogelbholz (Afrocarpus gracilior)

Systematik
Reich: Pflanzen (Plantae)
Abteilung: Gefäßpflanzen (Tracheophyta)
Unterabteilung: Samenpflanzen (Spermatophytina)
Klasse: Coniferopsida
Ordnung: Koniferen (Coniferales)
Familie: Steineibengewächse
Wissenschaftlicher Name
Podocarpaceae
Endl.

Die Steineibengewächse (Podocarpaceae) sind eine Pflanzenfamilie der Koniferen (Coniferales).

Inhaltsverzeichnis

BeschreibungBearbeiten

 
Illustration eines weiblichen Podocarpus macrophyllus
 
Phyllocladus alpinus mit Phyllokladien
 
Der völlig vom „Epimatium“ umhüllte Samen von Podocarpus elatus und darunter der fleischige Stielbereich, das „Rezeptakulum“.
 
Männliche Blütenstände von Podocarpus macrophyllus

Vegetative MerkmaleBearbeiten

Es sind immergrüne Bäume und Sträucher. Der Stamm ist meist gerade und die Äste sind meist horizontal. Die größte Art der Familie ist Podocarpus totara, deren größtes Exemplar „Pouakani“ genannt wird und bei Mangapehi im King Country, Southern Waikato auf Neuseeland steht. Es weist einen Stammdurchmesser von 388 cm, eine Wuchshöhe von 42,7 m und ein geschätztes Volumen von 203,7 m³ auf. Sehr widersprüchliche Aussagen gibt es zu den ältesten Exemplaren innerhalb der Steineibengewächse. Man spricht bei einigen Arten von 700 bis 800 Jahren; bei einigen auch von bis zu 1200 Jahren. Da einzelne Arten nicht im tropischen Tiefland gedeihen, sondern in kühleren oberen Höhenlagen, werden bei ihnen Jahresringe ausgebildet, die man zählen und zur Altersbestimmung nutzen kann. Etwas Besonderes ist Parasitaxus usta, es ist die einzige bekannte parasitische Art innerhalb der Pinopsida; diese neukaledonische Art lebt parasitisch auf einer anderen Art aus den Podocarpaceae: Falcatifolium taxoides.

Die meist spiralig oder zweizeilig an den Zweigen angeordneten Laubblätter sind selten nadel- oder schuppenförmig wie die bekannteren Taxa der Pinopsida, es ist meist eine deutliche, flache, lanzettliche bis ovale Blattspreite vorhanden. Bei der Gattung Phyllocladus übernehmen statt Blättern Phyllokladien die Aufgabe der Photosynthese, es sind hier blattartig verbreiterte Zweige (Kurztriebe), die am Rande gelappt sind.

Generative MerkmaleBearbeiten

Sie sind einhäusig (monözisch) oder meist zweihäusig (diözisch) getrenntgeschlechtig. Die männlichen Zapfen sehen meist wie Kätzchen aus und enthalten viele Staubblätter. Jedes Staubblatt besitzt zwei Pollensäcke. Die Pollenkörner sind meist geflügelt. Die an dünnen Stielen stehenden, weiblichen Zapfen (homolog mit den Blütenständen der Bedecktsamer) sind meist stark reduziert und bestehen oft nur aus wenigen fleischigen Komplex aus Deck- und Samenschuppen. Bei manchen Arten können sterile Samenschuppen mit der Zapfenachse zu einem fleischigen Stielbereich verwachsen sein.

 
Der Samen von Afrocarpus gracilior ist völlig umhüllt vom „Epimatium“.

Die weiblichen Zapfen reifen meist innerhalb eines Jahres. Oft stehen die ungeflügelten Samen einzeln und sind vollkommen von einem fleischigen Samenmantel umgeben (wie beim Arillus der Eiben, daher der deutsche Name), er entwickelt sich aus dem Deck-Samenschuppen-Komplex und wird „Epimatium“ genannt. Bei wenigen Gattungen (Saxegothea) gibt es kleine Zapfen mit wenigen (zwei bis 20) Samen. Es werden zwei Keimblätter (Kotyledonen) gebildet, die je zwei parallele Leitbündel aufweisen.

Verbreitung und EntwicklungsgeschichteBearbeiten

Fossilien von Podocarpaceae sind bekannt aus der Frühen Mittlern Trias, auch Wurzelfossilien kennt man aus der Trias.[1]

 
Dacrydium cupressinum, „Rimu trees“ genannt, im Habitat in Karapoti Gorge, Neuseeland.

Die Familie hat ihre Verbreitung hauptsächlich in tropischen und subtropischen Gebirgswäldern der Südhalbkugel. Ihr disjunktes Areal deckt sich weitgehend mit dem erdgeschichtlichen Kontinent Gondwana. Die Zentren der Artenvielfalt liegen in Australien, Neukaledonien, Tasmanien und Neuseeland. Daneben gibt es Arten in Malesien und Südamerika. Die südamerikanischen Arten kommen hauptsächlich in den Anden vor. Einige Gattungen reichen auch nördlich des Äquators bis nach Südostasien oder auf die Philippinen. Die Areale der Gattung der Steineiben (Podocarpus) reichen bis zum südlichen Japan und südlichen China innerhalb Asiens oder bis Mexiko innerhalb der Neuen Welt, und Nageia gibt es auch bis ins südliche China und südliche Indien. Zwei Gattungen gibt es auch in Afrika, die weitverbreiteten Steineiben (Podocarpus) und die Endemiten Afrogelbhölzer (Afrocarpus). Zwei Arten gibt es auf Kuba.

SystematikBearbeiten

Die Familie Podocarpaceae wurde 1847 durch Stephan Ladislaus Endlicher in Synopsis Coniferarum, S. 203 aufgestellt. Typusgattung ist Podocarpus L'Hér. ex Pers.[2] Der botanische Gattungsname Podocarpus setzt sich aus den griechischen Wörtern pous, podós für Fuß und karpós für Frucht zusammen, also „Fußfrucht“ und bezieht sich auf das samentragende „Rezeptakulum“ der reifen vom „Epimatium“ umgebenen Samen von Podocarpus-Arten. Synonyme für Podocarpaceae Endl. nom. cons. sind: Phyllocladaceae Bessey, Phyllocladaceae E.L.Core ex H.Keng, Pherosphaeraceae Nakai, Acmopylaceae Melikian & A.V.Bobrov, Saxegothaeaceae Gaussen ex Doweld & Reveal, Microcachrydaceae Doweld & Reveal, Bracteocarpaceae Melikian & A.V.Bobrov, Dacrycarpaceae Melikian & A.V.Bobrov, Falcatifoliaceae Melikian & A.V.Bobrov, Halocarpaceae Melikian & A.V.Bobrov, Lepidothamnaceae Melikian & A.V.Bobrov, Microstrobaceae Doweld & Reveal, Parasitaxaceae Melikian & A.V.Bobrov, Prumnopityaceae Melikian & A.V.Bobrov.[3][4]

 
Männliche Blütenstände von Prumnopitys taxifolia

Zur Familie der Steineibengewächse (Podocarpaceae) gehören 18[5] bis 19[6] Gattungen mit 170 bis 200 Arten:

Hier ist auch die Gattung Phyllocladus bei den Podocarpaceae enthalten,[3] nach molekularbiologischen Untersuchungen gehört sie hier hin, manche Botaniker sahen sie als eigene Familie Phyllocladaceae an. Die Abweichung zu anderen Gattungen sind hauptsächlich die Photosyntheseorgane: die eigentlichen Blätter sind zu Schuppen reduziert, stattdessen haben sie Phyllokladien.

NutzungBearbeiten

Wenige Arten werden als Zierpflanzen verwendet; in tropischen und subtropischen Gebieten in Parks und Gärten, wenige Arten weltweit als Zimmerpflanzen.

Einige Arten wurden zur Holzgewinnung genutzt, besser gesagt übernutzt, so dass ihre Bestände gefährdet sind. Viele Arten sind bedroht.[7] Das Hartholz von Dacrydium cupressinum ist besonders schön und es werden daraus beispielsweise Furniere hergestellt. Lepidothamnus intermedius liefert Holz für den Bootsbau. Das Holz von Nageia nagi wird vielseitig verwendet. Von Phyllocladus-Arten, Prumnopitys-Arten und vielen Podocarpus-Arten wird das Holz genutzt.[8]

Das „Rezeptakulum“ und/oder „Epimatium“ von einigen Dacrydium-Arten, Podocarpus-Arten, Prumnopitys-Arten und Microcachrys tetragona wird roh oder gegart gegessen. Das Harz einiger Dacrydium-Arten wird zu Kaugummi oder bierartigen Getränken verarbeitet. Von Prumnopitys taxifolia wird aus dem Milchsaft ein bierartiges Getränk hergestellt. Von Nageia nagi werden die Blätter gegart gegessen und aus den Samen ein Öl sowohl als Nahrung als auch für die Industrie gewonnen. Die Borke von Dacrydium cupressinum enthält Tannin. Aus Phyllocladus-Arten werden Farbstoffe hergestellt.[8]

QuellenBearbeiten

  • Christopher J. Earle: Podocarpaceae. In: The Gymnosperm Database. 28. Februar 2019, abgerufen am 2. Mai 2019 (englisch).

LiteraturBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Podocarpaceae bei der APWebsite.
  2. Podocarpaceae bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. Louis, abgerufen am 4. April 2015.
  3. a b Maarten J. M. Christenhusz, James L. Reveal, Aljos Farjon, Martin F. Gardner, Robert R. Mill, Mark W. Chase: A new classification and linear sequence of extant gymnosperms. In: Phytotaxa, Volume 19, 2011, S. 55–70. Volltext-PDF.
  4. Podocarpaceae im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland.
  5. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v Christopher J. Earle: Podocarpaceae. In: The Gymnosperm Database. 28. Februar 2019, abgerufen am 2. Mai 2019 (englisch).
  6. Patrick Knopf, Christian Schulz, Damon P. Little, Thomas Stützel, and Dennis W. Stevenson: Relationships within Podocarpaceae based on DNA sequence, anatomical, morphological, and biogeographical data. In: Cladistics, Volume 28, Issue 3, November 2011, S. 271–299. doi:10.1111/j.1096-0031.2011.00381.x
  7. Suche nach „Podocarpaceae“ in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN. Abgerufen am 10. November 2009.
  8. a b Einträge zu Podocarpaceae bei Plants For A Future

WeblinksBearbeiten

  Commons: Steineibengewächse (Podocarpaceae) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Carmen Ulloa Ulloa, P. M. Jørgensen: Podocarpaceae. In: Arboles y arbustos de los Andes del Ecuador. 2004, abgerufen am 21. Oktober 2011 (spanisch).
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