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Siemensbahn

Ehemalige bzw. geplante S-Bahnstrecke in Berlin
Siemensbahn
Bahnhof Wernerwerk
Bahnhof Wernerwerk
Streckennummer:6022
Streckenlänge:4,5 km
Spurweite:1435 mm (Normalspur)
Stromsystem:750 V =
Strecke – geradeaus
von Gesundbrunnen
S-Bahnhof
0,0 Jungfernheide
   
nach Westkreuz
   
nach Spandau
   
1,4 Wernerwerk
   
3,1 Siemensstadt
   
4,5 Gartenfeld
Bahnhof Wernerwerk, 1987
Bahnhof Siemensstadt
Empfangsgebäude des Endbahnhofs Gartenfeld
Eingang Siemensdamm Bahnhof Wernerwerk
Werksausgang

Die Siemensbahn ist eine S-Bahn-Strecke in Berlin. Sie ist nach der Firma Siemens & Halske benannt, die die Strecke in Eigenregie zwischen 1927 und 1929 baute. Sie ist knapp viereinhalb Kilometer lang und ist seit dem Reichsbahnerstreik im September 1980 außer Betrieb. Es gibt Pläne, die Strecke bis 2025Vorlage:Zukunft/In 5 Jahren zu reaktivieren.[1]

VerlaufBearbeiten

Die Siemensbahn beginnt am Bahnhof Jungfernheide, wo sie Anschluss zur Ringbahn hat. Von dort aus verläuft sie nach Westen und zweigt ungefähr auf gleicher Höhe wie die Ringbahn von der Hamburger Bahn ab. Anders als diese nimmt sie aber den Weg nach Norden über die Spree und erreicht als erstes den Bahnhof Wernerwerk.[2] Nach dem Bahnhof macht sie einen weitläufigen 90-Grad-Winkel, verläuft kurz nach Westen, wo sich die Station Siemensstadt[3] befindet (beide im Ortsteil Siemensstadt), und anschließend nach Nordwesten. Nach gut einem Kilometer erreicht sie den Endbahnhof Gartenfeld[4] in der gleichnamigen Ortslage. Dieser wurde zusätzlich mit einem Reiterstellwerk und einer sechsgleisigen Abstellanlage ausgerüstet. Die Strecke ist fast auf ganzer Länge als Viadukt­bahn angelegt, nur der Endbahnhof Gartenfeld liegt ebenerdig. Dessen Gelände und Gebäude wurden zwischenzeitlich von einem inzwischen aufgegebenen Gartencenter genutzt.

Bau und BetriebBearbeiten

Bereits im Jahr 1905 ließ der Siemens-Konzern einen firmeneigenen Bahnhof für seine Mitarbeiter einrichten, damit diese schneller zur Arbeit gelangen konnten. Der als Fürstenbrunn (später: Siemensstadt-Fürstenbrunn) eröffnete Bahnhof an der Hamburger und Lehrter Bahn verzeichnete anfangs hohe Fahrgastzahlen, lag aber zum Werksgelände immer noch ungünstig. Da sich zudem in den 1920er Jahren das Werkszentrum in die nördliche Siemensstadt verlagerte, suchte die Werksleitung nach einer Alternativlösung. 1925 verständigten sich Siemens und die Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft (DRG) auf den Bau einer neuen Strecke.

Den Bau der Trasse sowie die Ausrüstung der Bahnhöfe übernahm die Siemens-Bauunion.[5] Der Konzern stellte das Gelände bereit. Die Reichsbahn sollte lediglich den Betrieb sicherstellen. Diese Absprache war auch möglich, weil Konzernchef Carl Friedrich von Siemens gleichzeitig Präsident des Verwaltungsrates der DRG war.

Der Bau begann 1927 und wurde nach zwei Jahren abgeschlossen. Am 18. Dezember 1929 konnte der Verkehr aufgenommen werden. Die Züge fuhren elektrisch, die Große Elektrisierung der Berliner Stadt-, Ring- und Vorortbahnen war gerade im vollen Gange. In den ersten Jahren fuhren die Züge bis nach Neukölln oder Papestraße durch. Die Passagierzahlen stiegen deutlich, wobei die Strecke großenteils durch die Arbeiter der Siemens-Werke genutzt wurde. Von den rund 90.000 Mitarbeitern, die Siemens zu dieser Zeit allein in Siemensstadt beschäftigte, nutzten etwa 17.000 die im Fünf-Minuten-Takt verkehrende S-Bahn von und zu ihrem Arbeitsplatz.

Ein Bebauungsplan von Albert Speer sah einen Umsteigebahnhof am Ende der Strecke vor. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Strecke beschädigt. So war die Spreebrücke kurz hinter dem Abzweig zerstört. Schon am 17. September 1945 konnte sie durch eine Behelfsbrücke ersetzt werden. Zu diesem Zeitpunkt war die Siemens-Güterbahn über eine hölzerne Rampe bereits provisorisch an den S-Bahnhof Gartenfeld angeschlossen worden, da die Wehrmacht die Spreebrücke gesprengt hatte.[6] Das zweite Gleis wurde als Reparationszahlung an die Sowjetunion ausgeliefert. Bis zum 28. April 1948 fand vorwiegend in den Nachtstunden auf dem S-Bahn-Gleis Güterverkehr statt. Die Verbindung blieb bis zum März 1950 bestehen, weil Siemens für die Deutsche Reichsbahn S-Bahn-Wagen reparierte.[7]

Der zweigleisige Betrieb konnte am 3. Dezember 1956 nach dem Neubau der Spreebrücke wieder aufgenommen werden. Die früheren Nutzerzahlen wurden nicht mehr erreicht, weil der Siemens-Konzern seinen Hauptsitz nach München verlegt hatte. Die Strecke war fortan eine der am wenigsten genutzten im gesamten Berliner S-Bahn-Netz. Folglich wurden die Züge bis Jungfernheide zurückgezogen, und meist kamen ältere Fahrzeuge der Baureihen ET 168 und ET 165 zum Einsatz, die zuletzt im 20-Minuten-Takt mit 30 bis 40 Fahrgästen verkehrten.

StilllegungBearbeiten

Nach dem Reichsbahnerstreik im September 1980 wurde der Verkehr eingestellt. Die Siemensstadt verfügte mit den im Oktober 1980 eröffneten Bahnhöfen Siemensdamm und Rohrdamm der U-Bahn-Linie U7 über eine Alternative zu den Bahnhöfen Wernerwerk und Siemensstadt.

Im August 1995 wurde der Streckenteil zwischen der Bezirksgrenze zu Spandau und dem Bahnhof Gartenfeld unter Denkmalschutz gestellt. 2005 wurde beim Neubau der Schleuse Charlottenburg die Spree verlegt, dabei wurde der Bahndamm zwischen dem Abzweig von der Ringbahn und dem südlichen Spreeufer teilweise abgetragen und auch die Spreebrücke teilweise abgerissen. 2007 widersprach der Berliner Senat der beim Eisenbahn-Bundesamt beantragten Entwidmung des Bahngeländes. Verhandlungen zwischen der Deutschen Regionaleisenbahn und der Deutschen Bahn zur Übernahme der Infrastruktur zwischen Wernerwerk und Gartenfeld blieben 2008 ergebnislos.

Seit der Stilllegung haben die Deutsche Bahn AG oder die Bezirke Spandau und Charlottenburg-Wilmersdorf, in denen die Bahnstrecke verläuft, nur wenige Erhaltungsarbeiten an den verfallenden und verwildernden Gleisanlagen, dem Unterbau und den Bahnhöfen durchgeführt. Die Deutsche Bahn schätzte ihre Kosten für die Sicherung der Trasse auf 500.000 Euro jährlich.[8] Später bezifferte sie den Aufwand für drei Jahre (2013–2015) auf nur 133.000 Euro.[9]

NutzungspläneBearbeiten

Im Berliner Flächennutzungsplan vom November 2017 ist die Siemensbahn weiterhin enthalten. Danach soll sie aber auch über Gartenfeld hinaus via Daumstraße (Wasserstadt Oberhavel) nach Hakenfelde verlängert werden können.[10] Dabei würde die Strecke entlang des alten Berlin-Spandauer Schifffahrtskanals, durch das Biberschutzgebiet und parallel zur Rhenaniastraße zu einem neuen Bahnhof Daumstraße geführt werden und anschließend die Havel zum neuen Endbahnhof Hakenfelde an der Streitstraße, südlich der Kreuzung Goltzstraße über- oder unterqueren.[10] Im Zuge der frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung des Neubauprojektes „Neues Gartenfeld“ stellte die Senatsverwaltung noch eine vom Flächennutzungsplan abweichende Linienführung vor: Hierbei wäre die Insel Gartenfeld unterquert, und die Strecke nördlich am Rohrbruchteich entlang zur Daumstraße geführt worden. Der Bahnhof Gartenfeld wäre nach dieser Planung auf die Insel Gartenfeld zu verlegen.[11] Wie viel die Wiederinbetriebnahme kosten würde, wurde noch nicht abgeschätzt.[12]

Die Architektin und Lehrbeauftragte der Hochschule für Technik Stuttgart, Rebecca Chestnutt-Niess, erarbeitete mit Studenten Entwürfe für eine Nachnutzung. Das Projekt Re-Urbanisierung der Siemensbahn umfasste die Einrichtung einer Schwimmbahn auf einem Streckenabschnitt, die gezielte Begrünung des Viadukts und die Herrichtung eines Fuß- und Radweges. Die Vorschläge wurden im Juli 2014 am Halemweg 21, einer ehemaligen Schlecker-Filiale, ausgestellt.[12]

Nachdem die Siemens AG im Oktober 2018 beschloss, in der Siemensstadt einen Campus zu Forschungszwecken zu bauen, sprachen sich Konzern und Senat für die Reaktivierung der Siemensbahn aus.[13][14] In Kombination mit dem weiteren Ausbau der Wasserstadt und der Neubebauung der Insel Gartenfeld steigt der Bedarf der Reaktivierung der Siemensbahn weiter an. Der Berliner Senat wünsche eine Reaktivierung bis 2025, hieß es.[1][15] Der Wiederaufbau wurde nachträglich in das Verkehrsprojekt i2030 der beiden Bundesländer Berlin und Brandenburg und der DB AG aufgenommen.

LiteraturBearbeiten

  • Bernhard Strowitzki: S-Bahn Berlin – Geschichte(n) für unterwegs. GVE-Verlag, Berlin 2002. ISBN 3-89218-073-3.
  • Die neue Siemensbahn / Bahnhöfe Jungfernheide – Wernerwerk – Siemensstadt – Gartenfeld. In: Deutsche Bauzeitung, Jg. 63, 1929, S. 865–873.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Siemensbahn – Sammlung von Bildern

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Strecke zum Zukunftscampus – Die Wiederbelebung der Siemensbahn hat begonnen. In: Berliner Zeitung, 22. März 2019.
  2. Koordinaten:  
  3. Koordinaten:  
  4. Koordinaten:  
  5. Hinweis im Lexikon der Siemensstadt in Berlin@1@2Vorlage:Toter Link/w4.siemens.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  6. Bodo Schulz, Michael Krolop: Die Privat- und Werkbahnen in Berlin (West). S. 117.
  7. Bodo Schulz, Michael Krolop: Die Privat- und Werkbahnen in Berlin (West). S. 118.
  8. Siemensbahn könnte bald bis nach Tegel fahren. In: Berliner Morgenpost, 9. Februar 2016
  9. Siemensbahn: Wird die alte Strecke wiederbelebt? In: Berliner Zeitung, 9. September 2016
  10. a b FNP - Aktualisierte Arbeitskarte, Stand November 2017. Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen, abgerufen am 1. November 2018.
  11. Neubauprojekt „Neues Gartenfeld“ – Vergleich des aktuellen Entwurfs mit dem Vorentwurf aus der frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung 2017. Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen, abgerufen am 1. November 2018.
  12. a b Elmar Schütze: Die City-West hat Pläne für Siemensstadt. Nachnutzung der Siemensbahn in Berlin. In: Berliner Zeitung. 25. Juli 2014 (online [abgerufen am 18. Januar 2016]).
  13. Joachim Fahrun: Siemens errichtet für 600 Millionen Euro Campus in Berlin. In: Berliner Morgenpost. 30. Oktober 2018, abgerufen am 31. Oktober 2018.
  14. Sabine Beikler, Henrik Mortsiefer: Siemens investiert 600 Millionen Euro in Berlin. In: Der Tagesspiegel. 31. Oktober 2018, abgerufen am 1. November 2018.
  15. Bahn und Senat unterzeichnen Vereinbarung über Siemensbahn