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Selektive Androgenrezeptor-Modulatoren, abgekürzt SARMS, sind eine neue Klasse von androgenrezeptorbindenden Substanzen. In ihrer Wirkung ähneln sie anabolen und androgenen Steroiden.[1]

Die derzeit bekanntesten und erforschten sind Ostarine und Andarine (S-4). Beide Medikamente sind derzeit nicht als Arzneimittel zugelassen, werden jedoch meist von chinesischen Herstellern in Europa und den USA vertrieben, wobei der Wirkstoffgehalt dieser Produkte umstritten ist. Ostarine wird vom Arzneimittelkonzern GtX als „enobosarm“(Ostarine®;GTx-024) geführt und erforscht. Es gilt als potentielles Arzneimittel um Muskelschwund und andere Muskelerkrankungen zu behandeln.[2]

Die Bindungsaffinität zum Androgenrezeptor ist stärker als die von Testosteron, Studien geben bis zu das zehnfache an. Seit 1998 wird weiter an nichtsteroidalen Androgenen geforscht. Bei diesen Studien wurde herausgefunden, dass SARMS vorrangig in anabolen Geweben wie Muskeln wirken, während sie androgene Gewebe (z. B. Prostata) weitaus weniger beeinflussen. Einige SARMs haben des Weiteren auch eine positive Wirkung auf Knochengewebe, ähnlich wie Nandrolon.[3]

Es existieren zurzeit keine Studien an Menschen, Studien bei Tieren existieren. Eines der vielversprechendsten SARMs trägt den Namen S-1, kurz für 3-(4-Fluorophenoxy)-2-Hydroxy-2-Methyl-N-[4-Nitro-3-5 (Trifluoromethyl)Phenyl]-Propanamid. S-1 vermag bei kastrierten Ratten, also Ratten, die kein eigenes Testosteron bilden, die Masse der Muskulatur zum größten Teil zu erhalten, während typisch androgene Gewebe, wie die Prostata, um ein Vielfaches schwächer ansprechen. Dabei hemmt S-1 sogar in gesunden (nicht kastrierten) Versuchstieren die Testosteronwirkung in androgenen Geweben, indem es zwar an die dortigen Androgenrezeptoren bindet, aber nur eine geringe Wirkung entfaltet – die besetzten Rezeptoren sind für Testosteron dadurch unzugänglich. SARMs gelten somit als partielle AR-Agonisten in androgenen Geweben und als volle AR-Agonisten in anabolen Geweben, wodurch das Kriterium der Selektivität erfüllt ist.[4]

Neuere SARMs wie S-1, S-2, S-3 haben eine androgene Wirkung von 3–15 % im Vergleich zu Dihydrotestosteron, bei einer anabolen Aktivität von fast 100 Prozent. Die unterschiedlichen SARMs haben unterschiedliche Wirkungen auf die Hypophyse. Einige wirken agonistisch auf die Androgenrezeptoren der Hypophyse und hemmen demzufolge die Produktion von LH und FSH und somit die Testosteronproduktion, während andere SARMs diese spezielle Wirkung nicht aufweisen.[5]

Die World Anti-Doping Agency (WADA) setzte seit dem 1. Januar 1998 die Gruppe der SARMs auf die Verbotsliste. Die Dopingmittel-Mengen-Verordnung setzte sie am 1. Januar 2013 auf die Liste und gab die strafbare Besitzmenge laut dem Arzneimittelgesetz ab 90 mg als „nicht geringe Menge“ an. SARMs sind spätestens seit 2008 in Dopingmitteltests nachzuweisen. Dazu werden die Zielsubstanzen aus dem Urin extrahiert und mit Hilfe chromatographischer und massenspek- trometrischer Systeme identifiziert.[6]

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. M. L. Mohler, C. E. Bohl, A. Jones, C. C. Coss, R. Narayanan, Y. He, D. J. Hwang, J. T. Dalton, D. D. Miller: Nonsteroidal selective androgen receptor modulators (SARMs): dissociating the anabolic and androgenic activities of the androgen receptor for therapeutic benefit. In: Journal of Medicinal Chemistry. Band 52, Nr. 12, Juni 2009, S. 3597–3617, doi:10.1021/jm900280m, PMID 19432422.
  2. M. Thevis, M. Kohler, J. Maurer, N. Schlörer, M. Kamber, W. Schänzer: Screening for 2-quinolinone-derived selective androgen receptor agonists in doping control analysis. In: Rapid Commun. Mass Spectrom. 21, 2007, S. 3477–3348.
  3. J. T. Dalton, A. Mukherjee, Z. Zhu, L. Kirkovsky, D. D. Miller: Discovery of nonsteroidal androgens. In: Biochem Biophys Res Commun. 244(1), 1998, S. 1–4.
  4. M. Thevis, M. Kamber, W. Schanzer: Screening for metabolically stable aryl-propionamide-derived selective androgen receptor modulators for doping control purposes. In: Rapid Commun Mass Spectrom. 20(5), 2006, S. 870–876.
  5. J. D. Kearbey, D. Wu, W. Gao, D. D. Miller, J. T. Dalton: Pharmacokinetics of s-3 in rats, a non-steroidal selective androgen receptor modulator. In: Xenobiotica. 34, 2004, S. 273–280.
  6. Mario Thevis, Wilhelm Schänzer: Dopingmittel der Zukunft und deren Nachweis. In: Das Wissenschaftsmagazin. 1, 2009, S. 14–17. (Doping-Info: SARMS)