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St.-Nicolai-Kirche (Döbeln)

Kirchengebäude in Döbeln
Stadtkirche St. Nikolai

Die St.-Nicolai-Kirche steht am Fuße des Burgberges und am östlichen Abschluss der Döbelner Altstadt.

GeschichteBearbeiten

Die genauen Ursprünge der Stadtkirche sind ungeklärt. Ein erster Hinweis ergibt sich aus der urkundlichen Erwähnung eines Pfarrers im Jahr 1293. Ein frühes Kirchengebäude ist beim Stadtbrand von 1333 an dieser Stelle zerstört worden. Nach diesem Ereignis begann der Bau einer dreischiffigen Basilika, die ab 1479 mehrere Umbauten erlebte und sich zur gotischen Hallenkirche entwickelte.

GebäudeBearbeiten

 
Lutherdenkmal vor der Kirche

An der Westseite erhebt sich der mächtige und 68 Meter hohe Turm, der in seinem unteren Bereich einen überdimensionalen quadratischen Grundriss aufweist. Auf Höhe des Dachfirsten vom Hauptschiff setzt sich der nun barocke Turm in einer schlankeren und achteckigen Form fort. Dieser Absatz stellt zugleich eine begehbare Plattform mit Rundumsicht dar. Den oberen Abschluss bildet ein doppelt gewölbter Dachstuhl mit zwei Laternen und dem zur Spitze auslaufenden Helm. Die oberen Turmbauten sind nach Bränden in den Jahren 1629 und 1733 neu aufgebaut worden.

Am Fuße des Turmes befindet sich der heutige Haupteingang mit einem prächtigen gotischen Portal, das von reicher Profilierung gekennzeichnet ist und auf 1370 datiert wird. Sein Wimperg und dessen Maßwerk sind ein Ergebnis der restauratorischen Eingriffe von 1885. An der Südseite befinden sich zwei weitere, aber kleinere Spitzbogenportale.

Die Kirche wird von 24 Strebepfeilern umschlossen, die das Langhaus, die südlich angelagerte Sakristei (Marien-Kapelle), den Chor sowie den Kirchturm stützen. Das Langhaus besteht aus einem Mittelschiff mit Sterngewölbe und den beiden Seitenschiffen mit einfachem Kreuzgewölbe. Der Anbau der Sakristei verdeckt das ehemalige Südportal, ein großes Spitzbogenportal in Sandstein.
An der rechten Flanke vom Kirchturm und an der Südseite des Langschiffes (dieser 1885 errichtet) befindet sich jeweils ein Treppenturm mit spitzem Dach.

Das Maßwerk der Chorfenster stammt seinem Ursprung nach aus dem 14. Jahrhundert. Bei den Restaurierungsarbeiten von 1885 sind erhebliche Veränderungen vorgenommen worden. Ebenso erhielten die Fenster vom Langhaus und die kleineren spitzbogigen Türen eine Umgestaltung unter neogotischen Stileinflüssen. Die Arbeiten erfolgten unter der Leitung der Architekten Hugo Altendorff und Paul Hentschel.

Die heutige Farbfassung des Innenraums beruht auf dem Stand von 1929. Bei den Renovierungsarbeiten in den Jahren 1976 bis 1977 erfolgte eine grundhafte Instandsetzung der Gebäudesubstanz.

Im Jahr 1997 sind im Innenraum ausgedehnte Renovierungsarbeiten vorgenommen worden. Während der Hochwasserkatastrophe im August 2002 erlitt die Kirche zahlreiche Schäden, die erst 2004 bis 2005 durch erneute umfassende Arbeiten beseitigt werden konnten.

InnenraumBearbeiten

 
Blick auf Altar und Kanzel

Nach dem Eingangsportal befindet sich ein Vorraum, der den untersten Teil vom quadratischen Turm darstellt und ein sternförmiges Zellengewölbe aus dem 15. Jahrhundert besitzt.

LanghausBearbeiten

Das Mittelschiff wird von zwei Seitenschiffen flankiert, die beidseitig Emporen tragen. Die Hauptsäulen des Hallengewölbes besitzen einen achteckigen Querschnitt. Die Decke ist in Stern- und Kreuzgewölbe ausgeformt. Im Chor und seinem Vorjoch ist ein Netzgewölbe ausgebildet.

AltarBearbeiten

Der zweifach wandelbare Schnitzaltar ist wegen seiner besonderen Gestaltung ein bedeutendes Werk sakraler Kunst in Sachsen. Der filigrane Altar ist 11 Meter hoch und ein Werk des Meisters des Döbelner Hochaltars, einem mutmaßlichen Cranachschüler aus der Freiberger Schule, und entstand um 1515–1516.

Im mittleren Teil, dem Schrein, sind drei Heiligenfiguren als Schnitzfiguren zu erkennen. Das sind der heilige Wenzel mit Speer und Schild, der heilige Nikolaus mit dem Bischofsstab und der heilige Leonhard in der Hand den Abtsstab tragend. Der Schrein wird links und rechts von einem Zierstab begrenzt, der jeweils zwei übereinander angeordnete kleine Figuren trägt. Links sind es Hieronymus und Augustinus und rechts Gregor der Große und Ambrosius.

In den beiden Flügeln werden jeweils zwei Schnitzfiguren stehend dargestellt, darunter die Evangelisten an Schreibpulten. Die großen Schnitzfiguren sind im linken Flügel der Evangelist Johannes mit dem Giftbecher in der Hand und der heilige Florian mit einer Flagge. Der rechte Flügel zeigt Maria Magdalena in der Hand ein Salbgefäß haltend und die heilige Barbara mit einem Turm zu ihren Füßen.

KanzelBearbeiten

 
Kanzel in der Nicolaikirche

Die Kanzel ist ein Renaissance-Schnitzwerk mit großem Detailreichtum und das Werk von Daniel Schatz. Sie trägt eine Datierung von 1599. Zu dieser Arbeit gehört ein mehrfach getreppter Schalldeckel. Beide Ausstattungsteile tragen einen reichlichen figürlichen Schmuck in einer lebendigen farblichen Fassung. Die Innenseite der Kanzeltür am Fuße des geschwungenen Kanzelaufganges zeigt ein Gemälde des Apostels Petrus in lebensnaher Größe.

TaufbeckenBearbeiten

Die Kirche besitzt zwei Taufbecken. Im Altarbereich steht das jüngere von beiden. Es besteht aus Elbsandstein mit vier kleinen grünen Säulen aus italienischem Serpentinit. Im südlichen Seitenschiff befindet sich die Sandsteintaufe aus der Renaissancezeit. Es ist eine kunstvolle Arbeit aus Elbsandstein.

OrgelBearbeiten

 
Eule-Orgel von 1929

Die bestehende Orgel ist ein Werk der Orgelbaufirma Eule (Bautzen) und stammt aus dem Jahr 1929. Sie wurde auf Anregung und unter konzeptioneller Einflussnahme des Kantors Paul Störzner gebaut, der sich als Schüler von Max Reger dem Klangideal dieses wichtigen spätromantischen Orgelkomponisten verpflichtet fühlte. Das Instrument wurde in den Jahren 2000–2001 durch die Erbauerfirma umfassend saniert. Es zeichnet sich durch seine breit angelegte Disposition aus, die sowohl spätromantischen Stimmen, als auch helle barocke Register im Sinne der Orgelbewegung in sich vereint. Die Orgel hat 59 Register (2 Transmissionen in das Pedal) und pneumatische Trakturen.[1]

I Manualwerk C–a3

1. Prinzipal 16′
2. Prinzipal 8′
3. Gamba 8′
4. Hohlflöte 8′
5. Salicional 8′
6. Rohrflöte 8′
7. Dolce 8′
8. Oktave 4′
9. Gemshorn 4′
10. Quinte 223
11. Oktave 2′
12. Cornett III–IV
13. Mixtur III–V
14. Trompete 8′
15. Regal 4′
II Manualwerk C–a3
16. Gedackt 16′
17. Hornprinzipal 8′
18. Viola 8′
19. Quintatön 8′
20. Spitzflöte 8′
21. Gedackt 8′
22. Fernflöte 8′
23. Oktave 4′
24. Rohrflöte 4′
25. Salicet 4′
26. Nassat 223
27. Piccolo 2′
28. Mixtur III–IV
29. Krumhorn 8′
III Manualwerk C–a3
30. Lieblich Gedackt 16′
31. Geigenprinzipal 8′
32. Violine 8′
33. Konzertflöte 8′
34. Lieblich Gedackt 8′
35. Vox coelestis 8′
36. Aeoline 8′
37. Prinzipal 4′
38. Wienerflöte 4′
39. Fugara 4′
40. Rohrquinte 223
41. Nachthorn 2′
42. Terz 135
43. Quinte 113
44. Flageolett 1′
45. Harmonia aetheria III
46. Oboe 8′
47. Vox humana 8′
Pedalwerk C–f1
48. Bassprinzipal 16′
49. Violon 16′
50. Subbass 16′
51. Bassgedackt (Nr. 30) 16′
52. Quintbass 1023
53. Bassoktave 8′
54. Bassgedackt 8′
55. Salicetbass (Nr. 36) 8′
56. Prinzipal 4′
57. Posaune 16′
58. Basstrompete 8′
59. Singend Cornett 2′

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Nähere Informationen zur Geschichte der Eule-Orgel

WeblinksBearbeiten