Sens (Yonne)

französische Gemeinde

Sens [sãs] ist eine französische Stadt mit 25.935 Einwohnern (Stand 1. Januar 2017) im Département Yonne und liegt am gleichnamigen Fluss Yonne, in den hier die Vanne mündet. Die Stadt Sens liegt nur 78 Kilometer von Corbeil-Essonnes und der Pariser Banlieue entfernt. Die Distanz zum Burgunderstädtchen Auxerre beträgt 56 Kilometer.

Sens
Wappen von Sens
Sens (Frankreich)
Sens
Region Bourgogne-Franche-Comté
Département Yonne
Arrondissement Sens
Kanton Sens-1 (Hauptort)
Sens-2 (Hauptort)
Gemeindeverband Grand Sénonais
Koordinaten 48° 12′ N, 3° 17′ OKoordinaten: 48° 12′ N, 3° 17′ O
Höhe 62–205 m
Fläche 27,86 km2
Einwohner 25.935 (1. Januar 2017)
Bevölkerungsdichte 931 Einw./km2
Postleitzahl 89100
INSEE-Code
Website Offizielle Website der Stadt

Kathedrale mit erzbischöflichem Palast

GeschichteBearbeiten

 
Altar in der Kathedrale

Als Agedincum war Sens in der Antike der Hauptort des keltischen Volkes der Senonen in Gallia Celtica.[1][2] Obwohl der Platz vor der römischen Eroberung Galliens zweifellos morastig war, hatte er bereits aufgrund seiner Lage am Kreuzungspunkt zweier Heerstraßen Bedeutung erlangt.[3] Endgültig konnte Caesar Agedincum, das er mehrfach erwähnt,[4] erst nach der Bezwingung des Vercingetorix (52 v. Chr.) der römischen Herrschaft unterwerfen.[5] Nach der Eroberung Galliens wurde die Position des Zusammenflusses von Yonne und Vanne etwas verlegt, so dass die ersten Bauten an der Stelle der heutigen Stadt entstanden. In der römischen Epoche verlief die eine der beiden erwähnten Heerstraßen als Via Agrippa ungefähr in Nord-Süd-Richtung, während die andere von Osten nach Westen verlaufende Genabum (Orléans) mit Augustabona (Troyes) verband.[3]

Nach der Legende wurde die heilige Kolumba 273 n. Chr. in Sens enthauptet, weil sie sich als Christin weigerte, den Sohn des römischen Kaisers Aurelian zu heiraten. Eventuell ist Sens mit dem von Ammianus Marcellinus erwähnten Ort Senonae zu identifizieren, in dem Kaiser Julian 356 erfolgreich eine einmonatige Belagerung durch die Alamannen durchhielt.[6] Die Römer errichteten in Sens u. a. Amphitheater, Aquädukte, Bäder und eine teilweise erhaltene Stadtmauer; auch wurden zwei große Nekropolen entdeckt. Als Kaiser Valens im Jahr 375 Gallien in 17 Provinzen einteilte, wurde Sens Hauptstadt der Lugdunensis IV.[5][3]

Während des Mittelalters spielte Sens eine wichtige Rolle im kirchlichen Leben. Bereits seit dem späten 3. Jahrhundert war es Sitz eines Bischofs, dann seit dem 4./5. Jahrhundert Sitz eines Erzbischofs, der seit Theodosios I. den Titel Primas von Gallien und Germanien führte.[7] Das Hôtel de Sens in Paris war seine Residenz in der Hauptstadt.

Die Abtei Saint-Pierre-le-Vif wurde zu Beginn des 6. Jahrhunderts von Theudechild, der Tochter des Frankenkönigs Theuderich I. gegründet, die sich hier auch beerdigen ließ. Seit etwa 564 untersteht die Abtei der Benediktinerregel. Seit dem Jahr 999 ist Saint-Pierre-le-Vif ein Männerkloster.

731 oder 738 konnten sich die Einwohner von Sens gegen die Angriffe der Sarazenen behaupten, ebenso widerstanden sie 886 einer sechsmonatigen Belagerung durch die Normannen. Seit dem 9. Jahrhundert gehörte die Stadt zum Herzogtum Burgund und wurde von eigenen Grafen regiert. Die Kämpfe dieser Grafen mit den Erzbischöfen oder ihren Oberherren führten häufig zu blutigen Verwicklungen.[5] So bemächtigte sich Richard der Gerichtsherr 895 der Grafschaft, die damit Odo von Paris verlorenging. Hugo der Große eroberte 936 Sens und entriss die Grafschaft somit Hugo dem Schwarzen.[8] 1055 kam diese schließlich an die französische Krondomäne.[5]

1135 wurde mit dem Bau der Kathedrale St. Étienne begonnen, die als erste gotische Kathedrale gilt. Um die Mitte des 12. Jahrhunderts organisierten die Bürger von Sens ihre Stadt als Kommune und setzten den Kampf gegen den Klerus fort.[5] 1141 wurde Abälard auf dem Konzil von Sens der Häresie angeklagt und verurteilt. Von 1163–65 war Sens der Sitz des aus Italien geflüchteten Papstes Alexander III.[7] Thomas Beckett verbrachte einige Zeit seines Exils (1166–70) in der 2 km nördlich von Sens gelegenen Abtei Sainte-Colombe.[9] 1189 erhielt Sens das Stadtrecht. 1234 feierten der französische König Ludwig IX. und Margarete von der Provence in Sens Hochzeit.[5] Am 17. September 1477 wurde hier ein Waffenstillstand zwischen dem späteren Kaiser Maximilian und dem französischen König Ludwig XI. geschlossen.

Sens war während der Hugenottenkriege ein Zentrum des Katholizismus. Hier wurden 1562 viele Hugenotten ermordet, und es gehörte zu den ersten Städten, die sich der Heiligen Liga anschlossen. In der Folge widerstand Sens auch von 1590–94 Heinrich IV., wofür er der Stadt ihre Privilegien aberkannte.[5][10] 1622 wurde Paris, das bisher ein Suffraganbistum der Erzdiözese Sens war, zu einem eigenen Erzbistum erhoben und erhielt auch die Jurisdiktion über die bislang zur Erzdiözese Sens gehörigen Bistümer Chartes, Orléans und Meaux.[5] Während des Sechsten Koalitionskriegs gelang es württembergischen und österreichischen Truppen, das von General Jacques Alexandre Allix de Vaux hartnäckig verteidigte Sens 1814 zu erstürmen. Das 1801 aufgehobene Erzbistum Sens wurde 1822 wiederhergestellt. Im Deutsch-Französischen Krieg wurde Sens 1870/71 von deutschen Truppen besetzt.[5]

SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Synodalpalast in Sens
  • Die Kathedrale von Sens
  • Der alte Bischofspalast, in dem die Museen von Sens untergebracht sind, unter anderem eine große Sammlung mittelalterlicher Kunst in Frankreich
  • Synodalpalast, erbaut im 13. Jahrhundert
  • Haus Abraham
  • Stadttheater, 1882 eingeweiht
  • Rathaus, 1904 eingeweiht

WirtschaftBearbeiten

Das in einer reichhaltigen Agrarregion gelegene Sens besitzt eine vielfältige verarbeitende Industrie, mit Pharmakonzernen, Elektronikfirmen und Lebensmittelherstellern. Viele Wirtschaftszweige von Sens sind mit jenen von Paris verschmolzen.[9]

VerkehrBearbeiten

Der Bahnhof von Sens, welcher an der Bahnstrecke Paris–Marseille liegt, verfügt über fünf Gleise an drei Bahnsteigen und wird hauptsächlich von den Nahverkehrszügen der TER Bourgogne angefahren. Es gibt u. a. Verbindungen nach Paris, Auxerre und Dijon. Der Gare de Bercy in Paris ist erreichbar in 50 Minuten. Pro Tag hält auch ein Zugpaar des TGV auf der Strecke von Melun nach Marseille. Sens hat einen Stadtbusverkehr mit neun Linien, die die Stadt und die Umgebung bedienen. Außerdem ist Sens über die Autoroute A 19 ans Autobahnnetz angeschlossen.

Söhne und Töchter der StadtBearbeiten

PartnerstädteBearbeiten

Alle vier Städte sind untereinander gleichfalls Partnerstädte. Jährlich finden zahlreiche Begegnungen und Austausche sowohl zwischen Schulen und Vereinen als auch Praktikantenaustausch von Industrie und Handel statt.

Einen Freundschaftsvertrag gibt es seit 1999 mit der Stadt

Einen speziellen Städtepartnerschaftsvertrag gibt es seit 2012 mit

Siehe auchBearbeiten

SonstigesBearbeiten

WeblinksBearbeiten

 Commons: Sens – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

AnmerkungenBearbeiten

  1. P. Wuilleumier: Agedincum. In: Der Kleine Pauly (KlP). Band 1, Stuttgart 1964, Sp. 123.
  2. Max Ihm: Agedincum. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band I,1, Stuttgart 1893, Sp. 768.
  3. a b c C. Rolley: Agedincum (Sens), Yonne, France. In: Richard Stillwell u. a. (Hrsg.): The Princeton Encyclopedia of Classical Sites. Princeton University Press, Princeton NJ 1976, ISBN 0-691-03542-3.
  4. Caesar: De bello Gallico 6, 44 und 7, 10.
  5. a b c d e f g h i Sens, in: Encyclopædia Britannica. 11. Auflage. 1910-11, Band 24, S. 648.
  6. Ammianus Marcellinus, Res gestae 16, 4, 1ff.; dazu Klaus Rosen: Julian. Kaiser, Gott und Christenhasser. Klett-Cotta, Stuttgart 2006, ISBN 3-608-94296-3, S. 141 f.
  7. a b Sens (Yonne). In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Band 14, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig/Wien 1885–1892, S. 867.
  8. Karl Ferdinand Werner: Die Ursprünge Frankreichs bis zum Jahr 1000. dtv, 1995, ISBN 3-423-04653-8, S. 448 und 493.
  9. a b Sens. In: Encyclopædia Britannica online.
  10. Sens. In: Brockhaus’ Konversations-Lexikon. 14. Auflage. Band 14, 1892-96, S. 861.