Stadthaus (Krefeld)

Das Stadthaus ist ein denkmalgeschütztes Bürogebäude in Krefeld-Kempener Feld. Der aus zehn Gebäudeteilen bestehende Komplex wurde 1953–1956 von Egon Eiermann errichtet und ist ein bedeutendes Werk der deutschen Nachkriegsarchitektur.

Das Stadthaus ist ein denkmalgeschütztes Bürogebäude in der nordrhein-westfälischen Stadt Krefeld. Es steht am Konrad-Adenauer-Platz im Stadtteil Kempener Feld, nordwestlich der nahegelegenen Innenstadt. Der aus zehn Gebäudeteilen bestehende Komplex wurde in den 1950er Jahren von Egon Eiermann in zwei Bauabschnitten errichtet. Besonders markant sind dabei der südliche dreigeschossige Flachbau sowie das Hochhaus. Das Stadthaus gilt als überregional bedeutendes Werk der deutschen Nachkriegsarchitektur.

Stadthaus
Nutzung Städtisches Verwaltungsgebäude
Lage
Stadt Krefeld
Anschrift Konrad-Adenauer-Platz 17 / Girmesgath 120
47803 Krefeld
51° 20′ 24,6″ N, 6° 32′ 42,7″ OKoordinaten: 51° 20′ 24,6″ N, 6° 32′ 42,7″ O
Bauliche Daten
Architekt Egon Eiermann
Baujahr 1953–1956
Baustil Moderne
Denkmalschutz Ja
Eingang des Flachbaus mit dem markanten Vordach

Ursprünglich als Verwaltungs- und Lagergebäude für das Seidenweberei-Unternehmen VerSeidAG erbaut, beherbergt es heute mehrere Abteilungen der Stadt Krefeld. Das Stadthaus ist mittlerweile stark sanierungsbedürftig und teilweise nicht mehr nutzbar. Eine Modernisierung wurde beschlossen, jedoch noch nicht begonnen.

GeschichteBearbeiten

Das Stadthaus wurde ursprünglich als Verwaltungs- und Lagergebäude für die Vereinigte Seidenweberei Aktiengellschaft, kurz VerSeidAG, errichtet. Diese gründete sich 1920, nachdem sich verschiedene Krefelder Textilbetriebe durch den Ersten Weltkrieg in wirtschaftlichen Schwierigkeiten befanden. Zuvor war die Seidenstoffproduktion insbesondere im 19. Jahrhundert der wichtigste Wirtschaftsfaktor Krefelds, die auch unter dem Titel „Samt- und Seidenstadt“ bekannt ist. Die Leitung der VerSeidAG übernahmen die Industriellen Hermann Lange und Josef Esters. Sie ließen den Firmensitz zwischen 1931 und 1939 von dem berühmten Architekten Ludwig Mies van der Rohe im Bauhausstil wenige hundert Meter nördlich des Stadthauses am Girmesgath (zuvor Johannes-Blum-Straße) erbauen. Der heute architektonisch bedeutende Gebäudekomplex wurde im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt und erst in den 1960er Jahren wieder aufgebaut.[1]

Das neue Verwaltungsgebäude wurde im Norden des Konrad-Adenauer-Platzes (zuvor Bissingplatz) und östlich am Girmesgath errichtet. Im Südosten und Südwesten grenzt die ehemalige Husarenkaserne an das Bauwerk. An dieser Stelle war bereits parallel zum Bau des VerSeidAG-Firmensitzes zwischen 1937 und 1938 von Ludwig Mies van der Rohe ein Verwaltungsgebäude für die VerSeidAG geplant. Dieses Projekt wurde jedoch nicht realisiert.[2] Den Entwurf für das neue Verwaltungsgebäude legte Egon Eiermann vor, einer der bedeutendsten Architekten der deutschen Nachkriegszeit. Die Planungsphase begann bereits um 1950/1951. Es ist ein zehnteiliger Gebäudekomplex, der in zwei Bauabschnitten ausgeführt wurde. Von 1953 bis 1954 wurde mit dem Flachbau der südlichste Gebäudeteil des Komplexes errichtet, in den beiden darauffolgenden Jahren wurde das Hochhaus erbaut. Diese beiden Bauten sind die zentralen und markanten Teile des heutigen Stadthauses. 1970 geriet die VerSeidAG in wirtschaftliche Schwierigkeiten und verließ bis 1977 das Bauwerk. Es wurde von der Stadt Krefeld erworben und bis 1982 in ein städtisches Verwaltungsgebäude umgebaut.[3][4]

Das Stadthaus wurde in den 2000er Jahren unter der Nummer 836 als Baudenkmal in die Denkmalliste der Stadt Krefeld eingetragen.[5] Zum Umfang des Denkmals gehören mit dem Flachbau, dem Glasgang, dem Treppenturm, dem Hochhaus sowie der Rampe die fünf südlichsten zusammenhängenden Gebäudeteile.[3] In der Begründung wurde die überregionale baugeschichtliche Bedeutung des Eiermann-Baus hervorgehoben. Die Fortführung der modernen Architektur nach dem Zweiten Weltkrieg, die in Form des Neuen Bauens bereits in den 1920er und 1930er Jahren in Krefeld mehrfach eindrucksvoll umgesetzt wurde, ist bemerkenswert.[6]

Mangels grundlegender Renovierungen ist das Gebäude mittlerweile sanierungsbedürftig, sodass auch ein Abriss diskutiert wurde. Der Stadtrat entschied sich 2011 aus Kostengründen für den Erhalt des Stadthauses als städtisches Bürogebäude.[6] Wegen technischer Probleme mussten 2014 der Hochbau komplett und der Flachbau teilweise freigezogen werden. Daneben sind die Substanz der Gebäudehülle, der Fenster und der Innenausbau sowie der gesamte Brandschutz mangelhaft. Planungen für eine zeitgemäße, dem Denkmalschutz entsprechende Instandsetzung des Gebäudekomplexes legte die Stadt Krefeld bis 2016 vor. Sie plante für die Grundsanierung Kosten in Höhe von 63,15 Millionen Euro ein.[3] Bis heute hat sich der Beginn der Arbeiten immer wieder verzögert. Zuletzt wurde 2018 ein Konflikt zwischen der Stadt Krefeld, die das Gebäude in größerem Maße originalgetreu sanieren will, und dem LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland bekannt, das die Originalsubstanz erhalten möchte und dem entsprechende Unterlagen der Stadt fehlen. Durch diesen Konflikt wird der zwischenzeitlich für 2019 veranschlagte Beginn der Baumaßnahmen gefährdet.[7][8]

BeschreibungBearbeiten

 
Fassadendetail des Flachbaus mit den hölzernen, ausstellbaren Rollladen
 
Stadtarchiv Krefeld, nördlicher Abschluss des Stadthauses

Das Gebäudeensemble des Stadthauses besteht aus zehn Gebäudeteilen. Insgesamt verfügt es über ca. 24.000 m² Brutto-Grundfläche und Arbeitsfläche für rund 700 Arbeitskräfte. Dem Konrad-Adenauer-Platz zugewandt ist der dreigeschossige, 125 Meter breite Flachbau mit seinem markanten Vordach. Es hat 376 Fenster in Stahlfassung, die sich allesamt im Originalzustand befinden und sanierungsbedürftig sind. Zu ihnen gehören die auffälligen hölzernen, ausstellbaren Rollladen. Nördlich an den Flachbau ist ein gläserner Verbindungsgang angebaut, der zum Treppenturm des acht- beziehungsweise mit den Dachaufbauten neungeschossigen Hochhauses führt. Das Hochhaus hat ebenfalls rund 400 Fenster. Im Nordosten ist die eingeschossige sogenannte Rampe, auch Botenmeisterei, angebaut. Diese Bauten bilden den denkmalgeschützten Teil des Stadthauses.[3][4][7][9]

An die Rampe schließen sich ein Verbindungsgang und das Gebäude der Technischen Dienste an. Diese sollen im Zuge der Modernisierung abgerissen und durch einen parallel im Osten anschließenden Neubau, das Technik- und Dienstleistungszentrum, ersetzt werden. Nördlich an die Technischen Dienste schließt das Stadtarchiv der Stadt Krefeld an. Des Weiteren gibt es zwei freistehende Bauwerke: Nördlich der Rampe befindet sich ein Mülltonnenbunker, östlich des Flachbaus eine Fahrradhalle. Diese beiden Teile sind als denkmalwürdig eingestuft worden, aber nicht Teil des Baudenkmals.[3]

Viele Bestandteile der Gebäude sind bis heute im Originalzustand erhalten. Neben den Fenstern gehören hierzu die Bodenbeläge, die Treppengeländer, die rund 300 Türen sowie die verglasten Aufzugsanlagen.[7]

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Stadthaus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Denise Hesselmann, Henning Bleul: Die VerSeidAG in Krefeld. Rheinische Industriekultur e. V., 2009, abgerufen am 28. Juli 2018.
  2. Verwaltungsgebäude der Verseidag AG, Krefeld. In: archINFORM; abgerufen am 29. Juli 2018.
  3. a b c d e Modernisierung des Stadthauses. (PDF) Stadt Krefeld, 29. September 2016, abgerufen am 29. Juli 2018.
  4. a b Sebastian Peters: Faszination Stadthaus. Rheinische Post, 14. Juli 2011, abgerufen am 29. Juli 2018.
  5. Denkmalliste der Stadt Krefeld. (PDF) Stadt Krefeld, Mai 2018, S. 21, abgerufen am 29. Juli 2018.
  6. a b Bleibt Eiermann? Krefeld will Stadthaus erhalten. BauNetz, 10. November 2011, abgerufen am 29. Juli 2018.
  7. a b c Stadthaus in Krefeld: Das Kreuz mit dem Denkmalschutz. WDR, Lokalzeit aus Düsseldorf, 9. Mai 2018, abgerufen am 29. Juli 2018.
  8. Jens Voss: Fronten im Stadthaus-Streit verhärtet. Rheinische Post, 3. Juli 2018, abgerufen am 29. Juli 2018.
  9. Jens Voss: „Reißleine“ – Sanierung des Stadthauses vor dem Aus. Rheinische Post, 1. Mai 2018, abgerufen am 29. Juli 2018.