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Seengen
Wappen von Seengen
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Lenzburgw
BFS-Nr.: 4208i1f3f4
Postleitzahl: 5707
Koordinaten: 657967 / 242050Koordinaten: 47° 19′ 36″ N, 8° 12′ 20″ O; CH1903: 657967 / 242050
Höhe: 477 m ü. M.
Fläche: 9,69 km²
Einwohner: 3994 (31. Dezember 2018)[1]
Einwohnerdichte: 412 Einw. pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne
Bürgerrecht)
11,9 % (31. Dezember 2018)[2]
Website: www.seengen.ch
Seengen

Seengen

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Seengen (schweizerdeutsch: ˈseːŋə) ist eine Einwohnergemeinde im Schweizer Kanton Aargau. Sie gehört zum Bezirk Lenzburg und liegt im Seetal am Nordende des Hallwilersees.

Inhaltsverzeichnis

GeographieBearbeiten

Das Zentrum des weit verzweigten Dorfes liegt rund einen Kilometer vom Seeufer entfernt am östlichen Rand des Seetals. In Richtung Westen erstreckt sich die Ebene des Aabachs. Das Gelände rund um die Nordspitze des Sees ist versumpft und steht unter Naturschutz. In Richtung Osten und Norden erheben sich die sanft abfallenden Hänge des 712 Meter hohen Eichbergs. Dieser ist ein Teil der Rietenberg-Kette und bildet die natürliche Grenze zum Bünztal. Im Südosten, wo die Hänge auf das Seeufer treffen, erstrecken sich Rebberge.[3]

Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 969 Hektaren, davon sind 317 Hektaren bewaldet und 142 Hektaren überbaut.[4] Der höchste Punkt befindet sich auf 712 Metern auf dem Eichberg, der tiefste auf 441 Metern am Ufer des Aabachs am Dreigrenzpunkt zu Hallwil und Seon. Nachbargemeinden sind Egliswil im Norden, Villmergen im Nordosten, Sarmenstorf im Südosten, Meisterschwanden im Süden, Boniswil im Südwesten, Hallwil im Westen und Seon im Nordwesten.

GeschichteBearbeiten

Bereits vor 5000 Jahren, während der Jungsteinzeit, lebten Menschen am Ufer des Hallwilersees. Ebenso gab es zwei bronzezeitliche Ufersiedlungen. Auf dem Gebiet der Gemeinde Seengen standen während der Zeit des Römischen Reiches drei Gutshöfe. Der eine befand sich bei der heutigen Kirche und war im 1. und 2. Jahrhundert bewohnt, wie verschiedene Funde von Terra Sigillata, Ziegelstempeln und Mosaikfragmenten ergaben. Die beiden anderen Gutshöfe (aus dem 2. und 3. Jahrhundert) befanden sich unmittelbar nebeneinander auf der Höhe des Marksteins und waren durch einen gepflästerten Boden miteinander verbunden.[5]

 
Luftansicht (1952)

Archäologische Funde weisen auf die nachfolgende Besiedlung durch die Alamannen hin. Die erste urkundliche Erwähnung von Seynga erfolgte im Jahr 893 in einem Zinsrodel des Fraumünsters in Zürich. Der Ortsname stammt vom althochdeutschen Seingun, was «bei den Siedlern am See(ufer)» bedeutet.[6] Im späten 12. Jahrhundert liessen die Hallwyler am Aabach einen Wohnturm errichten, aus dem sich das Schloss Hallwyl entwickelte. Die Hallwyler waren damals ein einflussreiches Ministerialengeschlecht im Dienste der Grafen von Lenzburg, ab 1173 der Grafen von Kyburg. Nachdem diese ausgestorben waren, übernahmen die Habsburger im Jahr 1273 die Landesherrschaft und die Blutgerichtsbarkeit.

1415 eroberten die Eidgenossen den Aargau. Seengen gehörte nun zum Untertanengebiet der Stadt Bern, dem so genannten Berner Aargau. Das Dorf war der Hauptort eines Gerichtsbezirks im Amt Lenzburg, in welchem die Herren von Hallwyl die niedere Gerichtsbarkeit und weitere Rechte ausübten. 1528 führten die Berner die Reformation ein. Der 1346 erstmals erwähnte Eichhof, ein ehemaliger Steckhof, wurde vermutlich 1751 in das Gemeinwesen integriert. Die erste überlieferte Offnung stammt aus dem Jahr 1462, das erste Schulhaus entstand 1686. Dominierend war die Landwirtschaft, auch Weinbau spielte eine grössere Rolle. Die Verarbeitung von Baumwolle in Heimarbeit brachte ab der Mitte des 18. Jahrhunderts zusätzliche Verdienstmöglichkeiten.

Im März 1798 nahmen die Franzosen die Schweiz ein, entmachteten die «Gnädigen Herren» von Bern und riefen die Helvetische Republik aus. Seengen gehört seither zum Kanton Aargau. Die 1844 gegründete Kuranstalt im Schloss Brestenberg zog wohlhabende Gäste aus ganz Europa an. In der Landwirtschaft vollzog sich ein Wechsel vom traditionellen Getreidebau zur Milchwirtschaft. Im 19. Jahrhundert war vorübergehend die Strohflechterei von Bedeutung. Die wirtschaftliche Entwicklung stagnierte jedoch, da die 1883 eröffnete Seetalbahn weit abseits des Dorfes am westlichen Rand des Tals verläuft. Aus diesem Grund entwickelte sich die Industrie nur langsam. Mitte der 1970er Jahre begann jedoch eine rege Bautätigkeit, die eine Verdoppelung der Einwohnerzahl zur Folge hatte.

SehenswürdigkeitenBearbeiten

Wahrzeichen von Seengen ist das Schloss Hallwyl. Der Stammsitz der Hallwyler ist eine der bedeutendsten Wasserburgen der Schweiz und liegt auf zwei künstlichen Inseln im Aabach, rund einen Kilometer westlich des Dorfzentrums. Etwa einen Kilometer in südlicher Richtung steht das Schloss Brestenberg. Dabei handelt es sich um einen Landsitz der Hallwyler, der 1625 durch den Ausbau eines bereits im 16. Jahrhundert gebauten Hauses entstanden war. Im 19. Jahrhundert gab es dort eine in ganz Europa bekannte Wasserkuranstalt; heute ist das Schloss in Privatbesitz und nicht öffentlich zugänglich.

Die alte spätgotische Kirche von Seengen, die 1496 neu geweiht worden war, wurde mit der Zeit immer baufälliger und wurde 1825 abgerissen. Als Ersatz entstand 1820/21 ein Neubau im spätklassizistischen Stil. Baumeister war Kopp aus Beromünster, der zur selben Zeit eine fast baugleiche Kirche in Meisterschwanden errichtete. Der Innenraum ist oval, während die Aussenmauern ein gestrecktes Achteck bilden. Das Pfarrhaus wurde 1742 errichtet. Die ehemalige Untervogtei an der Kreuzgasse entstand um 1440 im Auftrag Rudolfs IV. von Hallwyl als Wohnturm. 1578 erfolgte unter Verwendung der älteren Mauern ein kompletter Umbau zu einem Treppengiebelhaus im spätgotischen Stil. Im Oberdorf befindet sich die 1774 erbaute Alte Schmitte. Sie wurde 1990 von der Gemeinde erworben und renoviert; heute dient sie als Museum für Wechselausstellungen mit regionalen Themen.

WappenBearbeiten

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Weiss rot bewehrter und gezungter schwarzer Adler.» Das Wappen entspricht jenem des erloschenen Ministerialengeschlechts der Herren von Seengen, welches erstmals 1340 in der Zürcher Wappenrolle abgebildet ist.[7]

BevölkerungBearbeiten

Die Einwohnerzahlen entwickelten sich wie folgt:[8]

Jahr 1559 1798 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner ca. 330 1176 1528 1353 1288 1445 1447 1512 1643 2064 2526 3417

Am 31. Dezember 2018 lebten 3994 Menschen in Seengen, der Ausländeranteil betrug 11,9 %. Bei der Volkszählung 2015 bezeichneten sich 47,4 % als reformiert und 20,9 % als römisch-katholisch; 31,7 % waren konfessionslos oder gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[9] 93,9 % gaben bei der Volkszählung 2000 Deutsch als ihre Hauptsprache an, je 1,0 % Albanisch und Italienisch sowie je 0,8 % Französisch und Serbokroatisch.[10]

Politik und RechtBearbeiten

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Er wird im Majorzverfahren vom Volk gewählt, seine Amtsdauer beträgt vier Jahre. Der Gemeinderat führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm vom Kanton zugeteilt wurden. Für Rechtsstreitigkeiten ist in erster Instanz das Bezirksgericht Lenzburg zuständig. Seengen gehört zum Friedensrichterkreis XII (Seon).[11]

WirtschaftBearbeiten

In Seengen gibt es gemäss der im Jahr 2015 erhobenen Statistik der Unternehmensstruktur (STATENT) rund 1200 Arbeitsplätze, davon 7 % in der Landwirtschaft, 18 % in der Industrie und 75 % im Dienstleistungsbereich.[12] Viele Erwerbstätige sind Wegpendler und arbeiten in der näheren Umgebung (hauptsächlich in Seon oder Lenzburg).

Seit 1763 besitzt das Dorf Marktrecht. Jeweils im Frühling und im Herbst findet der Vieh-, Landmaschinen und Warenmarkt statt, allerdings werden Vieh und Landmaschinen seit den 1980er Jahren nicht mehr angeboten. Am ersten Wochenende des Dezembers findet in Seengen überdies jährlich ein Weihnachtsmarkt statt.

Von grosser Bedeutung ist seit jeher der Weinbau. Südlich des Dorfes, an den Hängen oberhalb des Hallwilersees, war im Jahr 2018 eine Fläche von 11,1 Hektaren mit Reben bestockt. Es werden ein Dutzend verschiedene Sorten angebaut, wobei Blauburgunder, Chardonnay, Merlot und Riesling × Sylvaner überwiegen.[13]

VerkehrBearbeiten

Seengen liegt an der Kantonsstrasse von Meisterschwanden nach Boniswil, wo sie auf die Hauptstrasse 26 von Lenzburg über Hochdorf nach Luzern trifft. Die Kantonsstrasse 374 führt nach Egliswil, die Kantonsstrasse 373 nach Sarmenstorf. Die Anbindungen an das Netz des öffentlichen Verkehrs erfolgt durch zwei Buslinien der Gesellschaft Regionalbus Lenzburg, die vom Bahnhof Lenzburg aus über Seengen nach Bettwil bzw. Teufenthal führen. An Wochenenden verkehrt ein Nachtbus von Lenzburg über Seengen nach Sarmenstorf. In der Nähe des Schlosses Hallwil gibt es eine Anlegestelle der Schifffahrtsgesellschaft Hallwilersee.

BildungBearbeiten

Die Gemeinde verfügt über zwei Kindergärten und fünf Schulhäuser, in denen sämtliche Stufen der obligatorischen Volksschule unterrichtet werden (Primarschule, Realschule, Sekundarschule und Bezirksschule). Die nächstgelegenen Gymnasien sind die Alte Kantonsschule und die Neue Kantonsschule, beide in Aarau.

KulturBearbeiten

In Seengen werden mehrere Seetaler Winterbräuche gepflegt, darunter das Chlauschlöpfen.

PersönlichkeitenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Seengen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bevölkerungsbestand nach Gemeinde, Nationalität und Geschlecht, per 31. Dezember 2018. (XLS, 233 kB) Departement Finanzen und Ressourcen, Statistik Aargau, März 2019, abgerufen am 27. März 2019.
  2. Bevölkerungsbestand nach Gemeinde, Nationalität und Geschlecht, per 31. Dezember 2018. (XLS, 233 kB) Departement Finanzen und Ressourcen, Statistik Aargau, März 2019, abgerufen am 27. März 2019.
  3. Landeskarte der Schweiz, Blatt 1090 und 1110, Swisstopo.
  4. Arealstatistik Standard – Gemeinden nach 4 Hauptbereichen. Bundesamt für Statistik, 26. November 2018, abgerufen am 20. Mai 2019.
  5. Martin Hartmann, Hans Weber: Die Römer im Aargau. Verlag Sauerländer, Aarau 1985, ISBN 3-7941-2539-8, S. 199–200.
  6. Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100. Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 393–394.
  7. Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 274.
  8. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. (Excel) In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistik Aargau, 2001, archiviert vom Original am 8. Oktober 2018; abgerufen am 20. Mai 2019.
  9. Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit, 2015. (Excel) In: Bevölkerung und Haushalte, Gemeindetabellen 2015. Statistik Aargau, abgerufen am 20. Mai 2019.
  10. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. (Excel) Statistik Aargau, archiviert vom Original am 10. August 2018; abgerufen am 20. Mai 2019.
  11. Friedensrichterkreise. Kanton Aargau, abgerufen am 21. Juni 2019.
  12. Statistik der Unternehmensstruktur (STATENT). (Excel, 157 kB) Statistik Aargau, 2016, abgerufen am 20. Mai 2019.
  13. Weinlesekontrolle 2018 Kanton Aargau. (PDF, 2,4 MB) Landwirtschaftliches Zentrum Liebegg, 2019, abgerufen am 21. Juni 2019.