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Jorinde und Joringel

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{{Begriffsklärungshinweis}}
 
[[Datei:Heinrich Vogeler - Illustration Jorinde und Joringel.jpg|mini|Illustration zu „Jorinde und Joringel“ von [[Heinrich Vogeler]]]]
 
'''Jorinde und Joringel''' ist ein [[Märchen]] ([[Aarne-Thompson-Index|ATU]] 405). Es steht in den [[Grimms Märchen|Kinder- und Hausmärchen]] der [[Brüder Grimm]] an Stelle 69 (KHM 69) und stammt aus [[Johann Heinrich Jung-Stilling]]s [[Autobiographie]] ''[[Heinrich Stillings Jugend]]'' von 1777.
 
== Inhalt ==
In einem Schloss im Wald wohnt eine alte Zauberin. Sie verwandelt sich tagsüber in eine Katze oder Nachteule (in Jung-Stillings Version auch in einen Hasen). Sie lockt Tiere an, um sie zu schlachten. Wer dem Schloss zu nahe kommt, der kann sich nicht mehr bewegen. Jungfrauen hingegen verwandelt sie in Nachtigallen, die sie im Schloss gefangenaufbewahrt. Jorinde und Joringel sind ein junges Liebespaar, das versehentlich in die Nähe des Schlosses kommt. Sie weinen erst und werden ganz traurig, dann wird Jorinde zu einer Nachtigall, und während Joringel sich nicht bewegen kann, fängt die Hexe sie ein und nimmt sie fort. Joringel fleht sie an, sie freizulassen, aber sie lässt sich nicht erweichen. Joringel verbringt lange Zeit in der Fremde als Schäfer und läuft oft um das Schloss herum. Dann träumt er von einer blutroten Blume mit einer Perle in der Mitte. Er wandert neun Tage und findet die Blume morgens mit einem Tautropfen in der Mitte. Dagegen ist die Hexe machtlos, obwohl sie Gift und Galle sprüht. Als sie versucht, einen Vogel wegzutragen, erkennt er Jorinde und befreit auch die 7000 anderen hältVögel.
 
Jorinde und Joringel sind ein junges Liebespaar, das versehentlich in die Nähe des Schlosses kommt. Sie weinen erst und werden ganz traurig. Jorinde wird zu einer Nachtigall und von der Zauberin gefangen. Der bewegungsunfähige Joringel fleht sie an, Jorinde freizulassen, aber die Zauberin lässt sich nicht erweichen.
 
Joringel verbringt lange Zeit in der Fremde als Schäfer und läuft oft um das Schloss herum. Dann träumt er von einer blutroten Blume mit einer Perle in der Mitte, die den Zauber lösen kann. Er wandert neun Tage und findet die Blume morgens mit einem Tautropfen in der Mitte. Dagegen ist die Hexe machtlos, obwohl sie Gift und Galle sprüht. Als sie versucht, einen Vogel wegzutragen, erkennt Joringel Jorinde; er befreit sie und die 7000 anderen Vögel.
 
== Sprache und Stil ==
Die Geschichte ist trotz mancher Einzelheiten kurz erzählt. Einfache, aneinandergereihte Satzstrukturen und gewählte Ausdrücke wirken zugleich lockernatürlich und gehoben. Viele Sätze wie: ''„mittenmitten in einem großen dicken Wald, darinnen wohnte eine alte Frau ganz allein“allein'' klingen bedeutungsschwer bis eigentümlich, wie schon die erfundenen Namen ''Jorinde'' und ''Joringel''. Wörtliche Reden fehlen fast, bis auf Joringels die Handlung einleitendes ''„Hüte dich,“'' ... ''„daß du nicht so nahe ans Schloß kommst“'', und die beiden auffälligen [[Gedicht]]e. Bei ihrer [[Magie|Verwandlung]] singt Jorinde:
 
:''„Mein Vöglein mit dem Ringlein rot singt''
:''singt Leide, Lei – zicküth, zicküth, zicküth.“''
 
Die unregelmäßigen [[Jambus|Jamben]] treffen hier auf helle Vokale, bis auf den Reim ''rot'' - ''Tod''. Die alte Frau erlöst Joringel mit einem Singsang, ebenfalls schwere Jamben. Die Vokale sind dunkler, die Verse abgebrochen und plump, besonders am Schluss. Manche Herausgeber druckten sie ebenfalls inals GedichtformVierzeiler:
 
:''„Grüß dich, Zachiel,''
:''zu guter Stund.“''
 
Der selbstverständliche Umgang mit [[Magie]], die Schwarz-Weiß-Malerei und der Sieg des Guten passen zum [[Zaubermärchen]]. Untypischerweise beschreibt der Text die Hexe vor der Handlung, die spannend erzählt ist.<ref>Hans-Jörg Uther: ''Jorinde und Joringel.'' In: ''Enzyklopädie des Märchens.'' Band 7. Berlin, New York, 1993, S. 633.</ref> Die Sonnenuntergangsszene führt unversehens zum nächtlichen Tiefpunkt, gefolgt von erneuter Wendung morgens und Erlösung. Der Gegensatz von Tag und Nacht dient der moralischen Charakterisierung. ImDas Gegensatz zu anderen MärchenWunderbare nimmt der Held dasfür Wunderbareein Märchen eher beiläufig wahr.<ref>Hans-Jörg Uther: ''Die Brüder Grimm und Heinrich Jung-Stilling. Von Jorinde und Joringel und anderen Erzählungen.'' In: Ulrich Müller, Margarete Springeth: ''Paare und Paarungen.'' Festschrift für Werner Wunderlich zum 60. Geburtstag. Heinz, Stuttgart 2004, ISBN 3-88099-425-0, S. 303.</ref> Es fällt den Liebenden nach bestandener Bewährung zu, Strafe erübrigt sich. Schon der Spannungsbogen erinnert an ein [[Drama]] oder christliche Geschichtsauffassung von Sündenfall und Erlösung, die Moral passt gut zu Jung-Stillings sehr [[Pietismus|pietistischer]] Erziehung.
 
== Interpretation ==
[[Datei:Turtle dove.jpg|mini|Darstellung einer Turteltaube]]
 
=== Metaphern im Text ===
Das Liebespaar wird mit [[Turteltaube]]n verglichen, gemäß der Redensart ''verliebt wie die Turteltauben'': Als Jorinde weint und klagt, singt eine Turteltaube ''kläglich auf den alten Maibuchen'', und als sie verwandelt wird, singt sie selbst vom ''„Vöglein mit dem Ringlein rot“''. Turteltauben haben einen roten Ring um ihre runden Augen und sind ein Symbol für Friede, Reinheit und Unschuld (siehe auch [[Venus (Mythologie)|Venus]]). Die [[Nachtigall]], zu der Jorinde wird, verleiht dem eine mehr sinnliche oder melancholische Färbung. Mit der ''Maibuche'' kann nur die gewöhnliche [[Rotbuche]] gemeint sein, eindie Baum mitim glatterMai Rindeaustreibt und feinen, glatten (wachshaltigen) Blättern, wobei sich sog. Sommerblätter und Winterblätter deutlich unterscheidenblüht. Sie ist nach [[Westfalen|westfälischer]] Folklore Fruchtbarkeitssymbol.<ref>Rudolf Müller: ''Jorinde und Joringel. Wenn durch Trennung die Liebe erwacht.'' Weisheit im Märchen. Kreuz, Stuttgart 1997, ISBN 3-268-00044-4, S. 32.</ref> Auch die Nachtigall, in die Jorinde verwandelt wird, wird mit Liebe in Verbindung gebracht. Ihr nächtlicher Gesang verleiht dem aber eine sinnliche oder melancholische Färbung. Die Beschreibung der alten Frau mit großen roten Augen und krummer Nase ähnelt der Eule, in die sie sich verwandelt. Ihr Ruf ''„Schu – hu – hu – hu“'' und die ''glühenden Augen'' passen am besten zu einer [[Waldohreule]], die in ganz Mitteleuropa verbreitet ist. Sie, der Mond und die [[Wildkatze|Katze]] sind Attribute von [[Hexe]]n (siehe auch [[Artemis]], [[Hekate]], [[Freya]], [[Lilith]], [[Luna]]; KHM [[Die drei Glückskinder|70]], [[Die Eule|174]]). Joringels ''blutrote Blume'' ist am ehesten eine [[Rosen|Rose]] ([[Liebe]]), könnte aber auch eine [[Nelken|Nelke]] sein ([[Tod]], vgl. KHM [[Die Nelke|76]]) oder ein [[Liliengewächse|Liliengewächs]] ([[Ostern|Auferstehung]]). Ihr Blütenring entspricht Jorindes ''„Ringlein rot“''. Die Tränen werden also im Traum zur Perle, dann Morgentau (vgl. KHM [[Die Gänsehirtin am Brunnen|179]]). Zu all dem passt auch die vieldeutige Farbe [[Rot]] kann fürwie Blut, stehenwas oderauf dieGefahr Liebe,oder dieSünde dashinweisen Paar beweistkann.
 
Die variierte Kreisform von ''Ringlein'' und ''Blume'' deutet [[Komplementarität]] an, wie schon die Namen ''Jorinde'' (wie ''Rinde'') und ''Joringel'' (sich ''ringeln''). Man mag an den Fußring gezähmter Vögel denken, oder an den Ehering. In anderen Märchen legt der Mann der Frau zur Erkennung einen Ring in den Weinkelch<ref>Klaus Graf: ''Ring.'' In: ''Enzyklopädie des Märchens.'' Band 11. Berlin, New York 2004, S. 688–696.</ref> (KHM [[Die sieben Raben|25]], [[Allerleirauh|65]], [[Die Rabe|93]], [[Der Bärenhäuter|101]], [[Heimkehr des Gatten|AaTh 947]]). Die Nachtwesen teilen bei allem Gegensatz zu den frommen Tauben eine [[Ambivalenz]], so hat der Mond eine zu- und abnehmende Hälfte, die bedrohliche Eule gilt auch als scharfsichtig und weise, die Katze ist Raub- und Haustier. In Jorindes Lied verrät die Formulierung ''„Mein Vöglein“'' eine Identität der jungen mit der alten Frau, die umgekehrt Gnade beweist, als sie Joringel losbindet, und mit Jorindes Erlösung verschwindet (vgl. KHM [[Die Gänsehirtin am Brunnen|179]]). Ihr ''„wenn's Möndel ins Körbel scheint“'', entspricht bildlich der Perle im Blütenkelch und sprachlich der Verkleinerungsform ''„mein Vöglein mit dem Ringlein rot“''. Führt man die sexuelle Deutung von Ring und Blume mit Tautropfen fort, so personifiziert die Hexe in ihrer lähmenden, aber auch behütenden Wirkung die Angst beider junger Menschen vor der Initiation bzw. Defloration: ''Sie waren so bestürzt, als wenn sie hätten sterben sollen.'' [[Bannkreis]]e, als [[Schadenzauber]] oder zur [[Heilung]], ähneln einem Binden mit magischem Seil.<ref>Christoph Daxelmüller: ''Festbannen.'' In: ''Enzyklopädie des Märchens.'' Band 4. Berlin, New York 1984, S. 1043–1052.</ref> Im Märchentyp ''Jungfrau im Turm'' (KHM [[Rapunzel|12]]) erfolgt die Befreiung in einem Korb an einem Seil.<ref>Hans-Jörg Uther: ''Jungfrau im Turm.'' In: ''Enzyklopädie des Märchens.'' Band 7. Berlin, New York 1993, S. 791–797.</ref> Die Hexe nutzt aus, dass sie ihre Opfer anzieht (vgl. KHM [[Der wunderliche Spielmann|8]]), sie lähmt sie, und sie speit Gift (vgl. KHM [[Rapunzel|12]], [[Dornröschen|50]], [[Schneewittchen|53]]). Sie ähnelt damit einer [[Schlangen#Symbolik und Mythologie|Schlange]], deren Gift auch lähmend wirkt und die wegen ihrer Häutungen (Verwandlungen) als unsterblich verehrt wurde (siehe auch [[Medusa|Meduse]], [[Basilisk (Mythologie)|Basilisk]], [[Gilgamesch-Epos]]). Durch ihren Körperbau und zwiespältige Bedeutung im Alten Testament und in [[Gnostizismus|gnostizistischem]] Gedankengut ist sie wichtiges Symbol der Dualität bzw. deren Überwindung ([[Ouroboros]]).
 
=== Mystische Symbolik ===
Die Geliebte als Vogel im Käfig ist ein altes Literaturmotiv, das schon auf [[Schamanismus|schamanistische]] Vorstellungen zurückgeht (vgl. Varianten zu KHM [[Das singende springende Löweneckerchen|88]]).<ref>Klaus E. Müller: ''Schamanismus. Heiler, Geister, Rituale.'' 3. Auflage, Beck, München 2006, ISBN 978-3-406-41872-3, S. 21–22.</ref> Hier sind es Körbe, was auf den Faden der griechischen [[Moiren|Schicksalsgöttin]] [[Lachesis (Mythologie)|Lachesis]] oder aber auch auf Bienenkörbe anspielen kann. Der [[Demeter|Demetermythos]] vereint die geraubte Braut mit dem Gegensatz aus zürnender Toten- und vergebender Fruchtbarkeitsgöttin.<ref>Karl Kerényi: ''Persephone.'' In: C. G. Jung, Karl Kerényi: ''Einführung in das Wesen der Mythologie.'' Walter, Zürich und Düsseldorf 1999, ISBN 3-530-40061-0, S. 129–136.</ref> Ihre Beigaben waren Weizen, [[Mohn]], aber auch u.a. Mond, Tauben und Bienen. [[Karl Kerényi]] sieht hier u.a. auch Zusammenhänge zu [[Medusa]]s Enthauptung mit einer Sichel, dem mondförmigen Gerät der Kornernte.<ref>Karl Kerényi: ''Persephone.'' In: C. G. Jung, Karl Kerényi: ''Einführung in das Wesen der Mythologie.'' Walter, Zürich und Düsseldorf 1999, ISBN 3-530-40061-0, S. 134–135.</ref> Die antiken [[Mysterienkult]]e, die vielen literarischen Texten als geheimer Subtext zugrunde gelegen haben sollen (zum Beispiel [[Ovid]]s ''[[Metamorphosen (Ovid)|Metamorphosen]]''), arbeiteten auch mit dem Wechsel von Nacht und Tageslicht. Im [[Mithraismus|Mithraskult]] gehörten Schlange, Bienenpuppe, Taube und Licht mit der Liebesgöttin [[Venus (Mythologie)|Venus]] zum zweiten Weihegrad ''Nymphus'', dagegen Hirte, Eule, Nachtigall und Dämmerung mit dem [[Mond]] zum fünften Grad ''Perses''.<ref>Reinhold Merkelbach: ''Mithras.'' Hain, Meisenheim 1984, ISBN 3-445-02329-8, S. 85–118.</ref> Laut der [[Anthroposophie|Anthroposophin]] [[Friedel Lenz]] wurde bei den [[Mysterien von Eleusis|Eleusinischen Mysterien]] eine Opfergabe in einem Korb dargebracht, wobei der Mond in den Korb scheinen musste. Sie vermutet, dass in ''Zachiel'' der Erzengel [[Zachariel]] anklingt, also eine eigentlich gute, aber hier verstümmelte Göttlichkeit. Zachariel (Zadkiel) kommt in [[Apokryphen|apokryphen Schriften]] vor. Gefallene Engel gibt es sowohl im Alten Testament als auch im Gnostizismus. In der [[Alchemie]] erfolgte die Veredelung des Menschen über eine schwarze Phase (Sterben), gefolgt von einer weißen (Reinheit) und einer roten (Morgenröte). Letztere sind auch das Weibliche und das Männliche, die sich dann vereinen.<ref>Helmut Gebelein: ''Alchemie.'' Sonderausgabe. Hugendubel, Kreuzlingen, München 2000, ISBN 3-89631-402-5, S. 44, 48, 53–54; C. G. Jung: ''Erlösungsvorstellungen in der Alchemie (Psychologie und Alchemie 2).'' Aus: Grundwerk C. G. Jung. Band 6. Hrsg. Lilly Jung-Merker, Elisabeth Rüf et al.. 5. Auflage. Walter, Zürich, Düsseldorf 1999, ISBN 3-530-40786-0, S. 12–13.</ref> Die Blume ist wieder das schöne, lebendige oder der Mensch selbst<ref>Hedwig von Beit: ''Symbolik des Märchens.'' Francke, Bern 1952, S. 280; Hedwig von Beit: ''Gegensatz und Erneuerung im Märchen.'' Zweiter Band von «Symbolik des Märchens». 2. Auflage. Francke, Bern 1956, S. 56, 61, 71, 239, 561.</ref> (vgl. KHM [[Die zwölf Brüder|9]], [[Der Liebste Roland|56]], [[Die Nelke|76]], [[Die Goldkinder|85]], [[Rätselmärchen|160]], [[Spindel, Weberschiffchen und Nadel|188]]). In [[Spagyrik]] und [[Homöopathie]] wird die rote [[Tigerlilie]] bei Frauenleiden und Herzbeschwerden mit dem Gefühl berstend voller Blutgefäße verwendet.<ref>''Lilium tigrinum.'' In: Martin Bomhardt: ''Symbolische Materia Medica.'' 3. Auflage. Homöopathie und Symbol, Berlin 1999, ISBN 3-9804662-3-X, S. 778; S. R. Phatak: ''Homöopathische Arzneimittellehre.'' 2. Auflage. Urban & Fischer, München 2004, ISBN 3-437-56860-4, S. 375–378.</ref> Die [[Anthroposophie]] sieht den Menschen als umgedrehte Pflanze. [[Friedel Lenz]] interpretiert das Märchen als Dämmerzustand der Seele und Erlösung aus dieser Isolation durch aktive Liebe.<ref>Friedel Lenz: ''Bildsprache der Märchen.'' 8. Auflage. Freies Geistesleben und Urachhaus, Stuttgart 1997, ISBN 3-87838-148-4, S. 197-203.</ref> [[Christa Siegert]] erklärt die Hexe im Wald als jenseitiges Wesen (''Archont'') in menschlichen Gedankennetzen (''Äonen''), das Vorstellungen und Gefühle zu sich saugt, um sich davon zu ernähren. Der Mensch kann siees nicht erkennen und lässt sich binden, was zur Trennung von Herz und Haupt, Frau und Mann führt. Er kann sich nur abwenden und seine Gedanken hüten, bis ihm die Vision des [[Heiliger Gral|Grals]] geschenkt werden kann, der im innersten Seelenkern alle Widersprüche löst.<ref>Christa M. Siegert: ''Geheime Botschaft im Märchen. Eine Entschlüsselung von Christa M. Siegert mit sieben Graphiken von B. Schollenberg.'' Hermanes T. Verlag, 1991, ISBN 3-925072-04-7. S. 141-161.</ref>
 
=== Psychologische Deutungen ===
[[Psychoanalyse|Psychoanalytisch]] gedeutet ist das Schloss der Zauberin ihr Körper, dem man nicht zu nahe kommen darf. Nach der [[Analytische Psychologie|analytischen Psychologie]] [[Carl Gustav Jung]]s steht die böse Hexe in vielen [[Mythos|Mythen]] für den [[Archetyp (Psychologie)|ArchetypusArchetyp]] des [[Schatten (Archetyp)|Schattens]] oder der [[Mutterarchetyp|nefasten Mutter]], aus deren Fängen der Held die [[Animus und Anima|Anima]] befreien muss. In der modernen Psychologie werden [[Identitätsstörung]]en mit extremem Schwarz-Weiß-Denken mit der [[Borderline-Persönlichkeitsstörung]] in Verbindung gebracht. Der Psychotherapeut Rudolf Müller interpretiert das Märchen als Konflikt einer symbiontischen Beziehung zwischen unfertigen Persönlichkeiten (wie in ''[[Hänsel und Gretel]]''), deren innere Abhängigkeit erst durch eine Phase äußerer Trennung und Depression überwunden wird.<ref>Rudolf Müller: ''Jorinde und Joringel. Wenn durch Trennung die Liebe erwacht.'' Weisheit im Märchen. Kreuz, Stuttgart 1997, ISBN 3-268-00044-4</ref> [[Ulla Wittmann]] sieht eine Spaltung in Joringels Bewusstsein, indem ein Teil tierisch wird. Die Hexe ist der steife, entwicklungsfeindliche Aspekt des Unbewussten. Diese Entwicklung zur Einseitigkeit entsteht z.B. durch vorgeschriebene Weltbilder. Im meditativen Zustand des Schafehütens erscheint ihm erst im Traum als Symbol der Transzendenz die Blume. Die Blütenblätter mit Perle symbolisieren die Ganzheit des Selbst mit seinem Kern jenseits aller Gegensätze aus männlich und weiblich, die durch die Farben Rot und Weiß dargestellt sind. Mit der Überwindung dieser subjektalen Deutung kommt auch die Aufhebung der Gegensätze, von Ich und Du, aus narzißtischer wird wahre Liebe. <ref>Ulla Wittmann: ''Ich Narr vergaß die Zauberdinge. Märchen als Lebenshilfe für Erwachsene.'' Ansata, Interlaken 1985, ISBN 3-7157-0075-0, S. 85–92.</ref> Auch [[Verena Kast]] interpretiert offenbarsieht die HexeBlume mit Perle als versteinerndenVerbindung Bannkörperlicher bloßerund Verliebtheitmystischer Liebe, womit Joringel gelernt hat, im Alltäglichen die weißeZeichen Perleder Transzendenz zu sehen und Liebe wirklich leben kann. Ihr Client war beruflich erfolgreich, aber alsfand erleuchtetesich Einheitverschlossen. Er träumte, zudass derer Joringelsin Leidenschafteinem derZweckbau eine bestimmte Tür suchte, erst ein Bub mit einer tief roten Blume reifenkonnte musssie füröffnen. eineDen echteTräumer faszinierte dessen kindliches Vertrauen und Konzentration. Das Märchen machte ihn nachdenklich, dass er sich eigentlich wie verhext verhielt. Er hatte Frauen hochstilisiert, sich selbst entwertet und so Beziehung verunmöglicht.<ref>Hans-JörgVerena UtherKast: ''Handbuch‚‘Die zuBedeutung dender Kinder-Symbole im therapeutischen Prozess‘‘ und Hausmärchen‚‘Die derAmplifikation Brüderdurch GrimmMärchenbilder.''‘‘ deIn: Helmut Barz, Verena Kast, Frank Nager: ‚‘Heilung und Wandlung. C. G. Jung und die Medizin.‘‘ Gruyterdtv, BerlinMünchen 20081991, ISBN 978-3-117608-0194410712-87 (zuerst Artemis Verlag, Zürich 1986), S. 16739–42, 53–57.</ref>
 
== Jung-Stillings Autobiographie ==
[[Johann Heinrich Jung-Stilling]] beginnt seine Autobiographie ''[[Heinrich Stillings Jugend]]'' mit dem Heiratswunsch seines Vaters, wobei zwei Nachtigallen erwähnt werden, die ''wechselseitig auf das allerliebste'' singen. Das Elternhaus steht am Fuße des ''Geisenberges'', auf dem das ''Geisenberger Schloss'' steht, eine Ruine, um die der Geist des einäugigen Räubers ''Johann Hübner'' spukt. Es ist die [[Ginsburg]] auf dem Ginsberg (heute bei Grund, Stadtteil von [[Hilchenbach]]). Stillings Vater und seine Frau Dortchen gehen dort während der Hochzeit und nach der Geburt ihres Sohnes spazieren. Dabei wird jeweils ein bedeutungsschweres Lied wiedergegeben, deren ersteres vom ''Ritter mit dem schwarzen Pferd'' Motive des Märchens wie Vogel, Mond, Ring und Gifttod vorwegnimmt. Dortchen fühlt sich krank und freudlos und stirbt später, worauf ihr Mann untröstlich immer wieder im Wald herumgeht.
 
Das Märchen selbst wird an späterer Stelle von Tante Mariechen erzählt. Währenddessen sucht der Großvater Holz und hat eine Vision seines bevorstehenden Todes, in der das verstorbene Dortchen ''„wie eine Jungfrau“'' aus der Tür eines Schlosses tritt. Im letzten Satz des Buches werden nochmal ein Paar einsame Täubchen auf dem Grab des Großvaters erwähnt, die sich zwischen den Blumen liebkosen. Auch in der Fortsetzung ''[[Heinrich Stillings Jünglingsjahre]]'' gibt es immer wieder Rückblicke zu Mutter und Großvater bei der Schlossruine, wobei auch in eigenen Gedichten von untergehender Sonne, Tauben, Mond und Morgentau die Rede ist. Die übrigen Teile enthalten keine Anspielungen mehr. Jung-Stilling verdichtet hier mythologischen Stoff unter moralischer Intention, worauf er später offenbar aus autobiographischer oder theologischer Gewissenhaftigkeit verzichtet. Trotzdem erscheint in seinem Roman ''[[Die Geschichte des Herrn von Morgenthau]]'' wieder eine Waldruine als melancholischer Zufluchtsort des Trauernden, der nach Rettung durch den Helden kommentiert, er habe da ''„unter Zichim und Ochim gewohnt“'' (vgl. ''Zachiel'' im Lied der Hexe). Die Szene wird wieder mit Mond, Abend- und Morgensonne, klagender Musik, Turteltaube, Tautropfen, [[Rosen|Rose]] und [[Königskerzen]] beschrieben.<ref>Johann Heinrich Jung-Stilling: ''Die Geschichte des Herrn von Morgenthau.'' In: ''Johann Heinrich Jung genannt Stilling. Sämmtliche Schriften.'' Band VI 9. Olms, Hildesheim, New York, 1979, ISBN 3-487-06816-8, S. 435–436, 450–453. Nachdruck der Ausgabe Stuttgart 1835–1838. Dem Nachdruck liegen die Exemplare der Württembergischen Landesbibliothek Stuttgart zugrunde. Signatur: Misc. oct 1304)</ref> Jung-Stillings Hauptwerk ''[[Das Heimweh]]'' kreist besonders um den Gedanken von Wiedergeburt aus Tränen. Die Initiationsrituale des Helden erinnern an antike [[Mysterienkult]]e, in denen göttliche Wahrheit gesehen wird.<ref>Johann Heinrich Jung-Stilling: ''Das Heimweh.'' Vollständige, ungekürzte Ausgabe nach der Erstausgabe von 1794–1796 herausgegeben. Eingeleitet und mit Anmerkungen und Glossar versehen von Martina Maria Sam. Im Anhang: Jung-Stillings «Schlüssel zum Heimweh». Am Goetheanum, 1994, ISBN 3-7235-0741-7, S. 287.</ref>
 
Jung-Stilling schrieb seine Jugendbiographie [[1772]] nach seinem Medizinstudium. Sein Studienfreund [[Johann Wolfgang von Goethe]] kürzte und veröffentlichte sie [[1777]] als ''Henrich Stillings Jugend. Eine wahrhafte Geschichte''. Der Verfasser blieb trotz verfremdeter Personen- und Ortsnamen nur kurze Zeit unerkannt und wurde dann nach der Hauptperson ''Jung-Stilling'' genannt. Nach seiner Aussage hatte Goethe dem Buch keine "Verzierungen" hinzugefügt. Die Fortsetzung (1778) und die übrigen Bücher veröffentlichte er selbst.<ref>Dieter Cunz. In: Johann Heinrich Jung-Stilling: ''Henrich Stillings Jugend, Jünglingsjahre, Wanderschaft und häusliches Leben.'' Bibliographisch ergänzte Ausgabe. Reclam, Stuttgart 1997, ISBN 3-15-000662-7, S. 367–368, 377–378, 398.</ref> Es lässt sich nicht nachprüfen, ob er das Märchen wirklich von seiner Tante gehört hat oder inwieweit es sich sonst um ein [[Volksmärchen]] handelt. Die sorgfältige Textkomposition spricht für literarische Bearbeitung höchstwahrscheinlich durch Jung-Stilling selbst. Nach heutigen Erkenntnissen müsste er es auf der Grundlage verschiedener Einflüsse erfunden haben, da direkte Vorläufer fehlen.
 
== Grimms Märchen ==
[[Datei:Otto Ubbelohde - Jorinde und Joringel 2.jpg|mini|Illustration von Otto Ubbelohde]]
Bekannt ist das Märchen hauptsächlich durch die [[Brüder Grimm]]. Ihre [[Grimms Märchen|Kinder- und Hausmärchen]] enthalten es seit der Erstausgabe von 1812 an Stelle 69. Abgesehen davon, dass sich bei Jung-Stilling die Hexe auch in einen Hasen verwandelt, nahmen sie nur geringfügige sprachliche Glättungen vor, wobei Joringels dialektgefärbtes ''„Nu! was soll mir geschehn?“'' zu ''„Uu, was soll mir geschehen?“'' uminterpretiert wurde. Auch die weiteren Auflagen bei Grimm zeigen lediglich kleine Anpassungen ans Hochdeutsche. Aus ''in die Kammern des Schlosses'' wurde zur 3. Auflage ''in eine Kammer des Schlosses''. Ihre Anmerkung verweist noch auf ''eine mündliche Erzählung aus den Schwalmgegenden'' von zwei Kindern und einer Hexe, die den Jungen in einen Vogel verwandelt. Das Mädchen befreit ihn mit einer Blume und verwandelt die Hexe in einen Raben, erlöst dann aber auch sie.
 
Die textgetreue Übernahme ist ein Anzeichen hoher Wertschätzung, entsprach doch der pietistische Brauch moralisierender Lebensberichte Grimms Auffassung ihrer Märchen als Erziehungsbuch.<ref>Hans-Jörg Uther: ''Die Brüder Grimm und Heinrich Jung-Stilling. Von Jorinde und Joringel und anderen Erzählungen.'' In: Ulrich Müller, Margarete Springeth: ''Paare und Paarungen.'' Festschrift für Werner Wunderlich zum 60. Geburtstag. Heinz, Stuttgart 2004, ISBN 3-88099-425-0, S. 302.</ref> Jung-Stillings Lebensgeschichte gehörte zu ihren frühesten Erwerbungen und könnte sie nachhaltig beeinflusst haben.<ref>Hans-Jörg Uther: ''Die Brüder Grimm und Heinrich Jung-Stilling. Von Jorinde und Joringel und anderen Erzählungen.'' In: Ulrich Müller, Margarete Springeth: ''Paare und Paarungen.'' Festschrift für Werner Wunderlich zum 60. Geburtstag. Heinz, Stuttgart 2004, ISBN 3-88099-425-0, S. 294.</ref> So ergänzte Wilhelm Grimm noch für die 6. Auflage von 1850 zur Charakterisierung der Hexe in ''[[Hänsel und Gretel]]'': ''Die Hexen haben rote Augen und können nicht weit sehen, aber sie haben eine feine Witterung, wie die Tiere, und merkens, wenn Menschen herankommen.'' In KHM 181 ''[[Die Nixe im Teich]]'' und KHM 198 ''[[Jungfrau Maleen]]'' lässt er die getrennten Liebenden um den Teich bzw. ums Schloss herumlaufen, was in den zugrunde liegenden Originaltexten nicht vorkommt. Gleiches gilt für die Verwendung des Gedichtes in KHM 179 ''[[Die Gänsehirtin am Brunnen]]''. Der überhaupt ähnliche Handlungsverlauf von ''Die Nixe im Teich'' könnte bereits durch die weite Verbreitung von Grimms Märchen beeinflusst sein. KHM 123 ''[[Die Alte im Wald]]'' entstand vermutlich nach dem Vorbild von ''Jorinde und Joringel''.
 
Umgekehrt könnte sich die Ähnlichkeit zu Tierbräutigam-Märchen ([[Aarne-Thompson-Index|AaTh]] 425) wie Grimms KHM 88 ''[[Das singende springende Löweneckerchen]]'' und KHM 127 ''[[Der Eisenofen]]'' durch gemeinsamen Einfluss des [[Melusine]]nstoffs erklären. Weitere Motivähnlichkeiten bestehen zur Jungfrau im Turm (AaTh 310, 870: KHM [[Rapunzel|12]], [[Die Nelke|76]], [[Jungfrau Maleen|198]]) oder Schwanenjungfrau (AaTh 400, 401: KHM [[Der König vom goldenen Berg|92]], [[Die Rabe|93]], [[Der Trommler|193]]) und zum Blumenmädchen (AaTh 407: KHM [[Der Liebste Roland|56]], [[Die Nelke|76]]). Zum Totenvogel vgl. KHM [[Vom Machandelbaum|47]], [[De drei Vügelkens|96]], zur Blume KHM [[Die Rose (Brüder Grimm)|203]], zur Versteinerung KHM [[Die zwei Brüder|60]], [[Die Goldkinder|85]], [[De beiden Künigeskinner|113]], [[Von Johannes-Wassersprung und Caspar-Wassersprung|74a]]. Ein Haus im Wald (KHM [[Die zwölf Brüder|9]], [[Die drei Männlein im Walde|13]], [[Das Rätsel|22]], [[Das Mädchen ohne Hände|31]], [[Der Räuberbräutigam|40]], [[Schneewittchen|53]], [[De Gaudeif un sien Meester|68]], [[Die Rabe|93]], [[Das blaue Licht|116]], [[Die Alte im Wald|123]], [[Der Teufel und seine Großmutter|125]], [[Der Eisenofen|127]], [[Der gläserne Sarg|163]], [[Das Waldhaus|169]]) oder Schloss im Wald (KHM [[De drei schwatten Prinzessinnen|137]], [[Die Kristallkugel|197]], [[Der Soldat und der Schreiner|130a]]) gibt es oft. Auch magische Blumen sind im Märchen nicht ungewöhnlich, siehe z.B. Grimms Anmerkung zu KHM 28 ''[[Der singende Knochen]]''.
 
== Varianten ==
Die [[Aarne-Thompson-Index|Märchenklassifikation]] von [[Antti Aarne|Aarne]] und [[Stith Thompson|Thompson]] nennt einen eigenen Typ 405 ''Jorinde und Joringel'',<ref>Antti Aarne, Stith Thompson: ''The types of the folktale. A classification and bibliography.'' ". Auflage. Helsinki 1961, S. 135.</ref>, für den sich aber kaum Beispiele aus der Volksdichtung fanden. Während also Zeitgenossen das Märchen noch für authentisch hielten, interessiert sich die vergleichende Märchenforschung nur am Rande dafür. Zu Einzelmotiven vgl. in [[Giambattista Basile|Basiles]] [[Rahmenhandlung des Pentameron|Pentameron]] II,2 ''[[Verde Prato]]''. Vergleichbar bei [[Ludwig Bechstein]] wären ''[[Die Hexe und die Königskinder]]'' in [[Deutsches Märchenbuch]] (zu Rose, Tau und Nachtigallen auch ''[[Die Rosenkönigin]]'' in der Ausgabe von 1845) und ''[[Vom Knaben, der das Hexen lernen wollte]]'', ''[[Klare-Mond]]'', ''[[Vom Hasen und dem Elefantenkönige]]'' in [[Neues deutsches Märchenbuch]]. [[Ignaz Vinzenz Zingerle]] findet ein tiroler Märchen von einem Bauer, der im Mondschein noch sein Korn schneiden will und eine Stimme hört: ''der tag ist dein, / die nacht ist mein, / schere dich nach hause bald, / sonst verfallst du einer üblen gewalt.''<ref>I. V. Zingerle: ''Sagen aus Tirol.'' In: J. W. Wolf (Hrsg.). ''Zeitschrift für Deutsche Mythologie und Sittenkunde.'' Zweiter Band. Dieterichschen Buchhandlung, Göttingen 1855, S. 355.</ref> [[Ursula Enderle]] berichtet eine Variante ''Der Mädchenvogel'' aus dem serbokroatischen Raum.<ref>Ursula Enderle (Hrsg.): ''Märchen der Völker Jugoslawiens.'' Insel, Leipzig 1990, ISBN 3-7351-0121-6, S. 390–392. Originaltitel: ''Bajke Naroda Jugoslavije.'' Aus dem Serbokroatischen übertragen und mit einem Vorwort von Ursula Enderle. Kommentare von Jaromir Jech.</ref> In einer [[Spanien|spanischen]] Variante tötet Joringel eine Schlange als Wächter.<ref>Antti Aarne, Stith Thompson: ''The types of the folktale. A classification and bibliography.'' 2. Auflage. Helsinki 1961, S. 135.</ref> Psychologisch ähnlich ist zum Beispiel ein südafrikanisches Märchen von der Himmelsfrau, die am Lichtfaden eines Sterns zur Erde kam, mit einem geheimen Himmelsgut in einem Korb.<ref>Siegfried Neumann: ''Das Märchen vom Korb der Himmelsfrau.'' In: ''Märchenspiegel. Zeitschrift für internationale Märchenforschung und Märchenpflege.'' Februar 1999, {{ISSN|0946-1140}}, S. 23.</ref>
 
== Rezeptionen und Parodien ==
[[Novalis]] mochte Märchen und kannte Jung-Stillings Werk.<ref>Hans W. PanthelDatei:Stamps ''Fromof theGermany 'blutrothe'(DDR) to the Blaue Blume.'' In: ''Neophilologus.'' 721969, 1988,MiNr {{ISSN|0028-2677}},Kleinbogen S. 582–587; G. Stecher: ''Jung1450-Stilling als Schriftsteller1455.'' Berlin 1913, S. 266–267; Dieter Cunz. In: Johann Heinrich Jung-Stilling: ''Henrich Stillings Jugend, Jünglingsjahre, Wanderschaft und häusliches Leben.'' Bibliographisch ergänzte Ausgabe. Relam, Stuttgart 1997, ISBN 3-15-000662-7, S. 415.</ref> Er verwendet in seinem Roman ''[[Heinrich von Ofterdingen]]'' eine ähnliche Symbolsprache wie er: Ruinen im Wald, Laufjpg|mini|Kleinbogen der Sonne,Deutschen SympathiePost der Gegensätze. Insbesondere gibt es eine Szene Ende des vierten KapitelsDDR, wo er und die orientalische Sklavin Zulima im Wald unter aufgehendem Mond zum Schloss aufsteigen, wo sie einer Horde Kreuzritter dienen muss.<ref>[[Gerhard Schulz (Literaturwissenschaftler)|Gerhard Schulz1969]] (Hrsg.): ''Novalis Werke.'' 4. Auflage. Beck, München, ISBN 3-406-47764-X, S. 176.</ref> Die dabei zum Ausdruck kommende Sehnsucht nach dem Morgenland erinnert auch an Stillings Roman ''[[Das Heimweh]]''. Verglichen mit Stillings moralisch-seelischem Ansatz scheint Novalis die Natur geistig erkennen zu wollen, was sich in der Suche nach einer hohen [[Blaue Blume|blauen Blume]] ausdrückt. Sie wurde Sinnbild der [[Romantik]].
[[Novalis]] mochte Märchen und kannte Jung-Stillings Werk.<ref>Hans W. Panthel: ''From the 'blutrothe' to the Blaue Blume.'' In: ''Neophilologus.'' 72, 1988, {{ISSN|0028-2677}}, S. 582–587; G. Stecher: ''Jung-Stilling als Schriftsteller.'' Berlin 1913, S. 266–267; Dieter Cunz. In: Johann Heinrich Jung-Stilling: ''Henrich Stillings Jugend, Jünglingsjahre, Wanderschaft und häusliches Leben.'' Bibliographisch ergänzte Ausgabe. Relam, Stuttgart 1997, ISBN 3-15-000662-7, S. 415.</ref> Er verwendet in seinem Roman ''[[Heinrich von Ofterdingen]]'' eine ähnliche Symbolsprache wie er: Ruinen im Wald, Lauf der Sonne, Sympathie der Gegensätze. Insbesondere gibt es eine Szene Ende des vierten Kapitels, wo er und die orientalische Sklavin Zulima im Wald unter aufgehendem Mond zum Schloss aufsteigen, wo sie einer Horde Kreuzritter dienen muss.<ref>[[Gerhard Schulz (Literaturwissenschaftler)|Gerhard Schulz]] (Hrsg.): ''Novalis Werke.'' 4. Auflage. Beck, München, ISBN 3-406-47764-X, S. 176.</ref> Die dabei zum Ausdruck kommende Sehnsucht nach dem Morgenland erinnert auch an Stillings Roman ''[[Das Heimweh]]''. Verglichen mit Stillings moralisch-seelischem Ansatz scheint Novalis die Natur geistig erkennen zu wollen, was sich in der Suche nach einer hohen [[Blaue Blume|blauen Blume]] ausdrückt. Sie wurde Sinnbild der [[Romantik]]. In [[Ina Seidel]]s Roman ‚‘[[Das Wunschkind]]‘‘ hört der Held das Märchen, als grade seine Schwester entführt wird. Beide werden immer wieder mit den Motiven Sonne, Mond, Lerche, Katze, versteinert sein belegt, sie sogar als Undine bezeichnet.<ref>Ina Seidel: ‚‘Das Wunschkind.‘‘ Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1930, S. 27, 67, 102, 168–169, 176, 177, 187, 191, 248, 251, 255–264, 283, 290, 292, 304, 307, 332, 360–362, 465, 483, 535–543, 563, 589, 602, 752, 767, 774, 810, 812, 822, 824, 829, 831, 837, 858, 866–868, 886, 887, 897, 926, 933, 936.</ref>
 
[[Hans-Jörg Uther]] findet Belege für mündliche Erzählungen besonders im skandinavischen, irischen, deutschen und slawischen Raum, die meist auf Grimms, seltener auf Jung-Stillings Version zurückgehen, sowie Parodien, die die Hexe als Rivalin auffassen.<ref>Hans-Jörg Uther: ''Jorinde und Joringel.'' In: ''Enzyklopädie des Märchens.'' Band 7. Berlin, New York 1993, S. 633.</ref> Letzteres würde an Märchen von der falschen Braut erinnern (AaTh 403, 533: KHM [[Die drei Männlein im Walde|13]], [[Die Gänsemagd|89]], [[Die weiße und die schwarze Braut|135]]). Bühneninterpreten, aber auch der [[Anthroposophie|Anthroposoph]] [[Rudolf Meyer (Anthroposoph)|Rudolf Meyer]] legen Jorinde und Joringel weitere Gedichte in den Mund.<ref>Rudolf Meyer: ''Die Weisheit der deutschen Volksmärchen.'' 1935. 5. Auflage. Urachhaus, Stuttgart, 1963, S. 198–199.</ref> In [[Janosch]]s Parodie wird Jorinde mit dem Lied in einem Blumenkreis zur Nachtigall, worauf Joringel in jedem Vogelkäfig sucht und ihr schließlich nachfolgt.<ref>Janosch: ''Janosch erzählt Grimm's Märchen. Fünfzig ausgewählte Märchen, neu erzählt für Kinder von heute. Mit Zeichnungen von Janosch.'' 8. Auflage. Beltz und Gelberg, Weinheim und Basel 1983, ISBN 3-407-80213-7, S. 240-242.</ref> Dass hier keine Hexe vorkommt passt zu der Beobachtung, dass i. Ggs. zu anderen Märchen die Magie bloß die Seelenlage des Paares ummalt. BühneninterpretenBei [[Bernhard Kaczmarek]] isst die Hexe Jungfernfleisch, überlegt es sich aber auchanders derund verführt Joringel.<ref>Burkhard Kaczmarek: ''Story von Jorinde und Joringel.'' In: Wolfgang Mieder (Hrg.): ''Grimmige Märchen. Prosatexte von Ilse Aichinger bis Martin Walser.'' Fischer Verlag, Frankfurt (Main) 1986, ISBN 3-88323-608-X, S. 231-234 (zuerst erschienen in: ''Simplicissimus.'' Nr. 16, 20. April 1963, S. 242; Autorenangabe bei Mieder erst „Bernhard Kaczmarek“, im Quellenteil „Kaczmarek, Burkhard“).</ref> [[Anthroposophie|AnthroposophJörg Steiner]] [[Rudolfparodiert Meyerlediglich, wie auch Kaczmarek, die sprachlichen Wendungen des Märchens.<ref>Jörg Steiner: ''Jorinde und Joringel.'' In: Wolfgang Mieder (AnthroposophHrg.)|Rudolf: Meyer''Grimmige Märchen. Prosatexte von Ilse Aichinger bis Martin Walser.'' Fischer Verlag, Frankfurt (Main) 1986, ISBN 3-88323-608-X, S. 238-239 (1973; zuerst erschienen in: Hans-Joachim Gelberg (Hrg.): ''Neues vom Rumpelstilzchen und andere Haus-Märchen von 43 Autoren.'' Beltz & Gelberg, Weinheim 1976, S. 78-80.).</ref> [[Margaret Mahy]]s legenJugendbuch Jorinde''Die undandere JoringelSeite weiteredes GedichteSchweigens'' bezieht sich auf das Märchen, indem eine Frau ihr behindertes Kind aus Scham in den MundTurm sperrt und im Haushalt ein stummes Mädchen anstellt, das ihr Geheimnis lüftet.<ref>RudolfMargaret MeyerMahy: ''Die Weisheitandere derSeite deutschendes VolksmärchenSchweigens.'' 1935.Deutscher 5.Taschenbuch Auflage. UrachhausVerlag, Stuttgart,München 19632000, S.ISBN 198–1993-423-70594-9 (übersetzt von Cornelia Krutz-Arnold; neuseeländische Originalausgabe: ''The Other Side of Silence'').</ref>
 
[[Datei:Stamps of Germany (DDR) 1969, MiNr Kleinbogen 1450-1455.jpg|mini|Kleinbogen der Deutschen Post der DDR, 1969]]
 
In der DDR erschien eine Briefmarkenserie mit Jorinde- und- Joringel - Motiv. In Dänemark heißt offenbar ein Verlag ''Jorinde & Joringel''. Der Name [[Jorinde]] hat als Vorname eine gewisse Verbreitung gefunden.
 
== Bühnenstücke ==
 
== Filme ==
Der erste [[Portal: Film|Film]] ''Jorinde und Joringel'' war wohl ein [[Deutschland|deutscher]] [[Zeichentrickfilm]] 1920,<ref>Roy Kinnard: ''Horror in silent films: A Filmography, 1896–1929.'' McFarland, Jefferson, North Carolina, und London 1995, ISBN 0-7864-0036-6, S. 118.</ref>, der nicht erhalten ist. Die [[DEFA]] in der [[Deutsche Demokratische Republik|DDR]] drehte 1957 einen [[Puppentrickfilm]] (20 min, [[Regie]]: [[Johannes Hempel]]) und 1986 einen [[Spielfilm]] (76 min, Regie: [[Wolfgang Hübner (Regisseur)|Wolfgang Hübner]]) gleichen Titels: ''[[Jorinde und Joringel (1986)|Jorinde und Joringel]]''. Auf [[Niederländische Sprache|Niederländisch]] existiert ein zehnminütiger Zeichentrickfilm ''Jorinde en Joringel'' (1978, Regie: [[Niek Reus]]). In der [[japan]]ischen Zeichentrickserie ''[[Grimms Märchen (Anime)|Gurimu Meisaku Gekijo]]'' (japan. Erstausstrahlung 1987–1988), die auch auf deutsch synchronisiert wurde, ist Folge 17 ''yorinde to yoringeru'' (30 min). Die [[USA|amerikanische]] Filmemacherin [[Lisa Hammer]] drehte 1995 einen 30-minütigen [[Schwarzweißfilm|Schwarzweiß]]-[[Stummfilm]] ''Jorinda and Joringel''. 2011 interpretierte [[Bodo Fürneisen]] das Stück u.&nbsp;a. mit [[Katja Flint]], [[Uwe Kockisch]], [[Llewellyn Reichmann]] und [[Jonas Nay]] neu. Es wurde am 25. Dezember 2011 unter dem Titel [[Jorinde und Joringel (2011)|Jorinde und Joringel]] vom [[Rundfunk Berlin-Brandenburg|RBB]] ausgestrahlt.<ref>[http://www.rbb-online.de/maerchenfilm/6_auf_einen_streich/jorinde_und_joringel/drehstart_fuer_jorinde.html Programmhinweis zu Jorinde und Joringel auf rbb-online.de], abgerufen am 11. Dezember 2011.</ref>
 
== Literatur ==
* Erich Bauer: ''Jorinde und Joringel.'' Ein Märchenspiel nach Gebr. Grimm. Mit Musik. Buchner, München 1949.
* Harald Grill: ''Jorinde und Joringel im Wackersdorfer Wald.'' 22 Bilder einer Himmelsbeerdigung. Theaterstück. Unterforsthuber & Roßmanit, Traunreut 1987. Städtische Bühnen Regensburg, Uraufführung am 6. November 1987.
* [[Roland Zoss]]: ''Jorinde und Joringel''. Märchenmusical und Spiel in der Reihe Liedermärli in Mundart, Bern 2005.
 
== Weblinks ==
{{Wikisource|Jorinde und Joringel}}
{{Commonscat|Jorinde and Joringel|Jorinde und Joringel}}
* [http://www.zeno.org/Literatur/M/Grimm,+Jacob+und+Wilhelm/M%C3%A4rchen/Kinder-+und+Hausm%C3%A4rchen/69.+Jorinde+und+Joringel''Jorinde und Joringel'' bei zeno.org.]
* [http://gutenberg.spiegel.de/buch/5449/10 Gutenberg-DE: Originaltext von ''Jorinde und Joringel'' in ''Heinrich Stillings Jugend''.]
* [http://gutenberg.spiegel.de/buch/6248/88 Gutenberg-DE: Originaltext von ''Jorinde und Joringel'' nach den Brüdern Grimm.]
* [[Datei:Speaker Icon.svg|20px]] [http://www.archive.org/download/grimm_maerchen_1_librivox/grimm_191_jorindeundjoringel_64kb.mp3 ''Jorinde und Joringel'' als Hörbuch (MP3; 3,0 MB)] auf [[LibriVox]].
* [http://www.hausarbeiten.de/faecher/hausarbeit/psp/16173.html Psychologische Hausarbeit von Sylvia Preis: ''Märchen in der Therapie – Wege aus Angst und Symbiose''.]
* {{Webarchiv | url=[http://p8277www.typo3servermaerchenatlas.infode/?id=112deutsche-maerchen/grimms-marchen/jorinde-und-joringel | wayback=20090220185153 | text=MärcheninterpretationMärchenatlas.de zu ''Jorinde und Joringel''}}.]
* [http://wwwp8277.lindenau-museumtypo3server.deinfo/index.php?id=742112 AusstellungMärcheninterpretation zu ''Jorinde und Joringel'] u'.a. mit Werken von [[Charles Crodel]], [[Josef Hegenbarth]] im [[Lindenau-Museum]] Altenburg anlässlich des Internationalen Märchenkongresses im Herbst 2007
<!-- Link tot: * [http://medienproduktionwww.netmuseen-hanau.de/showroomFranz-Stassen/medienprojektege-1/details/maerchenhaftege-fotos/16.htm VisualisierungMuseum desHanau: MärchensGemälde invon 5Franz Fotos,Stassen studentisches''Jorinde Medienprojektund an der HS-OWLJoringel''.]-->
* [http://www.lindenau-museum.de/aktuell/austell.html Ausstellung 'Jorinde und Joringel' u.a. mit Werken von [[Charles Crodel]], [[Josef Hegenbarth]] im [[Lindenau-Museum]] Altenburg anläßlich des Internationalen Märchenkongresses im Herbst 2007.]
* [http://medienproduktion.net/showroom/medienprojekte/details/maerchenhafte-fotos/ Visualisierung des Märchens in 5 Fotos, studentisches Medienprojekt an der HS-OWL.]
 
== Einzelnachweise ==
4.868
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