Sennheiser

Unternehmen der Audiotechnik
Sennheiser electronic GmbH & Co. KG

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Rechtsform GmbH & Co. KG
Gründung 1. Juni 1945
Sitz Wedemark-Wennebostel
Leitung Andreas Sennheiser und Daniel Sennheiser (Geschäftsführende Gesellschafter)
Frank Heinricht
(Aufsichtsratsvorsitzender);
Mitarbeiterzahl 2734 (2018)[1]
Umsatz 710,7 Mio. Euro (2018)[1]
Branche Audiotechnik
Website www.sennheiser.com

Die Sennheiser electronic GmbH & Co. KG ist ein Unternehmen mit Sitz in Wedemark-Wennebostel in der Region Hannover, wo es am 1. Juni 1945 als Laboratorium Wennebostel (kurz: Labor W) von Fritz Sennheiser gegründet wurde.

Die Hauptgeschäftsfelder des Unternehmens sind die Entwicklung und Produktion von Mikrofonen und Kopfhörern. Weitere Geschäftsfelder sind Drahtlostechnik für den Broadcast-Bereich, Konferenztechnik, Audiologie (Hörhilfen), Luftfahrtskommunikationssysteme sowie Anwendungsprodukte wie Headsets für PCs und Callcenter.

Zur Sennheiser-Gruppe gehören neben der Marke Sennheiser der Studiomikrofonhersteller Georg Neumann.

Das Unternehmen produziert vor allem für die Musikindustrie und die Unterhaltungsindustrie. Außerdem wird Unterhaltungselektronik für Privatkunden hergestellt sowie für die Luftfahrt. Vertrieben werden die Produkte über ein weltweites Netz von Auslandstöchtern und Vertriebspartnern, die die Waren wiederum an Großkunden veräußern, sowie über eigene Sennheiser Stores.

Im Jahr 2018 beschäftigte Sennheiser 2734 Mitarbeiter[2]. Das Unternehmen unterhält weltweit vier eigene Produktionsstandorte: in Wennebostel (Deutschland), Tullamore (Irland), Albuquerque (Vereinigte Staaten) und Brasov (Rumänien)[3].

GeschichteBearbeiten

 
Labor W Logo
 
Kopfhörer Sennheiser HD424
 
Sennheiser Kopfhörer MX400ii
 
Sennheiser Richtrohrmikrofon MKH416 mit erster HF-Schaltung

Das Unternehmen wurde am 1. Juni 1945 als Laboratorium Wennebostel (kurz: Labor W) von Fritz Sennheiser gegründet. In Wennebostel befand sich zuvor das Institut für Hochfrequenztechnik und Elektroakustik der Technischen Hochschule Hannover, das aufgrund von Kriegsschäden aus Hannover nach Wennebostel in die „Villa Hausmann“ verlegt worden war. Nach Kriegsende kehrten die meisten Mitarbeiter des Instituts, die aus ganz Deutschland stammten, nach Hause zurück. Nur sieben Mitarbeiter aus der Region sowie der aus Berlin stammende Fritz Sennheiser blieben in Wennebostel.

Fritz Sennheiser beschloss, mit seinen Ersparnissen einen Handwerksbetrieb zu gründen. Allerdings konnten er und seine Mitarbeiter nicht auf ihrem bisherigen Gebiet weiterarbeiten, da das von den Alliierten nicht gestattet worden war. Das Institut für Hochfrequenztechnik und Elektroakustik arbeitete während des Krieges für die Wehrmacht im Bereich Chiffrierungstechnik. Deshalb produzierte das junge Unternehmen zuerst Messgeräte wie Voltmeter, die das ehemalige Institut schon früher für den Eigenbedarf hergestellt hatte. Diese verkaufte Fritz Sennheiser an Siemens, das nach Kriegsende von seinen Lieferanten abgeschnitten war. Siemens finanzierte die Aufträge für die Voltmeter an das Labor W vor. 1946 bekam das Laboratorium Wennebostel wiederum von Siemens den Auftrag, ein Mikrofon eines österreichischen Zulieferers nachzubauen, weil dieser nicht mehr produzieren konnte. Labor W nahm diesen erneut vorfinanzierten Auftrag an und nannte das Produkt MD1.

 
1982 übergibt Gründer Prof. Dr. Fritz Sennheiser (rechts) die Geschäftsführung an seinen Sohn Prof. Dr. Jörg Sennheiser (links).

1947 präsentierte Labor W dann eine Weiterentwicklung des österreichischen Modells, das MD2, welches das erste selbstständig entwickelte Mikrofon des Unternehmens wurde. Mit den Jahren wurde die Produktpalette Stück für Stück erweitert. 1949 kamen Geophone dazu.

Vier Jahre später beschäftigte das Laboratorium bereits 94 Mitarbeiter. 1956 entwickelte das Labor W das erste Richtrohrmikrofon und stellte ein Jahr später bereits 100 verschiedene Produkttypen her.

1958[4] wurde das Laboratorium in „Sennheiser electronic“ umbenannt, um deutlich zu machen, dass es kein einfaches Labor mehr war, sondern ein moderner Industriebetrieb mit über 450 Beschäftigten. Mit der Umbenennung sollte vor allem die eigene Marke gestärkt werden. Sennheiser war zuvor hauptsächlich Zulieferer für große Elektronikunternehmen wie z. B. Siemens und Grundig, jetzt war das Unternehmen bemüht, eigene Produkte auf den Markt zu bringen. Der Grund dafür war, dass die Margen im Zuliefergeschäft sanken. Folglich wurde es für Sennheiser attraktiver, für den Privatmarkt zu produzieren.

Zu Beginn der 1960er Jahre wurde das Auslandsgeschäft gestärkt und neben dem Produktionsstandort in Wennebostel weitere „Werkbänke“ in Burgdorf und Soltau errichtet. Im Jahr 1959[5] wurde Fritz Sennheiser zum Honorarprofessor an der TH Hannover ernannt und referierte dort über Elektroakustik. 1965 war Sennheiser nach eigenen Angaben die größte Spezialfirma für Mikrofone in Deutschland.

20 Jahre nach der Gründung geriet das Unternehmen in ernste Schwierigkeiten. Billigere Produkte aus dem asiatischen Raum, vor allem aus Japan, machten Sennheiser Konkurrenz. Die Produktpalette musste überarbeitet werden, um konkurrenzfähig zu bleiben.

1968 brachte Sennheiser mit dem HD 414 den ersten offenen Kopfhörer der Welt auf den Markt. Dieser Kopfhörertyp erhöhte den Tragekomfort und sorgte dafür, dass Kopfhörer weltweit zu einem wichtigen Standbein Sennheisers wurden. Anfang der 70er Jahre erwirtschaftete Sennheiser bereits 40 % seines Umsatzes im Ausland.

1973 wurde Sennheiser in eine Kommanditgesellschaft (KG) umgewandelt. Fritz Sennheiser wurde Komplementär, sein Sohn Jörg wurde Kommanditist und drei Jahre später auch Technischer Leiter. 1977 wurde das Werk in Soltau geschlossen und die Produktion in Burgdorf ausgebaut, wo ein neues Produktions- und Verwaltungsgebäude erworben worden war. Hier wurde nun die Kopfhörerproduktion konzentriert.

Am 9. Mai 1982 vollzog sich ein Generationswechsel. Jörg Sennheiser wurde Geschäftsführer, Fritz Sennheiser Kommanditist. Fünf Jahre später erhielt Fritz Sennheiser einen Academy Award („Oscar“) für das Richtmikrofon MKH 816.

Ende der 1980er Jahre sanken die Gewinnmargen bei Kopfhörern stetig. Das Unternehmen beschloss, ein Werk in Irland zu errichten, in dem die Kopfhörerproduktion konzentriert wurde. Das Werk öffnete im Jahr 1991. Im selben Jahr übernahm Sennheiser den in Zahlungsschwierigkeiten geratenen Studiomikrofonhersteller Georg Neumann aus Berlin. Im Zuge der Sanierung wurde die Produktion der Mikrofone von Berlin nach Wennebostel verlagert, die anderen Produktionsbereiche Neumanns wurden aufgegeben.

Anfang der 1990er wurde mit dem Sennheiser Orpheus der teuerste Kopfhörer der Welt in limitierter Stückzahl produziert.

Im Jahr 1996 änderte sich die Rechtsform von einer Kommanditgesellschaft zu einer GmbH & Co. KG. Jörg Sennheiser wechselte in den neu geschaffenen Aufsichtsrat und übergab die Leitung des Unternehmens an zwei Geschäftsführer, Stefan Exner und Rolf Meyer. Er bestimmt jedoch als Vorsitzender des Aufsichtsrates weiterhin die Geschicke der Firma. Im selben Jahr gab es einen Emmy Award für die Verdienste bei der Entwicklung drahtloser Mikrofone. Ein Jahr später richtete Sennheiser in Burbank (Kalifornien) eine Außenstelle für Forschung und Entwicklung ein. 1998 und 1999 erhielt das Unternehmen den Innovationspreis der deutschen Wirtschaft. Ebenfalls 1999 konnte die Sennheiser-Tochter Georg Neumann einen Grammy Award entgegennehmen. Im Jahr 2000 weihte Sennheiser sein viertes Werk ein. In Albuquerque (New Mexico) werden seitdem drahtlose Produkte für den amerikanischen Markt produziert.

Das Jahr 2000 war auch das Jahr der EXPO 2000, die Sennheiser als „Produkt Partner für Professional Sound“ unterstützte. Am Sennheiser-Stand wurden fast eine Million Besucher gezählt. Drei Jahre später wurden die Sennheiser-Mitarbeiter Wolfgang Niehoff und Rolf Meyer für den Deutschen Zukunftspreis nominiert. Sennheiser ging ein erstes Joint Venture ein, in Kopenhagen wurde gemeinsam mit der dänischen William-Demant-Holding die Sennheiser Communications A/S gegründet. 2005 feierte die Sennheiser-Gruppe ihr 60-jähriges Bestehen. Im selben Jahr wurde der Lautsprecherhersteller Klein und Hummel Teil des Unternehmens.

Schlagzeilen machte das Unternehmen bundesweit durch die Beschlagnahme von etwa 50.000 Kopfhörern des Kaffeerösters Tchibo im März 2006. Sennheiser warf Tchibo die Verletzung eines Patents für faltbare Kopfbänder vor; im Januar 2007 wurde eine Einigung erzielt.[6]

Im Oktober 2006 gründete das Unternehmen mit dem bisherigen Partner ispa eine Vertriebsgesellschaft in Russland. Am 9. Januar 2007 löste Volker Bartels Rolf Meyer an der Spitze der Unternehmensleitung ab. Familie Sennheiser erhielt einen Sonderpreis des Praetorius Musikpreises.

2008 begann Daniel Sennheiser, Enkel des Gründers, im Unternehmen mitzuarbeiten. Zum 1. März 2010 trat auch sein Bruder Andreas Sennheiser in das Unternehmen ein. Beide arbeiten seit 2011 in der Geschäftsführung und sind Anteilseigner des Unternehmens.[7] Am 17. Mai 2010 starb der Gründer des Unternehmens, Fritz Sennheiser, wenige Tage nach seinem 98. Geburtstag.

 
Seit 2013 leiten die Co-CEOs Dr. Andreas Sennheiser (links) und Daniel Sennheiser (rechts) das unabhängige Familienunternehmen in der dritten Generation.

Im Mai 2011 gab das Unternehmen bekannt, zukünftig mit der Adidas AG zu kooperieren.[8] Der deutsche Sportartikel-Hersteller ist unter anderem für das Design der Kopfhörer-Modelle Sennheiser HD220, Sennheiser CX310 und Sennheiser OMX 680i Sports[9] verantwortlich.

Andreas und Daniel Sennheiser übernahmen zum 1. Juli 2013 als Geschäftsführer die Gesamtverantwortung für die „Sennheiser electronic GmbH & Co. KG“. Sie führen das Unternehmen als gleichberechtigte Co-CEOs in einer Doppelspitze ohne Aufteilung von Ressorts.[10]

Bei den 65. Primetime Emmy®Engineering Awards in Hollywood erhielt Sennheiser den Philo T. Farnsworth Award. Der Preis würdigt Unternehmen, die mit ihrer Arbeit über lange Jahre einen signifikanten Beitrag zur TV-Produktionstechnik geleistet haben.[11]

Im Mai 2014 gründete Sennheiser die neue Unternehmenstochter „Sennheiser Streaming Technology GmbH (SST)“, die Streaming-Lösungen für Soft- und Hardware entwickelt.[12] 2015 präsentierte Sennheiser den HE 1 als Nachfolger des Orpheus.[13] 2016 stellte das Unternehmen sein 3D-Audio-Technologieprogramm AMBEO vor. Es umfasst alle Bereiche von der Aufnahme über das Mixing und Processing bis zur Wiedergabe von immersivem Raumklang.[14] Das AMBEO VR Mic, ein Ambisonics-Mikrofon für professionelle VR-Produktionen, kommt als erstes AMBEO-Produkt auf den Markt. Im Zuge dessen ward 2017 das erste AMBEO-Produkt für den Consumer-Markt angekündigt: Das AMBEO SMART HEADSET ist ein In-Ear-Hörer mit binauraler Aufnahmetechnologie.[15]

2017 stellt Sennheiser mit TeamConnect Ceiling ein Deckenmikrofon für Konferenzräume vor, das dank dynamischer Beamforming-Technologie automatisch den Sprecher in einem Raum aufnimmt.[16] Im selben Jahr kommt die drahtlose Mikrofonserie Digital 6000 auf den Markt.[17]

Im Mai 2019 folgte die AMBEO Soundbar; die ein räumliches Klangerlebnis im 5.1.4-Format ermöglicht.[18] Um das AMBEO Programm weiter auszubauen, erwarb Sennheiser im gleichen Jahr die Mehrheit an Dear Reality, einem auf Spatial-Audio-Algorithmen und VR/AR-Audiosoftware spezialisierten Unternehmen.[19]

ProduktionBearbeiten

StandorteBearbeiten

 
Firmensitz in Wennebostel mit dem Sennheiser Innovation Campus

Sennheiser betreibt vier[20] eigene Produktionsstätten:

Die älteste ist das Stammwerk in Wennebostel, in dem Sennheiser seit der Firmengründung 1945 forscht und produziert. Aktuell werden in Wennebostel Mikrofone, Hör- und Sprechgarnituren, Mikrofon- und Kopfhörerkapseln sowie Membranen für Mikrofone hergestellt. Des Weiteren ist dort die Forschung und Entwicklung sowie die Verwaltung angesiedelt. In Wennebostel sind rund 1000 Mitarbeiter angestellt. Damit ist dieser Ort nicht nur der Unternehmenssitz, sondern auch der Standort mit den meisten Beschäftigten.

Der 1977 gegründete zweite deutsche Produktionsstandort in Burgdorf wurde am 31. März 2010 geschlossen. Die bisherige dortige Produktion wurde komplett in den Neubau in das Stammwerk in Wennebostel verlagert. Bis zum März 2010 wurden in Burgdorf vor allem Leiterplatten für den professionellen Anwendungsbereich sowie drahtlose Mikrofone und Monitoring-Systeme gefertigt. An diesem Standort waren etwa 350 Mitarbeiter beschäftigt.

1990 wurde eine dritte Produktionsstätte im irischen Tullamore eröffnet. In diesem Werk ist die Kopfhörerproduktion konzentriert. Es werden drahtlose und kabelgebundene Kopfhörer für Unterhaltungselektronik und den Bereich Audiologie gefertigt bzw. endmontiert. Darüber hinaus werden Studiomonitore und Produkte aus dem Bereich Integrated Systems gefertigt. Die irische Produktionsstätte war Sennheisers erste Produktionsstätte im Ausland.[21]

 
Der Sennheiser-Hauptsitz in der Wedemark bei Hannover

Seit dem Jahr 2000 unterhält das Unternehmen einen zweiten ausländischen Produktionsstandort im US-Bundesstaat New Mexico in Albuquerque. Hier liegt der Fokus auf der Fertigung von drahtlosen Mikrofon- und Monitorsystemen für den amerikanischen Markt[22]. Der Standort war nötig geworden, da Sennheiser 85 % seines Umsatzes im Ausland erwirtschaftet, große Teile davon im Dollarraum. Um Wechselkursschwankungen zu verringern und konkurrenzfähig gegenüber seinen Mitbewerbern zu sein, die hauptsächlich im Dollarraum produzieren, wurde ein Werk in den USA errichtet.

Im August 2019 wurde in Brasov in Rumänien Sennheisers viertes Werk offiziell eröffnet. Das Unternehmen fertigt dort Kopfhörerwandler.[23]

Außerdem unterhielt das Unternehmen von 1997 bis 2003 in Burbank bei Los Angeles einen weiteren Forschungsstandort, um mit seinen Entwicklern näher an den Trends aus Nordamerika zu sein.

Im Jahre 2005 wurde ein Forschungsbüro für Projekte im Bereich digitaler Signalverarbeitung in Palo Alto (Kalifornien) eröffnet.

Zu Beginn des Jahres 2007 verlegte das Unternehmen Marketing und Entwicklung für Kopfhörer nach Singapur. Damit soll die zeit- und trendnahe Versorgung des sehr schnelllebigen Marktes der Unterhaltungselektronik verbessert werden.

Produktion in AsienBearbeiten

Das Unternehmen produziert neben den beiden Werken in Deutschland in den ausländischen Werken in Albuquerque und Tullamore, kauft aber große Mengen an mechanischen Bauteilen sowie Kopfhörern auch in Asien, vor allem in der Volksrepublik China.

Für die Verlagerung war mitentscheidend, dass Sennheiser von Seiten der Discountmarkt-Ketten dem Druck ausgesetzt war, billiger zu produzieren. Sennheiser-Produkte waren schon längere Zeit im Angebot der Discounter und waren bekannt für gute Qualität, aber auch für einen höheren Preis im Vergleich zu anderen Herstellern. Um mit dem Consumer-Bereich nicht einen wichtigen Umsatzbringer zu verlieren, entschied die Unternehmensleitung, die Produktion eines großen Teils der Consumer-Produkte aus Deutschland nach China zu verlagern.

Bereits Anfang der 1990er Jahre versuchte das Unternehmen, Teile der Produktion von Funkmikrofonen nach Shanghai zu verlagern. Aufgrund von Qualitätsmängeln, Transportschäden und illegaler Nachbauten der Produkte durch die Partnerunternehmen brachte Sennheiser die Produktion wieder zurück nach Deutschland.[24]

Seit ca. 1998 kauft das Unternehmen wieder Produkte und Bauteile in Asien ein, insbesondere in Südchina. Es werden keine eigenen Werke betrieben, sondern Aufträge an andere Firmen vergeben. Zu Beginn der Produktion musste sich das Unternehmen mit ähnlichen Problemen wie in den 1990er Jahren auseinandersetzen. Die Produkte entsprachen nicht der nötigen Qualität, und es wurden abermals Produkte illegal kopiert. Sennheiser reagierte und errichtete ein „Chinese Office“ in der Nähe der Produktionsstätten in Südchina. Durch diese Außenstelle wurde die Kontrolle der chinesischen Partner verbessert. Als Kontrolleure fungieren chinesische Mitarbeiter, die in Deutschland geschult wurden.

Forschung und EntwicklungBearbeiten

Überblick

Sennheiser hat vier eigene Forschungs- und Entwicklungsstandorte in Deutschland, der Schweiz, den USA und Singapur.[25] Darüber hinaus eröffnete 2015 der Innovation Campus am Standort Wennebostel, mit 7.000 Quadratmetern eines der größten und modernsten Zentren für Innovation in der Audiobranche.[26]

Nach eigenen Angaben investierte Sennheiser 2018 insgesamt 60,5 Millionen Euro in Forschung und Entwicklung, was rund 8,5 Prozent des Gesamtumsatzes entspricht. Während im Bereich Consumer die Erweiterung des Produktportfolios um ‚Smart & Connected‘-Lösungen im Fokus steht, konzentrieren sich die Forschungs- und Entwicklungsthemen im Bereich Professional auf digitale Drahtlosübertragung.[27] Unter dem Markennamen AMBEO ist der Bereich 3D-Audio oder Immersive Audio ein zentrales Zukunftsthema für Sennheiser. Aus diesem Grund erwarb der Audiospezialist 2019 die Mehrheit an Dear Reality, einem Unternehmen, das auf Spatial-Audio-Algorithmen und VR/AR-Audiosoftware spezialisiert ist, sowie 2018 IPs und Patente der Firma Sonic Emotion, Entwickler von Lösungen im Bereich 3D-Audiosoftware und -Verarbeitung.[28][29]

AMBEO 3D-Audio

 
Die AMBEO Soundbar ist ein Home-Entertainment Lautsprecher, der 3D-Sound erzeugt.

3D-Audio ermöglicht ein immersives Sounderlebnis. Das Technologieprogramm mit dem Namen AMBEO hat einen ganzheitlichen (End-to-End) Anspruch; es umfasst Sennheisers Produkte und Aktivitäten im Bereich Immersive Audio von der Aufnahme über das Processing und das Mixing bis hin zur Wiedergabe. Die Technologie eröffnet nach Angaben des Unternehmens zahlreiche Anwendungsbereiche wie beispielsweise realitätsgetreue Live-Konzertübertragungen, Sports Broadcasting, 3D-Aufnahmen, Ausstellungsinstallationen, VR-/AR-/XR-Anwendungen und 3D-Audio für zu Hause.[30]

Zur Weiterentwicklung und Erforschung von 3D-Audio-Algorithmen eröffnete Sennheiser Ende 2019 in Zürich ein eigens für diesen Zweck konzipiertes Tonstudio.[31]

Seit 2010 macht Sennheiser 9.1-Musikaufnahmen und hat einen Upmix-Algorithmus entwickelt, der aus herkömmlichen Stereo-Aufnahmen 9.1-Musik erzeugt. Die AMBEO Music Blueprints geben Informationen rund um die Aufnahme, Abmischung und Wiedergabe von Live-Musik in 3D-Audio.[32] Als erstes AMBEO Produkt wurde 2016 das AMBEO VR Mic für professionelle Tonaufnahmen im Bereich VR/AR/XR vorgestellt.[33][34] 2017 kam mit dem AMBEO Smart Headset das erste Produkt für den Konsumenten auf den Markt.[35] Im selben Jahr startete Sennheiser das Partnerprogramm „AMBEO for VR“, das reibungslose Workflows bei der Produktion von VR- und AR-Inhalten sicherstellt und dazu Kooperationen mit namhaften Herstellern von Fieldrecordern, Mischpulten, Live-Streaming-Software, Mix-Plug-ins sowie VR-Plattformen umfasst.[36] 2018 stellte Sennheiser mit dem AMBEO AR One einen In-Ear-Hörer für die AR-Brille Magic Leap One vor.[37] Seit 2019 ist die AMBEO Soundbar für Konsumenten erhältlich.[38][18] Sennheiser entwickelt sein AMBEO-Portfolio kontinuierlich weiter – viele AMBEO-Produkte werden gemeinsam mit Kunden oder unter Einbeziehung von Nutzern, Produzenten und Technologiepartnern entwickelt. Zudem setzt Sennheiser seit 2016 AMBEO-Technologien auch im Umfeld von Ausstellungen ein, so für „David Bowie Is“, „You Say You Want a Revolution? Records & Rebels 1966 – 1970“ und die Pink Floyd Ausstellung „Their Mortal Remains“.[39]

ProdukteBearbeiten

 
Der MOMENTUM True Wireless liefert kabellosen Sound.

Kopfhörer & Lautsprecher

Sennheisers Consumer Division bietet Privatkunden ein Angebot an Premium- und High-End-Kopfhörern.[40] Mit der AMBEO Soundbar erweitert Sennheiser 2019 sein Produktportfolio um die Kategorie Home-Entertainment-Lautsprecher.[41]

Professional Audio

Die Professional Audio Division bietet Audiolösungen für die Bereiche Live Music, DJ-ing, Theater, Studio, Broadcast, Film und Video sowie 3D-Audio und AR/VR/XR. Das Produktportfolio umfasst Bühnen-, Studio-, Broadcast- und Location-Recording-Mikrofone, drahtlose Mikrofon- und Monitorsysteme, Headsets, Monitorkopfhörer sowie professionelle In-Ear-Hörer.[42]

Im Bereich Business Communication hat das Familienunternehmen für Business-Kunden Audiolösungen für Präsentationen, Konferenzen, Meetings, Besucherführung, Hörunterstützung und den Bildungssektor im Portfolio. Dazu gehören drahtlose Mikrofonsysteme, Deckenmikrofone, Sprechermikrofone, Besucherführungssysteme, Streaming-Lösungen für die Hörunterstützung und drahtlose PA-Systeme.[43]

 
Das Sennheiser Mini-Bodypack SK 6212 kommt auf Theater- und Konzertbühnen zum Einsatz.
 
Als Monitoring-Kopfhörer entwickelt, wird der HD 25 auch als DJ-Kopfhörer eingesetzt

Globale PräsenzBearbeiten

Vertriebsgesellschaften

Mit insgesamt 21 Vertriebstochtergesellschaften und langjährigen Handelspartnern ist Sennheiser in mehr als 50 Ländern aktiv. Eigene Vertriebsgesellschaften hat das Unternehmen in Belgien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, den Niederlanden, Österreich, Russland, der Schweiz, Australien, China, Indien, Japan, Singapur, Südkorea, Kanada, Mexiko und den USA.[44][45]

Sennheiser Stores

2016 eröffnete das Familienunternehmen die ersten "Sennheiser Stores". Inzwischen hat Sennheiser insgesamt sieben dieser Läden in Berlin, San Francisco, Singapur, Kuala Lumpur, Mexiko-Stadt und Sydney und am Unternehmenshauptsitz in der Wedemark.[46]

Partnerschaften & KooperationenBearbeiten

Künstler

Sennheiser arbeitet seit Jahren im Bereich Professional Audio mit internationalen Musikern zusammen. Dazu gehören Künstler wie Adele, P!NK, Ed Sheeran, Robin Schulz und viele weitere.[47]  

Der Sänger Gregory Porter war einer der Ersten, der für Sennheiser den Luxuskopfhörer HE 1 Probe gehört hat. Auch mit der Band Pink Floyd arbeitet das Familienunternehmen zusammen: Sennheiser ist offizieller Audiopartner der Ausstellung „The Pink Floyd Exhibition: Their Mortal Remains“, in der der letzte öffentliche Auftritt der Band mit dem ehemaligen Mitglied Roger Waters in AMBEO 3D-Klang wiedergegeben wird.[48]

Sonstige Kooperationen

2012 ging Sennheiser eine Kooperation mit dem Sportartikelhersteller Adidas ein. Gemeinsam brachten die beiden Unternehmen Sportkopfhörer und Lifestyle-Kopfhörer unter dem Label adidas Originals auf den Markt.[49]

Mit dem Accessoire-Hersteller FREITAG aus der Schweiz brachte Sennheiser im Jahr 2016 die limitierte F703 SENNHEISER × FREITAG-Kopfhörer-Edition mit Kopfbügel und Etui aus recycelter LKW-Plane auf den Markt.[50]

Auch mit der Haute-Couture-Marke Dior arbeitet das Unternehmen zusammen. Gemeinsam brachten beide Unternehmen eine Kombination aus Kopfhörer und Tasche auf den Markt. Das Design der Produktkollektion Dior Homme & Sennheiser stammt vom französischen Luxuslabel.[51]

Auszeichnungen & NominierungenBearbeiten

1987 nahm Fritz Sennheiser einen Scientific and Engineering Award der Academy of Motion Picture Arts and Sciences für das Richtrohrmikrofon MKH 816 entgegen.[52]

1996 wurde Sennheiser für seine Verdienste bei der Entwicklung drahtloser Mikrofone mit einem Emmy Award ausgezeichnet.[53]

1998 und 1999 erhielt Sennheiser den Innovationspreis der deutschen Wirtschaft.[54]

1999 wurde die Sennheiser-Tochter Georg Neumann mit einem Grammy Award ausgezeichnet.[55]

2002 wurde Gründer Fritz Sennheiser für sein Lebenswerk und seine Verdienste um die Mikrofon- und Audiotechnik mit der Goldmedaille der Audio Engineering Society geehrt.[56]

2004 erhielt Fritz Sennheiser die Diesel-Medaille des Deutschen Instituts für Erfindungswesen, den ältesten Innovationspreis Deutschlands.[57]

2007 erhielt Familie Sennheiser einen Sonderpreis des Praetorius Musikpreises.[58]

2013 wurde Sennheiser mit dem Primetime Emmy Engineering Award, dem Philo T. Farnsworth Award gewürdigt. Der Preis wird an Unternehmen verliehen, die mit ihrer Arbeit über lange Jahre einen signifikanten Beitrag zur TV-Produktionstechnik geleistet haben.[59]

2015 erhielt Jörg Sennheiser den Deutschen Gründerpreis in der Kategorie Lebenswerk.[60]

2017 wurden Andreas Sennheiser und Daniel Sennheiser von Ernest and Young als Entrepreneur of The Year ausgezeichnet.[61]

WeblinksBearbeiten

Commons: Sennheiser – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b sennheiser.com: Jahres-Bericht 2018
  2. Jahresbericht – Sennheiser. Abgerufen am 12. Dezember 2019.
  3. Sennheiser eröffnet offiziell neues Werk in Brașov, Rumänien. 13. August 2019, abgerufen am 12. Dezember 2019 (deutsch).
  4. Sennheiser: 60 Jahre Sennheiser - Die Chronik. Wedemark 2005.
  5. Sennheiser: 60 Jahre Sennheiser- Die Chronik. Wedemark 2005.
  6. Markenpiraterie. In: Die Zeit, Nr. 15/2006
  7. Helmuth Klausing: Gründerenkel tritt bei Sennheiser ein. In: Hannoversche Allgemeine Zeitung, 18. Dezember 2009, S. 12
  8. kopfhoerertest.net
  9. kopfhoerertest.net
  10. Sennheiser Unsere Geschichte. Abgerufen am 3. Februar 2020.
  11. Engineering Emmy® für Sennheiser: Audiospezialist erhält den Philo T. Farnsworth Award. sennheiser.com
  12. Neue Sennheiser Unternehmenstochter für Streaming-Lösungen. sennheiser.com
  13. Sennheiser Der beste Kopfhörer der Welt. 3. November 2015, abgerufen am 21. Januar 2020.
  14. Sennheiser The Future of Audio. Abgerufen am 21. Januar 2020.
  15. Sennheiser Unsere Geschichte. Abgerufen am 21. Januar 2020.
  16. INFOCOMM 2017 - TeamConnect Ceiling. 14. Juni 2017, abgerufen am 3. Februar 2020.
  17. Das Sennheiser-Mikrofonsystem Digital 6000 ist jetzt verfügbar. In: LightSoundJournal.de. 4. März 2017, abgerufen am 27. Februar 2020 (deutsch).
  18. a b Luis Kümmeler: Sennheiser veröffentlicht erste Soundbar Ambeo. In: Hifi.de. 29. Mai 2019, abgerufen am 27. Februar 2020 (deutsch).
  19. Sennheiser: Dear Reality wird Teil der Sennheiser-Gruppe. 9. Juli 2019, abgerufen am 27. Februar 2020.
  20. Sennheiser eröffnet offiziell neues Werk in Brașov, Rumänien. Abgerufen am 8. Januar 2020.
  21. Sennheiser Unsere Services. Abgerufen am 8. Januar 2020.
  22. Sennheiser Unsere Services. Abgerufen am 8. Januar 2020.
  23. Sennheiser eröffnet offiziell neues Werk in Brașov, Rumänien. Abgerufen am 8. Januar 2020.
  24. Sennheiser entdeckt die Vorzüge des Standortes D. In: Die Welt, 29. April 1997
  25. Sennheiser - Über uns - Das Unternehmen - Weitere Standorte für Forschung & Innovation. Abgerufen am 28. Februar 2020.
  26. EXTRA Verlagsgesellschaft mbH: Sennheiser stellt Innovation Campus vor. Abgerufen am 28. Februar 2020.
  27. Sennheiser: Geschäftsjahr 2018: Sennheiser erzielt leichtes Umsatzwachstum. Abgerufen am 28. Februar 2020.
  28. Sennheiser: Dear Reality wird Teil der Sennheiser-Gruppe. Abgerufen am 28. Februar 2020.
  29. Sennheiser erweitert AMBEO Immersive Audio | News. In: Professional audio. Abgerufen am 28. Februar 2020 (deutsch).
  30. AMBEO Homepage. Abgerufen am 28. Februar 2020.
  31. Immersive 3D-Akustik der Superlative. Abgerufen am 27. März 2020.
  32. News: Sennheiser stellt Tutorial-Webseite AMBEO Music Blueprints vor › Professional audio › Aufnehmen - Abmischen - Produzieren. In: Professional audio. Abgerufen am 28. Februar 2020 (deutsch).
  33. Sennheiser AMBEO VR Mic - 3D AUDIO Mikrofon. Abgerufen am 28. Februar 2020.
  34. Michaela Wurm: Sennheiser for Business: Sennheiser launcht Kommunikations-Portfolio für Unternehmen. Abgerufen am 28. Februar 2020.
  35. Sennheiser AMBEO Smart Headset - Ohrhörer für 3D-Audioaufnahmen. Abgerufen am 28. Februar 2020.
  36. Sennheiser: SENNHEISER STELLT SEIN PARTNERPROGRAMM „AMBEO FOR VR“ VOR. 15. September 2017, abgerufen am 28. Februar 2020.
  37. Sennheiser: AMBEO AR ONE: SENNHEISER STELLT IN-EAR-HÖRER FÜR DIE AR-BRILLE MAGIC LEAP ONE VOR. 9. Oktober 2018, abgerufen am 28. Februar 2020.
  38. Sennheiser: Sennheiser AMBEO Soundbar. Abgerufen am 28. Februar 2020.
  39. Sennheiser: The Pink Floyd Exhibition „Their Mortal Remains”. Abgerufen am 28. Februar 2020.
  40. Kopfhörer - Sennheiser. Abgerufen am 2. März 2020.
  41. Sennheiser: AMBEO Soundbar von Sennheiser. Abgerufen am 2. März 2020.
  42. Sennheiser: Pro Audio. Abgerufen am 2. März 2020.
  43. Sennheiser: Business. Abgerufen am 2. März 2020.
  44. Sennheiser Weltweit. Abgerufen am 9. März 2020.
  45. Sennheiser Zahlen und Fakten. Abgerufen am 9. März 2020.
  46. Sennheiser Stores. Abgerufen am 9. März 2020.
  47. Artists with Sennheiser. Abgerufen am 2. März 2020.
  48. Mit Sennheiser hinter den Kulissen von The Pink Floyd Exhibition – Their Mortal Remains. In: EventElevator. 14. November 2018, abgerufen am 2. März 2020 (deutsch).
  49. Dina Dervisevic: Sennheiser Kopfhörer im Adidas-Design. Abgerufen am 2. März 2020.
  50. Limitiertes Sammlerstück: Der F703 Sennheiser × Freitag. In: kopfhoerer.de. Abgerufen am 2. März 2020 (deutsch).
  51. Dior Homme X Sennheiser. In: kopfhoerer.de. Abgerufen am 2. März 2020 (deutsch).
  52. Prof. Dr. Fritz Sennheiser gestorben. In: Drums&Percussion. 19. Mai 2010, abgerufen am 3. März 2020.
  53. Carina Kontio: Chronik Sennheiser: Das Streben nach dem perfekten Sound. In: Handelsblatt. Abgerufen am 3. März 2020.
  54. Wirtschaftswoche: Chronologie: Innovationspreis der deutschen Wirtschaft. Abgerufen am 3. März 2020.
  55. Technical GRAMMY Award. 18. Oktober 2010, abgerufen am 3. März 2020 (englisch).
  56. Fritz Sennheiser - Biografie WHO'S WHO. Abgerufen am 3. März 2020.
  57. Dieselmedaille für Prof. Dr. Fritz Sennheiser. In: Deutsches Institut für Erfindungswesen e.V. 26. November 2004, abgerufen am 3. März 2020 (deutsch).
  58. Praetorius Musikpreis Niedersachsen 2007 | Nds. Ministerium für Wissenschaft und Kultur. Abgerufen am 3. März 2020.
  59. Engineering Emmy® für Sennheiser: Audiospezialist erhält den Philo T. Farnsworth Award. In: Sennheiser. Abgerufen am 3. März 2020.
  60. Prof. Dr. Jörg Sennheiser erhält den Deutschen Gründerpreis für sein Lebenswerk. In: Deutscher Gründerpreis. Abgerufen am 3. März 2020.
  61. Wolfgang Hirn: Entrepreneure des Jahres 2017: Ernst & Young EY zeichnet Sieger aus. In: Manager magazin. 20. November 2017, abgerufen am 3. März 2020.

Koordinaten: 52° 31′ 49″ N, 9° 45′ 9″ O