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Sophiensäle

Produktions- und Spielort für freies Theater in Berlin
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Einfahrtsportal zu den Sophiensälen
Fassade der Sophiensäle 2014

Die Sophiensäle (Eigenschreibweise Sophiensæle) sind ein Produktions- und Spielort für freies Theater. Sie haben ihren Sitz im früheren Handwerkervereinshaus auf dem Hof der Sophienstraße 18 in Berlin-Mitte. Die Produktionsstätte wurde 1996 von Sasha Waltz, Jochen Sandig, Jo Fabian, Zebu Kluth und Dirk Cieslak gegründet.

GeschichteBearbeiten

Zur Geschichte des Gebäudes siehe Artikel Handwerkervereinshaus

Die Sophiensäle wurden als GbR begründet und später in eine GmbH umgewandelt.

Die ersten Aufführungen fanden 1996 mit dem Stück Durchgehend geöffnet von Dirk Cieslak und Armin Dallapiccola statt. Die offizielle Eröffnung der Sophiensäle folgte am 26. September 1996 mit der Uraufführung von Sasha Waltz’ ProduktionAllee der Kosmonauten.

Bis 1999 führten Sasha Waltz & Guests alle ihre produzierten Stücke in den Sophiensälen auf. Danach wurde Amelie Deuflhard Geschäftsführerin und künstlerische Leiterin der Sophiensäle. Von 2007 bis 2010 war Heike Albrecht künstlerische Leiterin und Geschäftsführerin, letzteres zusammen mit der Kaufmännischen Leitung Kerstin Müller. 2011 übernahmen Ilka Seifert, Bettina Sluzalek und Franziska Werner die künstlerische Leitung der Sophiensaele.[1] Ende 2011 übernahm Franziska Werner die künstlerische Leitung allein.[2]

2011 wurde das Gebäude aus Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie saniert und am 2. Dezember 2011 wiedereröffnet. Bei der Sanierung wurde darauf geachtet, die Atmosphäre des alten Handwerkervereinshauses zu bewahren. Die Sophiensäle bespielten in dem Gebäude drei Räume: Bis 2011 waren das der Festsaal, der Hochzeits- und der Virchowsaal. Im Zuge der Sanierung wurde der Virchowsaal aufgegeben und durch die Kantine ersetzt. Alle Räume werden auch für nicht-kulturelle Nutzungen vermietet.

Produktions- und SpielstätteBearbeiten

Die Sophiensäle haben sich seit ihrer Gründung 1996 als Produktionsort für freies Theater in Deutschland etabliert. Künstler aus der lokalen, nationalen und internationalen Szene werden aufgrund ihrer künstlerischen Konzepte eingeladen, ihre Arbeiten hier zu produzieren und zu präsentieren. Die Sophiensäle bilden dabei die Spielstätte und unterstützen bei der Beantragung von Fördergeldern, der Suche von Koproduktionspartnern sowie der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Teilweise übernehmen sie auch das Produktionsmanagement.

ProgrammBearbeiten

Pro Jahr sind in den Sophiensälen rund 90 Produktionen und mehrere Festivals zu sehen. Theater, Tanz, Performance, Musik und diskursive Formate werden gezeigt.

Neben neuen Künstlern arbeiten an den Sophiensälen verschiedene Künstler und Kompanien in langjährigen Partnerschaften. Künstler und Kollektive, die regelmäßig in den Sophiensälen auftreten und produzieren, sind Thorsten Lensing, Vanessa Stern, Christoph Winkler, Monster Truck, Sebastian Matthias, Interrobang, Martin Nachbar und Turbo Pascal. In der Vergangenheit produzierten in den Sophienälen unter anderem Künstler wie Nico and the Navigators, Lubricat, Constanza Macras/Dorky Park, Two Fish, Novoflot, Laurent Chétouane und Gintersdorfer/Klaßen. Das in den Sophiensälen 2014 uraufgeführte Stück Karamasow von Thorsten Lensing erhielt den Friedrich-Luft-Preis.[3]

Die Entwicklung neuer Formate, Reihen und Festivals spielt eine wichtige Rolle. Zentral für die Nachwuchsförderung sind die Festivals Tanztage Berlin und Freischwimmer – Neues aus Theater, Performance und Live Art. Verschiedene Hochschulkooperationen ergänzen den Nachwuchsschwerpunkt. Gemeinsam mit dem HAU Berlin und dem Ballhaus Ost sind die Sophiensäle Austragungsstätte des jährlich stattfindenden Festivals 100° Berlin – Das lange Wochenende des Freien Theaters, einem Forum der Berliner Performance-Szene.

NetzwerkBearbeiten

Die Sophiensäle sind Teil eines Netzwerks international orientierter, freier Theaterhäuser, zu dem unter anderem Kampnagel Hamburg, Mousonturm Frankfurt/Main, FFT Düsseldorf, Theaterhaus Gessnerallee Zürich und brut Wien zählen. Darüber hinaus sind die Sophiensäle Spielstätte für Festivals wie Ultraschall, MaerzMusik, das Theatertreffen oder Tanz im August.

VermittlungBearbeiten

Die Sophiensäle setzten sich sowohl durch eigene Initiativen, als auch durch Kooperationen mit verschiedenen Partnern für die kulturelle Vermittlungsarbeit ein. Eigene Initiativen sind die Tischgesellschaften, bei der sich Künstler und Publikum Zeit für Fragen und Antworten nehmen. Außerdem bieten die Sophiensäle Stückeinführungen, Weiterbildungen für Theaterpädagogen, Hausführungen, sowie Vorstellungsbesuche mit Workshops für Gruppen oder Schulklassen an. 2012 entstand der Jugendclub „Kalte Sophies“ unter der Leitung von Judica Albrecht. Seit 2005 sind die Sophiensäle Partnertheater von TUSCH Berlin. Außerdem initiieren sie regelmäßig Projekte mit Künstlern an Schulen. Förderpartner sind der Projektfonds Kulturelle Bildung und Chance Tanz. 2014 realisierten sie zum ersten Mal ihre eigenen Jugendfestspiele.

FinanzierungBearbeiten

Waltz, Sandig und Deuflhard sind bis heute Gesellschafter der Sophiensaele GmbH. Im Sommer 2010 handelten sie einen neuen Mietvertrag mit dem Eigentümer des Gebäudes aus, der auf 15 Jahre festgelegt ist. Im Rahmen der Konzeptförderung der Berliner Senatskanzlei für Kulturelle Angelegenheiten werden die Sophiensäle von 2011 bis Ende 2014 mit einer jährlichen Summe von 750.000 Euro gefördert. 2014 wurde die Summe aufgrund der gestiegenen Wartungskosten nach der Sanierung auf 1 Million Euro erhöht. Für den Förderzeitraum 2015 bis 2018 wurde eine jährliche Förderung von 1.155.000 Euro beschlossen.

SprachpolitikBearbeiten

Am 16. November 2016 wurde die zweite Aufführung des Stücks Leopardenmorde der unabhängigen Zürcher Bühnen im Rahmen des Freischwimmer Festivals vom Team der Sophiensaele wegen „künstlerischer Differenzen“ abgesagt. Begründet wurde dies wie folgt: „Während der ersten Aufführung der Produktion in Berlin kamen wir, das Team der Sophiensäle, zu dem Schluss, dass der künstlerische Umgang mit einem Schriftstück aus den 1920er Jahren mit deutlich zu geringer kritischer Distanz vorgetragen wurde.“[4] Die Sophiensaele machten dem Team von Leopardenmorde Vorschläge „der Überarbeitung für die zweite Vorstellung“, die das Team nicht umsetzen wollte und es so zu einer Absetzung des Stücks kam. In der Presse wurde dieser Vorgang als „Zensur“ (Die Welt) bezeichnet.[5] Im November 2016 kündigten die Sophiensaele an, sie werden „die Debatte fortführen und für nächstes Frühjahr verschiedene diskursive Formate“ bezüglich Leopardenmorde planen.[6] Die taz kritisiert die Streichung von Leopardenmorde aus dem Festivalprogramm als „bevormundend und paternalistisch“ und sieht diese „Bereinigung der Sprache hier als Distinktionstechnik einer Reformelite (..), die sich selbst einen rassismusfreien Status jenseits der weißen Norm attestiert.“[7]

LiteraturBearbeiten

  • Heike Albrecht, Matthias Dell (Hrsg.): Formen künstlerischer Zusammenarbeit – Sophiensaele 2007–2010. Verlag Theater der Zeit, 2010, ISBN 978-3-942449-12-0.
  • Amelie Deuflhard (Hrsg.): Spielräume produzieren – Sophiensæle 1996–2006. Verlag Theater der Zeit, 2006, ISBN 978-3-934344-78-5.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten