St. Peter und Paul (Salmünster)

Kirchengebäude in Salmünster
St. Peter und Paul (Salmünster)
St. Peter und Paul (Salmünster).jpg
St. Peter und Paul; rechts die ehemaligen Klostergebäude
Ort Salmünster
Konfession römisch-katholisch
Diözese Bistum Fulda
Patrozinium St. Peter und Paul
Baujahr 1735
Bautyp ehem. Franziskaner-Klosterkirche, Saalkirche
Funktion Pfarrkirche
Turmfassade

Die römisch-katholische Pfarrkirche St. Peter und Paul in Salmünster im Bistum Fulda wurde von 1737 bis 1745 nach Plänen des Fuldaer Hofbaumeisters Andrea Gallasini als Kirche des Franziskanerklosters Salmünster und der Pfarrei errichtet. Sie ersetzte eine sehr viel ältere Pfarr- und Stiftskirche.

GeschichteBearbeiten

Salmünster, dessen Name Münster auf eine frühe klösterliche Niederlassung deutet, zählte zu den im 9. Jahrhundert vom Kloster Fulda aus gegründeten Urpfarreien, ursprünglich allein mit dem Patrozinium des Apostels Petrus. Mit dem Wachstum des Ortes an der Via Regia wuchs auch die Bedeutung der Pfarrei. 1319, gleichzeitig mit der Verleihung der Stadtrechte, wurde bei der Kirche ein Kollegiatstift gegründet. Es bestand bis zur Reformation. Danach verfielen die Gebäude bis zum Ende des Dreißigjährigen Kriegs. Von der alten Stiftskirche blieb nur ein Wehrturm erhalten, der 1895 einstürzte.

1650 wurde die Anlage durch das Reichsstift Fulda von Franziskanern der Thüringischen Franziskanerprovinz (Thuringia) besiedelt, die aus ihrem Konvent in Gelnhausen vertrieben worden waren. Sie übernahmen die Pfarrseelsorge und errichteten in den 1690er-Jahren ein neues großes Klostergebäude. Der Baubeginn der neuen Kirche, jetzt mit dem Zweitpatrozinium des Apostels Paulus, fiel 1737 zusammen mit dem Amtsantritt des Fürstabts Amand von Buseck, der starken Anteil am Bau nahm.

Das Franziskanerkloster bestand – mit einer Unterbrechung infolge des Kulturkampfes von 1875 bis 1894 – bis 2004. Ende des 19. Jahrhunderts befand sich in Salmünster ein Ordensstudium zur Ausbildung des Ordensnachwuchses, von 1918 bis 1968 bestand dort das Noviziat der Thuringia. Die Konventsgebäude wurden 1990 bis 1992 zu einem Bildungs- und Exerzitienhaus des Bistums Fulda umgestaltet, die letzten drei Franziskaner verließen Salmünster Ende 2004.[1]

ArchitekturBearbeiten

St. Peter und Paul ist eine Saalkirche mit eingestellten Marmorsäulen. Dem gerade schließenden Altarraum im Westen steht im Osten eine Portalfassade mit risalitartig vorspringendem Mittelturm gegenüber. Sie ist mit lebhaften Statuen der Muttergottes und der Heiligen Franz von Assisi und Antonius von Padua geschmückt.

TurmBearbeiten

Den Turm krönt eine Welsche Haube.

AusstattungBearbeiten

Zum eher kargen Äußeren kontrastiert die reiche Barockausstattung des Innenraums. Die Kanzel sowie fünf Altäre stammen von den Fuldaer Hofmalern Johann Andreas Herrlein und Emanuel Wohlhaupter sowie den franziskanischen Bildhauern Hyazinth Wiegand und Melchior Egenolf.

OrgelBearbeiten

Die Orgel wurde 1995 von dem Orgelbauer Thomas Jann (Allkofen) erbaut. Das Schleifladen-Instrument hat 33 Register auf drei Manualwerken und Pedal. Das Echowerk ist schwellbar. Die Spiel- und Registertrakturen sind mechanisch.[2]

I Rückpositiv C–a3
1. Copula 8′
2. Praestant 4′
3. Flauto 4′
4. Principal 2′
5. Kleingedeckt 2′
6. Sesquialtera II 223
7. Larigot 113
8. Mixtur IV 113
9. Cromorne 8′
Tremulant
II Hauptwerk C–a3
10. Bourdun 16′
11. Praestant 8′
12. Rohrflöte 8′
13. Octave 4′
14. Blockflöte 4′
15. Doublette 2′
16. Kornett V (ab g0) 8′
17. Mixtur Vi 2′
18. Scharf III 1′
19. Trompete 8′
Tremulant
III Echowerk C–a3
20. Salicional 8′
21. Flöte 8′
22. Unda maris 8′
23. Viola 4′
24. Traversflöte 2′
25. Vox humana 8′
Tremblant douce
Pedalwerk C–f1
26. Principalbass 16′
27. Octavbass 8′
28. Subbass 16′
29. Gedecktbass 8′
30. Pedalflöte 4′
31. Hintersatz III 4′
32. Bombarde 16′
33. Posaune 8′
  • Koppeln: I/II, III/II, I/P, II/P, III/P

GlockenBearbeiten

Für Salmünster hat die Glockengießerei Otto aus Hemelingen/Bremen wiederholt Bronzeglocken gegossen und zwar in den Jahren 1902, 1927, 1950 und 1959. Die Glocken vor 1945 fielen den Glockenvernichtungen der beiden Weltkriege des vergangenen Jahrhunderts zum Opfer und wurden eingeschmolzen. Nach dem Zweiten Weltkrieg goss Otto im Jahr 1950 zwei Glocken und 1959 eine dritte Glocke. Diese erklingen mit den Tönen: cis' – e' – fis'. Die Glocken haben folgende Durchmesser: 1501 mm, 1291 mm, 1150 mm.[3][4]

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. bildungshaus-salmuenster.de: Geschichte des Hauses.
  2. Informationen zur Orgel (Memento des Originals vom 28. August 2015 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.katholische-kirche-salmuenster.de auf der Website der Kirchengemeinde
  3. Gerhard Reinhold: Otto Glocken – Familien- und Firmengeschichte der Glockengießerdynastie Otto. Selbstverlag, Essen 2019, ISBN 978-3-00-063109-2, S. 588, hier insbes. S. 512, 530, 548, 557.
  4. Gerhard Reinhold: Kirchenglocken – christliches Weltkulturerbe, dargestellt am Beispiel der Glockengießer Otto, Hemelingen/Bremen. Nijmegen/NL 2019, S. 556, hier insbes. 478, 491, 505, 511, urn:nbn:nl:ui:22-2066/204770 (Dissertation an der Radboud Universiteit Nijmegen).

WeblinksBearbeiten

Commons: St. Peter und Paul (Salmünster) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 50° 16′ 33,4″ N, 9° 21′ 58,5″ O