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Seilsäge in einem steinverarbeitenden Betrieb beim Trennen eines Steinblocks in sogenannten Tranchen
große Seilsägen in einem Steinbruch

Seilsägen zerteilen Werkstücke, indem ein Sägeseil durch das Material gezogen wird. Meist läuft das Sägeseil um und wird durch einen Elektromotor angetrieben. Während des Umlaufs wird das Sägeseil durch bewegliche Seilrollen auf Spannung gehalten. Sägeseile sind heute meist in kurzen Abständen mit ringförmigen Diamantsegmenten besetzt sind. Die Diamantseilsäge wurde erstmals 1984 eingesetzt.

Es können fast beliebig große Objekte zerteilt werden. Das Antriebsaggregat ist dabei vergleichsweise klein und mobil, da im Gegensatz zu anderen Sägen kein Sägeblatt verwendet wird, welches eine Führung erforderte.

Inhaltsverzeichnis

EinsatzbereicheBearbeiten

Die Verwendung einer Seilsäge ist dort sinnvoll, wo das zu zerteilende Objekt schwer zugänglich ist und vor Ort zerschnitten werden soll, da ein Transport nicht oder nur schwer möglich ist.

Fast alle Steinbrüche zur Gewinnung von Werksteinen setzen Seilsägen ein, um Natursteinblöcke aus dem anstehenden Fels herauszutrennen und zu zerteilen.

Im Bauwesen können Öffnungen fast beliebiger Form in bestehende Bauwerke geschnitten werden, auch in stahlbewehrte Bauteilen.
Bei der Bauwerkssanierung kann die Wand mittels einer Seilsäge Mauerwerksabdichtung abschnittsweise horizontal aufgeschnitten werden, um nachträglich wasserundurchlässige Trennschichten zur Absperrung gegen aufsteigendes Kapillarwasser einzubringen.

Seilsägen werden auch bei der Bergung von Schiffswracks eingesetzt, also zum Sägen von Stahl. Das Sägeseil, entwickelt zum Zerteilen des Atom-U-Kreuzers K-141 Kursk mit Widia-besetzten zylindrischen Hülsen, wurde danach 2003 zum Zersägen des Autotransporters Tricolor eingesetzt.

 
Seilsäge beim Ablängen eines Steinblocks im Steinbruch

SägetechnikBearbeiten

 
Sägeseil mit Diamantperlen und Abstandshaltern aus Stahlfedern

Ab etwa 1895 wurden in italienischen Marmorsteinbrüchen Lang-Seilsägen mit Spiralseilen eingesetzt, die durch Dieselmotoren angetrieben wurden. Durch die langen Seile wurde die Kühlung beim Schnitt verbessert.

Erst viel später wurden die Stahlseile durch Stahlhülsen gepanzert, die über die innere Seele des Seils geschoben wurden. Die Hülsen werden meist mit Hartstoffen besetzt. Zur Bearbeitung von mineralischen Baustoffen und Naturstein werden die Hülsen mit kleinen Diamantfragmenten besetzt. Ein typisches Diamantseil hat einen Außendurchmesser von etwa 8 mm und die Hülsen sind jeweils etwa 2,5 Zentimeter lang. Diamantseile werden beim Einsatz mit Wasser gekühlt. Zwischen den Schneidhülsen können sich Stahlfedern oder Kunststoffhülsen befinden.

Vom Antriebsaggregat läuft ein Endlos-Seil über Umlenkrollen zum Werkstück und wird über das Antriebsaggregat oder die Umlenkrollen auf Spannung gehalten. Die Geschwindigkeit eines Diamantsägeseils beträgt je nach Material 8 bis 16 m/h.

Natursteingewinnung und -verarbeitungBearbeiten

Im Steinbruch wird zunächst eine horizontale und eine vertikale Bohrung ausgeführt werden, die sich genau treffen. In diese Bohrungen wird das Seil eingeführt. Anschließend werden die Seilenden zu einem endlosen Ring miteinander verbunden. Zum Schneiden der Rohblöcke werden neben Diamantseilsägen auch Helikoidalsägen eingesetzt, bei denen der eigentliche Schnitt durch abrasive Partikel ausgeführt wird, die von der Bewegung des Seils lediglich mitgeführt werden.

Steinverarbeitende Betriebe verwenden Seilsägen um Steinblöcke aufzutrennen, die für die Gattersäge zu groß sind. Geschnitten werden dabei vorwiegend sogenannte Tranchen (großformatige unbekantete Platten ab ca. 8 cm Dicke). Konturenseilsägen mit schwenkbarer Sägeeinheit dienen zum Ausschneiden von vielfältigen Formen (vergleichbar einer überdimensionalen Laubsägen).

BetonsägetechnikBearbeiten

 
Ein aufgelassener Steinbruch mit senkrechten und waagerechten Flächen, die mit der Seilsäge geschnitten worden.
 
Zirkelseilsäge beim Schnitt in Beton

In der Bauwirtschaft wird die Sägetechnik verwendet, um größere oder besonders geformte Ausschnitte in Bauteilen oder Werkstücken vorzunehmen. Mit Zirkelseilsägen werden große runde Öffnungen hergestellt, bei denen andere Methoden nicht mehr praktikabel sind (Durchmesser ab etwa 1 Meter) oder wenn die Orte sehr unzugänglich sind. Die diamantbesetzte Seilsäge wird hierfür oft elektrohydraulisch angetrieben und mit Wasser gekühlt.

Andere SteinsägetechnikenBearbeiten

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

Reiner Flassig: Steinsägen. In: Bildungszentrum für das Steinmetz- und Bildhauerhandwerk (Hrsg.): Das Handbuch für die tägliche Arbeit mit Naturstein. S. 329 ff, 2., überarb. Aufl. Ebner-Verlag, Ulm 1994.

ReferenzenBearbeiten