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Jorinde und Joringel

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Metaphern im Text: www.duden.de/rechtschreibung/Schadenzauber Schadens- -> Schaden- /kein genitiv "s" hier! Fachlexika (RGA u.HdA (Hb d.Aberglaubens) schreiben"Schadenzauber"
Das Liebespaar wird mit [[Turteltaube]]n verglichen, gemäß der Redensart ''verliebt wie die Turteltauben'': Als Jorinde weint und klagt, singt eine Turteltaube ''kläglich auf den alten Maibuchen'', und als sie verwandelt wird, singt sie selbst vom ''„Vöglein mit dem Ringlein rot“''. Turteltauben haben einen roten Ring um ihre runden Augen und sind ein Symbol für Friede, Reinheit und Unschuld (siehe auch [[Venus (Mythologie)|Venus]]). Mit der ''Maibuche'' kann nur die gewöhnliche [[Rotbuche]] gemeint sein, ein Baum mit glatter Rinde und feinen, glatten (wachshaltigen) Blättern, wobei sich sog. Sommerblätter und Winterblätter deutlich unterscheiden. Sie ist nach [[Westfalen|westfälischer]] Folklore Fruchtbarkeitssymbol.<ref>Rudolf Müller: ''Jorinde und Joringel. Wenn durch Trennung die Liebe erwacht.'' Weisheit im Märchen. Kreuz, Stuttgart 1997, ISBN 3-268-00044-4, S. 32.</ref> Auch die Nachtigall, in die Jorinde verwandelt wird, wird mit Liebe in Verbindung gebracht. Ihr nächtlicher Gesang verleiht dem aber eine sinnliche oder melancholische Färbung. Die Beschreibung der alten Frau mit großen roten Augen und krummer Nase ähnelt der Eule, in die sie sich verwandelt. Ihr Ruf ''„Schu – hu – hu – hu“'' und die ''glühenden Augen'' passen am besten zu einer [[Waldohreule]], die in ganz Mitteleuropa verbreitet ist. Sie, der Mond und die [[Wildkatze|Katze]] sind Attribute von [[Hexe]]n (siehe auch [[Artemis]], [[Hekate]], [[Freya]], [[Lilith]], [[Luna]]; KHM [[Die drei Glückskinder|70]], [[Die Eule|174]]). Joringels ''blutrote Blume'' ist am ehesten eine [[Rosen|Rose]] ([[Liebe]]), könnte aber auch eine [[Nelken|Nelke]] sein ([[Tod]], vgl. KHM [[Die Nelke|76]]) oder ein [[Liliengewächse|Liliengewächs]] ([[Ostern|Auferstehung]]). Ihr Blütenring entspricht Jorindes ''„Ringlein rot“''. Die Tränen werden also im Traum zur Perle, dann Morgentau (vgl. KHM [[Die Gänsehirtin am Brunnen|179]]). [[Rot]] kann für Blut stehen oder die Liebe, die das Paar beweist.
 
Die variierte Kreisform von ''Ringlein'' und ''Blume'' deutet [[Komplementarität]] an, wie schon die Namen ''Jorinde'' (wie ''Rinde'') und ''Joringel'' (sich ''ringeln''). Man mag an den Fußring gezähmter Vögel denken, oder an den Ehering. In anderen Märchen legt der Mann der Frau zur Erkennung einen Ring in den Weinkelch<ref>Klaus Graf: ''Ring.'' In: ''Enzyklopädie des Märchens.'' Band 11. Berlin, New York 2004, S. 688–696.</ref> (KHM [[Die sieben Raben|25]], [[Allerleirauh|65]], [[Die Rabe|93]], [[Der Bärenhäuter|101]], [[Heimkehr des Gatten|AaTh 947]]). Die Nachtwesen teilen bei allem Gegensatz zu den frommen Tauben eine [[Ambivalenz]], so hat der Mond eine zu- und abnehmende Hälfte, die bedrohliche Eule gilt auch als scharfsichtig und weise, die Katze ist Raub- und Haustier. In Jorindes Lied verrät die Formulierung ''„Mein Vöglein“'' eine Identität der jungen mit der alten Frau, die umgekehrt Gnade beweist, als sie Joringel losbindet, und mit Jorindes Erlösung verschwindet (vgl. KHM [[Die Gänsehirtin am Brunnen|179]]). Ihr ''„wenn's Möndel ins Körbel scheint“'', entspricht bildlich der Perle im Blütenkelch und sprachlich der Verkleinerungsform ''„mein Vöglein mit dem Ringlein rot“''. Führt man die sexuelle Deutung von Ring und Blume mit Tautropfen fort, so personifiziert die Hexe in ihrer lähmenden, aber auch behütenden Wirkung die Angst beider junger Menschen vor der Initiation: ''Sie waren so bestürzt, als wenn sie hätten sterben sollen.'' [[Bannkreis]]e, als [[SchadenszauberSchadenzauber]] oder zur [[Heilung]], ähneln einem Binden mit magischem Seil.<ref>Christoph Daxelmüller: ''Festbannen.'' In: ''Enzyklopädie des Märchens.'' Band 4. Berlin, New York 1984, S. 1043–1052.</ref> Im Märchentyp ''Jungfrau im Turm'' (KHM [[Rapunzel|12]]) erfolgt die Befreiung in einem Korb an einem Seil.<ref>Hans-Jörg Uther: ''Jungfrau im Turm.'' In: ''Enzyklopädie des Märchens.'' Band 7. Berlin, New York 1993, S. 791–797.</ref> Die Hexe nutzt aus, dass sie ihre Opfer anzieht (vgl. KHM [[Der wunderliche Spielmann|8]]), sie lähmt sie, und sie speit Gift (vgl. KHM [[Rapunzel|12]], [[Dornröschen|50]], [[Schneewittchen|53]]). Sie ähnelt damit einer [[Schlangen#Symbolik und Mythologie|Schlange]], deren Gift auch lähmend wirkt und die wegen ihrer Häutungen (Verwandlungen) als unsterblich verehrt wurde (siehe auch [[Medusa|Meduse]], [[Basilisk (Mythologie)|Basilisk]], [[Gilgamesch-Epos]]). Durch ihren Körperbau und zwiespältige Bedeutung im Alten Testament und in [[Gnostizismus|gnostizistischem]] Gedankengut ist sie wichtiges Symbol der Dualität bzw. deren Überwindung ([[Ouroboros]]).
 
=== Mystische Symbolik ===
18.009
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