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Sprachatlas von Bayerisch-Schwaben

geographie der Dialekte in Bayerisch-Schwaben

Der Sprachatlas von Bayerisch-Schwaben (SBS) erfasst und dokumentiert die Sprachgeographie der Dialekte in Bayerisch-Schwaben. Er entsteht im Rahmen des gesamtbayerischen Projekts „Bayerischer Sprachatlas“.

Inhaltsverzeichnis

MethodeBearbeiten

UntersuchungsgebietBearbeiten

Das Untersuchungsgebiet richtet sich nach den Nachbarprojekten Südwestdeutscher Sprachatlas (SSA) und Vorarlberger Sprachatlas (VALTS) aus. Im Süden wurde das bayerische Allgäu südlich von Kempten nicht erfasst, weil es bereits im VALTS behandelt wird. Im Norden und Osten wurde über Bayerisch-Schwaben teilweise hinausgegangen nach Mittelfranken und Oberbayern. Die Ausdehnung nach Osten hatte den Vorteil, dass so das Übergangsgebiet vom Schwäbischen zum Bairischen eingeschlossen wurde. Von den 1135 Altgemeinden des Untersuchungsgebiets vor der Gebietsreform von 1972 erscheinen 272 als Aufnahmepunkte im SBS.

ExploratorenBearbeiten

Für den SBS waren ab 1984 drei sprachwissenschaftlich ausgebildete Exploratoren unterwegs (Manfred Renn, Edith Funk und Brigitte Schwarz). Sie waren jeweils für eine Reihe von Orten zuständig, die in einem geschlossenen Gebiet liegen. So kann auf den Karten nachvollzogen werden, ob eine vermeintliche Sprachgrenze den tatsächlichen Gegebenheiten entspricht oder ob vielleicht nur bestimmte exploratorenspezifische Schreibgewohnheiten vorliegen.

NebenprojekteBearbeiten

Im Rahmen der Erhebungen zum SBS wurden noch zwei weitere Korpora erhoben:

  • Zur Ermittlung der der Standardsprache am nächsten stehenden Sprachvarietät wurde an den meisten Aufnahmeorten zusätzlich je einer Gewährsperson eine knapp 400 Wörter umfassende Liste vorgelegt mit der Bitte, diese vorzulesen. Diese Befragung wurde auf Tonband aufgenommen. 241 solcher Aufnahmen liegen vor. Im Rahmen der Dissertation von Bernadette Wecker wurden diese Vorleselisten ausgewertet.
  • Um Erkenntnisse über Dialektverschriftung zu gewinnen, wurde an den meisten Aufnahmeorten je einer Gewährsperson eine Liste mit knapp 200 Wörtern vorgelegt, mit der Anweisung, diese in den örtlichen Dialekt zu übersetzen. 235 solcher Schreiblisten mit dialektalen Laienschreibungen liegen vor. Diese Dialektverschriftlichungen wurden im Rahmen der Dissertation von Stefan Kleiner den gleichzeitig in direkter Methode erhobenen Lautungen gegenübergestellt.

GewährspersonenBearbeiten

An jedem Ort wurden ca. drei Gewährspersonen ausgewählt, die bereit waren, eine Woche lang die Fragen zu beantworten. Als Gewährspersonen kamen nur Einheimische in Frage, die den größten Teil ihres Lebens an dem Ort verbracht hatten, und deren Eltern und am besten auch noch deren Großeltern aus dem Ort stammten. Diese Kriterien erfüllten in der Regel nur Personen, die in der Landwirtschaft tätig waren. Nur wenige Informanten waren Angehörige des alten Handwerks. Das Durchschnittsalter betrug 72 Jahre. Insgesamt wurden etwa 950 Gewährspersonen befragt.

BefragungBearbeiten

Die Befragung der Gewährspersonen fand in den Wintermonaten statt, da die meisten Informanten in der Landwirtschaft tätig waren und somit im Sommer keine Zeit aufbringen konnten. Durchschnittlich nahm eine vollständige Aufnahme an einem Befragungsort fünf Tage in Anspruch. Die Antworten der Gewährspersonen wurden von den Exploratoren direkt in der Lautschrift Teuthonista in das Fragebuch notiert. Eine Befragungssequenz wurde zur Kontrolle jeweils auf Tonkassetten aufgenommen. Um sachliche Unterschiede festzuhalten, wurden Fotos oder Skizzen gemacht.

Als Ergebnis der Befragung liegen vor:

  • 70.000 lautschriftlich beschriebene Seiten Papier
  • 400 Stunden Tonaufnahmen
  • 1.000 Fotos

FragebuchBearbeiten

Das Fragebuch lehnt sich inhaltlich eng an die Fragebücher an, mit denen beim Sprachatlas der deutschen Schweiz, beim Vorarlberger Sprachatlas und beim Südwestdeutschen Sprachatlas erhoben wurde, um die spätere Vergleichbarkeit des in diesen Atlaswerken gebotenen Materials zu sichern. Das Fragebuch des SBS enthält insgesamt 2237 einzelne Fragen zu Lautung, Grammatik und Wortschatz. Es ist nach Sachgebieten gegliedert, die den gesamten ländlichen Lebenskreis umfassen. Themenbereiche sind z. B. Das Vieh und seine Pflege, Heuernte, Wagen, Karren, Mosterei, Haus, Der Mensch oder Freilebende Tiere.

Datenerfassung und KartierungBearbeiten

Die Aufnahmeprotokolle wurden in einer kodierten Form in den Computer eingegeben und mit dem Satzprogramm TeuTeX wieder in die Lautschrift rückverwandelt, da es keine Word-kompatible Teuthonista-Schrifttyp gibt. Mit Hilfe des Softwarepakets Augustaplot werden Symbolkarten erstellt, in denen an einem Ort jeweils ein Symbol den Originalbeleg repräsentiert. Es gibt drei verschiedene Arten von Karten: Lautkarten, Formenkarten und Wortkarten, dazu ausführliche Kartenkommentare.

GeschichteBearbeiten

  • 1976: Erarbeitung einer Bibliographie zur Mundartforschung Bayerisch-Schwabens
  • 1980: Probeaufnahmen von Werner König mit dem Fragebuch des SSA
  • 1984: Endgültige Fassung des Fragebuchs erstellt, Einschulung der Exploratoren
  • Herbst 1984: Beginn der Dialektaufnahmen, Förderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft, den Bezirk Schwaben, den Freistaat Bayern und die Universität Augsburg
  • 1985: Beginn der EDV-Erfassung der erhobenen Daten
  • 1989: Abschluss der Erhebungsphase
  • 1990: Abschluss der EDV-Erfassung, Vorbereitung der Publikationsphase
  • 1991: Beginn der Arbeit an den Bänden 2 bis 6
  • 1996: Beginn der Publikation mit Band 2 (Wortgeographie I)
  • 2009: Abschluss der Publikation mit insgesamt 14 Bänden

PublikationBearbeiten

Die Publikation begann im Jahr 1996 mit dem zweiten Band und wurde 2006 abgeschlossen.

  • Bd. 1: Einführung (Werner König): 1997
  • Bd. 2: Wortgeographie I (Christine Feik). Der menschliche Körper / Körperliche und seelische Äußerungen / Die menschliche Gemeinschaft / Kleidung: 1996
  • Bd. 3: Lautgeographie I: Vokalquantitäten (Manfred Renn): 1997
  • Bd. 4: Lautgeographie II: Kurzvokale (Heike Heidenreich): 1999
  • Bd. 5: Lautgeographie III: Langvokale / Diphthonge (Susanne Kuffer): 1998
  • Bd. 6: Formengeographie I: Verbum (Edith Funk): 1998
  • Bd. 7.1: Lautgeographie IV: Konsonantismus I (Sabine Ihle). Plosive 2001
  • Bd. 7.2: Lautgeographie IV: Konsonantismus II (Sabine Ihle, Michael Köck, Andrea Zeisberger, Sabine Pfrenger). Frikative, Affrikaten, Liquide, Nasale, Halbkonsonanten: 2003
  • Bd. 8: Wortgeographie II (Manfred Renn). Bauernhaus / Wohnung und Einrichtungsgegenstände / Wettererscheinungen / Freie Tiere / Pflanzen, Obst und Gemüse / Mosterei / Blumen: 2000
  • Bd. 9.1: Formengeographie II: Nomen I (Andrea Zeisberger). Substantive, Artikel: 2003
  • Bd. 9.2: Formengeographie II: Nomen II (Andrea Zeisberger). Pronomen, Adjektive, Zahlwörter, Orts- und Richtungsadverbien, Syntax: 2003
  • Bd. 10: Wortgeographie III (Edith Funk). Zeiteinteilung und Grußformeln / Spielen und Spielzeug / Ernährung, Kochen und Backen / Hausarbeit / Bauern und Arbeitskräfte / Adverbien: 2005
  • Bd. 11: Wortgeographie IV (Lars Löber). Rindvieh und Milchverarbeitung / Schwein, Ziege, Schaf, Pferd / Geflügelhaltung und Imkerei / Weitere Haustiere: 2001
  • Bd. 12: Wortgeographie V (Manfred Renn, Edith Funk). Gelände, Boden, Ackerbau / Getreide / Düngung und Heuernte / Hanf und Flachs: 2006
  • Bd. 13: Wortgeographie VI (Andrea Hirt). Wald, Holz und Zäune / Transport / Körbe / Gefäße und Tragegestelle: 2005
  • Bd. 14: Registerband (Edith Funk u. a.). Mit einem Inhalts- und Wortregister: 2009

WeblinksBearbeiten