Hauptmenü öffnen

Sengwarden ist ein Stadtteil der niedersächsischen Stadt Wilhelmshaven.

Sengwarden
Wappen von Sengwarden
Koordinaten: 53° 35′ 40″ N, 8° 2′ 54″ O
Höhe: 5 m
Fläche: 25,58 km²
Einwohner: 1224 (2017)
Bevölkerungsdichte: 48 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1972
Postleitzahl: 26388
Vorwahl: 04423
Karte
Lage von Sengwarden in der Stadt Wilhelmshaven

Inhaltsverzeichnis

GeographieBearbeiten

Sengwarden grenzt an die Stadtteile Fedderwarden, Fedderwardergroden und Voslapp sowie an die im Landkreis Friesland liegenden Orte Sillenstede und Hooksiel. Zwei Sehenswürdigkeiten prägen das Ortsbild: eine Mühle sowie die auf einer 8,6 Meter hohen Wurt gelegene St.-Georgs-Kirche.

GeschichteBearbeiten

 
Blick auf die Admiral-Armin-Zimmermann-Kaserne in Sengwarden

Der Ort wurde 1168 zum ersten Mal urkundlich erwähnt und gehört seit 1972 zur Stadt Wilhelmshaven. Zuvor gehörte die Gemeinde zum Landkreis Friesland mit dem Sitz der Kreisverwaltung in Jever. Im Mittelalter war Sengwarden zunächst eigenständige Herrlichkeit, ehe es zur Herrlichkeit von Inn- und Knyphausen zusammengelegt wurde.

Früher stand hier die um 1350 von Ino Tjarksena erbaute Burg Innhausen, Stammsitz des ostfriesischen Häuptlingsgeschlechts zu Innhausen und Knyphausen.

Im Rahmen der Operation Oasis wurden zwischen dem 2. und 5. November 1947 auf Anordnung der britischen Militärregierung rund 1550 Exodus-Flüchtlinge des Lübecker Lagers Am Stau in das Marinelager in Sengwarden gebracht, bevor sie ab Juli 1948 nach Israel ausreisen durften.

Am 1. Juli 1972 wurde Sengwarden in die kreisfreie Stadt Wilhelmshaven eingegliedert.[1]

Bis heute hat das Wurtendorf Sengwarden seinen überwiegend dörflichen, besonders durch die Landwirtschaft geprägten Charakter weitgehend erhalten.

SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
St.-Georgs-Kirche Sengwarden
 
Orgel der St.-Georgs-Kirche
 
Mühle Sengwarden

Zu den besonderen Baudenkmälern Sengwardens gehört die romanische St.-Georgs-Kirche.[2] Sie ist das Gotteshaus der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde und stammt aus den Jahren um 1250. Die heutige Kirche hatte mindestens einen Vorgängerbau, dessen Vorhandensein 1168 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Den ältesten Teil der ursprünglich aus einseitig geglätteten Granit-Quadersteinen errichten Kirche bildet die Nordmauer. Eine erste großangelegte Restaurierung erfolgte in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Bei dieser Gelegenheit wurde die Südwand mit Backsteinen hochgezogen und Kirchenfenster im spätgotischen Stil eingelassen. In dieser Phase wurde auch die gotische Apsis angefügt. Die Deckenbemalung, die durch die alte Bemalung der Tettenser Kirche inspiriert worden ist, stammt aus dem Jahr 1904. Sie wurde 1963 restauriert. Die Länge der Kirche beträgt insgesamt 42 Meter. Davon fallen 7,5 Meter auf den Vorraum und 11,5 Meter auf die Apsis. Die Breite der Kirche misst 10 Meter, ihre Höhe bis zur Spitze des Giebels 20 Meter. Dazu gerechnet werden muss noch der Dachreiter, der das für Sengwarden typische Pferd darstellt. Seine Höhe beträgt 6,5 Meter.[3]

Die Orgel der St.-Georgs-Kirche wurde in den Jahren 1643 und 1644 vom Göttinger Orgelbaumeister Jost Sieburg erbaut. Im Jahre 1904 ist jedoch das alte Orgelwerk entfernt worden. An seine Stelle trat 1936 die in der Wilhelmshavener Orgelwerkstatt Alfred Führer entstandene zweimanualige Schleifladenorgel. Sie verfügt über eine mechanische Traktur und Registratur und insgesamt 26 Register (Hauptwerk: elf; Rückpositiv: acht; Pedal: sieben). Bedingt durch die Kriegswirren und die schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse der Nachkriegszeit konnte der Orgelbau erst 1964 vollendet werden. Der alte Orgelprospekt aus dem Jahr 1644 blieb dabei erhalten.[4]

PolitikBearbeiten

Im Gebietsänderungsvertrag vom 5. November 1970 wurde festgelegt, dass für das Gebiet des Ortes Sengwarden ein sogenannter Ortsrat zu bilden ist, der die Interessen der ehemals selbstständigen Kommune innerhalb der Stadt Wilhelmshaven zu vertreten hat. Er wirkt bei allen wichtigen Fragen die die Ortschaft berühren, an der Entscheidungsfindung mit. Der Vorsitzende des Ortsrates, der aus 13 Mitgliedern besteht, führt den Titel Ortsbürgermeister. 2010 gehörten sechs Mitglieder des Ortsrates der CDU (darunter auch der Ortsbürgermeister und Stellvertretende Ortsbürgermeister), ebenfalls sechs Mitglieder der SPD und ein Mitglied der Wählergruppe Linke Alternative (LAW).

EinwohnerBearbeiten

Sengwarden hatte Ende 2017 eine Einwohnerzahl von 1224.[5]

Ausländer- und MigrantenanteilBearbeiten

Der Ausländeranteil liegt bei 1,3 % und somit deutlich unter dem Wilhelmshavener Durchschnitt von 9,6 %. Der Anteil der Migranten liegt bei 7,8 % bei einem städtischen Durchschnitt von 21,8 %.[5]

BesiedlungBearbeiten

Sengwarden hat eine Fläche von 2557,7 Hektar und ist damit der flächenmäßig größte Stadtteil Wilhelmshavens. Der Anteil der Fläche Sengwardens an der Wilhelmshavens insgesamt beträgt fast 24 %, doch nur jeder 65. Wilhelmshavener lebt in dem Stadtteil mit dörflichen Charakter. Die Einwohnerdichte beträgt rechnerisch 0,5 Einwohner je Hektar.[6]

AlterBearbeiten

Sengwarden hat eine verhältnismäßig junge Einwohnerschaft. Der Altersdurchschnitt beträgt 44,8 Jahre und liegt damit unter dem Wert der Gesamtstadt. So sind 17,1 % der Einwohner unter 18 Jahre alt. Diesen steht die Altersgruppe der ab 65-Jährigen mit einem Anteil von 22,9 % gegenüber. Damit weist der Stadtteil anders als die Gesamtstadt ein fast ausgeglichenes Verhältnis zwischen Junioren und Senioren auf. Im Jahr 2017 stehen 10 Geburten 23 Sterbefälle gegenüber.[5]

KulturBearbeiten

Über Wilhelmshavens Grenzen hinaus ist der Ort für seinen seit 1618 jährlich stattfindenden Pferdemarkt bekannt. Mit der Geschichte des Warfendorfes befasst sich der Heimatverein Sengwarden.

SportBearbeiten

 
Wurfscheiben-Schießplatz

In Sengwarden ist der TuR Eintracht Sengwarden e. V. beheimatet.[7] Der Verein ist ein Breitensportverein und bietet Fußball (in einer Spielgemeinschaft mit Fedderwarden), Turnen, Tischtennis, Badminton und Volleyball an. Im Nordosten der Gemeinde befindet sich ein Wurfscheiben-Schießplatz.

Söhne und Töchter SengwardensBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Hermann Ahner: Wilhelmshavener Chronik zur 100. Wiederkehr der Namensgebung durch König Wilhelm am 17. Juni 1869, Wilhelmshaven 1969.
  • Heinz Peter Will: Von der Befehlsstelle Nord zur Admiral-Armin-Zimmermann-Kaserne. Heiber Druck & Verlag, Schortens 2007.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Sengwarden – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 275.
  2. Hermann Haiduck: Die Architektur der mittelalterlichen Kirchen im ostfriesischen Küstenraum. 2. Auflage. Ostfriesische Landschaftliche Verlags- und Vertriebs-GmbH, Aurich 2009, ISBN 978-3-940601-05-6, S. 26 f., 29, 31, 191, 193, 196, 204, 218.
  3. Homepage der Evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Sengwarden: Unsere Kirche, abgerufen am 4. August 2018.
  4. Orgel auf NOMINE e. V.; eingesehen am 25. Februar 2012.
  5. a b c Stadt Wilhelmshaven: Stadtteil Sengwarden. (PDF) 31. Dezember 2017, abgerufen am 8. Dezember 2018.
  6. Stadt Wilhelmshaven: Stadtteil Sengwarden Besiedlung. (PDF) 31. Dezember 2007, abgerufen am 28. November 2018.
  7. TuR Eintracht Sengwarden e.V., abgerufen am 3. Oktober 2009