Hauptmenü öffnen

Die 9. Skiflug-Weltmeisterschaft wurde vom 5. bis zum 9. März 1986 auf der Skiflugschanze am Kulm im österreichischen Tauplitz ausgetragen. Nach 1975 fand die WM zum zweiten Mal in der Steiermark statt. Die Weltmeisterschaften wurden nach einer Umdisponierung des Skisprung-Wettkampfkalenders erstmals in einem geraden Jahr ausgetragen, um nicht mit den seit dem Vorjahr nunmehr in ungeraden Jahren stattfindenden Nordischen Skiweltmeisterschaften zu kollidieren. Durch diese Änderung waren die Weltmeisterschaften neben der Vierschanzentournee der einzige Höhepunkt in der Saison 1985/86.

FavoritenBearbeiten

Im Vergleich zur letzten Weltmeisterschaft, die kaum ein Jahr her war, hatten sich die Vorzeichen erheblich geändert. Junge, leichte Springer drängten an die Spitze, mit Franz Neuländtner und Pekka Suorsa hatten zwei dieser Protagonisten auf der Vierschanzentournee nachhaltig ihr Können unter Beweis gestellt. Neuländtner war Gesamtzweiter geworden, Suorsa konnte einen Tagessieg für sich verbuchen. Hinzu gesellten sich der stabile Tourneesieger Ernst Vettori und sein Mannschaftskamerad Andreas Felder aus Österreich. Bei den Finnen, die ohne den Tourneedritten Jari Puikkonen angereist waren, war wieder mit Dauerbrenner und Superstar Matti Nykänen zu rechnen. Der triumphale Weltmeister des Vorjahres war von der finnischen Mannschaftsführung wegen Disziplinlosigkeiten für die Vierschanzentournee nicht berücksichtigt worden. Diese Maßnahme zeigte anscheinend die erhoffte Wirkung, Nykänen gewann bis zur WM sechs der elf Weltcupspringen und stand bei den bis dahin einzigen Skiflug-Wettbewerben in Vikersund auf dem Treppchen. In Norwegen hatte übrigens Andreas Felder beide Wettbewerbe gewonnen. Nykänens Dauerrivale Jens Weißflog hingegen durchschritt ein Tal der Tränen. Vor der Tournee gelang ihm bis dahin im Weltcup nur ein Podestplatz. Wenig Trainingssprünge infolge Schneemangels und ein generell sinkendes Niveau innerhalb der DDR-Skispringer taten ihr Übriges. So beendete der Vorjahressieger der Tournee die aktuelle Tournee auf Platz 23, Ex-Skiflugweltmeister Klaus Ostwald landete gar auf Platz 55. Zudem war Weißflog Ende Januar 1986 Vater geworden und knickte beim Hallenfußball am Tag vor dem ersten Springen um. Lediglich bei Ulf Findeisen war nach der ebenfalls schwachen Tournee mit einem Weltcup-Sieg in Oberwiesenthal ein Aufwärtstrend zu verzeichnen. Insgesamt gingen 50 Teilnehmer aus 15 Ländern, darunter auch Ungarn und Spanien, in die Wertung ein.

Für Diskussionen sorgte im Vorfeld der Umbau der Schanze, bei dem unter anderem 18.000 m³ Erde bewegt und das Schanzenprofil verändert wurde. Umstrittenes Ziel des Organisationskomitees um den einstigen Weltklassespringer Hubert Neuper war es, Sprünge über die damals noch magische Marke von 200 m zu ermöglichen. Nachdem Matti Nykänen im Vorjahr in Planica 191 m gesprungen war, schien diese Weite in greifbarer Nähe. Allerdings wurde dieses Ansinnen sowohl von der FIS als auch von den Springern damals eher kritisch gesehen.[1]

ModusBearbeiten

An beiden Wettkampftagen absolvierte jeder Teilnehmer drei Sprünge, von denen die zwei am besten bewerteten Sprünge in die Wertung eingingen.

ErgebnisseBearbeiten

TrainingBearbeiten

In den drei Trainingsdurchgängen erzielte der Österreicher Franz Neuländtner mit 188 m die größte Weite. Es folgten Nykänen (186 m), Suorsa (185 m) Felder (182 m) und Fijas mit 180 m.[2]

1. Tag[3]Bearbeiten

Der Auftaktdurchgang verlief eher verhalten, mit je 158 m erzielten Neuländtner und Suorsa die größte Weite. Im zweiten Durchgang erzielte Nykänen nach schwachen 123 m im ersten Durchgang die Tagesbestweite von 183 m und meldete sich damit zunächst eindrucksvoll zurück. Neuländtner und nun auch Andreas Felder sprangen nahe an die 170 m heran. Im letzten Durchgang gelang dem sich kontinuierlich steigernden Felder mit 176 m die zweitbeste Weite des Tages, was ihm die Führung vor seinem Mannschaftskameraden Franz Neuländtner einbrachte. Auf Platz vier lag hinter Ladislav Dluhoš etwas überraschend der Pole Jan Kowal. Jens Weißflog belegte trotz Verletzung einen ordentlichen fünften Rang. Matti Nykänen lag vorerst nur auf Rang Neun, ein guter Sprung war zu wenig. Zu den Enttäuschten gehörten Ernst Vettori (19.), Klaus Ostwald (27.) oder Pavel Ploc (28.), die allesamt auf dem Riesenbakken nicht zurechtkamen.

Platz Name Land Weiten (in m) Punkte
01. Andreas Felder Osterreich  Österreich 117/168/176 369,5
02. Franz Neuländtner Osterreich  Österreich 158/167/167 362,5
03. Ladislav Dluhoš Tschechoslowakei  Tschechoslowakei 151/164/162 347,5
04. Jan Kowal Polen 1980  Polen 137/160/161 339,5
05. Jens Weißflog Deutschland Demokratische Republik 1949  DDR 136/165/152 338,5
Tuomo Ylipulli Finnland  Finnland 145/154/159 338,5
07. Thomas Klauser Deutschland BR  BR Deutschland 137/156/160 335,5
Franz Wiegele Osterreich  Österreich 138/158/158 335,5
09. Steve Collins Kanada  Kanada 136/157/155 332,0
Matti Nykänen Finnland  Finnland 123/183/131 332,0

2. Tag[4]Bearbeiten

Der zweite Sprungtag war von hochklassiger Konkurrenz geprägt, aber auch von schweren Stürzen. Der Japaner Akimoto stürzte im ersten Durchgang und erlitt einen offenen Unterschenkelbruch. Im gleichen Durchgang stürzte auch Ulf Findeisen, Rolf Åge Berg folgte im zweiten Durchgang. Bei beiden Springern waren die Verletzungen glimpflicher, obwohl die Stürze ebenso schlimm aussahen.[5] Etwas überraschend stand Thomas Klauser, seit einigen Jahren bester bundesdeutscher Springer, mit 176 m im ersten Durchgang die größte Weite. Dichtauf folgten aber schon Neuländtner (174 m) und Nykänen (173 m), während Felder mit 161 m im ersten Durchgang etwas abfiel. Dafür explodierte der Österreicher im zweiten Durchgang und egalisierte unter dem Jubel der 30.000 Zuschauer mit 191 m den Weltrekord von Nykänen aus dem Vorjahr. Der Finne sprang allerdings auch hervorragende 185 m und schob sich so Platz um Platz nach vorn. Vierschanzentourneesieger Vettori hatte auf Anraten seines Auswahltrainers Paul Ganzenhuber zu diesem Zeitpunkt die Skier schon eingepackt, da er nach 149 m im ersten Durchgang keine Chancen auf eine vordere Platzierung mehr hatte. Pekka Suorsa zeigte mit 175 m im zweiten Durchgang auch sein gesteigertes Leistungsvermögen. Im letzten Durchgang gelang Franz Neuländtner mit 180 m nochmals ein Riesensatz, den Felder aber mit 175 m konterte. Nykänen schob sich mit 176 m auf den dritten Platz in der Tageswertung.

Platz Name Land Weiten Punkte
01. Andreas Felder Osterreich  Österreich 161/191/175 375,5
02. Franz Neuländtner Osterreich  Österreich 174/179/180 368,0
03. Matti Nykänen Finnland  Finnland 173/185/176 366,5
04. Pjotr Fijas Polen 1980  Polen 171/167/172 348,0
05. Pekka Suorsa Finnland  Finnland 169/175/169 344,0
06. Tuomo Ylipulli Finnland  Finnland 158/168/171 342,0
07. Thomas Klauser Deutschland BR  BR Deutschland 176/158/91 339,0
08. Franz Wiegele Osterreich  Österreich 158/174/156 337,5
09. Ladislav Dluhoš Tschechoslowakei  Tschechoslowakei 157/165/168 333,5
10. Jens Weißflog Deutschland Demokratische Republik 1949  DDR 149/165/165 332,5

Gesamtergebnis[6]Bearbeiten

Nach einem hochklassigen Wettkampf blieb der Weltmeistertitel erstmals im Land des Gastgebers. Mit Einstellung des Weltrekordes gewann Andreas Felder seinen ersten Weltmeistertitel. Mannschaftskamerad Franz Neuländtner bestätigte seine gute Form der Vierschanzentournee mit dem Vizeweltmeistertitel. Matti Nykänen gewann nach schwachem Beginn mit einem starken zweiten Tag noch die Bronzemedaille und somit die dritte Medaille im Skifliegen in Folge. Vorjahresvizeweltmeister Jens Weißflog gelang angesichts seiner Verletzungsumstände noch ein guter neunter Platz. Zu den Geschlagenen im Feld gehörten Tourneegewinner Ernst Vettori (40.), Vorjahresdritter Pavel Ploc (22.), aber auch die restlichen Springer aus der DDR. Auch die Norweger blieben unter ihren Erwartungen, deren Bester, Trond Jøran Pedersen, belegte Platz elf.

Platz Name Land Punkte
01. Andreas Felder Osterreich  Österreich 745,0
02. Franz Neuländtner Osterreich  Österreich 730,5
03. Matti Nykänen Finnland  Finnland 698,5
04. Ladislav Dluhoš Tschechoslowakei  Tschechoslowakei 681,0
05. Tuomo Ylipulli Finnland  Finnland 680,5
06. Thomas Klauser Deutschland BR  BR Deutschland 674,5
07. Pekka Suorsa Finnland  Finnland 673,0
Franz Wiegele Osterreich  Österreich 673,0
09. Jens Weißflog Deutschland Demokratische Republik 1949  DDR 671,0
10. Piotr Fijas Polen 1980  Polen 656,5
11. Trond Jøran Pedersen Norwegen  Norwegen 644,0
12. Jan Kowal Polen 1980  Polen 641,5
13. Steve Collins Kanada  Kanada 636,0
14. Didier Mollard Frankreich  Frankreich 635,0
15. Primož Ulaga Jugoslawien  Jugoslawien 632,5
16. Mika Kojonkoski Finnland  Finnland 630,0
17. Andreas Bauer Deutschland BR  BR Deutschland 626,5
18. Vegard Opaas Norwegen  Norwegen 616,5
19. Miran Tepeš Jugoslawien  Jugoslawien 613,5
20. Holger Freitag Deutschland Demokratische Republik 1949  DDR 610,5
21. Patric Dubiez Frankreich  Frankreich 587,0
22. Pavel Ploc Tschechoslowakei  Tschechoslowakei 586,5
23. Ole Gunnar Fidjestøl Norwegen  Norwegen 581,0
24. Klaus Ostwald Deutschland Demokratische Republik 1949  DDR 580,5
25. Rick Mewborn Vereinigte Staaten  USA 567,0
26. Frédéric Berger Frankreich  Frankreich 534,0
27. Antonio Lacedelli Italien  Italien 532,0
28. Janez Debelak Jugoslawien  Jugoslawien 530,0
29. Virginio Lunardi Italien  Italien 529,5
Sandro Sambugaro Italien  Italien 529,5
31. Matjaž Debelak Jugoslawien  Jugoslawien 527,5
32. Martin Švagerko Tschechoslowakei  Tschechoslowakei 522,0
33. Bernat Sola Spanien  Spanien 515,0
34. Mike Holland Vereinigte Staaten  USA 509,5
35. Zane Palmer Vereinigte Staaten  USA 498,0
36. Robert Witke Polen 1980  Polen 487,0
37. Mark Konopacke Vereinigte Staaten  USA 485,0
38. Massimo Rigoni Italien  Italien 481,0
39. Rolf Schilli Deutschland BR  BR Deutschland 460,0,0
40. Ernst Vettori Osterreich  Österreich 458,5
41. László Fischer Ungarn 1957  Ungarn 453,0
42. Chiharu Nishikata Japan 1870  Japan 418,5
43. Jose Rivera Spanien  Spanien 410,5
44. Rolf Åge Berg Norwegen  Norwegen 410,0
45. Akira Satō Japan 1870  Japan 396,5
46. Yasuhide Miyazaki Japan 1870  Japan 377,0
47. Ulf Findeisen Deutschland Demokratische Republik 1949  DDR 350,0
48. Masahiro Akimoto Japan 1870  Japan 286,5
49. Wolfgang Steiert Deutschland BR  BR Deutschland 189,0
50. Jiří Parma Tschechoslowakei  Tschechoslowakei 141,0

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Neue Zeit vom 5. März 1986 S. 6
  2. Neues Deutschland vom 8. März 1986 S. 12
  3. Ergebnisse des ersten Tages
  4. Ergebnisse des zweiten Tages
  5. Die zwei flogen auf dem Kulm Nykänen davon. In: Arbeiter-Zeitung. Wien 10. März 1986, S. 11 (arbeiter-zeitung.at – das offene Online-Archiv – Digitalisat).
  6. komplettes Ergebnis