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Spanische Trichternetzspinne

Art der Gattung Macrothele
Spanische Trichternetzspinne
Spanische Trichternetzspinne (Macrothele calpeiana), Weibchen

Spanische Trichternetzspinne (Macrothele calpeiana), Weibchen

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Vogelspinnenartige (Mygalomorphae)
Familie: Macrothelidae
Gattung: Macrothele
Art: Spanische Trichternetzspinne
Wissenschaftlicher Name
Macrothele calpeiana
(Walckenaer, 1805)

Die Spanische oder Europäische Trichternetzspinne (Macrothele calpeiana) ist eine Webspinne aus der Familie der Macrothelidae. Die Spinne zählt zu den größten Europas und ist aufgrund der Wirkung ihres Bisses bekannt.

MerkmaleBearbeiten

 
Illustration eines Männchens

Die Körperlänge des Weibchens kann bis zu 37 Millimeter, die des Männchens bis zu 25 Millimeter betragen.[1] Die Grundfärbung der Spanischen Trichternetzspinne ist schwarzbraun, versehen mit einem violetten Schimmer. Das Opisthosoma ist etwas heller gefärbt. Der Körperbau entspricht dem anderer Arten der Familie Macrothelidae, womit auch diese zu den Vogelspinnenartigen zählende Art vergleichsweise urtümlich und robust erscheint und ebenso an die entfernt verwandten Vogelspinnen erinnert. Weitere Eigenarten, die ebenfalls bei anderen Arten der Familie auftreten, sind die feine Körperbehaarung und die stark verlängerten Spinnwarzen, die der Spinne ein deutlich größeres Erscheinungsbild verleihen. Das vordere Spinnwarzenpaar ist hier zurückgebildet.[2]

Ähnliche ArtenBearbeiten

Die Spanische Trichternetzspinne ähnelt anderen Arten der Familie, darunter der deutlich prominenteren und auch gefährlicheren Sydney-Trichternetzspinne (Atrax robustus), die in Australien verbreitet ist.

VorkommenBearbeiten

Das Verbreitungsgebiet der Spanischen Trichternetzspinne umfasst zwei Gebiete in Europa und in Afrika. Im letztgenannten Kontinent bewohnt sie die Länder Marokko und Algerien[3], in Europa besiedelt die Art ein deutlich kleineres Gebiet im Süden Spaniens und Portugals[2][3]. Sie ist darüber hinaus eine von nur zwei Arten der Familie, die auf dem europäischen Kontinent vertreten sind. Die andere ist die nah verwandte und auf Kreta endemische Art Macrothele cretica.[4] Im nördlichen Teil Italiens wurde die Spinne eingeschleppt[2] und auch in anderen Teilen Europas scheint sich die Art auszubreiten, jedoch keine festen Populationen aufzubauen.[3] Die Art bewohnt überwiegend schattige Gelände, darunter etwa Korkeichen- und Pinienwälder.[2] Gelegentlich werden auch passende Gebiete angenommen, die von Menschenhand umgestaltet wurden, darunter etwa Deponien.[3]

Bedrohung und SchutzBearbeiten

Die Spanische Trichternetzspinne ist als einzige Spinnenart nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie europaweit geschützt.[5] Der Grund dafür ist das kleine Verbreitungsgebiet und der Rückgang ihrer Lebensräume.[6]

LebensweiseBearbeiten

 
Fangnetz der Spanischen Trichternetzspinne

Die Spanische Trichternetzspinne baut wie die anderen Vertreter der Familie und ähnlich wie die nicht näher verwandten Winkelspinnen ein flach ausgebreitetes Fangnetz, das sich nach hinten zu einer trichterförmigen Wohnröhre verjüngt. Tagsüber versteckt sich die Spinne bevorzugt in dieser, nachts hingegen hält sie sich gern am Anfang der Röhrenmündung auf.[2] Das Fangnetz wird oft an verschiedenen Bäumen und auch gerne in beachtlichen Höhen angelegt. Es wurden Fangnetze gesichtet, die in zwei Metern Höhe angelegt wurden. Nicht selten sieht man auch Fangnetze anderer Exemplare in unmittelbarer Nähe. Als Beutetiere kommen bevorzugt diverse Gliederfüßer in Frage, die auf dem Netz landen. Wie bei anderen Spinnen, die mithilfe eines Trichternetzes Beute fangen, kommt die Spanische Trichternetzspinne aus ihrer Wohnröhre, sobald ein passendes Beutetier auf der Netzdecke landet, packt die Beute mit den Cheliceren und zieht sich anschließend mit der Beute, in die bereits Gift injiziert wurde, in die Netzröhre zurück, um das Beutetier dort zu verdauen.[7]

FortpflanzungBearbeiten

 
Weibchen mit abgeworfenem Exoskelett nach einer Häutung.
 
Kokon und geschlüpfte Jungtiere der Spanischen Trichternetzspinne

Das Fortpflanzungsverhalten der Spanischen Trichternetzspinne wurde untersucht, ist aber noch nicht vollständig geklärt. Wenn ein Weibchen ein paarungswilliges Männchen auf seinem Netz bemerkt, richtet es sich auf und nimmt eine Stellung ein, die der typischen Drohstellung gleicht. Das Männchen antwortet mit derselben Geste. Dies dient dazu, dass beide Tiere die für Vogelspinnenartige typische Paarungsstellung einnehmen können, die im beobachteten Fall etwa nach 30 Sekunden eintrat. Bei dieser presst das Männchen die Tarsen und Metatarsen des ersten Beinpaares gegen das Sternum und die geschlossenen Cheliceren des Weibchens und die Tibien sowie die Metatarsen des zweiten Beinpaares des Männchens gegen die Femora des zweiten Beinpaares des Weibchens. Es wird vermutet, dass beide Geschlechtspartner zuvor mittels Stridulation miteinander kommunizierten. Anschließend führte das Männchen seine Bulbi in die Egipyne des Weibchens. Die Paarung dauerte bei den Untersuchungen zwischen 30 und 120 Sekunden. Danach trennte sich das Männchen mit erhobenen Pedipalpen langsam vom Weibchen und behielt mit mindestens einem Bein des vorderen Beinpaares den Körperkontakt zum Weibchen bei, ehe es versuchte, zu flüchten und dabei vom Weibchen verfolgt wurde. Die Paarungszeit der Spanischen Trichternetzspinne scheint mit der Aktivitätszeit der Männchen einher zu gehen. Sie dauert von Februar bis Juni. Weibchen sind ganzjährig anzutreffen.[4] Ab Juli wurden in freier Wildbahn auch Weibchen mit Eikokons und Jungtieren im eigenen Netz gesichtet. Der Kokon der Spanischen Trichternetzspinne ist von runder Form und weißer Farbe und hat einen Durchmesser von etwa einem Zentimeter. Der Kokon wird vom Weibchen mit den Cheliceren getragen und tagsüber oftmals gegen das Sonnenlicht gehalten. Auffällig war bei Beobachtungen eine stärkere Grabaktivität und ein weiterer Ausbau des Fangnetzes eines Weibchens mit Kokon, was vermutlich zum Schutz und zur Abschreckung von Ameisen dienen sollte. Die Jungtiere wachsen im Netz der Mutter auf, ehe diese selbstständig werden.[7] Ausgewachsene Exemplare der Spanischen Trichternetzspinne können ganzjährig angetroffen werden.[3]

Natürliche FeindeBearbeiten

 
Der Europäische Halbfinger (Hemidactylus turcicus) zählt zu den häufigeren Fressfeinden der Spanischen Trichternetzspinne.
 
Größere räuberisch lebende Arthropoden wie die Afrikanische Riesengottesanbeterin (Sphodromantis viridis) können der Spanischen Trichternetzspinne ebenfalls nachstellen.

Als Feinde der Spanischen Trichternetzspinne kommen Wirbeltiere, die den gleichen Lebensraum bevorzugen, etwa der Europäische Halbfinger (Hemidactylus turcicus) oder die Amsel (Turdus merula) in Frage. Fressfeinde unter den Gliederfüßern wären etwa andere ähnlich große Spinnen, darunter einige Wolfsspinnen, oder auch größere Raubinsekten wie Fangschrecken. Die Spanische Trichternetzspinne wird außerdem gelegentlich von parasitären Milben der Gattung Androlaelaps befallen.[7]

Bissunfälle und GiftigkeitBearbeiten

 
Drohstellung eines Weibchens

Der Biss der Spanischen Trichternetzspinne gilt als recht schmerzhaft und kann Kreislaufbeschwerden verursachen.[1][7] Verglichen mit anderen Spinnen, etwa der Sydney-Trichternetzspinne, ist die Spanische Trichternetzspinne allerdings weniger gefährlich. Die Aggressivität der Art ist ebenfalls eher gering, jedoch ist bei Weibchen, die einen Eikokon bewachen, eine gesteigerte Aggressivität zu beobachten. Sollte sich ein Exemplar der Spanischen Trichternetzspinne bedroht fühlen, richtet es sich auf und nimmt die für Vogelspinnenartige typische Drohgebärde ein (siehe Bild der Drohstellung). Ein Biss der Spinne kann erfolgen, sollte diese weiterhin provoziert werden.[7]

SystematikBearbeiten

Erstbeschreiber Charles Athanase Walckenaer gab der Spanischen Trichternetzspinne 1805 die Bezeichnung Mygale calpeiana. Unter Tord Tamerlan Teodor Thorell erhielt die Art 1870 die Bezeichnung Diplura calpeiana. Anton Ausserer führte die Spanische Trichternetzspinne 1871 unter dem Namen Macrothele calpetana sowie unter dem Synonym Macrothele luctuosa. Durch Rowley G. Snazell setzte sich ab 1986 die heutige Bezeichnung Macrothele calpeiana durch.[8]

Siehe auchBearbeiten

GalerieBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Artbeschreibung der Spanischen Trichternetzspinne auf ecotourismus.de (Link)
  2. a b c d e Heiko Bellmann: Der Kosmos Spinnenführer. Über 400 Arten Europas. Kosmos Naturführer, Kosmos (Franckh-Kosmos), 2. Auflage, 2016, S. 182, ISBN 978-3-440-14895-2.
  3. a b c d e Die Spanische Trichternetzspinne auf der Website von "araneae Spiders of Europe" (Link)
  4. a b Beschreibung über die Gattung Macrothele auf der Website der British Arachnological Society (Link)
  5. Richtlinie 92/43/EWG DES RATES
  6. Bestandsgefährdung und Schutzmaßahmen bedrohter Europäischer Arten im Bereich der Biologie auf EUR-Lex (Richtlinie 92/43/EWG DES RATES Link)
  7. a b c d e Artbeschreibung der Spanischen Trichternetzspinne auf der Website der British Tarantula Society Study Group (Link)
  8. Die Spanischen Trichternetzspinne im World Spider Catalog (Link)

LiteraturBearbeiten

  • Heiko Bellmann: Der Kosmos Spinnenführer. Über 400 Arten Europas. Kosmos Naturführer, Kosmos (Franckh-Kosmos), 2. Auflage, 2016, S. 182, ISBN 978-3-440-14895-2.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Spanische Trichternetzspinne – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien