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Sontra

hessische Stadt im Werra-Meißner-Kreis
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Sontra
Sontra
Deutschlandkarte, Position der Stadt Sontra hervorgehoben

Koordinaten: 51° 4′ N, 9° 56′ O

Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Kassel
Landkreis: Werra-Meißner-Kreis
Höhe: 265 m ü. NHN
Fläche: 111,29 km2
Einwohner: 7839 (31. Dez. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 70 Einwohner je km2
Postleitzahl: 36205
Vorwahlen: 05653, 05658 (Wichmannshausen)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: ESW, WIZ
Gemeindeschlüssel: 06 6 36 011
Stadtgliederung: 16 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Marktplatz 6
36205 Sontra
Website: www.sontra.de
Bürgermeister: Thomas Eckhardt (SPD)
Lage der Stadt Sontra im Werra-Meißner-Kreis
Werra-Meißner-KreisHessenSontraWaldkappelHessisch LichtenauGutsbezirk Kaufunger WaldGroßalmerodeBerkatalMeißnerNeu-EichenbergWitzenhausenHerleshausenRinggauWehretalWeißenbornEschwegeWanfriedMeinhardBad Sooden-AllendorfNiedersachsenThüringenLandkreis Hersfeld-RotenburgSchwalm-Eder-KreisLandkreis KasselKarte
Über dieses Bild

Sontra ist eine Kleinstadt im nordhessischen Werra-Meißner-Kreis.

Der Luftkurort Sontra ist als „Berg- und Hänselstadt“ bekannt, wobei „Bergstadt“ auf die Zeit der Stadt mit Kupferschiefer-Bergbau und „Hänselstadt“ auf die ehemalige Zugehörigkeit zur Hanse verweist. In der Stadt, die sich auf 111,29 km² Fläche erstreckt, leben 4542 (Stand: 30. Mai 2016) inkl. Stadtteile: 7855 Einwohner.

GeographieBearbeiten

 
Ansicht der Altstadt von Sontra

Sontra liegt zwischen Bad Hersfeld (etwa 30 km südwestlich), Kassel (etwa 45 km nordwestlich) und Eisenach (etwa 35 km östlich) östlich des Stölzinger Gebirges, nördlich des Richelsdorfer Gebirges und westlich des Ringgaus. Durchflossen wird es von der Sontra, die bei Wehretal in die Wehre mündet, und der Ulfe, die beim Ortsteil Wichmannshausen in die Sontra mündet. Sontra gehört zum Geo-Naturpark Frau-Holle-Land.

NachbargemeindenBearbeiten

Sontra grenzt im Norden an die Stadt Waldkappel und die Gemeinde Wehretal, im Osten an die Gemeinden Ringgau und Herleshausen (alle im Werra-Meißner-Kreis), im Südosten an die Gemeinde Gerstungen (im thüringischen Wartburgkreis), im Süden an die Gemeinden Wildeck und Nentershausen, sowie im Südwesten an die Gemeinde Cornberg (alle drei im Landkreis Hersfeld-Rotenburg).

StadtgliederungBearbeiten

Neben der Kernstadt besteht Sontra aus den 15 Ortsteilen Berneburg, Blankenbach, Breitau, Diemerode, Heyerode, Hornel, Krauthausen, Lindenau, Mitterode, Stadthosbach, Thurnhosbach, Ulfen, Weißenborn, Wichmannshausen und Wölfterode.

KlimaBearbeiten

Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Sontra-Domäne Metzlar
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 2 4 9 13 18 20 23 23 18 13 7 2 Ø 12,7
Min. Temperatur (°C) −1 −1 2 4 8 11 13 13 10 6 2 0 Ø 5,6
Temperatur (°C) −1,1 −0,4 2,8 6,7 11,2 14,4 15,9 15,3 12,3 8,1 3,4 0,3 Ø 7,4
Niederschlag (mm) 52,4 42,1 52,4 52,7 67,5 74,6 66,9 67,3 49,6 49,9 57,1 63,5 Σ 696
Sonnenstunden (h/d) 1,12 2,09 3,31 4,81 5,97 6,30 6,42 5,99 4,61 3,28 1,33 0,85 Ø 3,8
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Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
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52,4
42,1
52,4
52,7
67,5
74,6
66,9
67,3
49,6
49,9
57,1
63,5
  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Quelle: Max.- / Min-Temperaturen,[2] Monatsdurchschnittstemperaturen, Niederschläge und Sonnenstunden[3]

GeschichteBearbeiten

 
Sontra – Auszug aus der Topographia Hassiae von Matthäus Merian 1655
 
Lageplan zum Stadtbrand des Jahres 1821 mit Angabe der zerstörten Gebäude
 
Stadtansicht von Sontra um 1860

Im Jahre 775 wurde der Sontraer Stadtteil Ulfen erstmals erwähnt. Im 8. Jahrhundert wird auch Sontra selbst erstmals erwähnt. Der Ort war damals Mittelpunkt der Gesamtverwaltung und der obersten Gerichtsbarkeit für den fränkischen Ringgau (Burg und Thing im Regnumsundern). Von den landgräflichen Vögten von Sontra nennen die vorhandenen Urkunden 1224 Gottfried von Wartburg und 1225 einen Herrn von Boyneburg aber schon als landgräfliche Ministerialen advocatus de Sunthra. Die ersten Gerichtsherren auf der Burg Sontra stammten mit hoher Wahrscheinlichkeit von dem Boyneburgern ab. Nach dem Aussterben dieses Zweiges in Sontra um 1330 und der Veräußerung der Schutzherrschaft nannte sich der älteste Zweig der Boyneburger bis zu seinem Aussterben im 16. Jahrhundert nur noch von Sontra.[4] Im Jahre 1232 wurde eine Kunigunde de Suntraha genannt, die beim Besuch des Grabes der Heiligen Elisabeth in Marburg Heilung erfahren habe.

Die Stadtrechte erhielt Sontra im Jahre 1368. Mindestens seit 1499 gab es in Sontra Kupferschieferbergbau, der bis in die 1950er Jahre hinein betrieben wurde. 1558 vernichtete ein Großbrand den mittelalterlichen Stadtkern, dabei brannte auch die Kirche aus. Bereits vor dem Dreißigjährigen Krieg gab es in Sontra eine Apotheke, die in der späteren „privilegierten Löwenapotheke“ fortlebte.

Am 2. März 1576 bestellte ein Fürstliches Rescript den Pfarrer Johannes Werner zu Sontra zum regionalen Vertreter des Superintendenten zu Allendorf an der Werra, um die benachbarten Pfarrer und Schullehrer zu visitieren – er war der erste überhaupt, denen in der Landgrafschaft Hessen das neue Amt eines Metropolitan anvertraut wurde. Dem landgräflichen Amt Sontra entsprach kirchlicherseits bis ins 20. Jahrhundert die Klasse Sontra.

Der Dreißigjährige Krieg setzte der Stadt hart zu. "Anno 1623 seindt alhier an der Rothen Ruhr. 137 Persohnen gestorben; anno 1626 seindt an der Pestil. 549 Persohnen gestorben, Syr.7 Was du thust o Mensch so bedenke das Ende." So steht es auf dem in der Stadtkirche aufgestellten Grabstein des Ulfener Pfarrers Johannes Bormann, 1626 in Sontra verstorben. In der Christnacht 1634 steckten die Kroatischen Reiter die Stadt in Brand; die Hälfte der Häuser wurde vernichtet und auch das landgräfliche Schloss wurde nachhaltig zerstört. Was übrig blieb, plünderten 1639 die Schweden. Im Jahre 1645 siedelten sich wieder Neubürger an und 1647 plünderten noch einmal kaiserliche Soldaten in der Stadt.

In Sontra waren seit dem 18. Jahrhundert sogenannte Schutzjuden ansässig, sie begründeten eine eigene Gemeinde, erwarben ein Grundstück für ihren Friedhof und durften eine eigene Schule betreiben. Am 13. November 1821 fielen erneut große Teile der Stadt einem Stadtbrand zum Opfer. Die brandgeschädigten Bürger wurden durch eine landesweite Sammlung unterstützt, ein kleiner Restbetrag bildete auf Anregung der kurfürstlichen Schadenskommission nach Ausgleich letzter Schäden 1824 einen Grundstock zur Ausstattung der Schule mit Lehrmitteln.

Der städtische Richtplatz befand sich vermutlich nicht auf dem heute so genannten Galgenberg, sondern vor der Stadt auf der Thingstätte. Die dorthin führende Straße, heute Bäckergasse, hat ihren Namen von den Beckarden, die den armen Sündern auf dem Weg zur Hinrichtung eine letzte Barmherzigkeit reichten.

In der zu Sontra gehörenden Siedlung Donnershag wurde 1919 bis 1924 die sogenannte Siedlungsgesellschaft „Freiland-Freigeld“ vom Ehepaar Margart und Ernst Hunkel begründet, wo zeitweise 350 Siedler lebten.[5]

In den Jahren von 1936 bis 1938 wurde an die alte Kupferschiefer-Tradition angeknüpft: Im Richelsdorfer Gebirge wurden Bergwerke neu aufgefahren und auf dem Brodberg wurden Flotations- und Hüttenanlagen zur Weiterverarbeitung des Kupfererzes gebaut. Durch die vorwiegend aus dem Mansfelder Land, aus Oberschlesien und aus dem Saargebiet angesiedelten Berg- und Hüttenleute wuchs die Einwohnerzahl von etwa 2200 auf 5500. Durch Flüchtlinge und Vertriebene wuchs sie 1945/46 abermals auf knapp 7000. Infolge eines Wassereinbruchs im Reichenberg-Schacht 1953 wurde der Kupferschieferabbau unrentabel, so dass 1955 die Kurhessische Kupferschiefer-AG liquidiert werden musste und zahlreiche Bergleute in Richtung Ruhrgebiet abwanderten.

Sontra gehörte bis zur Gebietsreform in Hessen (1972) dem Landkreis Rotenburg (Fulda) an. Die beiden Gemeinden Cornberg und Nentershausen verblieben im neu gegründeten Landkreis Hersfeld-Rotenburg.

Gebietsreform und EingemeindungenBearbeiten

Am 1. Februar 1971 wurden im Zuge der Gebietsreform in Hessen die bis dahin selbständigen Gemeinden Ulfen und Weißenborn auf freiwilliger Basis eingegliedert.[6] Am 1. Juli 1971 kamen die Gemeinden Berneburg, Blankenbach, Lindenau und Wölfterode hinzu.[7] Breitau, Diemerode, Heyerode und Krauthausen folgten am 31. Dezember 1971. Die Reihe der Eingemeindungen wurde mit der Eingliederung von Mitterode, Stadthosbach, Thurnhosbach und Wichmannshausen am 1. August 1972, dem Tag des Wechsels in den Landkreis Eschwege, abgeschlossen.[8] Die beiden Landkreise Eschwege und Witzenhausen wurden am 1. Januar 1974 zum Werra-Meißner-Kreis vereinigt.[9]

PolitikBearbeiten

StadtverordnetenversammlungBearbeiten

Die Kommunalwahl am 6. März 2016 lieferte folgendes Ergebnis,[10] in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:[11][12]

Sitzverteilung in der Stadtverordnetenversammlung 2016
    
Insgesamt 31 Sitze
Parteien und Wählergemeinschaften %
2016
Sitze
2016
%
2011
Sitze
2011
%
2006
Sitze
2006
%
2001
Sitze
2001
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 58,1 18 50,1 16 45,2 14 54,6 17
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 28,3 9 34,0 11 35,8 11 29,0 9
GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen 3,2 1 4,0 1 2,1 1 2,9 1
BfS Bürger für Sontra[13] 10,4 3
FWG Freie Wählergemeinschaft Sontra 7,8 2 10,9 3 8,5 3
FDP Freie Demokratische Partei 4,0 1 6,0 2 4,9 1
Gesamt 100,0 31 100,0 31 100,0 31 100,0 31
Wahlbeteiligung in % 53,4 57,0 55,4 58,4

MagistratBearbeiten

Der Magistrat besteht aus neun Stadträten. Davon entfallen fünf Sitze auf die SPD, drei Sitze auf die CDU und ein Sitz auf die FWG.

BürgermeisterBearbeiten

Gerhard Büchling (parteilos) wurde am 6. März 1994 mit einem Stimmenanteil von 52,9 % zum Bürgermeister gewählt und am 7. November 1999 mit einem Stimmenanteil von 66,8 % wiedergewählt. Das Amt übernahm anschließend Karl-Heinz Schäfer (SPD), der am 22. September 2002 mit einem Stimmenanteil von 67,5 % gewählt wurde. Bürgermeister Karl-Heinz Schäfer wurde am 1. Juni 2008 mit einem Stimmenanteil von 56,1 % wiedergewählt. Seit dem 1. November 2014 ist Thomas Eckhardt Bürgermeister. Er wurde am 25. Mai 2014 mit einem Stimmenanteil von 63,3 % gewählt.

Stadtsiegel und WappenBearbeiten

 
Historisches Stadtsiegel von Sontra

Blasonierung: In Gold eine stilisierte blaue Rose. Auf der Rose ein golden bewehrter, neun Mal von Silber und Rot geteilter Löwe (Hessenlöwe).

Es gibt folgenden überlieferten Wappenspruch:

Die Stadt Sontra eine Rose hat, darinnen ein bunter Löwe staht'.
Dem Fürsten treu sein wohlgebührt und einer Stadt ihr' Namen ziert.

Interkommunale ZusammenarbeitBearbeiten

Zusammen mit den Nachbargemeinden Herleshausen (Werra-Meißner-Kreis) und Nentershausen (Kreis Hersfeld-Rotenburg) wurde am 14. Oktober 2006 der Zweckverband Interkommunale Zusammenarbeit gegründet. Hieraus entwickelt sich eine enge Kooperation dieser drei Gemeinden mit teilweise bereits übergeordneter Erledigung in Eigenverantwortung von gemeinsamen Aufgaben aus den Bereichen Wirtschaft, Kultur (Bildung), Freizeitgestaltung (Tourismus) und Landwirtschaft.

StädtepartnerschaftenBearbeiten

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

BauwerkeBearbeiten

Das Stadtgebiet von Sontra verfügt über einen mittelalterlichen Stadtkern mit zahlreichen denkmalgeschützten Fachwerkhäusern. Das Sontraer Rathaus stammt aus dem Jahre 1668. Über dem Stadtteil Wichmannshausen befindet sich die Burgruine der Boyneburg, sie gehört noch immer zum Besitz der Familie von Boyneburg.

Evangelische Stadtkirche St. MarienBearbeiten

 
Die Stadtkirche steht auf der höchsten Erhebung der historischen Altstadt.

Die Sontraer Kirche war zunächst nach ihrem ersten Schutzpatron, dem Heiligen Georg benannt, heißt aber heute St.-Marien-Kirche. Sie wurde erstmals 1483 bis 1493 von Grund auf erneuert,[15] dabei wurde die dem Bautyp einer gotischen Hallenkirche entsprechende Kirche auch im Grundriss verändert, bei diesem Umbau wurde das nördliche Seitenschiff entfernt, somit besitzt die Kirche nun einen asymmetrischen Grundriss. Das Langhaus besteht aus drei Gewölbejochen, der Chor besitzt zwei Joche. Das Äußere der Kirche macht mit dem sorgfältig bearbeiteten roten Sandsteinquaderwerk und dem mächtigen Dach einen sehr gediegenen Eindruck. Bei den Zugängen ist besonders das große Spitzbogenportal der Nordseite beachtenswert. Der Innenraum, in dem die nachmittelalterlichen Einbauten stark zurücktreten, wirkt weit und offen; zugleich auch hell und festlich. Die Ausmalung von 1934 orientiert sich an der Farbfassung der 1568 wiederhergestellte Ausmalung. Haupt- und Nebenschiff werden durch kräftige Rundpfeiler getrennt, auf denen weit gespannte Arkadenbögen ruhen. Der Chor wird durch die sechs großen Spitzbogenfenster mit dem vielgestaltigen Maßwerk erhellt. Seit 2003 schmücken drei Chorfenster mit dem Trinitätsthema des Londoner Künstlers Graham Jones die drei Chorfenster.[16]

Die Kirche wurde 1558 Opfer eines Großbrandes in der Sontraer Altstadt, dabei wurden auch die im Turm aufgehängten Glocken zerstört. Nach dem Wiederaufbau der Kirche wurde der Kirchturm mit einer markanten Turmspitze versehen, diese stürzte aber bei einem Sturm am 27. Juli 1598 in die Tiefe.

Johann Adam Gundermann aus Wommen gilt als der Erbauer der Sontraer Orgel, er war ein talentierter Schüler des Stader Orgelbaumeisters Arp Schnitger. Gundermann stand noch am Anfang seiner Laufbahn, als er am 22. August 1711, erst 33-jährig in Sontra verstarb. Nach einer späteren Erweiterung verfügte die Orgel über 18 Register Gundermanns und fünf Register des Pedals. Sie galt als die klanglich beste Orgel in weitem Umkreis in Kurhessen außerhalb von Kassel.[17]

BergbausiedlungenBearbeiten

 
Blick vom Mühlberg auf die frühere Siedlung II

Die Wiederaufnahme des Kupferschieferbergbaus im Richelsdorfer Gebirge in den 1930er Jahren führte zu einer rasanten Industrialisierung der bislang kleinbäuerlich geprägten Sontraer Region. Durch den Zuzug der angeworbenen Berg- und Hüttenleute, die mit ihren Familien aus dem Mansfelder Land, Schlesien, dem Saarland und anderen Bergbaurevieren kamen, verdoppelte sich die Bevölkerungszahl Sontras und stieg auf 5274 Einwohner in 1938 an.[18] Um Wohnmöglichkeiten zu schaffen, wurden zwei Neubausiedlungen geplant.

Die Konzeption, die im Dezember 1936 erstellt wurde, sah zwei getrennte Siedlungen am südlichen und nordöstlichen Stadtrand vor. Die Siedlung I mit dem Barbaraplatz als Mittelpunkt sollte über 360, diejenige in der Siedlung II mit dem Glückaufplatz über 216 Wohneinheiten verfügen. Die standardisierte Zeilenbebauung der Straßenzüge wird von unterschiedlichen Haustypen geprägt. Es wurden ein- und zweistöckige Häuser als Einzel-, Doppel und Reihenhäuser errichtet. Fachwerkarchitektur wechselt mit massiven Gebäuden, die jeweils in lockerer Gruppierung einander zugeordnet sind.

Bauträger wurde die neu gegründete Kurhessische Bergbausiedlung mbh, die die Hessische Heimstätte mit der Durchführung beauftragte. Das zentrale Richtfest für die Bergarbeitersiedlungen, verbunden mit einer Grundsteinlegung für ein Gemeinschaftshaus, wurde im Oktober 1937 auf dem Barbaraplatz ausgerichtet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen die Siedlungen in die Hände der halbstaatlichen Kurhessen Wohnungsbau GmbH, der heutigen Wohnstadt, die privaten Interessenten den Kauf von Häusern ermöglichte. Durch die Privatisierung kam es zu individuellen Modernisierungen, An- und Umbauten, die die Einheitlichkeit des Ensembles jedoch kaum beeinträchtigen.

Für den Denkmalschutz sind die "Gesamtanlagen Barbaraplatz und Glückaufplatz" in den beiden Siedlungen aus geschichtlichen Gründen schützenswert.[19][20]

Jüdische FriedhöfeBearbeiten

 
Der alte jüdische Friedhof am Quesselsberg.

Die jüdische Gemeinde Sontras erwarb im Jahr 1710 ein Grundstück an dem steilen Südhang des Quesselsberges, um dort ihre Toten zu bestatten. Vorher wurden die Verstorbenen in Jestädt oder Reichensachsen beigesetzt. Der Friedhof in Sontra diente als Sammelfriedhof auch den jüdischen Gemeinden von Breitzbach, Diemerode, Nentershausen, Nesselröden, Richelsdorf, Solz und Wommen, bis in diesen Orten teilweise eigene Friedhöfe angelegt wurden. Aus Platzmangel wurde die Anlage 1859 erweitert, 1920 wurde der Friedhof geschlossen. In der NS-Zeit blieb die Begräbnisstätte, vermutlich wegen ihrer Abgeschiedenheit, von gewaltsamer Zerstörung verschont. In dem inzwischen mit einem lichten Eichenwald bewachsenen Bereich, oberhalb des „Heinrich-Schneider-Stadions“, stehen von den mehr als zweihundert angelegten Grabstellen noch rund einhundert Grabsteine.[21]

Nachdem der alte Friedhof belegt war, kaufte die jüdische Gemeinde 1921 ein Grundstück an dem flachen Gegenhang des Quesselsberges für die Anlage eines neuen Friedhofs. Von den laut Sterberegister mindestens 26 Gräbern sind nur noch sieben Grabsteine erhalten. Der Friedhof im freien Feld war in der Zeit des Nationalsozialismus der Zerstörung durch Gewalt mehr ausgesetzt als der einsam gelegene, halb vergessene alte Friedhof. Mit den noch vorhandenen Grabsteinen wurde auf der Begräbnisstätte, die heute innerhalb des Geländes der „Adam-von-Trott-Schule“ liegt, ein Ehrenmal gestaltet.[21]

Die jüdischen Friedhöfe werden aufgrund ihrer geschichtlichen Bedeutung als Kulturdenkmale geschützt.[22]

MuseenBearbeiten

  • Museum im alten Boyneburger Schloss im Stadtteil Wichmannshausen
  • Bergbau-Museum (Kupferschiefer-Bergbau) im Kellergewölbe des Historischen Rathauses von Sontra

SportBearbeiten

Breitensport wird in der Stadt vom TV Sontra 1861 e. V. in mehreren Abteilungen betrieben. Der ortsansässige Fußballverein ist die SG Sontra 1919 e. V. Die 1. Mannschaft spielt 2018, wie auch in den Jahren zuvor, in der Kreisoberliga Werra-Meißner. Weitere Sportarten können im Freizeit- und Erlebnisbad (Freibad) mit Riesenrutsche, einem Minigolfplatz und einem Kegelzentrum betrieben werden.

In der Stadt gibt es zwei Schützenvereine, die Schützengilde Sontra und den Sportschützenverein 1958 Sontra e. V. Auf dem Dornberg bei Sontra betreibt der Mittelhessischen Verein für Flugsport e. V. Sontra/Bebra das Segelfluggelände Dornberg-Sontra.

NaturBearbeiten

Im Stadtgebiet von (Gesamt-)Sontra sind verschiedene Fauna-Flora-Habitat(FFH)-Gebiete ausgewiesen, die als besonders schützenswert gelten. Sie sind Teile des europäischen Schutzgebietsnetzes „Natura 2000“:[23]

 
Blick ins NSG- und FFH-Gebiet Boyneburg und Schickeberg bei Breitau

Das Laubwaldgebiet erstreckt sich entlang der Gemeindegrenze zwischen Sontra und Grandenborn am nordwestlichen Rand der Ringgau-Hochfläche. Neben den beiden namengebenden Bergen gehören noch der Erbberg und weitere angrenzende Bereiche zu dem Schutzgebiet. Bergabstürze, Felsabbrüche, Kalkfelsfluren sowie waldnahe Magerrasen und Streuobstbestände prägen den Bereich. Das FFH-Gebiet beinhaltet das gleichnamige Naturschutzgebiet mit der WDPA ID 81445.

  • Felsklippen im Werra-Meißner-Kreis. (EU-Code 4726-401)

Die Fels- und Waldbereiche an der Boyneburg und am Schickeberg sind gleichzeitig Teil eines dreigeteilten Vogelschutzgebietes. Die Kalkfelsklippen, die aus bewaldeten Berghängen über offene Täler aufragen, sind Brutgebiete der Wanderfalken und Uhus.

Das Schutzgebiet umfasst den östlich an Berneburg angrenzenden Wald und die sich anschließende Offenlandfläche. In dem Gipskarstgebiet liegen drei Höhlen, darunter die längste aktive Wasserhöhle Nordhessens. Die Höhlen gelten als bedeutendes Überwinterungsquartier für heimische Fledermäuse.

  • Werra- und Wehretal. (FFH-Nr. 4825-302)

Das FFH-Gebiet besteht aus großen zusammenhängenden Buchenwäldern auf Kalk, Basalt und Buntsandstein mit angrenzendem waldnahen Grünland und Streuobstwiesen. Zu dem Schutzgebiet gehören die ausgedehnten Wälder in der Mittelgebirgslandschaft nordwestlich von Sontra und westlich von Wichmannshausen.

Das langgezogenen Band des Schutzgebiets am Südabfall des Ringgaus erstreckt sich bis nach Herleshausen. Eingeschlossen sind die Bereiche im Stadtgebiet um den Holstein östlich von Sontra. Stein, Heiligenberg und Iberg in der Gemarkung von Breitau. Buchberg westlich von Ulfen sowie Ottilienberg, Sandberg und Hasenkopf in dem südlichen Teil der Gemarkung Ulfens. Schutzziele sind u. a. die Sicherung der Waldmeister- und Orchideen-Buchenwälder, der Hangschuttwälder, der Kalk-Felsfluren und der orchideenreichen Kalkmagerrasen.

Das Schutzgebiet besteht aus einem Netz zahlreicher kleinflächiger und zerstreut liegender Kalkmagerrasenflächen in einer vielfältig strukturierten Kulturlandschaft. Sie sind einer der wichtigen Standorte von Orchideen in Hessen. Auf dem ehemaligen Standortübungsplatz, zwischen Sontra und Lindenau, sind zwei Flächen, die durch die Kreisstraße 83 getrennt werden, als schutzwürdig ausgewiesen.

Seit 2017 gehört das gesamte Stadtgebiet von Sontra zum erweiterten Geo-Naturpark Frau-Holle-Land.

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

VerkehrBearbeiten

Autobahnanschluss besteht über die Bundesautobahn 4 (Abfahrt Wommen/Sontra). Durch die Stadt führen die B 27 und die B 7. Durch die Stadtteile Krauthausen, Breitau und Ulfen führt B 400.

Die A 44, die um die Stadtteile herumführen wird, ist in Planung bzw. im Bau. Im Stadtgebiet von Sontra sind drei Anschlussstellen vorgesehen.

 
ReKo 41 bei der Einfahrt im Bahnhof

Sontra hat einen Bahnhof an der Bahnstrecke Göttingen–Bebra.

Durch seine Lage zwischen drei flachen und waldreichen Mittelgebirgen, dem Stölzinger Gebirge, dem Richelsdorfer Gebirge und dem Ringgau, gibt es ein gut ausgebautes Netz von Rad- und Wanderwegen. Hier sind insbesondere der Hessische Radfernweg R5, der Barbarossaweg und der Europäische Fernwanderweg E6 zu nennen. Seit 2007 gibt es den Wetterlehrpfad-Nordhessen, ein regionaler Lehrpfad rund um den Ortsteil Wichmannshausen.

Staatliche EinrichtungenBearbeiten

Im Jahre 1962 wurde die Husarenkaserne errichtet. Hier waren das Panzeraufklärungsbataillon 5, die Panzeraufklärungskompanie 140 und die Panzerjägerkompanie 130 stationiert. Die Liegenschaft mit – am Ende – 780 Dienstposten wurde mit Wirkung zum 30. Juni 2008 aufgelöst. Auf dem ehem. Gelände der Panzerwaschanlage und des Außenparkplatzes der ehemaligen Kaserne betreibt seit 2011 der MSC Waldkappel-Breitau den "Husarenring", eine Motocross-Strecke.[24] Das ehemalige Kasernengelände der "Husarenkaserne" ist als interkommunales Gewerbegebiet "Husarenpark" erschlossen und wird derzeit vermarktet.

BildungBearbeiten

In Sontra gibt es die Adam von Trott-Schule (Gesamtschule) und zwei Grundschulen (Regenbogenschule, Wiesenschule).

PersönlichkeitenBearbeiten

EhrenbürgerBearbeiten

  • Fritz Rappe (1907–2003) war von 1937 bis 1974 Stadtpfarrer in Sontra und wurde anlässlich seiner Emeritierung zum Ehrenbürger der Stadt ernannt.

PersönlichkeitenBearbeiten

Diese Übersicht (nach Geburtsdatum sortiert) enthält sowohl bedeutende, in Sontra geborene Persönlichkeiten als auch Personen, die in Sontra wirkten, jedoch nicht hier geboren sind.

  • Kurt Reuber (1906–1944) war im Stadtteil Wichmannshausen von 1933 bis 1938 evangelischer Pfarrer. Von ihm stammt die berühmte Stalingradmadonna, die er zu Weihnachten 1942 anfertigte.
  • Karl Weyrich (1884–1973) war ab 1934 Sontraer Bürgermeister und nach seiner Pensionierung 1945 noch ehrenamtlich um die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung der Stadt bemüht.
  • Harry Haffner (1900–1969), der NS-Jurist und letzte Präsident des Volksgerichtshofes, lebte ab 1946 weitgehend unbehelligt und unter dem falschen Namen 'Heinrich Hartmann' in Sontra.

LiteraturBearbeiten

  • Carl Lorenz Collmann: Geschichte der alten Bergstadt Sontra in Niederhessen. Kassel 1863. (Digitalisat)
  • Jürgen Raabe: Zwangsarbeit bei der Kurhessischen Kupferschieferbergbau Sontra 1940–1945: Erkundungen, Studien u. Dokumente. Kassel 1986, ISBN 3-88122-340-1.
  • Ilse Gromes: Spuren einer Minderheit – Juden in Sontra 1367 bis 1942. Beiträge zur Geschichte der Stadt Sontra, Heft 7, Sontra, 1981 und Ergänzungsheft, 1984.
  • Ilse Gromes: Sontra im 30jährigen Krieg. (Beiträge zur Geschichte der Stadt Sontra, Heft 8). Sontra 1989, OCLC 180489467.
  • Thomas Schröder: Stadtführer Sontra mit Nentershausen und Cornberg. Verlag der Buchhandlung Oertel, 2013, ISBN 978-3-939464-24-2, S. 89 + Stichwortverzeichnis.
  • Lothar und Sieglinde Nitsche, Marcus Schmidt: Naturschutzgebiete in Hessen, Band 3: cognitio Kommunikation & Planung, Verlag, Niedenstein 2005. ISBN 3-932583-13-2.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Hessisches Statistisches Landesamt: Bevölkerungsstand am 31.12.2018 (Landkreise und kreisfreie Städte sowie Gemeinden, Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Max.- / Min-Temperaturen von MSN Weather – Bad Hersfeld, DEU
  3. Monatsdurchschnittstemperaturen, Niederschläge und Sonnenstunden (Normalperiode 1961–1990) Daten vom DWD (Sonnenstunden jeweils durch 30 gemittelt)
  4. Alfred Schulze: Der Ringgau und Sontra. In: Das Werraland. Heft 3, Eschwege 1967, S. 39–41.
  5. Vgl. intaktverein 2011
  6. Der Hessische Minister des Inneren: Gemeindegebietsreform: Zusammenschlüssen und Eingliederungen von Gemeinden vom 20. Januar 1971. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1971 Nr. 6, S. 248, Punkt 328, Abs. 40 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 6,2 MB]).
  7. Der Hessische Minister des Inneren: Gemeindegebietsreform in Hessen: Zusammenschlüsse und Eingliederungen von Gemeinden vom 21. Juni 1971. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1971 Nr. 28, S. 1117, Punkt 988; Abs. 28. (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 5,0 MB]).
  8. Der Hessische Minister des Innern: Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Hersfeld und Rotenburg (GVBl. II 330-13) vom 11. Juli 1972. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1972 Nr. 17, S. 217, §§ 3 und 17 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 1,2 MB]).
  9. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 389 und 406.
  10. Ergebnis der Gemeindewahl am 6. März 2016. Hessisches Statistisches Landesamt, abgerufen im April 2016.
  11. Hessisches Statistisches Landesamt: Ergebnis der Gemeindewahl am 27. März 2011
  12. Hessisches Statistisches Landesamt: Ergebnis der Gemeindewahl am 26. März 2006
  13. Bürger für Sontra im Internet
  14. https://www.sontra.de/news/1/411702/nachrichten/411702.html?browser=1
  15. Dorothea Schäfers: Sankt Marien – die Stadtpfarrkirche von Sontra. In: Werratalverein Eschwege e. V. (Hrsg.): Das Werraland. Heft 3. Eschwege 1976, S. 36.
  16. GJP (Götz J. Pfeiffer): Chorfenster von Graham Jones, in: Mut zum Gestalten. Kunstförderung in der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Kassel, 2013, S. 42–43.
  17. Dieter Großmann: Die Stadtkirche St. Georg in Sontra. In: Werratalverein Eschwege e. V. (Hrsg.): Das Werraland. Heft 2. Eschwege 1957, S. 22–24.
  18. Sontra, Werra-Meißner-Kreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 16. Oktober 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  19. Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmäler in Hessen. Werra-Meißner-Kreis I, Altkreis Eschwege. Peer Zietz, Thomas Wiegand, Braunschweig: Vieweg Verlag, 1991, ISBN 3-528-06240-1. Seite 356 f.
  20. Karl-Heinz Kessler und Andreas Rehs: "Das Aufleben des Kupferschieferabbaus im Richelsdorfer Gebirge."In "Rund um den Alheimer", Band 39/2018: Herausgegeben vom Geschichtsverein Altkreis Rotenburg, Rotenburg, DruckWerkstatt. ISSN 1439-4022. Seite 60 f.
  21. a b Ilse Gromes: Spuren einer Minderheit - Juden in Sontra 1367 bis 1942. Beiträge zur Geschichte der Stadt Sontra, Heft 7, Sontra, S. 38 f.
  22. Denkmaltopographie Werra-Meißner-Kreis I. S. 358 f.
  23. Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie und Steckbriefe der Natura 2000 Gebiete auf der Website des Bundesamtes für Naturschutz (BfN).
  24. ADAC Hessen-Thüringen: Motorsportstätte feierlich eingeweiht. November 2011, abgerufen am 15. Oktober 2017.