Sojus 2

russische Raumfahrtmission (1968)

Sojus 2 ist die Missionsbezeichnung für einen am 25. Oktober 1968 gestarteten unbemannten Flug des sowjetischen Raumschiffs Sojus. Es war der 10. Flug im sowjetischen Sojusprogramm. Zwischen dem Absturz von Sojus 1 und dem Flug von Sojus 2 wurden unter den Bezeichnungen Kosmos 186, Kosmos 188, Kosmos 212, Kosmos 213 und Kosmos 238 fünf weitere unbemannte Sojus-Raumschiffe gestartet. Die Bezeichnung Sojus 2 war ursprünglich für ein bemanntes Raumschiff vorgesehen, das an Sojus 1 ankoppeln sollte. Aufgrund der Probleme von Sojus 1 wurde der Flug von Sojus 2 abgesagt und erhielt offiziell keine Nummer. Inoffiziell wird er oft als Sojus 2A bezeichnet.

Missionsdaten
Mission Sojus 2
NSSDCA ID 1968-093A
Raumfahrzeug Sojus 7K-OK (P) (GRAU-Index 11F615)
Seriennummer: 11
Masse 6825 kg
Trägerrakete Sojus (GRAU-Index 11A511)
Start 25. Oktober 1968, 09:00:00 UTC
Startplatz Baikonur 1/5
Raumstation Sojus 3
Landung 28. Oktober 1968, 07:51:00 UTC
Landeplatz Kasachische SSR
Flugdauer 2d 22h 25m
Erdumkreisungen 48
Umlaufzeit 88,3 min
Apogäum 210 km
Perigäum 170 km
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Kosmos 238
(unbemannt)
Sojus 3
(bemannt)
Vorherige bemannte Mission
Sojus 1

Missionsüberblick Bearbeiten

Sojus 2 startete am 25. Oktober 1968 und war ein Gemeinschaftsflug mit dem einen Tag später gestarteten bemannten Raumschiff Sojus 3. Beide Schiffe näherten sich unter Leitung der Bodenkontrolle auf etwa 200 Meter an, drei letztlich erfolglose Kopplungsversuche durch den Kosmonauten des Sojus-3-Raumschiffs erbrachten eine Annäherung bis auf einen Meter, dann wurden die Andockmanöver wegen Treibstoffmangels abgebrochen.

Sojus 2 kehrte nach drei Tagen wieder zur Erde zurück und landete fünf Kilometer vom berechneten Zielpunkt entfernt. Nach Sojus 2 landete am 30. Oktober 1968 auch Sojus 3 sicher auf kasachischem Boden.

Sojus-2 Schwindel Bearbeiten

Der Künstler und Fotograf Joan Fontcuberta stellte 1997 die Behauptung auf, Sojus 2 habe eine Besatzung bestehend aus Iwan Istochnikow und einem Hund namens Kloka gehabt, die im Laufe der Mission am 26. Oktober 1968 verschwand, und wahrscheinlich von einem Meteoriten getroffen worden sei. Laut Fontcuberta verheimlichte die Sowjetunion den Vorfall und strich Istochnikow aus der offiziellen Geschichtsschreibung. Die „Sputnik Stiftung“ habe jedoch „Sprachaufnahmen, Videos, Originalnotizen, einige seiner persönlichen Gegenstände und Fotografien“ von Istochnikow aufgefunden. Sputnik, eine Ausstellung von Artefakten (Fotografien, Presseartikel usw.) im Zusammenhang mit Sojus 2 wurde in vielen Ländern gezeigt, darunter Spanien, Frankreich, Portugal, Italien, Mexiko, Japan und den Vereinigten Staaten.[1][2] Unter den Reaktionen auf die Ausstellung war die eines russischen Botschafters, der angab, „extrem aufgebracht zu sein, weil Fontcuberta die glorreiche russische Vergangenheit beschmutze und drohte, eine diplomatische Beschwerde vorzulegen“. Seit der ersten Ausstellung im Jahr 1997 in Madrid deuteten mehrere Beweislinien darauf hin, dass die Geschichte und Artefakte einen ausgeklügelten Schwindel darstellen:

  • Der Name „Iwan Istochnikow“ ist eine russische Übersetzung von Joan Fontcubertas Namen: insbesondere ist Joan eine Übersetzung vom katalanischen in Iwan in russisch, ebenso wie Fontcuberta und Istochnikow jeweils „versteckter Brunnen“ bedeuten.
  • Die Fotografien von Istochnikow zeigen Fontcubertas Gesicht. Seiten der offiziellen Website der Madrider Ausstellung enthalten die Worte „PURE FICTION“ oben auf jeder Seite in hellrotem Text auf dunkelrotem Hintergrund[3] oder hellrosa Text auf weißem Hintergrund.[4]
  • Die vorderen und hinteren Vorsatzblätter des Katalogs zur Madrider Ausstellung sind mit dem Text „es handelt sich um eine Fiktion“ in Russisch und Spanisch in fluoreszierender Tinte bedruckt.[5]
  • Ein Artikel der spanischen Zeitung El Mundo über die Ausstellung schließt mit den Worten “der Bericht, den wir [..] veröffentlicht haben, ist ein Produkt Fontcubertas Phantasie”.[1]

Weblinks Bearbeiten

Einzelnachweise Bearbeiten

  1. a b Javier Pérez de Albéniz: El cosmonauta fantasma. El Mundo, 25. Mai 1997, abgerufen am 17. Juli 2023 (spanisch).
  2. Mary Jo Curtis: Artists mix fact and fantasy in False Witness exhibition at Bell Gallery. Brown University, 17. Januar 2001, abgerufen am 17. Juli 2023 (englisch).
  3. Sputnik Foundation, Ausstellung vom 21. Mai zum 20. Juli 1997; abgerufen am 1. Juli 2008
  4. Katalog der Ausstellung „SPUTNIK“; abgerufen am 1. Juli 2008
  5. Kondakova, Olga, et al., Sputnik, Madrid: Fundación Arte y Tecnologia, 1997