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Seifersdorf (Dippoldiswalde)

Ortsteil von Dippoldiswalde

Seifersdorf ist ein staatlich anerkannter[2] Erholungsort und Ortsteil der sächsischen Großen Kreisstadt Dippoldiswalde im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Er befindet sich 20 km südlich von Dresden im Osterzgebirge an der Roten Weißeritz.

Seifersdorf
Große Kreisstadt Dippoldiswalde
Koordinaten: 50° 56′ 4″ N, 13° 38′ 35″ O
Höhe: 345 (285–404,3) m
Fläche: 6,95 km²
Einwohner: 1015 (2017)[1]
Bevölkerungsdichte: 146 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1996
Eingemeindet nach: Malter
Postleitzahl: 01744
Vorwahl: 03504
Seifersdorf (Sachsen)
Seifersdorf

Lage von Seifersdorf in Sachsen

Inhaltsverzeichnis

GeographieBearbeiten

Seifersdorf liegt zwischen 285, und 404,3 m ü. NN ( Geierswacht ). Östlich des Dorfes fließt die Rote Weißeritz, und es grenzt die Dippoldiswalder Heide an die Ortsfluren. Südwestlich von Seifersdorf befindet sich das Waldgebiet Paulsdorfer Heide mit der Erashöhe (428 m) als höchster Erhebung. An den Ort grenzen Borlas, Oelsa, Spechtritz, Malter, Paulsdorf und Seifen.

 
Blick auf Seifersdorf

GeschichteBearbeiten

OrtsgeschichteBearbeiten

 
Siegelmarke der Gemeinde Seifersdorf

Nach der Sage soll Seifersdorf auf Anweisung des damaligen Burggrafen von Dohna von einem Lokator namens Siegfried besiedelt wurden sein.

Der von seiner Siedlungsform her als Waldhufendorf zu bezeichnende Ort wird 1282 erstmals urkundlich als Sivertsdorph erwähnt. Bereits 1312 wird die Kirche im Ort erwähnt. 1486 wird erstmals die Bezeichnung „Seyfferßdorff“ benutzt. 1551 steht der Ort im Besitz des Rittergutes Berreuth und hat 40 besessene Mann sowie 52 Inwohner. 1590 wird Seifersdorf Amtsdorf des Amtes Dippoldiswalde.

Während des Siebenjährigen Kriegs quartierte sich im November 1760 der Regimentsstab des Kaiserlich-Habsburgischen Regiments Pallavicini in Seifersdorf über den Winter ein.

Mit dem 2. Berggeschrei wurde im 16. Jahrhundert in einem Stollen an der Borlasbach nahe dem Borlaser Niederdorf nach Erz gesucht. Im Jahre 1848 wurde das zweite Bergwerk am Borlasbach nahe der Straße von Seifersdorf nach Borlas (Kohls-Erbstollen) eröffnet, das aber nach 11 Jahren Betriebszeit im Jahr 1859 geschlossen wurde.

 
Am Waldesrand

1875 wird die Gemeinde Seifersdorf Teil der Amtshauptmannschaft Dippoldiswalde, 1952 Teil des Kreises Dippoldiswalde. 1996 schlossen sich Paulsdorf, Malter und Seifersdorf zur neuen Gemeinde Malter zusammen (deren Verwaltungssitz in Seifersdorf war), die 2003 nach Dippoldiswalde eingemeindet wurde.

Seifersdorf war Kirchdorf von Großoelsa mit Neuoelsa, Malter, Paulsdorf, Paulshain und Spechtritz und von Seifen.

Im Jahr 1898 entstand am Oberen Ende des Ortes ein Kurhaus. Ihm folgte der Bau der Villenkolonie als Fremdenhäuser im Jahre 1900. Durch den Bau des Genesungsheims „Nächstenliebe“ im Jahre 1901/02 entstand ein weiterer Kurkomplex, welcher das Alten- und Pflegeheim beherbergt. Seifersdorf ist kein Kurort mehr, sondern ein Erholungsort.

Entwicklung der EinwohnerzahlBearbeiten

Entwicklung der Einwohnerzahl Seifersdorfs:[3][1]

  
Einwohnerentwicklung von Seifersdorf. Oben ab 1551 bis 2016. Unten ein Ausschnitt ab 1871
Jahr Einwohner
1551 372
1618 435
1764 405
1834 556
1840 611
1871 645
1890 856
1910 1043
1925 1004
1939 971
1946 1356
1950 1275
Jahr Einwohner
1964 1060
1990 1113
1994 1043
2006 1048
2007 1040
2008 1013
2009 1002
2010 1008
2011 1002
2012 988
2013 992
2014 964
2016 1027
2018 965

SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Dorfkirche Seifersdorf

KircheBearbeiten

Die Dorfkirche wurde erstmals in der Gründungsurkunde von Seifersdorf vom 4. Juli 1282 erwähnt und am 20. Juli 1312 vom Burggrafen Otto II. von Dohna an das Kloster Altzella geschenkt. Unter den 17 Kirchen des Kirchkreises Dippoldiswalde in der Kirchprovinz Nisan wird sie 1346 genannt. Die Schwester des Vorwerksbesitzer Heinrich von Miltitz in Malter, Maria von Miltitz wurde 1593 in einer Gruft im Altarraum begraben. Im Jahre 1639 wurden Teile der Kirche im Dreißigjährigen Krieg durch die Schwedischen Truppen in Brand gesteckt, 1658 konnte sie wieder geweiht werden. Die Orgel wurde 1868–1871 in Verbindung mit einer größeren Innenerneuerung durch Orgelbaumeister Karl Traugott Stöckel aus Dippoldiswalde gebaut, der seine Instrumente entgegen dem Trend seiner Zeit im Wesentlichen angelehnt an die Orgelbaukunst der Barockzeit baute. Sie wurde 1871 eingeweiht. Diese Orgel hat 16 Register, 2 Manuale und eine mechanische Traktur. Der Taufsteindeckel mit seinem Schnitzwerk stammt von 1749, die Taufwanne von 1743. Der Taufstein ist älter. Die Kanzel ist mit den Bildern der vier Evangelisten und reichem Schnitzwerk verziert. Der Altar wurde vom Dippoldiswalder Künstler Mal-Jorge im Jahre 1518 geschaffen. In der Kirche existiert unter anderem das Bild des Pfarrers Carl Gotthelf Hardtmann[4] aus dem Jahre 1838, dessen Grab sich rechts neben dem Eingang befindet. Um die Kirche herum besteht der alte Kirchhof, der Gemeindefriedhof. Hier steht das Kriegerdenkmal für die Bewohner des Ortes, die im Ersten Weltkrieg gefallen sind. Gegenüber der Kirche steht das Pfarrhaus von 1848, daneben das im Jahre 1892 errichtete Pächterhaus und das Knechthaus mit der Scheune aus dem Jahre 1817.[5] Diese Gebäude bilden das Gemeindezentrum.

SchuleBearbeiten

Ein erster Schulunterricht fand wahrscheinlich 1555 im Alten Erbgerichtsgut statt. Das erste Schulgebäude links vom Kirchentor wird 1744 erstmals genannt. Als dieses zu klein wurde, wurde 1884 gegenüber die „Neue Schule“ erbaut. Die Schule an der Borlaser Straße wurde 1989 eröffnet.

MühlenBearbeiten

  • Die Seifersdorfer Mühle wird 1501 erstmals erwähnt, sie besaß vier Mühlgänge und war Mahl-Öl-Brettmühle. Neben der Mühle entstand Anfang des 20. Jahrhunderts ein großes Fabrikgebäude zur Kisten und Möbelherstellung. Die Mühle wurde abgetragen. Teile des Mühlgrabens sind noch vorhanden.
  • Im Jahr 1897 wurde die Stuhlfabrikmühle Tietze& Legler, der Mühlenhof gegründet.
  • Das aus der 1864 erbauten Knochen- und der benachbarten Ölmühle entstandene Wasserelektrizitätwerk wurde im Laufe der Jahre abgetragen und ein Strom erzeugendes Wasserschauwerk.
  • Auf der Brettmühlwiese neben dem Wasserschauwerk unterhalb des Goldgrubengrundes befand sich bis zur Zerstörung durch die Schweden im Jahre 1639 eine große 1470 erstmals erwähnte Brettmühle.

Weitere SehenswürdigkeitenBearbeiten

  • An der Weißeritztalbahn, die von Freital-Hainsberg über Dippoldiswalde nach Kipsdorf führt, erhielt Seifersdorf 1882 mit dem Haltepunkt einen Eisenbahnanschluss am nordöstlichen Ende des Ortes. Die für diese Strecke 1882 von der Firma Dyckerhoff & Widmann erbaute Mühlgrabenbrücke in Seifersdorf gilt als älteste Segmentbogenbrücke mit Stampfbeton Deutschlands.
 
Der Bahnhof Seifersdorf
 
Segmentbogenbrücke
 
Niederdorf
 
Oberdorf
 
Borlaser Straße und Geierswacht
  • 1913 wurde auf einem Teil der Gemarkung der Stausee der Talsperre Malter mit dem Strandbad Seifersdorf errichtet. Das im Staubecken einst gelegene Tittelsche Grundstück an der früheren Straße nach Seifersdorf wurde schon 1801 erwähnt.
  • Das Erbgericht gegenüber der Kirche wurde 1831 eingeweiht, das einstige dazugehörige Gut ist Mitte des 20. Jahrhunderts abgebrannt.
  • Der Dorfpark wurde im Jahr 1934 eingerichtet.
  • Die „Kapell Linde“ am oberen Ende des alten Dorfes wurde 1882 für den gestürzten Baum gepflanzt. Nach der Überlieferung befand sich an dieser Stelle an der vorbeiführenden Salzstraße bis zur Reformation eine Kapelle.
  • An der Alten Meißner Straße, im Langen Grund zwischen Seifersdorf und Spechtritz, steht eine über 200 Jahre alte Linde, die im Siebenjährigen Krieg gepflanzt worden sein soll.
  • Der Trompeterfelsen ist ein Felsvorsprung im Rabenau-Seifersdorfer Grund, von welchem im Siebenjährigen Krieg der Sage nach ein Sächsischer Trompeter auf der Flucht vor den feindlichen Truppen mit seinem Pferd gesprungen sein soll.
  • Die Dorfgrenzsteine, die 1895 aufgerichtet wurden, stehen an der Borlasbachbrücke im Borlaser Niederdorf und am Ortsausgang in Richtung Oelsa. Sie wurden einst zur Gemarkungsgrenzmakierung an den Straßen aufgestellt.
  • Einer von zwei nachweislich aufgestellten steinernen Wegweisern steht an der Kreuzung Bergstraße-Borlaser Straße-Dippoldiswalder Straße. Er trägt die Jahreszahl 1836. Der Zweite an der Wegkreuzung Bergstraße-Alte Meißner Straße wurde in alten Landkarten noch eingezeichnet, ist aber nicht mehr vorhanden.
  • Im Jahre 1870 wurde der „Gasthof zum Weißeritztal“ am Parkplatz zum Rabenauer Grund erbaut, der leer und zum Verkauf steht.
  • Das am Erbgericht neben dem Kirchweg stehende Spritzenhaus wurde 1935, nachdem der Vorgängerbau aus dem 19. Jahrhundert abgetragen wurde, erbaut.
  • Neben dem Spritzenhaus steht die Friedenseiche, die an den deutsch-französischen Krieg erinnert. Sie wurde 1871 gepflanzt.
  • Vor dem Gebäude der Freiwilligen Feuerwehr am Dorfplatz befindet sich eine 1888 gepflanzte Eiche, sie wurde zur 800-Jahr-Feier der Wettiner gepflanzt.
  • Die Sperrmauer der Talsperre Malter, die am 27. September 1912 eingeweiht wurde, trennt mit dem Schieberturm in der Mitte die Ortschaften Seifersdorf und Malter. Sie misst eine Höhe von 34 Metern und eine Länge von 193 Metern.
  • Der Bahnhof Seifersdorf, welcher am 24. April 1912 in Betrieb genommen wurde, diente als Filmkulisse des Bayerischen Fernsehens für den Kinofilm Madame Bäurin im Jahre 1993.

NaturschutzBearbeiten

Seifersdorf liegt mit Teilen der Gemarkung und der Dorffläche im Landschaftsschutzgebiet Tal der Roten Weißeritz, entlang der Weißeritz bis zur Sperrmauer der Talsperre Malter, einschließlich Teilen des Lange-Grund, Mittel-Grund und dem Gründel. Am 4. Juli 1974 wurde es unter Schutz gestellt. Angrenzend an dieses, liegt auf einer Teilfläche der Gemarkung das Landschaftsschutzgebiet Dippoldiswalder Heide und Wilisch.

 
Im Seifersdorfer Grund

GeologieBearbeiten

Auf den Fluren von Seifersdorf findet sich vorwiegend Gneis, neben welchem auch Weißer bis gelblicher Quarzit und Sandstein besteht.

VerkehrBearbeiten

Durch den Ort führen die Kreisstraßen K9010, K9012 und K9013. Die Bushaltestellen von Seifersdorf an der Schule und am Anglerheim werden von der Linie 376 (Dippoldiswalde-Seifersdorf-Rabenau) angefahren.

Die „Alte Meißner Straße“ früher ,,das Tharandter Sträsgen" genannt, entlang der Ortsmitte von der Dippoldiswalder Straße bis zur Butterstraße und die Salzstraße von Freiberg nach Pirna sind alte Handelswege in der Region, später kam die „Kleine Straße“ von Höckendorf über Oelsa nach Possendorf hinzu. Wichtige Ortsverbindungen waren die Kirchwege nach Paulsdorf, Paulshain, Großoelsa und Spechtritz. Teile dieses Straßensystems bilden noch die Hauptverkehrswege und verbinden Seifersdorf mit den Nachbarorten Borlas, Paulsdorf, Seifen, Malter und Oelsa.

 
Alte Meißner Straße

Am unteren Ende des Ortes hält die 1882 eröffnete und 2008 wiedereröffnete auf Schmalspur fahrende Weißeritztalbahn. Die Strecke verläuft von Freital-Hainsberg über Dippoldiswalde zum Kurort Kipsdorf.

UmgebungBearbeiten

Bekannte Ausflugsziele sind

  • der obere Rabenauer Grund, welcher in Seifersdorf als Seifersdorfer Grund am Wanderparkplatz beginnt, und ab dem Lange-Grund als Spechtritzgrund bis zur Rabenauer Mühle weiterläuft,
  • der Seifersdorfer Grund entlang der Weißeritz vom Wanderparkplatz im Unterdorf bis kurz vor die Talsperre Malter zum Gründel,
  • die Dippoldiswalder Heide, die über den Müllers Torweg erreicht wird,
  • die Erashöhe auf den Stein-Berg am oberen Dorfende in der Paulsdorfer Heide und
  • die Talsperre Malter mit den Seifersdorfer Bad.

Weitere Ausflüge bieten sich über historische Wege vom Ort in die angrenzende Umgebung an.

 
Am Seifersdorfer Bad

DialektBearbeiten

In Seifersdorf wird der ostmeißenische Dialekt, ein Teil der obersächsischen Sprache, gesprochen.

PersönlichkeitenBearbeiten

  • Heinrich Ferdinand Querner (* 7. März 1816 in Seifersdorf; † 1. April 1880), Spinnereibesitzer und sächsischer Politiker
  • Anne Matthes (* 30. April 1985 in Freital, aufgewachsen in Seifersdorf), Volleyballspielerin der deutschen Nationalmannschaft
  • Victor Paul Karl Kowarzik (* 8. März 1904 in Hohkirchen; † 8. April 1973 in Berlin, aufgewachsen in Seifersdorf), Schauspieler
  • Johannes Konrad Theodor von Haßler (* 3. Juli 1828 in Ulm; † 28. Februar 1901 in Augsburg), Besitzer des Wasserkraftwerks Seifersdorf[6]

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Richard Steche: Seifersdorf. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 2. Heft: Amtshauptmannschaft Dippoldiswalde. C. C. Meinhold, Dresden 1883, S. 78.
  • Seifersdorf unsere Heimat. 1998.
  • Unser Heimatdorf. 1949.
  • Luftkurort und Sommerfrische Seifersdorf am Rabenauer Grund. 1912.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Seifersdorf (Dippoldiswalde) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Einwohnerzahlen für Dippoldiswalde und Ortsteile auf dippoldiswalde.de
  2. Dippoldiswalde: Talsperre Malter / Erholungsort. Abgerufen am 20. Januar 2017.
  3. Seifersdorf im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
  4. Friedrich Leberecht Lehmann: Die Amtsjubelfeier des Herrn Carl Gotthelf Hardtmann, treuverdienten Pfarrers zu Seifersdorf bei Dippoldiswalda am 5. Juni 1838. Abgerufen am 13. Dezember 2010.
  5. Brandvericherungskammer: Brandversicherungskammer Sachsen. Hrsg.: Staatsarchiv Dresden. Aufnahmebuch Seifersdorf.
  6. Besitzbuch, Flurbuch Seifersdorf bei Dippoldiswalde Flurstück 723 1900