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St. Sophien (Hamburg-Barmbek)

Kirchengebäude in Hamburg
Portal von St. Sophien (Ansicht von Westen)
Lageplan mit Kirche, Kloster, Sophienschule, Turnhalle und Kindergarten (im Uhrzeigersinn)
Südfassade

St. Sophien ist eine römisch-katholische Pfarrkirche in Hamburg-Barmbek-Süd. Die 1900 eröffnete Kirche wurde vom Reeder Wilhelm Anton Riedemann gestiftet. Die Namensgebung geht möglicherweise auf den gemeinsamen Vornamen „Sophie“ von Riedemanns Frau und deren Tochter zurück; offiziell ist die Kirche der Sophia von Rom geweiht. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz.[1]

Inhaltsverzeichnis

ArchitekturBearbeiten

Das Gebäude ist eine dreischiffige Hallenkirche aus Backstein in neogotischem Stil nach einem Entwurf von Heinrich Beumer. Es ist 46 Meter lang und 22 Meter breit. Der Innenraum ist 14,50 Meter hoch, der Turm 32 Meter. Dieser trug bis zu seiner Zerstörung 1943 einen 21 Meter hohen Helm, so dass seine ursprüngliche Höhe 53 Meter betrug.[2]

Heinrich Beumer, der zum Zeitpunkt des Baus Diözesan-Architekt in Münster war, zitierte mit seinem Entwurf gotische Hallenkirchen aus seiner westfälischen Heimat.[3] Als direktes Vorbild soll ihm die Kirche von Saerbeck gedient haben. Der Architekturführer Hamburg stellt den Bau in eine Reihe mit dem wenige Jahre zuvor entstandenen Mariendom und nennt als Baumerkmale einen „konservativen Grundriss“ und „konventionellen Umgang mit stilistischen Anleihen“.[3]

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche während der Operation Gomorrha Ende Juli 1943 durch Bomben beschädigt und büßte dadurch den Turmhelm sowie Teile der Innenausstattung ein. Mit dem Wiederaufbau ab 1951 durch den Architekten Ernst Kammerhuber erhielt der Kirchturm ein Flachdach[3] und erinnert seit dieser Zeit an Kirchen der englischen Gotik.

InnenausstattungBearbeiten

 
Statue der Katharina von Siena

Am Ende des Chorraumes befindet sich ein den optischen Eindruck des Innenraumes beherrschender Hochaltar. Die wesentlichen Teile des Altares stehen seit 1901 in der Kirche; nur die Statue des Auferstandenen Jesus Christus im oberen Teil stammt von 1987. Der Mittelteil des Altares zeigt zwei reich gestaltete Darstellungen der Hochzeit zu Kana und der Brotvermehrung. Vor dem Hochaltar steht ein Zelebrationsaltar von 1992.

Kanzel und Chorgestühl gehörten zur Grundausstattung der Kirche und sind im gleichen reichhaltig verzierten neugotischen Stil wie der Hochaltar gehalten. Das Chorgestühl wurde bei der Stiftung der Kirche vom zuständigen Bistum kritisch betrachtet, da es „für eine Diasporakirche zu reich“ wirkte. Als Geschenk des Kirchenstifters konnte es dennoch aufgestellt werden.[4]

Alle Kirchenfenster stammen aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Nur drei Fenster im Chorraum wurden mit Bildern versehen. Das mittlere Fenster zeigt eine Szene mit Maria und Johannes unter dem gekreuzigten Christus, im linken Fenster ist Ansgar als Apostel des Nordens dargestellt, das rechte Fenster ist der Schutzpatronin der Kirche, der heiligen Sophia, gewidmet.

An den Säulen des Mittelschiffs sind sechs 1,85 Meter große Statuen angebracht, die jeweils Bezüge zum Kirchengebäude haben. Im vorderen Teil zwischen Altarraum und Kanzel befinden sich eine Herz Jesu- und eine Mutter Gottes-Statue. Die vier weiteren Statuen zeigen zwei für die heutige Zeit bedeutend angesehene Frauen, Katharina von Siena und Therese von Lisieux sowie den Ordensstifter Dominikus und Albertus Magnus als weiteren bekannten Dominikaner.

Insgesamt besitzt die Kirche drei Seitenaltäre. In der linken Seitenkapelle, die auch als Taufkapelle dient, steht ein neugotischer Herz-Jesu-Altar aus der Zeit um 1908, der aus der Kirche des aufgelösten Dominikanerklosters in Warburg stammt. Er wird durch ein Taufbecken und einen Osterleuchter ergänzt. Der heute im linken Seitenschiff stehende Mater-Dolorosa-Altar befand sich bis 1968 in der rechten Seitenkapelle. Er ist ein Werk des Württemberger Künstlers Alfons Dörr von 1922. Über die Entstehung des im rechten Seitenschiff stehenden Altars des Antonius von Padua ist nichts bekannt.

Das Erscheinungsbild des Altarraums wurde seit 1900 mehrfach grundlegend geändert. Ursprünglich war er mit einem prunkvollen Hochaltar ausgestattet und durch Kommunionbänke vom Kirchenschiff getrennt. Diese Trennung bestand auch nach dem Wiederaufbau in den Fünfziger Jahren weiter, wenn auch in abgemilderter Form. 1968 renovierte man die Kirche im Sinne der Vorstellungen des Zweiten Vatikanischen Konzils, verzichtete dabei auf den Hochaltar und schuf an den Wänden eine durchgehende Sitzbank, die den Zelebrationsaltar als Mittelpunkt umgab. Wie bei vielen anderen katholischen Kirchen wurde die Gemeinde mit dieser Neugestaltung jedoch nie glücklich und kehrte Ende der Neunziger Jahre wieder zu der heute noch bestehenden Variante mit einem Hochaltar zurück.

GlockenBearbeiten

Seit der Einweihung besitzt die Kirche eine Turmuhr und ein Geläut mit insgesamt vier Glocken. Im Ersten Weltkrieg und Zweiten Weltkrieg mussten Glocken für Rüstungszwecke abgegeben werden. Zwei Glocken fanden sich auf dem Hamburger Glockenfriedhof wieder; sie hängen seit 1960 zusammen mit zwei neuen Glocken wieder im Turm von St. Sophien.

OrgelnBearbeiten

Instrumente 1911–1990Bearbeiten

Von 1911 bis 1943 befand sich in der Kirche eine Orgel von Paul Rother (Hamburg-Eimsbüttel). Nach dem Wiederaufbau baute Emanuel Kemper (Lübeck) 1957 ein neues Instrument mit 36 Registern auf drei Manualen und Pedal (elektropneumatische Taschenladen), das 1990 vor Beginn der Kirchenrenovierung abgetragen wurde. Diese Orgel wurde im Mai 1959 für Rundfunkaufnahmen des NDR mit der französischen Organistin Jeanne Demessieux verwendet.[5] Die Disposition:[6]

I. Hauptwerk C–g3
1. Pommer 16′
2. Principal 8′
3. Spillpfeife 8′
4. Oktave 4′
5. Gedackt 4′
6. Nasat 223
7. Oktave 2′
8. Mixtur IV-VI
9. Spanische Trompete 8′
II. Rückpositiv C–g3
10. Gedeckt 8′
11. Rohrflöte 8′
12. Lochflöte 4′
13. Waldflöte 2′
14. Sifflöte 1′
15. Sesquialtera II
16. Scharff IV
17. Krummhorn 8′
Tremulant
III. Oberwerk C–g3
18. Strichflöte 8′
19. Quintatön 8′
20. Grobflöte 8′
21. Rohrflöte 4′
22. Nachthorn 2′
23. Terzflöte 135
24. Quinte 113
25. Cornett IV-VI
26. Scharff IV 8′
27. Oboe 8′
28. Schalmey 4′
Tremulant
Pedal C–f1
29. Subbaß 16′
30. Oktavbaß 8′
31. Gedacktbaß 8′
32. Quintatön 4′
33. Nachthorn 2′
34. Rauschpfeife V
35. Posaune 16′
36. Trompete 8′
  • Koppeln: II/I, III/I, III/II, I/P, II/P, III/P.

Siegfried-Sauer-Orgel (1998)Bearbeiten

1998 wurde eine neue Orgel von Siegfried Sauer (Höxter) mit 72 Registern (4934 Pfeifen) auf vier Manualen und Pedal eingeweiht.[7] Das Instrument hat Schleifladen mit mechanischer Spiel- und elektrischer Registertraktur. Es ist die zweitgrößte Orgel Hamburgs und die größte Orgel im Erzbistum Hamburg. Im Mai 2019 werden im Rahmen einer Teilsanierung die 17 Zungenregister durch die Erbauerfirma Sauer aufgrund von starker Oxidation saniert. Eine umfassende Generalsanierung der Orgel ist langfristig geplant.[8] Die Disposition:[9]

I. Rückpositiv C–a3
1. Praestant 8′
2. Holzgedackt 8′
3. Quintade 8′
4. Salicional 8′ (ab c0)
5. Prinzipal 4′
6. Koppelflöte 4′
7. Sesquialtera II 223
8. Oktave 2′
9. Blockflöte 2′
10. Quinte 113
11. Scharff IV 1′
12. Dulzian 16′
13. Trompette 8′
14. Krummhorn 8′
Tremulant
II. Hauptwerk C–a3
15. Prinzipal 16′
16. Prinzipal 8′
17. Holzflöte 8′
18. Viola da Gamba 8′
19. Biffaria 8′
20. Oktave 4′
21. Spitzflöte 4′
22. Quinte 223
23. Oktave 2′
24. Cornett V 8′ (ab c0)
25. Mixtur V–VI 2′
26. Kleinmixtur III 23
27. Bombarde 16′
28. Trompete 8′
29. Clarine brilliant 4′
Tremulant
III. Schwellwerk C–a3
30. Rohrbordun 16′
31. Geigenprinzipal 8′
32. Flûte harmonique 8′
33. Bleigedeckt 8′
34. Gamba 8′
35. Vox coelestis 8′ (ab c0)
36. Prinzipal 4′
37. Traversflöte 4′
38. Violine 4′
39. Rohrnasat 223
40. Oktavin 2′
41. Terz 135
42. Septime 117
43. Sifflet 1′
44. Harmonia aetherea III 223
45. Fourniture V 223
46. Basson 16′
47. Trompette harmonique 8′
48. Hautbois 8′
49. Vox humana 8′
50. Clairon 4′
Tremulant
IV. Solowerk C–a3
51. Rohrflöte 8′
52. Offenflöte 4′
53. Nasat 223
54. Waldflöte 2′
55. Terz 135
56. Tuba 8′
57. Clarinette 8′ (durchschlagend)
Tremulant
Pedal C–g1
58. Untersatz 32′
59. Prinzipal 16′
60. Violon 16′
61. Subbass 16′
62. Oktavbass 8′
63. Gedacktpommer 8′
64. Cello 8′
65. Choralbass 4′
66. Spillpfeife 4′
67. Nachthorn 2′
68. Hintersatz IV 223
69. Contrafagott 32′
70. Posaune 16′
71. Holztrompete 8′
72. Zink 4′
  • Koppeln: III/I, IV/I, I/II, III/II, IV/II, IV/III, I/P, II/P, III/P, IV/P.
  • Spielhilfen: 256 Setzerkombinationen, RemoCard.

KirchenmusikBearbeiten

Seit der Einweihung der Orgel im März 1998 finden mit Unterstützung des Fördervereins Kirchenmusik e. V. regelmäßig Orgelkonzerte mit Gastorganisten aus dem In- und Ausland statt.[10]

In St. Sophien gibt es einen Kammerchor, Konzertchor und Kinderchor. Im September 2012 wurde in St. Sophien anlässlich des bevorstehenden 800-jährigen Jubiläums des Dominikanerordens 2016 eine CD mit Orgelimprovisationen von Thierry Mechler und gregorianischen Gesängen einer aus sechs Dominikanern bestehenden Schola unter Leitung von P. Thomas Möller OP (Worms) aufgenommen.

Bedeutende PersonenBearbeiten

Riedemanns Ehefrau hieß Sophie von Riedemann, geborene Bödiker. Seine einzige Tochter, die 1893 mit 19 Jahren verstarb, trug den gleichen Namen. Auf sie dürfte die Namensgebung der Kirche zurückgehen.[11] Im Andenken an seine Tochter ließ Riedemann 1905 nach einem Entwurf von Martin Haller auf dem Ohlsdorfer Friedhof ein Mausoleum errichten.

Der 1943 als Widerstandskämpfer hingerichtete Johannes Prassek wuchs in Barmbek auf und wurde 1912 in St. Sophien getauft. Dort besuchte er ab 1918 die Sophienschule, empfing 1921 die Erstkommunion und wurde Ministrant.[12] Prassek wurde als Angehöriger der „Lübecker Märtyrer“ 2011 seliggesprochen.

Angegliedertes KlosterBearbeiten

Auf dem Gelände an der Ecke Weidestraße/Elsastraße befindet sich das Dominikaner-Kloster St. Johannis und eine nach dem Krieg neu erbaute katholische Grundschule. Das Kloster ist baulich mit dem Chor der Kirche verbunden. Der polygonale, ringförmige Bau mit seinen Backsteinfassaden und brutalistisch beeinflussten Traufkanten, der traditionelle und moderne Architektur verbindet, wurde 1965 bis 1966 nach Entwürfen der Architekten Rau, Bunsmann und Scharf erbaut. Das Kloster wurde 1966 durch Bischof Johannes von Rudloff eingeweiht und den ersten sechs Dominikanern übergeben.[13]

Fotografien und KarteBearbeiten

Koordinaten: 53° 34′ 46,7″ N, 10° 2′ 5,3″ O

 
St. Sophien Barmbek
Hamburg

LiteraturBearbeiten

  • Günter Dörnte: Katholische Schulen in Hamburg 1832 bis 1939. Universität Hamburg, Hamburg 1984.
  • Donate Reimer u. a.: 100 Jahre St. Sophien, Hamburg-Barmbek : Festschrift; 1900–2000. Katholische Kirchengemeinde St. Sophien, Hamburg 2000.
  • Matthias Gretzschel: Hamburgs Kirchen: Geschichte, Architektur, Angebote. Axel Springer Verlag, Hamburg 2013, ISBN 978-3-86370-116-1, S. 128–133.
  • Friedhelm Grundmann, Thomas Helms: Wenn Steine predigen. Medien Verlag Schubert, Hamburg 1993, ISBN 3-929229-14-5, S. 97, 103.
  • Ralf Lange: Architektur in Hamburg. Junius Verlag, Hamburg 2008, ISBN 978-3-88506-586-9, S. 182.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Denkmalschutzamt in der Behörde für Kultur, Sport und Medien (Hrsg.): Denkmalliste der Freien und Hansestadt Hamburg, Stand 13. April 2010 (Pdf; 915 kB) (Memento vom 27. Juni 2011 im Internet Archive), Stand 13. April 2010. Hamburg 2010, S. 185, Denkmallisten-Nr. 994.
  2. Donate Reimer u. a.: 100 Jahre St. Sophien, Hamburg-Barmbek : Festschrift; 1900–2000. Katholische Kirchengemeinde St. Sophien, Hamburg 2000, S. 24.
  3. a b c Ralf Lange: Architektur in Hamburg. Junius Verlag, Hamburg 2008, ISBN 978-3-88506-586-9, S. 182.
  4. Donate Reimer u. a.: 100 Jahre St. Sophien, Hamburg-Barmbek : Festschrift; 1900–2000. Katholische Kirchengemeinde St. Sophien, Hamburg 2000, S. 27.
  5. Jeanne Demessieux: Hamburger Orgeln – The Hamburg Organs. FECD 6961862. www.festivo.nl. Aufgerufen am 17. Mai 2018.
  6. Katholische Pfarrkirche Sankt Sophien (Barmbek). www.orgbase.nl. Aufgerufen am 17. Mai 2018.
  7. Festschrift zur Einweihung der neuen Orgel in der Katholischen Pfarrkirche St. Sophien in Hamburg-Barmbek am 15. März 1998 (PDF). www.sanktsophien.de. Aufgerufen am 17. Mai 2018.
  8. Orgelsanierung — aktueller Spendenstand. www.sanktsophien.de. Aufgerufen am 25. März 2019.
  9. Die Siegfried Sauer-Orgel in Sankt Sophien. www.sanktsophien.de. Aufgerufen am 16. Mai 2018.
  10. Förderverein Kirchenmusik e. V.. www.sanktsophien.de. Aufgerufen am 17. Mai 2018.
  11. Felix Brahm: Riedemann, Wilhelm Anton. In: Franklin Kopitzsch, Dirk Brietzke (Hrsg.): Hamburgische Biografie : Personenlexikon, Band 2. Wallstein, Göttingen 2001, ISBN 3-7672-1366-4, S. 344–345.
  12. Johannes Prassek : Lebenslauf in Stichworten auf der Website Lübecker Märtyrer des Erzbistums Hamburg. (Abgerufen am 19. Dezember 2011)
  13. Bischof übergibt den Dominikanern das neue Kloster. In: Hamburger Abendblatt vom 17./18. September 1966, S. 5.