Hauptmenü öffnen
Siglistorf
Wappen von Siglistorf
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Zurzachw
BFS-Nr.: 4319i1f3f4
Postleitzahl: 5462
Koordinaten: 670856 / 266469Koordinaten: 47° 32′ 42″ N, 8° 22′ 47″ O; CH1903: 670856 / 266469
Höhe: 444 m ü. M.
Fläche: 5,51 km²
Einwohner: 639 (31. Dezember 2018)[1]
Einwohnerdichte: 116 Einw. pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne
Bürgerrecht)
21,1 % (31. Dezember 2018)[2]
Website: www.siglistorf.ch
Siglistorf

Siglistorf

Karte
Klingnauer StauseeDeutschlandKanton ZürichBezirk AarauBezirk BadenBezirk BruggBezirk LaufenburgBad ZurzachBaldingen AGBöbikonBöttsteinDöttingen AGEndingen AGFisibachFull-ReuenthalKaiserstuhl AGKlingnauKoblenz AGLeibstadtLengnau AGLeuggernMellikonRekingenRietheim AGRümikonSchneisingenSiglistorfTegerfeldenWislikofenKarte von Siglistorf
Über dieses Bild
w

Siglistorf (schweizerdeutsch: ˈsɪgliʃˌtɔrf)[3] ist eine Einwohnergemeinde im Schweizer Kanton Aargau. Sie gehört zum Bezirk Zurzach und liegt an der Grenze zum Kanton Zürich sowie knapp drei Kilometer südlich der Grenze zu Deutschland.

GeographieBearbeiten

Das Dorf liegt in einem engen Tal inmitten des Tafeljuras. Dieses wird von Südosten nach Norden vom Tägerbach durchflossen, der bei Mellikon in den Hochrhein mündet. Die Hügel, die das Tal flankieren, sind im unteren Bereich sehr steil und gehen in ausgedehnte Hochebenen über. Der Hügel im Osten heisst schlicht Berg und erreicht eine Höhe von 601 Metern, im Westen erhebt sich der Brand (588 m ü. M.). Im Dorfzentrum zweigt ein kurzes Seitental in Richtung Südwesten ab. Zwischen den beiden Tälern erhebt sich im Süden der Buechstock (596 m ü. M.).[4]

Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 551 Hektaren, davon sind 285 Hektaren bewaldet und 38 Hektaren überbaut.[5] Der höchste Punkt liegt auf 601 Metern auf der Hochebene des Bergs, der tiefste auf 420 Metern am Tägerbach. Nachbargemeinden sind Wislikofen im Nordwesten, Fisibach im Nordosten, Bachs und Oberweningen im Südosten, Schleinikon und Niederweningen im Süden sowie Schneisingen im Südwesten.

GeschichteBearbeiten

Die erste urkundliche Erwähnung von Siglistorf erfolgte im Jahr 1113. Die Edlen von Waldhausen stifteten damals die Propstei Wislikofen und schenkten dem Kloster St. Blasien zu diesem Zweck umfangreichen Grundbesitz in der Region. Der Ortsname stammt vom althochdeutschen Sigilinesthorf und bedeutet «Dorf des Sigilin».[3] Die niedere Gerichtsbarkeit kam im 13. Jahrhundert zum Bistum Konstanz und wurde dem bischöflichen Gerichtsbezirk Klingnau zugeteilt. Die Blutgerichtsbarkeit und damit die Landeshoheit lagen zunächst bei den Grafen von Kyburg, ab 1273 bei den Habsburgern.

Die Eidgenossen eroberten 1415 den Aargau und Siglistorf gehörte nun zum Amt Ehrendingen der Grafschaft Baden, einer Gemeinen Herrschaft. Das Dorf lag an einer damals wichtigen Handelsroute, die von Süddeutschland über Schaffhausen, Kaiserstuhl und Baden bis nach Genf führte. Besonders für den Transport von Salz aus dem Salzkammergut war diese Verbindung bedeutend. Im März 1798 nahmen die Franzosen die Schweiz ein und riefen die Helvetische Republik aus. Schneisingen war zunächst eine Gemeinde im kurzlebigen Kanton Baden, seit 1803 gehört sie zum Kanton Aargau.

Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein blieb Siglistorf ein landwirtschaftlich geprägtes Dorf, ergänzt um Forstwirtschaft. Bis 1970 schwankte die Einwohnerzahl stets zwischen 250 und 300. Mit der Ansiedlung kleiner Gewerbebetriebe war auch eine Bevölkerungszunahme verbunden. Innerhalb der folgenden vierzig Jahre stieg die Einwohnerzahl um fast das Zweieinhalbfache. Damit verbunden war auch ein markanter Ausbau der Infrastruktur.

SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Quelle des Tägerbachs beim Schützenhaus oberhalb von Siglistorf
 
Kirche von Siglistorf

WappenBearbeiten

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Blau auf grünem Dreiberg linksgekehrter springender gelber Hirsch.» Bis 1930 besass die Gemeinde kein eigenes Wappen. Da das Kloster St. Blasien jahrhundertelang Herrschaftsrechte in Siglistorf ausgeübt hatte, übernahm man dessen Wappentier, drehte es allerdings nach rechts (heraldisch links) und fügte einen Dreiberg hinzu.[6]

BevölkerungBearbeiten

Die Einwohnerzahlen entwickelten sich wie folgt:[7]

Jahr 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner 394 292 251 312 278 264 352 546 519 627

Am 31. Dezember 2018 lebten 639 Menschen in Siglistorf, der Ausländeranteil betrug 21,1 %. Bei der Volkszählung 2015 bezeichneten sich 39,6 % als römisch-katholisch und 24,1 % als reformiert; 36,3 % waren konfessionslos oder gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[8] 92,7 % gaben bei der Volkszählung 2000 Deutsch als ihre Hauptsprache an und 4,8 % Albanisch.[9]

Politik und RechtBearbeiten

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Er wird im Majorzverfahren vom Volk gewählt, seine Amtsdauer beträgt vier Jahre. Der Gemeinderat führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm vom Kanton zugeteilt wurden. Für Rechtsstreitigkeiten ist in erster Instanz das Bezirksgericht Zurzach zuständig. Siglistorf gehört zum Friedensrichterkreis XVII (Zurzach).[10]

WirtschaftBearbeiten

In Siglistorf gibt es gemäss der im Jahr 2015 erhobenen Statistik der Unternehmensstruktur (STATENT) rund 190 Arbeitsplätze, davon 10 % in der Landwirtschaft, 36 % in der Industrie und 54 % im Dienstleistungssektor.[11] Die meisten Erwerbstätigen sind Wegpendler und arbeiten in der Region Baden oder in der Agglomeration Zürich.

VerkehrBearbeiten

Siglistorf liegt etwas abseits des grossen Durchgangsverkehrs an der Kantonsstrasse 431 von Schneisingen nach Mellikon. Etwas nördlich des Dorfzentrums zweigt die Kantonsstrasse 283 nach Kaiserstuhl ab. Das Dorf wird durch eine Postautolinie vom Bahnhof Baden über Niederweningen nach Kaiserstuhl an das Netz des öffentlichen Verkehrs angebunden.

BildungBearbeiten

Die Gemeinde verfügt über einen Kindergarten und ein Schulhaus, in dem die Primarschule unterrichtet wird. Sämtliche Oberstufen (Realschule, Sekundarschule und Bezirksschule) können in Bad Zurzach besucht werden. Die nächstgelegenen Gymnasien sind die Kantonsschule Baden und die Kantonsschule Wettingen.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Siglistorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bevölkerungsbestand nach Gemeinde, Nationalität und Geschlecht, per 31. Dezember 2018. (XLS, 233 kB) Departement Finanzen und Ressourcen, Statistik Aargau, März 2019, abgerufen am 27. März 2019.
  2. Bevölkerungsbestand nach Gemeinde, Nationalität und Geschlecht, per 31. Dezember 2018. (XLS, 233 kB) Departement Finanzen und Ressourcen, Statistik Aargau, März 2019, abgerufen am 27. März 2019.
  3. a b Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100. Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 396–397.
  4. Landeskarte der Schweiz, Blatt 1050, Swisstopo.
  5. Arealstatistik Standard – Gemeinden nach 4 Hauptbereichen. Bundesamt für Statistik, 26. November 2018, abgerufen am 15. Juni 2019.
  6. Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 276.
  7. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. (Excel) In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistik Aargau, 2001, archiviert vom Original am 8. Oktober 2018; abgerufen am 15. Juni 2019.
  8. Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit, 2015. (Excel) In: Bevölkerung und Haushalte, Gemeindetabellen 2015. Statistik Aargau, abgerufen am 15. Juni 2019.
  9. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. (Excel) Statistik Aargau, archiviert vom Original am 12. August 2018; abgerufen am 15. Juni 2019.
  10. Friedensrichterkreise. Kanton Aargau, abgerufen am 15. Juni 2019.
  11. Statistik der Unternehmensstruktur (STATENT). (Excel, 157 kB) Statistik Aargau, 2016, abgerufen am 15. Juni 2019.