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Kieler Stadtkloster (2014)

Das Kieler Stadtkloster entstand aus vier mittelalterlichen Hospitälern in Kiel, die 1821 zusammengelegt wurden.

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

Die Grafen Johann I. und Gerhard I. von Holstein, Söhne des Kieler Stadtgründers Graf Adolf IV., stifteten ein Hospital, das ab etwa 1260 den Namen „Heiligen-Geist-Hospital“ erhielt. Es folgte den gleichen Regeln wie das Lübecker Heiligen-Geist-Hospital. Im Hospital fanden Reisende eine Unterkunft, zudem konnten arme, alte und schwache Menschen dort dauerhaft wohnen. Bürger und Landesherren bedachten das Hospital mit Schenkungen von Ländereien und Dörfern, aus deren Erträgen die Bedürftigen der Stadt versorgt werden sollten. Nach der Reformation wurde das Hospital zu einem reinen Alters- und Krankenheim. Es hatte im Lauf der Zeit verschiedene Standorte innerhalb der Kieler Altstadt.

Außer dem Heiligen-Geist-Kloster gab es das St. Jürgenskloster am Sophienblatt (seit dem 14. Jh. belegt), das Neugasthauskloster, gegründet 1452 vom Kieler Bürgermeister Henning von der Camer und dessen Ehefrau Beecke in einem Haus in der Holstenstraße, sowie das St. Annen- und Erasmikloster am Schuhmachertor (belegt seit 1600, aber wohl deutlich älter).

Die Verwaltung der Hospitäler lag beim Rat der Stadt, der für ihre Versorgung gezielt Dörfer in der Umgebung erwarb, die „Stadtdörfer“. Allerdings zweigten die Ratsmitglieder offenbar häufig die Erträge für den eigenen Bedarf ab. Das führte ab 1553 zu einem Konflikt mit Herzog Adolf, der vom Rat Rechenschaft über die Einkünfte aus den Stiftungen verlangte. Letztendlich pachtete der Herzog die Dörfer vom Rat und zahlte jährlich zum Kieler Umschlag eine feste Geldsumme für den Unterhalt der Hospitäler. Mit dem Permutationskontrakt von 1667 wurde ein Teil der Stadtdörfer schließlich fürstliches Eigentum, wobei die Fortzahlung der Gelder zugesagt wurde.

Zusammenlegung im SophienblattBearbeiten

Bereits im 17. und 18. Jahrhundert gab es Bestrebungen, die vier Hospitäler zusammenzulegen. Ermöglicht wurde das schließlich ab 1808 durch das Testament der Henriette Friederica von Ellendsheim. 1821/22 entstand am Sophienblatt, auf dem Grund des St. Jürgens-Klosters, ein Neubau mit Stuben für 48 Präbendisten sowie Wohnungen für zwei Vorsteher. In einem Nebengebäude war ein Siechenhaus (Pflegeheim) mit vier kleinen Wohnungen untergebracht. Zum Kloster gehörten die St.-Jürgens-Kapelle und der St.-Jürgens-Friedhof. Wegen des großen Bedarfs wurde das Stadtkloster 1865 von Stadtbaumeister Gustav Ludolf Martens um ein Stockwerk und einen Turm erweitert, so dass es weitere 52 Personen aufnehmen konnte.

Neubau HarmsstraßeBearbeiten

Als in unmittelbarer Nachbarschaft des Stadtklosters 1895 der neue Kieler Hauptbahnhof entstehen sollte, entschied sich der Stadtkloster-Vorstand für eine Verlegung. Als neuer Standort wurde ein Grundstück in der Harmsstraße zwischen Schützenwall und Zastrowstraße gegenüber der Käthe-Kollwitz-Schule erworben. Für den 1909 eingeweihten Neubau war der Kieler Architekt Johann Theede verantwortlich. Der Garten wurde vom städtischen Garteninspektor Ferdinand Hurtzig angelegt. Das neue Stadtkloster bot 166 Appartements für Präbendisten, dazu Kranken- und Pflegestation, Wohnungen für Krankenschwestern, Priorinnen und Hausverwalter sowie eine Kapelle. Ein Turmaufsatz mit Uhr wurde vom Martens-Bau übernommen und im Zweiten Weltkrieg zerstört.[1]

Die Glocke der St. Jürgenskirche (1904–1954) mit Inschrift von 1530 wurde bei deren Abbruch hierher gebracht.

An diesem Standort und in diesem Gebäude befindet sich noch heute der Hauptsitz der Stiftung Kieler Stadtkloster.

Weitere GebäudeBearbeiten

Hinzugekommen sind das Kurt-Engert-Haus, das Lisa-Hansen-Haus, das Andreas-Gayk-Haus, das Prof.-Weber-Haus, das Friederica-von Ellendsheim-Haus, das Haus Schwentineblick und das Prof.von Esmarch-Haus.

Heutige NutzungBearbeiten

Heute betreibt das Stadtkloster in Kiel mehrere Seniorenwohnheime und einen ambulanten Pflegedienst. Das Gebäude am Kieler Südfriedhof steht unter Denkmalschutz.

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Dietrich Metelmann: Das Kieler Stadtkloster. Gedenkschrift zur Einweihung seines Neubaues am zwanzigsten Oktober 1909. Kiel, Handorf 1909.
  • Doris Tillmann, Johannes Rosenplänter (Hrsg.): Kiel Lexikon. Wachholtz, Neumünster 2010, ISBN 978-3-529-02556-3.
  • Friedrich Volbehr: Zur Geschichte der ehemaligen Kieler Stadtdörfer. Kiel, Schmidt & Klaunig 1879. (Mitteilungen der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte 2)

WeblinksBearbeiten

  Commons: Stadtkloster Kiel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Hedwig Sievert, Kiel Einst und Jetzt — Vom Kanal bis zur Schwentine, G. Mühlau Verlag Kiel, 1964, Bild 62/63a

Koordinaten: 54° 19′ 11″ N, 10° 7′ 2,9″ O