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Semiklassische Näherung

Wikimedia-Begriffsklärungsseite

Eine semiklassische Näherung (wörtl. halbklassische Näherung) in der Quantenphysik steht für eine Näherung an ein System, in der die niedrigste quantenmechanische Korrektur der klassischen Behandlung des Systems betrachtet wird; es ist also gemeint, dass diese Näherung bzw. Korrektur noch relativ nahe an der klassischen Behandlung des Systems liegt, verglichen mit anderen möglichen Korrekturen, die weiter von der klassischen Behandlung entfernt liegen.

Der Begriff wird dabei auf zwei unterschiedliche Arten verwendet:

Semiklassische Näherung in Störungsrechnung nach Bearbeiten

Der Übergang von der Quantenmechanik zur klassischen Mechanik sollte im Grenzwert   erfolgen. In der Pfadintegral-Formulierung, in der über alle Pfade zwischen zwei Raum-Zeit-Punkten jeweils mit der Wahrscheinlichkeitsamplitude   (mit der Wirkung  , Lagrangefunktion  ) summiert wird, führt das zu stark singulärem Verhalten bei  . Der Hauptbeitrag stammt aber von Pfaden in der Nähe der klassischen Lösung, für die die Variation   der Wirkung bei Variation   des Pfades im Ortsraum, angedeutet durch die Ortsvariable  , minimal ist (Lösungen der Lagrangegleichungen).

Im Hamilton-Jacobi-Formalismus erfüllt das klassische   die Hamilton-Jacobi-Gleichung für ein nichtrelativistisches Einteilchenproblem mit Potential   und Masse  :

 

Wenn man in der Schrödingergleichung folgenden Ansatz macht:

 

mit

erhält man in der Quantenmechanik (siehe WKB-Methode) die Gleichung:[1]

 

Man hat also auf der linken Seite die klassische Hamilton-Jacobi-Gleichung und rechts einen quantenmechanischen Diffusions-Term, der mit   verschwindet und außerdem komplex ist.

Entwickelt man   nach  :

 

mit der klassischen Wirkung  , so ist   eine gute Näherung falls:

 

ist oder mit der lokalen (ortsabhängigen) De-Broglie-Wellenlänge  , definiert über  :

 

Neues Interesse ergab sich für den halbklassische Näherung der Quantenmechanik in der Theorie des Quantenchaos ab den 1970er Jahren (Michael Berry, Martin Gutzwiller u. a.). Bei klassisch chaotischen Systemen ist das chaotische Verhalten in der quantenmechanischen Version eigentlich unterdrückt, wenn man isolierte Systeme betrachtet (die Energieniveaus sind diskret). Der hoch singuläre Übergang   führt jedoch bei nicht isolierten Systemen, auch wenn sie nur schwach mit der Umgebung wechselwirken (Dekohärenz), zu Quantenchaos, der sich z. B. in der Statistik der Energieniveaus für hochangeregte Zustände niederschlägt.[2]

LiteraturBearbeiten

  • Michael Berry, K. E. Mount: Semiclassical approximations in wave mechanics, Reports Progress Physics, 35, 1972, 315–397, Online, Webseite von Berry
  • M. Berry, Semiclassical Mechanics of regular and irregular motion, in: G. Iooss, R. H. G. Helleman, R. Stora (Hrsg.): Les Houches Lecture Series Session XXXVI, North Holland, Amsterdam, 1983, S. 171–271.
  • M. Gutzwiller: Chaos in classical and quantum mechanics, Springer 1990
  • M. Gutzwiller: Resource Letter ICQM-1: The Interplay between Classical and Quantum Mechanics, American Journal of Physics, Band 66, 1998, S. 304 (Literaturübersicht)

Sowie viele Lehrbücher über Pfadintegrale wie von Hagen Kleinert (Path Integrals, 2. Auflage, World Scientific 1995).

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Darstellung nach Kurt Gottfried, Yan: Quantum Mechanics, Springer 2003, S. 102ff
  2. Berry, Chaos and the semiclassical limit of quantum mechanics, 2001, pdf