Sojus MS-22

Flug eines russischen Sojus-Raumschiffs zur Internationalen Raumstation (ISS)

Sojus MS-22 ist die Missionsbezeichnung für einen Flug eines russischen Sojus-Raumschiffs zur Internationalen Raumstation (ISS). Es ist der 69. Besuch eines Sojus-Raumschiffs bei der ISS und der 174. Flug im Sojusprogramm.

Missionsdaten
Mission Sojus MS-22
Raumfahrzeug Sojus 7K-MS
Rufzeichen Алтай („Altai“)
Trägerrakete Sojus-2.1a
Besatzung 3
Start 21. September 2022, 13:54 UTC
Startplatz Baikonur 31/6
Raumstation ISS
Andockplatz Rasswet
Ankopplung 21. September 2022, 17:06 UTC
Landung 23. März 2023 (geplant)
Mannschaftsfoto
Rubio, Prokopjew und Petelin
Rubio, Prokopjew und Petelin
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Sojus MS-21 Sojus MS-23

BesatzungBearbeiten

 
Die Raumkapsel Sojus MS-22 bei Vorbereitungen für den Start, aufgenommen am 13. September 2022 vor ihrer Montage auf der Trägerrakete.

Die ursprüngliche Besatzung aus drei russischen Kosmonauten wurde im Mai 2021 nominiert. Der amerikanische Astronaut Francisco Rubio ersetzte Anna Kikina als Teil des Sojus-Dragon-Besatzungsaustausches, bei dem mindestens ein NASA-Astronaut beziehungsweise ein Roskosmos-Kosmonaut auf jeder der Rotationsmissionen der Besatzung bleiben. Dies stellt sicher, dass beide Länder auf der Station präsent sind und ihre getrennten Systeme aufrechterhalten können, wenn entweder Sojus oder ein amerikanisches Raumschiff für einen längeren Zeitraum am Boden bleiben.[1]

StartbesatzungBearbeiten

ErsatzmannschaftBearbeiten

VorbereitungBearbeiten

Die Raumfähre Sojus MS-22 kam im Dezember 2021 in Baikonur an und wurde dort Tests unterzogen, während sich die Besatzung im russischen Astronauten-Trainingszentrum in der Nähe von Moskau auf den Flug vorbereitete.[2]

StartBearbeiten

 
Der Start von Sojus MS-22 auf einer Sojus-2.1a Trägerrakete am 21. September 2022 von Baikonur. An Bord waren die Astronauten Prokopjew, Petelin und Rubio.

Am 21. September 2022 um 16:54 Moskauer Zeit (13:54 UTC, 15:54 Mitteleuropäische Sommerzeit (MESZ)) startete Sojus MS-22 vom Kosmodrom Baikonur zur Internationalen Raumstation (ISS). Drei Stunden später, um 20:06 Moskauer Zeit (17:06 UTC, 19:06 MESZ), dockte die Raumkapsel an das Rasswet-Modul des russischen ISS-Segments an.[3][4]

Beim Andocken von Sojus MS-22 lief auf der ISS die ISS-Expedition 67, Kommandant der ISS war zu dieser Zeit Oleg Germanowitsch Artemjew.[5]

MissionsverlaufBearbeiten

Leck im KühlkreislaufBearbeiten

 
Das ausströmende Kühlmittel
 
Die Kosmonauten Sergei Prokopjew und Dmitri Petelin während eines Außenbordeinsatzes am 17. November 2022 vor dem Modul Rasswet. Die angedockte Sojus MS-22 ist in der oberen Bildhälfte zu erkennen.

Bei Vorbereitungen eines Außenbordeinsatzes der russischen Kosmonauten Sergej Prokopjew und Dmitri Petelin wurde am 15. Dezember 2022 ein potenzieller Schaden an der angedockten Sojus MS-22 entdeckt. Dabei wurde in den Kontrollzentren in Houston und Moskau visuell ein Leck am Servicemodul ausgemacht, Sensoren meldeten einen Druckabfall im Kühlkreislauf des Raumschiffs. Kühlflüssigkeit trat über mehrere Stunden nach außen, was in einer Live-Übertragung auf dem Sender NASA TV sichtbar war. Die NASA gab später an, dass dadurch ein Großteil der Kühlflüssigkeit von Sojus MS-22 in den Weltraum entwichen sei. Der frühere Leiter für Sicherheit in der bemannten Raumfahrt bei der ESA, Tommaso Sgobba, vermutete es handle sich bei der Kühlflüssigkeit um Ammoniak. In gefrorener Form berge dies das Risiko, dass bei der Rückkehr von Außenbordeinsätze Partikel den bewohnten Teil der Raumstation kontaminierten.[6] Die Kosmonauten Prokopjew und Petelin waren zum Zeitpunkt der Entdeckung des Lecks in Raumanzüge gekleidet, in der Luftschleuse im Modul Poisk war der Druck bereits abgelassen worden. Der Einsatz wurde abgebrochen und die russische Kosmonautin Anna Kikina nutzte den Roboterarm ERA um weitere Erkenntnisse über das Problem zu sammeln.[7][8][9]

In der Folge wurde ein Außenbordeinsatz der amerikanischen Astronauten Josh Cassada und Francisco Rubio verschoben, um mit dem Roboterarm Canadarm2 eine erneute Untersuchung des Lecks durchzuführen, nachdem die Inspektion durch ERA keine eindeutigen Hinweise über die Problemursache fand. Trotz der zunächst unklaren Informationslage spekulierten Beamte der russischen Raumfahrtbehörde am 16. Dezember 2022, es könne sich um einen Einschlag eines Mikrometeoroiden gehandelt haben.[10] Die Behörde dementierte zudem Berichte, die Temperatur in MS-22 habe sich auf 50 Grad Celsius erhöht und sprach stattdessen von 30 Grad, einem Wert der keine direkte Bedrohung für die Crew der Internationalen Raumstation und die Raumkapsel darstelle. Auch die NASA gab an, Temperatur und Luftfeuchtigkeit in Sojus MS-22 seien in einem „akzeptablen Bereich“.[8]

Angesichts des Schadens war es einige Zeit unklar, ob Sojus MS-22 wie ursprünglich geplant im März 2023 die drei Crew-Mitglieder Prokopjew, Petelin und Rubio zur Erde bringen kann. Zudem dienen Raumkapseln, die an der Station angedockt sind, im Notfall als Fluchtkapseln für die Astronauten. Ein Ausfall von MS-22 reduziert diese Kapazität. Es ist zeitgleich eine Crew Dragon Raumfähre angedockt, mit nominell vier Sitzplätzen bei einer Gesamtbesatzung von sieben Astronauten.[6] Roskosmos wägt verschiedene Optionen ab, darunter die Folgemission Sojus MS-23 früher zu starten.[8] Dies hätte Einfluss auf die geplanten Besatzungen auf der Station sowie auf die geplanten Starts amerikanischer bemannter Raumfähren. Durch eine Vereinbarung von Roskosmos und NASA soll sichergestellt werden, dass stets ein russischer und ein amerikanischer Astronaut an Bord der Station ist, damit diese sicher bedient werden kann. Dazu gehören auch gemischte Besatzungen bei Starts, um beim Ausfall einer Fähre Redundanz zu schaffen.[8][6]

Im Januar 2023 entschied Roskosmos, Sojus MS-22 anders als ursprünglich geplant, unbemannt zur Erde zurückzuschicken. Aufgrund der ausgetretenen Kühlflüssigkeit wäre ein Rücktransport der Besatzung mit Sojus MS-22 ohne Kühlung lebensgefährlich. Stattdessen wird Roskosmos die ursprünglich als bemannten Flug geplante Sojus MS-23 am 20. Februar 2023 zur ISS zu schicken, um die Besatzung der Sojus MS-22 ungefährdet zur Erde zurückzubringen.[11] Der Aufenthalt der Sojus MS-22 Mannschaft auf der ISS verlängert sich damit um mehrere Monate bis zum Start von Sojus MS-24, mit der dann die ursprünglich für Sojus MS-23 vorgesehene Besatzung zur ISS fliegt.[12]

TriviaBearbeiten

Das Raumfahrzeug der Mission MS-22, eine Kapsel vom Typ Sojus MS, ist nach Konstantin Ziolkowski benannt, einem Erfinder, der als bedeutender Wegbereiter der sowjetischen Raumfahrt gilt. Sein 165. Geburtstag war am 17. September 2022, wenige Tage vor dem Start von Sojus MS-22.[2]

Der typische Indikator, der der Crew durch ein freies Schweben den Übergang in die Schwerelosigkeit anzeigt, war bei MS-22 eine Figur des russischen Zeichentrick-Charakters Tscheburaschka.[2]

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Jeff Foust: Rogozin says Crew Dragon safe for Russian cosmonauts. 26. Oktober 2021, abgerufen am 7. September 2022 (amerikanisches Englisch).
  2. a b c Ben Evans: Rubio Primed for Integrated Crew Ops, Cristoforetti, Prokopyev to Command Expedition 68a/b - AmericaSpace. In: AmericaSpace. 23. August 2022, abgerufen am 18. Dezember 2022 (amerikanisches Englisch).
  3. Dmitri Alexandrowitsch Petelin bei astronaut.ru. Abgerufen am 23. September 2022
  4. Dmitri Alexandrowitsch Petelin bei gctc.ru. Abgerufen am 23. September 2022
  5. Petelin bei spacefacts.de. Abgerufen am 23. September 2022
  6. a b c Tereza Pultarova: Soyuz capsule leak could strand 3 astronauts on space station, raising safety concern, expert says. In: space.com. 16. Dezember 2022, abgerufen am 18. Dezember 2022 (englisch).
  7. Joseph Navin: Soyuz MS-22 suffers coolant leak, canceling Russian spacewalk. In: NASASpaceFlight.com. 15. Dezember 2022, abgerufen am 17. Dezember 2022 (amerikanisches Englisch).
  8. a b c d Jeff Foust: NASA postpones spacewalk to support Soyuz investigation. 17. Dezember 2022, abgerufen am 18. Dezember 2022 (amerikanisches Englisch).
  9. Mark Garcia: NASA Provides Update on International Space Station Operations. In: Nasa Space Station Blog. NASA, 15. Dezember 2022, abgerufen am 18. Dezember 2022 (amerikanisches Englisch).
  10. Samantha Lock, Oliver Holmes: Meteoroid hit suspected after major leak from Soyuz capsule. In: The Guardian. 15. Dezember 2022, abgerufen am 18. Dezember 2022 (englisch).
  11. Russland schickt Rakete für Rettungsaktion zur Internationalen Raumstation. In: Der Spiegel. 11. Januar 2023, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 12. Januar 2023]).
  12. Russia to launch replacement for damaged Soyuz crew ship at space station spaceflightnow.com 11. Januar 2023