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Sender Zehlendorf
Bild des Objektes
Sendetürme 2005
Basisdaten
Ort: Zehlendorf (Oranienburg)
Land: Brandenburg
Staat: Deutschland
Höhenlage: 46 m ü. NHN
Koordinaten: 52° 47′ 41,7″ N, 13° 23′ 9,4″ O
Verwendung: Rundfunksender
Besitzer: Media Broadcast
Abriss: 25. März 2017
Daten zur Sendeanlage
Turm/Mast 1
Höhe: 359,7 m
Bauzeit: 1979
Betriebszeit: 1979–2017


Turm/Mast 2
Höhe: 129 m
Bauzeit: 2000
Betriebszeit: 2000–2017
Letzter Umbau (Sender): August 2005
Wellenbereiche: LW-Sender, MW-Sender, UKW-Sender
Rundfunk: LW-Rundfunk, MW-Rundfunk, UKW-Rundfunk
Sendetyp: DRM
Stilllegung: 2017
Weitere Daten
Baustoff Masten: Stahl
Inbetriebnahme: 7. Oktober 1979
Stilllegung LW-Sender: 2014
Stilllegung MW-Sender: 2013
Stilllegung UKW-Sender: 2017

Positionskarte
Sender Zehlendorf (Brandenburg)
Sender Zehlendorf
Sender Zehlendorf
Lokalisierung von Brandenburg in Deutschland

Der Sender Zehlendorf war eine Hörfunkeinrichtung in Zehlendorf, einem Ortsteil von Oranienburg, der sich in knapp 35 km Luftlinien-Entfernung nördlich von Berlin befand. Die Anlage bestand aus zuletzt inaktiven Sendeeinrichtungen zur Ausstrahlung von Hörfunkprogrammen über verschiedene Wellenbereiche bzw. Frequenzbänder. Die im Dezember 2014 stillgelegte Einrichtung für den Langwellenrundfunk gehörte zu den leistungsstärksten ihrer Art in Europa. Eigentümer war die Media Broadcast GmbH. Der letzte verbliebene Sendemast wurde am 25. März 2017 um 14 Uhr gesprengt.

GeschichteBearbeiten

 
Höhendiagramm der Sendemasten des Langwellensenders von Deutschlandradio Kultur im Vergleich zu denen der Mittelwellensender in Berlin
 
Sender Zehlendorf, Portal mit einem Motiv des Sozialistischen Realismus (Ende Mai 2012)
 
LW-Antenne Zehlendorf
Sprengung der LW-Antenne am 25. März 2017 im Video
Sprengung der LW-Antenne aus einem anderen Blickwinkel

Zehlendorf ist seit 1936 Standort von Sendeeinrichtungen.[1] Damals wurde anlässlich der Olympischen Sommerspiele 1936 in Zehlendorf eine Kurzwellensendeanlage für den festen Funkdienst errichtet. Diese Anlage, die bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs als „Funksendestelle Rehmate“ bezeichnet wurde, verfügte über 26 verschiedene Antennen. 1945 wurde die Funksendestelle Rehmate von der sowjetischen Besatzungsmacht als Reparationszahlung – bis auf drei Antennenträger aus Holz – demontiert. Zwei der nicht demontierten Antennenträger lieferten das Baumaterial für den 100 Meter hohen Sendeturm des Senders Golm in Golm, der 1948 errichtet und 1979 abgerissen wurde.

Im Jahre 1952 wurde beschlossen, am Standort der einstigen Funksendestelle Rehmate den zentralen Langwellensender der DDR zu errichten. Die Inbetriebnahme des Senders erfolgte 1955.[2] Zwischen 1956 und 1958 wurde eine Dreieckflächenantenne an drei 150 Meter hohen, gegen Erde isolierten und abgespannten Stahlfachwerkmasten installiert.

Eine zweite Sendeantenne, welche die eigentliche Betriebsantenne werden sollte, wurde von 1960 bis 1962 errichtet. Sie bestand aus einem 351 Meter hohen, abgespannten, geerdeten Stahlfachwerkmast, an dem eine kegelförmige Reusenantenne befestigt war. Der 351 Meter hohe Tragmast war zwischen 1962 und 1964 das höchste Bauwerk in Europa.

Mit dieser Antenne war ein Betrieb mit der angestrebten Sendeleistung von 750 Kilowatt im Langwellenbereich auf einer Frequenz möglich, die im Laufe der Zeit schrittweise zur Reduzierung von Interferenzstörungen von 185 kHz auf 177 kHz reduziert wurde. Mindestens im Jahr 1959 wurde noch auf 185 kHz und ab dem 15. Dezember 1980 auf 179 kHz gesendet.[3] Die maximale Sendeleistung, die über die Dreieckflächenantenne möglich ist, beträgt 500 Kilowatt.

Am 18. Mai 1978 kollabierte der Hauptsendemast, nachdem ein sowjetisches Flugzeug vom Typ MiG-21 mit ihm kollidiert war. Als die Ursache des Einsturzes feststand, versprach die Sowjetunion, einen neuen Mast zu liefern und diesen wieder aufzubauen. Um den Fortschritt der Bauarbeiten nicht durch die strengeren DDR-Sicherheitsvorschriften aufzuhalten, wurde für die Dauer der Bauarbeiten das Areal im Radius von 300 Metern um den Mast zur sowjetischen Exklave erklärt.

Im August 1979 war der neue Mast mit einer Höhe von 359,7 Metern fertiggestellt und wurde am 7. Oktober 1979 wieder in Betrieb genommen.[4]

Im Jahre 1990 wurde die Anlage von der Deutschen Bundespost übernommen. Zuerst sollte die Sendeanlage stillgelegt werden, denn es wurde die Reusenantenne am 359,7 Meter hohen Hauptmast demontiert und die Sendeleistung des Langwellensenders zeitweise auf 100 Kilowatt reduziert.

In der zweiten Hälfte der 1990er Jahre setzte ein Umdenken ein. Der Langwellensender wurde modernisiert und der Hauptantennenmast erhielt eine neue Reusenantenne. Im Jahre 1999 wurde ein volltransistorisierter Langwellensender der Firma Transradio Sendersysteme Berlin mit 500 kW Sendeleistung in Betrieb genommen.[5]

Im Jahr 2000 wurde ein 129 Meter hoher, abgespannter, geerdeter Stahlfachwerkmast mit einer Reusenantenne für Mittelwelle errichtet. Er übernahm die Funktion des einstigen Senders Berlin-Köpenick und diente neben der Verbreitung des Programms von Megaradio auch zur Ausstrahlung von Programmen der Stimme Russlands, teilweise im Simulcast-Modus.

Der Langwellensender wurde am 29. August 2005 als erster deutscher Großsender auf DRM-Betrieb umgestellt. Er sendete zeitweise nachts drei Stunden täglich im DRM-Modus[6], die restliche Zeit in der analogen Amplituden-Modulation.

Vom Hauptantennenmast wurden auch fünf UKW-Programme ausgestrahlt.

Am 19. und 20. März 2007 wurden die drei 150 m hohen Stahlfachwerkmasten der Dreieckflächenantenne, die bereits seit 2003 nicht mehr im Betrieb war, abgerissen. Die Mastfüße wurden wieder aufgestellt und befestigt.

Der Langwellensender strahlte das 24-Stunden-Programm von Deutschlandradio Kultur auf der Frequenz 177 kHz mit einer Sendeleistung von 500 kW aus. Täglich viermal wurde ein Seewetterbericht in das laufende Programm eingeblendet (um 1.05, 6.40, 11.05 und 21.05 Uhr Ortszeit; zu der letztgenannten Uhrzeit jedoch nur während der Sommerzeit).

Nach einer Forderung der KEF, die Verbreitung öffentlich-rechtlicher Programme über Langwelle wegen abnehmender Nutzung des Mittel- und Langwellenrundfunks zum frühestmöglichen Zeitpunkt einzustellen, erfolgte Ende 2014 (wie schon im Dezember 2013 die Einstellung für Mittelwelle) die Beendigung sämtlicher Langwellenausstrahlungen von Deutschlandradio Kultur und Deutschlandfunk.[7][8]

Im November 2015 wurde der 129 m hohe Mittelwellenmast, der seit dem Beginn des Jahres 2014 außer Betrieb war, abgerissen.[9]

Am 25. März 2017 erfolgte die Sprengung des letzten und größten Turms. Damit wurde die Ära der Sendetürme in Zehlendorf beendet. Um 14 Uhr Ortszeit wurde der Hauptturm der Sendeanlage gesprengt, da der Eigentümer keine Verwendung mehr für die Sendeanlage hatte. Der Mastfuß wurde wie bei der Dreieckflächenantenne wieder aufgerichtet und fixiert.[10][11]

Frequenzen und Programme – inaktiv und stillgelegtBearbeiten

Analoger Hörfunk (UKW)Bearbeiten

Der Sender Zehlendorf strahlte UKW-Programme aus. Die UKW-Antennen waren am 359,7 Meter hohen Langwellensendemasten angebracht.

Frequenz
(MHz)
Programm RDS PS RDS PI Regionalisierung ERP
(kW)
Antennendiagramm
rund (ND)/gerichtet (D)
Polarisation
horizontal (H)/vertikal (V)
90,8 Antenne Brandenburg Antenne_/vom_rbb_ D631 Frankfurt/Oder 1,3 D (90–140°) H
91,8 Power Radio _POWER__ 1337 1,3 D (70–130°) H
95,4 BB Radio BB_RADIO D338 Nord-Ost 1,3 D (60–90°) H
104,9 Radio B2 radio_B2 1735 1,3 D (50–90°) H
107,9 BB Radio BB_RADIO D338 Potsdam/Berlin 5 D (330–20°) H

Analoger Hörfunk (LW)Bearbeiten

Die Langwelle wurde vom 359,7 Meter hohen Sendemasten ausgestrahlt:

Frequenz 
(kHz)
Programm ERP
(kW)
Sendediagramm
rund (ND)/
gerichtet (D)
Regionalisierung
177 Deutschlandradio Kultur/
Dokumente und Debatten (Einstellung des Sendebetriebs am 31. Dezember 2014[12])
500 ND

Im Vergleich zur Übertragung auf anderen Verbreitungswegen (UKW, DAB) war die Verzögerung des Sendesignals von Deutschlandradio Kultur über den Sender Zehlendorf bei einem in Berlin im November 2013 durchgeführten Test am geringsten.

Analoger Hörfunk (MW)Bearbeiten

Dieses Mittelwellenprogramm wurde vom 129 Meter hohen Sendemasten ausgestrahlt:

Frequenz 
(kHz)
Programm ERP
(kW)
Sendediagramm
rund (ND)/
gerichtet (D)
Regionalisierung
693 Stimme Russlands 60 ND

Bis 2007 erfolgte der Sendebetrieb für das Programm Stimme Russlands auf 603 kHz mit 50 kW und nach der Umstellung auf 693 kHz[13] mit dem 250-kW-Sender TRAM 200S von TRANSRADIO SenderSysteme Berlin.

Am 31. Dezember 2013 endete der Sendebetrieb Stimme Russlands, und damit endete auch die Nutzung des Mittelwellensenders von Zehlendorf.[14]

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. LW-Sendemast Zehlendorf. In: Structurae; Tragmast der LW-Reservesendeantenne Zehlendorf. In: Structurae; alter LW-Sendemast Zehlendorf. In: Structurae; MW-Sendemast Zehlendorf. In: Structurae
  2. Heinz Jannack: In: Wie der Rundfunk in Deutschland begann. ELRO Verlagsgesellschaft mbH, Königs Wusterhausen 1994, S. 49
  3. wabweb.net (Memento vom 4. Februar 2012 im Internet Archive), eingesehen am 2. Mai 2014.
  4. Warum die Baustelle eines Sendemasten exterritoriales Gebiet wurde; in 100 Jahre Funktechnik in Deutschland, Funksendestellen rund um Berlin, Gerd Klawitter, 1997, Wissenschaft & Technik Verlag, Berlin Seite 105 - Seite 112
  5. Transradio.de: 500kW AM/240kW DRM LW-Zehlendorf (Memento des Originals vom 18. Februar 2014 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.transradio.de
  6. drm-dx.de nur noch über webarchiv bis 2009 (Memento vom 11. Oktober 2007 im Internet Archive)
  7. Deutschlandradio: Wir über uns: Aktuell. Abgerufen am 22. August 2013.
  8. Deutschlandradio: Abschaltung Langwelle: Deutschlandradio setzt auf moderne Verbreitungswege. 28. November 2014, abgerufen am 2. Februar 2015.
  9. Walter Brummer: Abschaltung Langwelle: Deutschlandradio setzt auf moderne Verbreitungswege. 24. März 2017, abgerufen am 9. Juli 2017.
  10. http://www.moz.de/landkreise/oberhavel/oranienburg/oranienburg-artikel/dg/0/1/1560202/ Märkische Onlinezeitung vom 18. März 2017: Rekordantenne wird gesprengt
  11. "Sender Zehlendorf" wird am 25. März gesprengt. Stadt Oranienburg, 22. März 2017, abgerufen am 22. März 2017.
  12. Deutschlandradio-Programmheft, 09/14, Seite 2
  13. Zehlendorf Mittelwelle
  14. Kai Ludwig: Letzte Berliner Mittelwelle abgeschaltet. 2014, abgerufen am 2. Februar 2015.