Soziale Frauenschule

Bildungsinstitutionen in Deutschland 1900 bis 1923

Soziale Frauenschule nannte man bestimmte zwischen der Jahrhundertwende und dem Anfang der 1920er-Jahre in Deutschland entstandene Bildungsinstitutionen.

Im Zuge der Frauenbewegung verfolgten sie das Ziel einer beruflichen Ausbildung für Frauen im wohlfahrtspflegerischen Bereich. Ein weiteres Ziel war die Überwindung der Not des Ersten Weltkriegs, von der besonders Frauen betroffen waren, die durch qualifizierte weibliche Kräfte unterstützt werden sollten.[1] Die erste „Sociale Frauenschule“ entstand als Fortentwicklung einer Ausbildungsstätte für Kindergärtnerinnen 1908 in Berlin, gegründet von Alice Salomon, die die Schule auch leitete.[2] Sie bot eine breite zweijährige Ausbildung mit theoretischen und praktischen Anteilen nebeneinander. Die Lehrerinnen kamen aus dem Umfeld von Gesundheitsamt und Wohlfahrtsamt und unterrichteten zunächst ehrenamtlich. Bis zum Ersten Weltkrieg gab es in Deutschland 14 Soziale Frauenschulen.[3]

Beispiele für solche Einrichtungen:

heutiger Name der Schule Ort Gründungsdatum Gründerin
Alice Salomon Hochschule Berlin Berlin-Schöneberg, später Berlin-Hellersdorf 15. Oktober 1908[4] Alice Salomon[5]
Friedrich-Fröbel-Schule
Fachschule für Sozialpädagogik
Mannheim 1916[6] Marie Bernays
Elisabeth Altmann-Gottheimer
Alice Bensheimer
Julie Bassermann
Sozialpädagogisches Institut der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg 1917 Gertrud Bäumer und Marie Baum[7]
Hochschule für angewandte Wissenschaften München
vormals Soziale Frauenschule München
Fachschule für Sozialpädagogik
München 1919 Frieda Duensing
ab 1921 Anna Heim-Pohlmann
Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen
Abteilung Aachen
Köln
später Aachen[8]
8. November 1916 Katholischer Deutscher Frauenbund durch Hedwig Dransfeld[9] oder Helene Weber[10]

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Klaus Burger: Prüfende Strenge statt blinder Weichherzigkeit. Zur Geschichte der Armut und der Sozialeinrichtungen in Freiburg in: Heiko Haumann, Hans Schadek (Hrsg.): Geschichte der Stadt Freiburg im Breisgau,, Band 3, Theiss, Stuttgart 1996, ISBN 3-8062-0857-3, S. 621
  2. Peter Hammerschmidt (et al.): Der Weg zur Sozialarbeit: Von der Armenpflege bis zur Konstituierung des Wohlfahrtsstaates in der Weimarer Republik. In: Werner Thole (Hrsg.)Grundriss Soziale Arbeit. Ein einführendes Handbuch, S. 140
  3. Peter Hammerschmidt (et al.): Der Weg zur Sozialarbeit: Von der Armenpflege bis zur Konstituierung des Wohlfahrtsstaates in der Weimarer Republik. In: Werner Thole (Hrsg.)Grundriss Soziale Arbeit. Ein einführendes Handbuch, S. 1033, S. 80
  4. Rede von Alice Salomon zur Eröffnung der Sozialen Frauenschule (Memento des Originals vom 17. Januar 2012 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.alice-salomon-archiv.de (PDF; 61 kB)
  5. Adriane Feustel/Gerd Koch (Hrsg.): 100 Jahre Soziales Lehren und Lernen: Von der Sozialen Frauenschule zur Alice Salomon Hochschule Berlin. Schibri, 2008.
  6. Gundula Pauli: Marie Bernays (1883–1939) und die „Soziale Frauenschule“ in Mannheim. Ein Beitrag zur Geschichte der Sozialen Arbeit in Deutschland. Unveröffentlichte Diplomarbeit. Freiburg 2004, S. 4
  7. Larisch, Stephan; Röh, Dieter: Soziale Frauenschule und Sozialpädagogisches Institut Hamburg. Gründung, Krise und Fortbestand zwischen 1917 und 1933. In: Soziale Arbeit, 60 (2011) 9, S. 337–344
  8. Festschrift der Sozialen Frauenschule Aachen. Schwann, Düsseldorf o. J. [1930]
  9. Geschichte der Abteilung Aachen, katho-nrw.de, abgerufen am 18. Mai 2013
  10. Soziale Frauenschule Aachen/Frauenschule für Volkspflege (PDF; 341 kB), lambertus.de, abgerufen am 18. Mai 2013