Sophie Brahe

dänische Astronomin

Sophie Brahe (* 24. August 1559[1] auf Schloss Knutstorp, Schonen; † 1643 in Helsingør),[2] die Schwester von Tycho Brahe, war eine dänische Astronomin.

Sophie Brahe

LebenBearbeiten

Sophie Brahe war das jüngste der zwölf Kinder von Otte Brahe (1518–1571) und Beate Clausdatter Bille (1526–1602). Ihre Eltern gehörten zu den reichsten und einflussreichsten Familien in Dänemark. Ihr Vater wurde 1563 Mitglied des Reichsrats und später Gouverneur von Helsingborg. Ihre Mutter verwaltete nach dem Tod des Vaters dessen Güter und war von 1584 bis 1592 Oberhofmeisterin von Königin Sophie.

Sophie besaß eine ausgezeichnete Ausbildung. Neben Dänisch sprach sie auch Deutsch. Ihre wissenschaftlichen Kenntnisse musste sie sich größtenteils selbst und gegen den Widerstand ihrer Familie, die wissenschaftliche Tätigkeit für unangemessen für Adlige und ganz besonders für adlige Frauen ansah, aneignen. Unterstützt wurde sie von ihrem älteren Bruder Tycho Brahe. Er unterrichtete sie in Gartenbaukunst und Chemie. Ihre Kenntnisse in der Astronomie, die sie am meisten reizte, eignete sie sich selbständig an, denn Tycho schienen Mathematik und Astronomie als zu kompliziert für ein Mädchen. Dafür ließ sie auf eigene Kosten lateinische Bücher übersetzen. Ihr Bruder erkannte ihre Fähigkeiten bald an, so dass sie schon als Jugendliche häufig mit ihm zusammenarbeitete. In seinem Schlossobservatorium Uranienborg auf der Öresundinsel Ven vor Landskrona führten sie gemeinsam Himmelsbeobachtungen durch und verfassten einen neuen Fixsternkatalog von tausend Gestirnstandorten. Gemeinsam beobachteten und beschrieben sie am 11. November 1572 die erste bekannte Supernova, am 8. Dezember 1573 eine Mondfinsternis und 1577 einen Kometen. Ihr eigener Anteil an den Arbeiten ihres Bruders ist mangels Aufzeichnungen nicht genau zu rekonstruieren. Pierre Gassendi berichtet jedoch in seiner Biographie über Tycho Brahe von ihren hervorragenden Kenntnissen.

Die Zusammenarbeit wurde um 1579 von einer erzwungenen Heirat mit dem 33-jährigen Otto Thott und der Geburt des Sohnes Tage Thott (1580–1659) unterbrochen. Sophie legte bei Eriksholm, dem Gutshaus ihres Mannes in Schonen, einen berühmten Garten an, erweiterte ihre chemischen und medizinischen Kenntnisse durch das Studium von Paracelsus und war für die Gutsuntertanen als Ärztin tätig. 1587 überschrieb ihr König Friedrich II., der Tycho sehr förderte, das nahegelegene Gut Årup bei Ivetofta, dessen Kirche sie renovieren und neu ausstatten ließ.

Nachdem Brahes Ehemann 1588 gestorben war, erzog sie den Sohn und verwaltete ihre Güter. Als Witwe genoss sie größere Freiheit und konnte ihre Studien in Chemie und Medizin fortsetzen und die gemeinsamen Erforschungen der Gestirne mit ihrem Bruder wieder aufnehmen.[3] Dafür reiste sie mehrmals im Jahr nach Ven. Gemeinsam fertigten sie auch Horoskope an. Zu dieser Zeit verfasste sie einige eigene Schriften zur Astronomie, die ihr Bruder zu veröffentlichen plante. Diese sind jedoch nicht erhalten.[4] Sie begleitete ihren Bruder auch bei öffentlichen Anlässen, zu denen seine bürgerliche Frau nicht zugelassen war. Diese Zusammenarbeit endete, als Tycho 1597 erst nach Wandsbeck und 1598 nach Prag an den Hof des kultur- und wissenschaftsbegeisterten Kaisers Rudolf II. zog, wo er 1601 starb.

Um 1590 lernte sie einen Freund ihres Bruders, den dänischen Adeligen und Alchemisten Erik Lange, kennen. Durch seine Experimente verschwendete er sein ganzes Vermögen und musste 1592 wegen seiner hohen Schulden nach Norddeutschland fliehen. Aus dieser Zeit stammt das im Stil von Ovid verfasste lateinisches Gedicht Urania Titani, das Tycho Brahe 1594 verfasste und das die Trennung der Liebenden beklagt.[4] Als ihr Sohn Eriksholm zum Studium verließ, reiste Sophie Brahe nach Hamburg und traf dort Erik Lange wieder. Nach Tychos Tod und einer mehr als zehnjährigen Verlobungszeit heirateten Sophie und Erik Lange 1602 in Eckernförde. Ihre Familie akzeptierte ihre wissenschaftliche Tätigkeit nicht und hielt die ihr zustehenden Gelder zurück, weshalb das Ehepaar zunächst in Armut lebte, wie Sophie in einem erhalten gebliebenen Brief an ihre Schwester klagte. Nach der Hochzeit zogen sie auf ihr Gut Årup, wo sie auch selbst alchemistische Studien durchführte.[5] 1613 starb Erik Lange in Prag, wo er seit 1608 gelebt hatte.

Nach seinem Tod ließ sie sich in Helsingør nieder und verfasste eine Genealogie der dänischen Adelsfamilien.

EhrungBearbeiten

Nach Sophie Brahe heißt seit 2006 die Sophie-Brahe-Gemeinschaftsschule in Berlin.[6]

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Dieses Datum entspricht einem für sie angefertigten Horoskop und dem Bericht ihres Bruders, demzufolge sie 1573 erst 14 Jahre alt war (Zeeberg: Sophie Brahe). Nach anderen Angaben wurde sie am 22. September 1556 geboren.
  2. Sophie Brahe (Memento vom 5. Juni 2014 im Internet Archive)
  3. Monique Frize: The Bold and the Brave. A History of Women in Science and Engineering. University of Ottawa Press, Ottawa 2009, S. 64.
  4. a b Zeeberg: Sophie Brahe
  5. Jette Anders: 33 Alchemistinnen. S. 113 ff.
  6. Sophie-Brahe-Schule