Somborn (Freigericht)

Ortsteil von Freigericht (Hessen)

Somborn ist der größte Ortsteil der Gemeinde Freigericht im osthessischen Main-Kinzig-Kreis und Sitz der Gemeindeverwaltung.

Somborn
Gemeinde Freigericht
Koordinaten: 50° 8′ 36″ N, 9° 6′ 50″ O
Höhe: 147 m
Einwohner: 6172 (30. Jul. 2019)[1]
Eingemeindung: 1. Januar 1970
Postleitzahl: 63579
Vorwahl: 06055
Luftbild des Ortes
Ansicht Somborn
St. Anna-Kirche angestrahlt von der Morgensonne

Geografische LageBearbeiten

Somborn liegt im Naturpark Spessart am Hasselbach auf einer Höhe von 150 m über NN, 8,5 km südwestlich von Gelnhausen, direkt an der Landesgrenze zu Bayern.

GeschichteBearbeiten

Am 19. Juni 1930 wurde bei Bauarbeiten im Ort ein ca. 40.000 Jahre alter Mammutzahn gefunden.

MittelalterBearbeiten

Die älteste erhaltene Erwähnung von Somborn stammt aus dem Jahr 1025, als der Adlige Ruogger Besitzungen in Somborn an das Kloster Fulda überträgt. Das Dorf war Hauptort des Gerichts Somborn, das wiederum Teil des Freigerichts Alzenau war. Dieses war zwar reichsunmittelbar, aber das Reich verpfändete oder vergab das Gebiet immer wieder. So wechselten die Landesherren, zu denen die Herren und späteren Grafen von Hanau, die Herren von Randenburg, die Herren von Eppstein und Kurmainz zählten. 1255 hatte das Kloster Neuenberg einen Fronhof, 1482 ein Hofgericht in Somborn.

Die ab 1184 erwähnte Kirche von Somborn stand unter dem Patronat der Apostel Peter und Paul. Schon 1184 gehörte die Pfarrkirche dem Stift St. Peter und Alexander in Aschaffenburg[2], dem sie 1316 inkooperiert wurde. Auch das Patronatsrecht lag bei dem Stift. Zur Pfarrei gehörten auch die umliegenden Dörfer Altenmittlau, Bernbach, Horbach, Neuses und Hüttelngesäß sowie Albstadt.

OrtsnameBearbeiten

Die Schreibweise des Ortsnamens wechselte:

  • Sunnibrunno (1025)
  • Sonneborn (1030)
  • Sunnebrunne (1184)[2]
  • Sunneburnen (1270)
  • Suneborn (1332)
  • Sonborn (1634)

Frühe NeuzeitBearbeiten

1500 erhielten der Kurfürst-Erzbischof von Mainz und die Grafen von Hanau-Münzenberg das Freigericht und damit auch Somborn gemeinsam als Lehen. Es wurde nun als Kondominat regiert. Da im Freigericht auch zur Zeit des Kondominats die kirchliche Jurisdiktion bei den Erzbischöfen von Mainz verblieb, konnte sich die Reformation – im Gegensatz zur Grafschaft Hanau-Münzenberg – hier nicht durchsetzen. Somborn blieb römisch-katholisch.

Von 1601 bis 1605 fand im Freigericht Alzenau eine große Hexenverfolgung statt. In deren Folge wurden auch vier Frauen aus Kälberau auf dem Scheiterhaufen als Hexen lebendig verbrannt.[3]

Als Graf Johann Reinhard III. 1736 als letzter männlicher Vertreter des Hauses Hanau starb, war dessen Erbe hinsichtlich der Grafschaft Hanau-Münzenberg aufgrund eines Erbvertrages der Landgraf von Hessen-Kassel. Ob das Erbe sich auch auf den Hanauer Anteil an dem Kondominat erstreckte, war in den folgenden Jahren zwischen Kurmainz und Hessen-Kassel heftig umstritten. Der Streit endete in einem Kompromiss, dem „Partifikationsrezess“ von 1740, der eine Realteilung des Kondominats vorsah. Es dauerte allerdings bis 1748 bis der Vertrag umgesetzt war. Somborn fiel dabei an die Landgrafschaft Hessen-Kassel. Das Dorf wurde nun deren Amt Altenhaßlau zugeschlagen.[4]

NeuzeitBearbeiten

1803 wurde die Landgrafschaft Hessen-Kassel zum Kurfürstentum Hessen erhoben. Während der napoleonischen Zeit stand das Amt Altenhaßlau ab 1806 zunächst unter französischer Militärverwaltung, gehörte 1807–1810 zum Fürstentum Hanau und dann von 1810 bis 1813 zum Großherzogtum Frankfurt, Departement Hanau. Anschließend fiel es wieder an das Kurfürstentum Hessen zurück. Nach der Verwaltungsreform des Kurfürstentums Hessen von 1821, durch die Kurhessen in vier Provinzen und 22 Kreise eingeteilt wurde, ging das Amt Altenhaßlau im neu gebildeten Landkreis Gelnhausen auf. Mit der Annexion Kurhessens durch das Königreich Preußen nach dem verlorenen Krieg von 1866 wurde auch Somborn preußisch.

Bis zum Zweiten Weltkrieg gab es in Somborn eine kleine jüdische Gemeinde mit eigener Synagoge.[5] Das Synagogengebäude wurde in der Pogromnacht am 9. November 1938 durch das Einschreiten des Somborner Bürgermeisters gerettet und überstand auch die Kriegswirren. Später wurde das Gebäude in ein Wohnhaus umgebaut.

In der Ortslage, gespeist von Betriebsgräben, die vom Haselbach abzweigten, bestanden die Schreibersmühle (auch Grimmsmühle) und die Kreisemühle (auch Schillingsmühle). Die letzte der Wassermühlen wurde 1972 stillgelegt.[6]

Zum 1. Januar 1970 wurde Somborn im Zuge der Gebietsreform in Hessen auf freiwilliger Basis mit weiteren Gemeinden zu der neuen Gemeinde Freigericht zusammengeschlossen.[7] Gleichzeitig ging der Kreis Gelnhausen im Main-Kinzig-Kreis auf.

BevölkerungBearbeiten

Einwohnerentwicklung

 Quelle: Historisches Ortslexikon[8]

  • 1581: 073 Haushaltungen
  • 1753: 101 Haushaltungen und 5 Juden
  • 1812: 198 Feuerstellen, 911 Seelen
Somborn: Einwohnerzahlen von 1834 bis 2019
Jahr  Einwohner
1834
  
1.498
1840
  
1.494
1846
  
1.598
1852
  
1.603
1858
  
1.584
1864
  
1.627
1871
  
1.551
1875
  
1.721
1885
  
1.643
1895
  
1.804
1905
  
2.141
1910
  
2.344
1925
  
2.663
1939
  
2.718
1946
  
3.747
1950
  
4.034
1956
  
3.916
1961
  
4.338
1967
  
4.922
1970
  
5.081
1980
  
?
1990
  
?
2000
  
?
2011
  
5.913
2019
  
6.172
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [8]; Gemeinde Freigericht; Zensus 2011[9]

Religionszugehörigkeit

 Quelle: Historisches Ortslexikon[8]

• 1885: 17 evangelische (= 2,76 %), 566 katholische (= 91,73 %), 34 jüdische (= 5,51 %) Einwohner
• 1961: 363 evangelische (= 8,37 %), 3963 katholische (= 91,36 %) Einwohner

PolitikBearbeiten

OrtsbeiratBearbeiten

Nach dem Zusammenschluss der selbstständigen Gemeinden zur Gemeinde Freigericht im Jahr 1970 wurden die einzelnen Gemeindevertretungen aufgelöst und durch Ortsbeiräte ersetzt. Die Ortsbeiräte in den einzelnen Ortsteilen sind in allen wichtigen Entscheidungen, die den jeweiligen Ortsteil betreffen zu hören und haben ein Vorschlagsrecht. Die Mitglieder der Ortsbeiräte wählen aus ihrer Mitte als Vorsitzenden des Ortsbeirates einen Ortsvorsteher. Mit Ablauf der kommunalen Wahlperiode 2021 werden die Ortsbeiräte aufgelöst.[10]

Parteien und Wählergemeinschaften 2016 2011 2006 2001 1997
Sitze Sitze Sitze Sitze Sitze
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 3 3 4 5 4
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 3 2 2 3 3
FDP Freie Demokratische Partei 0 0 1 0 0
GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen 0 2 0 0 0
UWG Unabhängige Wählergemeinschaft Freigericht 3 2 2 1 2
gesamt 9 9 9 9 9

Ortsvorsteher:

  • Ortwin Hackenberg SPD (1997–2001)
  • Emil Trageser, CDU (2001–2006)
  • Günther Roß, CDU (2006–2011)
  • Ottmar Trageser, SPD (2011)
  • Bernd Hofmann, UWG (2012–2021)

WappenBearbeiten

Am 12. Juli 1967 wurde der Gemeinde Somborn im damaligen Landkreis Gelnhausen, Regierungsbezirk Wiesbaden, ein Wappen mit folgender Blasonierung verliehen: In Silber ein gradarmiges schwarzes Tatzenkreuz, kreuzweise belegt mit einem blauen Schlüssel und einem blauen Schwert.[11]

Bedeutung: Das schwarze Kreuz auf silbernem Grund symbolisiert die alten Beziehungen der Gemeinde zum Bistum Fulda. Schlüssel und Schwert sind die Symbole der Heiligen Petrus und Paulus, der beiden ältesten Patrone der Somborner Pfarrkirche.[12] Nach dem Zusammenschluss zur Gemeinde Freigericht wurde das Somborner Wappen 1971 Wappen der neuen Gemeinde.

InfrastrukturBearbeiten

PersönlichkeitenBearbeiten

In Somborn geboren

  • Adam Müller, genannt Millerche (1863–1932), hessischer Heimatdichter und Humorist bei der „Fröhlichen Freigerichter Runde“
  • Michael Brückner (1871–1936), Unternehmer und Abgeordneter des Provinziallandtages der Provinz Hessen-Nassau
  • Christian Schreiber (1872–1933), Bischof
  • Bernhard Schilling SVD (19. Dezember 1959 – 15. November 1966), Bischof
  • Gerhard Benzing (* 22. März 1932 in Somborn; † 10. Mai 2008 in Fulda), römisch-katholischer Pfarrer in St. Goar Flieden von 1973 bis 2006, von 1988 bis 2002 Dekan im Dekanat Neuhof, ab 1975 Präses der KAB in Flieden und ab 2006 Ehrenbürger der Gemeinde Flieden.
  • Martin Trageser (* 1943), Politiker (CDU)
  • Roland Ullmann (* 1958), Landespolizeipräsident Hessen

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Somborn – Sammlung von Bildern

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Meldewesen Gemeinde
  2. a b Codex diplomaticus : exhibens anecdota ab anno DCCCLXXXI ad MCCC Moguntiaca, ius Germanicum et S. R. I. historiam illustrantia. Gudenus, Valentin Ferdinand von, 1743, abgerufen am 11. April 2021.
  3. Peter Gbiorczyk: Zauberglaube und Hexenprozesse in der Grafschaft Hanau-Münzenberg im 16. und 17. Jahrhundert. Shaker. Düren 2021. ISBN 978-3-8440-7902-9, S. 163.
  4. Uta Löwenstein: Grafschaft Hanau. In: Ritter, Grafen und Fürsten – weltliche Herrschaften im hessischen Raum ca. 900–1806 = Handbuch der hessischen Geschichte 3 = Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen 63. Marburg 2014. ISBN 978-3-942225-17-5, S. 212.
  5. Thea Altaras: Synagogen in Hessen – was ist geschehen seit 1945. Königstein 1988, S. 172.
  6. Willi Klein: Zur Geschichte des Mühlenwesens im Main-Kinzig-Kreis = Hanauer Geschichtsblätter 40. Hanau 2003, S. 316 f.
  7. Zusammenschluß der Gemeinden Altenmittlau, Bernbach, Horbach, Neuses und Somborn im Landkreis Gelnhausen zu der neuen Gemeinde „Freigericht“ vom 17. Dezember 1970. In: Der Hessische Minister des Inneren (Hrsg.): Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1970 Nr. 1, S. 5, Punkt 8 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 4,0 MB]).
  8. a b c Somborn, Main-Kinzig-Kreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 6. August 2020). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  9. Ausgewählte Daten über Bevölkerung und Haushalte am 9. Mai 2011 in den hessischen Gemeinden und Gemeindeteilen. (PDF; 1,9 MB) In: Zensus 2011. Hessisches Statistisches Landesamt;
  10. Änderung der Hauptsatzung - Ortsbeirat gestrichen Bekanntmachung der Gemeinde, Abgerufen am 19. Februar 2020
  11. Genehmigung eines Wappens der Gemeinde Somborn im Landkreis Gelnhausen, Regierungsbezirk Wiesbaden vom 12. Juli 1967. In: Der Hessische Minister des Inneren (Hrsg.): Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1967 Nr. 31, S. 933, Punkt 772 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 5,3 MB]).
  12. Gemeinde Freigericht: Das Wappen im Internetauftritt der Gemeinde Fraigericht. Abgerufen im Juli 2018.
  13.  Info: Bitte auf Vorlage:HessBib umstellen, um auch nach 2015 erfasste Literatur zu selektieren!