Sophonisbe

karthagische Frau, Tochter des Feldherrn Hasdrubal

Sophonisbe (im antiken Latein Sophoniba, erst nachantik Sophonisba, griechisch Σοφονίβα, deutsch Sophonisbe, punisch Saphanba'al „Baal hat gerichtet“; † 203 v. Chr. in Cirta) war die Tochter des karthagischen Feldherrn Hasdrubal und von 206/205 bis 203 v. Chr. Königin von Numidien. Im Zweiten Punischen Krieg zwischen Karthago und Rom wurde sie zum Instrument der Heiratspolitik ihres Vaters. Kurz vor Kriegsende profilierte sie sich angesichts drohender römischer Gefangenschaft durch ihre unbeugsame Haltung, die ihr die Bewunderung der Nachwelt eintrug.

Der Tod der Sophonisbe von Giambattista Pittoni
Georg Pencz: Sophonisbe leert den Giftbecher, 16. Jahrhundert

Sie wurde früh mit Massinissa verlobt, aber dann ca. 205 v. Chr. mit dem westnumidischen König Syphax vermählt, der sich in der Folge mit Karthago gegen Rom verbündete. Nach der Niederlage und Gefangennahme des Syphax 203 v. Chr. fiel sie Massinissa in die Hände, der sich (nach Aussage von Titius Livio) sofort mit ihr vermählte, um sie der Gewalt der Römer zu entziehen. Scipio fürchtete den Einfluss Sophonisbes auf Massinissa und forderte darum in einer von Gaius Laelius überbrachten Botschaft ihre Auslieferung. Massinissa entschied sich für die Krone Numidiens aus römischer Hand, und willigte in die Auslieferung ein. Sophonisbe trank dann einen ihr von Massinissa gereichten Giftbecher, um der Gefangenschaft zu entgehen. Der genaue Ablauf dieser Vorgänge, darunter auch ihre angeblichen letzten Worte „Ich nehme dieses Hochzeitsgeschenk an“ wurde von Gaetano De Sanctis als poetische Ausschmückung betrachtet.[1]

Rezeption in Kunst und LiteraturBearbeiten

Während der Renaissance befassten sich Giovanni Boccaccio in De mulieribus claris (1361/62), Francesco Petrarca im Epos Africa (um 1340) und im Trionfo d’amore (nach 1352) sowie Matteo Bandello in der Novelle Infelice esito de l’amore del re Masinissa e de la reina Sofonisba sua moglie (vor 1554) mit der Figur der Sophonisbe. Ihre Geschichte wurde vielfach dramatisch behandelt, u. a. von Gian Giorgio Trissino (1515), Jean Mairet (1634, 1770 von Voltaire bearbeitet), Pierre Corneille (1663), Daniel Casper von Lohenstein (1669), James Thomson (1730), Emanuel Geibel (1856) und Hermann Hersch (1859). Die neuesten dramatischen Bearbeitungen des Themas stammen von Abdelaziz Ferrah (2005) und Thomas Geisler (2006).

Zahlreiche Opern vor allem des 18. Jahrhunderts widmeten sich Sophonisbe, darunter Werke von Antonio Caldara (1708), Christoph Willibald Gluck (1744), Tommaso Traetta (1762) und Maria Teresa Agnesi Pinottini (1765). Auch in der bildenden Kunst vor allem des 17. Jahrhunderts war ihr Selbstmord ein beliebtes Motiv, u. a. bei Bartholomäus Spranger (um 1610, Prag, Nationalgalerie), Rembrandt (1634, Madrid, Prado), Isaac Moillon (1655, Los Angeles County Museum of Art) und Giovanni Battista Tiepolo (1755, Mailand, Palazzo Dugnani). Sophonisbe tritt auch in den italienischen Monumentalfilmen Cabiria (1914, dargestellt von Italia Almirante Manzini) und Karthagos Fall (1937) auf, die zur Zeit des Zweiten Punischen Krieges spielen.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Jean-François Chiappe (Hrsg. und Autor): Die berühmten Frauen der Welt, S. 238. Aus dem Französischen (Le monde au féminin – Encyclopédie des femmes célèbres) unter Ludwig Knoll, ca. 1977.

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Sophonisba – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien