Sophie Wilmès

belgische Politikerin, geschäftsführende Premierministerin des Königreichs Belgien
Sophie Wilmès (2017)

Sophie Wilmès (* 15. Januar 1975 in Ixelles/Elsene) ist eine belgische Politikerin des Mouvement Réformateur (MR) und seit dem 27. Oktober 2019 geschäftsführende Ministerpräsidentin Belgiens, und damit die erste Frau in diesem Amt.[1] Sie folgt im Amt Charles Michel nach, in dessen Regierungen Michel I und Michel II sie seit dem 22. September 2015 Haushaltsministerin war. Zuvor war sie 2014 als Ersatzkandidatin für Didier Reynders (MR) in die föderale Abgeordnetenkammer gewählt worden.

FamilieBearbeiten

Sophie Wilmès verbrachte ihre Kindheit in Grez-Doiceau. Ihr Vater Philippe Wilmès war Professor für Wirtschaft an der Katholischen Universität Louvain-La-Neuve und Kabinettschef von Jean Gol, Mitbegründer der liberalen Partei Mouvement Réformateur, damals als Parti Réformateur Libéral, und mehrfach Vizepremierminister unter Ministerpräsident Wilfried Martens. Später war ihr Vater im Direktorium der Belgischen Nationalbank.

Auch ihre Mutter war in der Politik beschäftigt sowie Mitglied zahlreicher Ministerkabinette. Ihre Eltern hätten „zu Hause ständig über Politik geredet“.[2]

Ihre Mutter ist Jüdin und hat mehrere Familienangehörige im Holocaust verloren,[3] ihr Vater ist Katholik und sie besuchte katholische Schulen. Wilmès legt sich in der Öffentlichkeit nicht fest und wehrt sich dagegen, „in eine Schublade“ gesteckt zu werden. Sie betont in einem Interview ihre „weltoffene“ Erziehung und dass sie die „Gesamtheit der erworbenen Werte“ bei ihrer Arbeit einsetzen möchte.[4]

Nach ihrem Schulabschluss zog sie nach Brüssel und studierte dort bis 1997 am Institut des Hautes Etudes de Communications Sociales (IHECS) Kommunikationswissenschaften. 2002 schloss sie ein Abendschulstudium am Institut Supérieur de Commerce Saint Louis in Finanzmanagement ab.

Wilmès ist mit dem Australier Christopher Stone verheiratet und hat vier Kinder.[5]

Beruflicher WerdegangBearbeiten

Ihren beruflichen Einstieg fand Wilmès zunächst 1998 als Assistentin bei der Europäischen Kommission im Bereich der Budgetkontrolle. Anschließend wechselte sie als Wirtschafts- und Finanzberaterin in eine auf Handelsrecht spezialisierte Anwaltskanzlei. Diesen Beruf gab sie im Jahr 2007 auf, um sich fortan auf ihre politische Karriere zu konzentrieren.

Als Gemeinderatsmitglied in Uccle/Ukkel machte Wilmès im Jahr 2000 auf der Liste der Parti Réformateur Libéral (PRL), die später in Mouvement Réformateur umbenannt wurde, ihre ersten politischen Schritte. Das Mandat musste sie 2005 niederlegen, da sie in die flämischeFazilitäten-GemeindeSint-Genesius-Rode zog. In den Gemeinderat von Sint-Genesius-Rode wurde sie 2006 gewählt; dort erhielt sie auf Anhieb das Amt der Ersten Schöffin. Ihr zwischenzeitlich erlangtes Mandat als Provinzialratsmitglied für die Union des Francophones (UF) musste sie 2014 aufgeben, nachdem sie als Ersatzkandidatin für den Vizepremier und Außenminister Didier Reynders (MR) in die föderale Abgeordnetenkammer gewählt worden war.

Etwa ein Jahr nach der Regierungsbildung gab der MR bekannt, dass die bis dahin auf föderaler Ebene kaum bekannte Wilmès den Posten des Haushaltsministers von ihrem Parteikollegen Hervé Jamar übernehmen werde, damit dieser das Amt des Gouverneurs der Provinz Lüttich übernehmen konnte.[6] Am 22. September 2015 legte sie als föderale Haushaltsministerin vor König Philippe den Amtseid ab.

Da der amtierende geschäftsführende Premierminister Charles Michel zum Nachfolger von Donald Tusk als Präsident des Europäischen Rates ab dem 1. Dezember 2019 nominiert wurde, trat er Ende Oktober 2019 von seinem Amt zurück. Am 26. Oktober beschloss seine Partei Mouvement Réformateur (MR), die bisherige Föderalministerin Wilmès zur geschäftsführenden Premierministerin vorzuschlagen. Am Folgetag, 27. Oktober 2019, nahm der König den Rücktritt der Regierung Michel II an und ernannte Wilmès als Premierministerin.

Übersicht über ihre politischen ÄmterBearbeiten

  • 2000 – 2005: Gemeinderatsmitglied in Uccle/Ukkel
  • 2006 – heute: Gemeinderatsmitglied in Sint-Genesius-Rode
  • 2006 – 2015: Erste Schöffin in Sint-Genesius-Rode
  • 2012 – 2014: Mitglied des Provinzalrats in der Provinz Flämisch-Brabant
  • 2014 – heute: Mitglied der föderalen Abgeordnetenkammer (teilweise verhindert)
  • 2015 – 2019: Föderale Ministerin für den Haushalt, mit der Nationallotterie beauftragt, in der Regierung Michel II
  • 2019 – heute: geschäftsführende Premierministerin

WeblinksBearbeiten

 Commons: Sophie Wilmès – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Belga: Sophie Wilmès nommée Première ministre par intérim, première femme à ce poste La Libre 27. Oktober 2019, online abgerufen am 27. Oktober 2019 (französisch).
  2. Belga: Qui est vraiment Sophie Wilmès, la première femme à décrocher le 16 rue de la Loi. In: La Libre Belgique, 26. Oktober 2019, online, abgerufen am 27. Oktober 2019 (französisch).
  3. Belgium’s first female prime minister is Jewish. In: timesofisrael.com. 24. Oktober 2019, abgerufen am 29. Oktober 2019 (englisch).
  4. Frédéric Chardon: "Sur la question des femmes, ma désignation crée un précédent". La Libre Belgique vom 2. November 2019, Seiten 4–5. Im Original: "dans une case" = "in eine Schublade", "C'est l'ensemble de ces valeurs" = "Gesamtheit der erworbenen Werte", "une éducation à l'ouverture du monde" = "weltoffene Erziehung"
  5. Catherine Ernens: Ministre modèle ou notaire du budget : qui est Sophie Wilmès ? L'Avenir (Belgien) 28. September 2016, online abgerufen am 27. Oktober 2019 (französisch).
  6. Lalibre: Hervé Jamar quitte le gouvernement fédéral, remplacé par Sophie Wilmès (21. September 2015) (französisch).