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Selsingen (Kernort)

Ortschaft in Deutschland

GeographieBearbeiten

Geographische LageBearbeiten

Selsingen liegt auf der zur Stader Geest gehörenden Zevener Geest. Durch den Ort fließt der Selsinger Bach. Mit Parnewinkel ist Selsingen im Norden zusammengewachsen.

NachbarorteBearbeiten

Ober Ochtenhausen Deinstedt Ohrel
  Anderlingen
Lavenstedt, Granstedt Seedorf Twistenbostel

GeschichteBearbeiten

MittelalterBearbeiten

Bereits im Mittelalter war Selsingen als Adelssitz, Kirchbörde und Gerichtsort an einem alten Heer- und Postweg, der jetzigen Bundesstraße 71, von großer Bedeutung. Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Ort im Jahre 1219. Zu jener Zeit hatte hier ein Dienstadelsgeschlecht „von Selsingen“ seine Stammburg. Um 1400 ließ der Landesherr, der Bischof von Verden, aus nicht näher bekannten Gründen die Burg zerstören. Die Familie bewohnte ab da nur noch ihr Haus in Kuhla bei Himmelpforten und nannte sich bald „von der Kuhla“. Um 1500 bestand der Ort aus 5 Höfen und 10 Katen.[1]

NeuzeitBearbeiten

Wegen der dichten Bebauung von neun Höfen, die sich in der Ortsmitte um die Kirche gruppierten, brannte das Dorf im 17. Jahrhundert gleich dreimal ab; lediglich die Kirche blieb verschont.

1848 begann man weitere Orte und Gehöfte wie Butterberg, Duvenmoor, Haidbrock und Witte Masch außerhalb des Ortes anzulegen. Die Mühle wurde 1868 erbaut.

VerwaltungsgeschichteBearbeiten

Hauptort der Börde SelsingenBearbeiten

Vor 1885 war Selsingen Hauptort des Verwaltungs- und Gerichtsbezirks Börde Selsingen. Zur Börde gehörten die Orte Altenburg, Anderlingen, Baaste, Bademühlen, Badenstedt, Bockel, Bockhorst, Brauel, Byhusen, Deinstedt, Eitzte, Falje, Farven, Godenstedt, Gosehus, Grafel, Granstedt, Haaßel, Hütten, Klein Bostel, Lavenstedt, Malstedt, Minstedt, Mintenburg, Mojenhop, Ober Ochtenhausen, Ölkershusen, Ohrel, Ostereistedt, Parnewinkel, Plönjeshausen, Rockstedt, Rohr, Rugenberg, Sandbostel, Sassenholz, Schohöfen, Seedorf, Selsingen, Stoppelheide, Twistenbostel, Wennebostel, Windershusen und Winderswohlde. Bis 1859 gehörte die Börde zum Amt Zeven, wechselte dann aber zum Amt Bremervörde.

FranzosenzeitBearbeiten

In der Franzosenzeit wurde die Börde Seslingen aufgelöst. Von 1810 bis 1811 war Selsingen Sitz der Mairie Selsingen im Kanton Selsingen im Königreich Westphalen. Anschließend gehörte die Mairie Selsingen bis 1814 unter Napoleon zum Kanton Zeven im Französischen Kaiserreich. Nach 1814 kehrte der alte Stand wieder ein.

Nach 1885Bearbeiten

1885 wurde die Börde Selsingen und die ganze Landdrostei Stade aufgelöst und Selsingen kam zum Landkreis Bremervörde, der 1977 mit dem Landkreis Rotenburg (Wümme) fusionierte.

Hauptort der Samtgemeinde SelsingenBearbeiten

1965 wurde die erste Samtgemeinde Selsingen gegründet, zu der die damaligen Gemeinden Selsingen, Fehrenbruch, Granstedt, Haaßel, Lavenstedt, Ober Ochtenhausen, Ohrel, Parnewinkel, Rockstedt, Godenstedt und Grafel gehörten. Später haben sich noch die Gemeinden Deinstedt, Malstedt, Anderlingen und Seedorf angeschlossen. Die erste Samtgemeinde bestand bis zur Gebietsreform 1974.

Zum 1. März 1974 wurde aus den Gemeinden Selsingen, Granstedt, Haaßel, Lavenstedt und Parnewinkel die neue Gemeinde Selsingen gebildet.[2]

 
Windmühle „Elisabeth“

Die jetzige Samtgemeinde Selsingen wurde 1974 aus den Gemeinden Anderlingen, Deinstedt, Farven, Ostereistedt, Rhade, Sandbostel, Seedorf und Selsingen gebildet.

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Jahr Einwohner
1791[3] 41 Feuerstellen
1824[4] 46 Feuerstellen
1848[5] 590 Leute, 96 Häuser
1871[6] 629 Leute, 107 Häuser
1910[7] 809
1925[8] 981
1933[8] 1022
1939[8] 1162

ReligionBearbeiten

Selsingen ist evangelisch-lutherisch gepärgt und bildet mit der St.-Lamberti-Kirche ein eigenes Kirchspiel.

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

VereineBearbeiten

 
St.-Lamberti-Kirche

BauwerkeBearbeiten

Lambertus-KircheBearbeiten

Hauptartikel: St. Lambertus (Selsingen)

Bereits um 900 wird eine Kirche in Selsingen vermutet. Die Grundmauern des Kirchturms stammen aus dem 11. Jahrhundert. Das jetzige Gotteshaus wurde 1725 erbaut, da die Vorgängerkirche zu klein wurde. 1992 fanden umfassende Renovierungsarbeiten statt.

Mühle „Elisabeth“Bearbeiten

Der Gallerieholländer wurde 1868 erbaut und war bis 1953 in Betrieb. Nachdem die Mühle 1971 abgebrannt ist, baute der Selsinger Mühlenverein sie wieder auf.

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

Nach dem regionalen Raumordungsprogramm ist Selsingen Grundzentrum für die Orte der Umgebung.

Ansässige UnternehmenBearbeiten

Einer der in Europa führenden Hersteller von Friedhofsbaggern und Kommunalfahrzeugen, Hansa Maschinenbau, ist in Selsingen ansässig.

VerkehrBearbeiten

Durch den Ort verläuft die Bundesstraße 71, die im Norden über Parnewinkel nach Bremervörde und im Süden über Seedorf nach Zeven läuft. In Selsingen zweigen mehrere Kreisstraßen ab: Die K 101 führt im Westen nach Sandbostel, die K 119 führt über Granstedt nach Rockstedt und die K 109 führt im Osten über Haaßel nach Anderlingen.

Der nächste Autobahnanschluss besteht 18 km entfernt an der Anschlussstelle 48 Elsdorf an die A1.

Selsingen liegt an der nur noch im Güterverkehr betriebenen Bahnstrecke Bremervörde–Walsrode. Der nächste ÖPNV-Bahnhof befindet sich in Hesedorf an der Bahnstrecke Bremerhaven–Buxtehude.

WeblinksBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Michael Ehrhardt: Die Börde Selsingen – Herrschaft und Leben in einem Landbezirk auf der Stader Geest im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit. Landschaftsverband Stade, Stade 1999, ISBN 3-931879-04-6, 564 S.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Willkommen bei pixel-kraft! - Samtgemeinde Selsingen. Abgerufen am 31. Januar 2019.
  2. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 276.
  3. Christoph Barthold Scharf: Statistisch-Topographische Samlungen Zur Genaueren Kentnis Aller Das Churfürstenthum Braunschweig-Lüneburg Ausmachenden Provinzen. Verfasser, 1791 (google.de [abgerufen am 31. Januar 2019]).
  4. C. H. C. F. Jansen: Statistisches Handbuch des Königreichs Hannover. In Commission der Helwings̓chen Hofbuchhandlung, 1824 (google.de [abgerufen am 31. Januar 2019]).
  5. Friedrich W. Harseim, C. Schlüter: Statistisches Handbuch für das Königreich Hannover. Schlüter, 1848 (google.de [abgerufen am 31. Januar 2019]).
  6. Prussia (Germany) Königliches Statistisches Bureau: Die Gemeinden und Gutsbezirke des Preussischen Staates und ihre Bevölkerung: Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. December 1871. Verlag des Königlichen Statistischen Bureaus, 1873 (google.de [abgerufen am 31. Januar 2019]).
  7. Willkommen bei Gemeindeverzeichnis.de. Abgerufen am 31. Januar 2019.
  8. a b c Deutsche Verwaltungsgeschichte Provinz Hannover, Kreis Bremervörde. Abgerufen am 31. Januar 2019.