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Seegefecht beim Dänholm

Dänisch Hanseatischer Krieg
Seegefecht im Dänholm
Lübecker Hanseschiff im 15. Jahrhundert
Lübecker Hanseschiff im 15. Jahrhundert
Datum 4. Mai 1429 bis 8. Mai 1429
Ort Dänholm, Strelasund
Ausgang Dänische Niederlage
Konfliktparteien

Flag of the Kalmar Union.svg Kalmarer Union

unterstützt von
COA of Pommern-Barth.png Pommern-Barth

Hanseatenwimpel.svg Hanse

Befehlshaber

Flag of the Kalmar Union.svg Kurd von Hagen

Hanse Stralsund.svg Klaus von der Lippe
Hanse Stralsund.svg Evert (Everd) von Huddessem
Hanse Stralsund.svg Lorenz von Lunden
Hanse Stralsund.svg Grome Ahrends
Hanse Stralsund.svg Herrmann Leuwes
Hanse Stralsund.svg Meister Paul

Truppenstärke
75 Schiffe mit
1.400 Mann
3 Lübecker Schiffe[1]
3 Wismarer Schiffe,
7 Stralsunder Schiffe[2]
Verluste

ein Drittel der Mannschaft[3],
davon 300 Gefangene,
nur drei bis vier Schiffe entkommen

unbekannt

Das Seegefecht beim Dänholm fand während des Dänisch-Hanseatischen Krieges (Krieg der Kalmarer Union gegen die Hanse) am 8. Mai 1429 bei der Insel Dänholm im Strelasund bei Stralsund statt und endete mit einem Sieg der Stralsunder über eine dänisch-schwedische Flotte.

VorgeschichteBearbeiten

Der wegen des Sundzolls 1426 ausgebrochene Dänisch-Hanseatische Krieg stellte Pommern vor die Zerreißprobe. Die meisten Greifen-Herzöge unterstützten den mit ihnen verwandten König Erich von Pommern oder brachten ihm doch zumindest "wohlwollende Neutralität" entgegen. Demgegenüber waren die pommerschen Städte Stralsund, Anklam, Greifswald usw. Mitglieder des Wendischen Viertels der Hanse. Anders als Stralsund erklärten sich Greifswald und Anklam mit Rücksicht auf ihre pommerschen Landesherren für neutral und wurden dafür zwischenzeitlich aus der Hanse ausgeschlossen ("verhanset").

Stralsund war keine freie reichsunmittelbare Stadt, sondern gehörte formal zum Herzogtum Pommern-Barth. Dennoch kam es, dass Stralsunds Landesherr Barnim VIII. die dänisch-schwedische Flotte im Jahr 1427 im Öresund gegen die Hanse führte, während Stralsunder Schiffe 1428 an der Vernichtung der dänischen Flotte im Hafen von Kopenhagen beteiligt waren. Ohne ihren Ehemann König Erich zu konsultieren, organisierte Königin Philippa einen Vergeltungsangriff und stellte dafür eine neue, vor allem aus schwedischen Schiffen bestehende Flotte auf, die sie mit besonders erfahrenen dänischen und schwedischen Söldnern und Seeleuten bemannte. Als Ziel der Strafexpedition bestimmte Philippa ganz bewusst Stralsund. Bei der Bestrafung der unbotmäßigen Stadt glaubte Philippa, sowohl im Sinne König Erichs als auch Herzog Barnims zu handeln, da beide die Beteiligung Stralsunds an der feindlichen Allianz als Verrat ansahen.[4][5][6]

Das GefechtBearbeiten

Dänischer Angriff auf StralsundBearbeiten

Im Frühjahr 1429 segelte eine dänisch-schwedische Flotte von 70 bis 80 kleinen und großen Schiffen, bemannt mit 1.400 Bewaffneten, unter dem Befehl von Kurd von dem Hagen (Kurt/Curt von Hagen) unbemerkt durch den Gellenstrom und erschien am frühen Morgen des Himmelfahrtstags 1429, dem 4. Mai, überraschend vor Stralsund. Es gelang den Angreifern, die Warenlager und Schiffe im Hafen zu plündern und die sundischen Schiffe teilweise zu kapern und entführen und teilweise in Brand zu setzen, aber ihr Versuch, die Stadt selbst einzunehmen, wurde abgewehrt. Am Abend segelten sie nach Süden weiter, da ihnen der Wind nur diesen Weg offen ließ. Sie verwüsteten die Gegend um Stahlbrode und ankerten dann, vom starken Nordwind gezwungen, bei der kleinen Insel Ruden im Greifswalder Bodden. Danach segelten sie weiter nach Wolgast und ankerten im Hafen dieser von Pommerns Herzögen kontrollierten Stadt.

Stralsunder GegenangriffBearbeiten

In den zwei Tagen, die sich die Dänen mit Plündern und Brandschatzen beschäftigten, liefen sechs große und bewaffnete sundische Kauffahrteischiffe von Lübeck und Wismar in Stralsund ein. Der Stralsunder Bürgermeister Nikolaus von der Lippe überzeugte die Bürger der Stadt, diese Schiffe noch stärker zu bewaffnen und mit ihnen den Dänen auf deren Rückweg aufzulauern. Man bemannte also diese sechs Schiffe sowie die noch fahrbereiten Schiffe im Hafen und alle verfügbaren Fischerboote und wartete hinter der Insel Strale. Als dann am Montag, dem 8. Mai, der Wind nach Südosten umsprang und die Dänen mit ihm an der Stadt vorbeisegeln wollten, griffen die Stralsunder so plötzlich an, dass sie schon in der ersten Überraschung einige große Schiffe kapern konnten. Viele der kleineren dänischen Schiffe gerieten im Durcheinander auf Grund und mussten aufgegeben werden. Die dänische Flotte wurde teils erobert, teils vernichtet und teils zerstreut. Selbst das Flaggschiff wurde erobert, aber es gelang den Dänen an Bord, das Stralsunder Prisenkommando zu überwältigen und nach Kopenhagen zu fliehen. Insgesamt verloren die Dänen außer den Gefallenen mehr als 300 Gefangene.

FolgenBearbeiten

Unter Vermittlung von Barnims Bruder Swantibor II.[7] schloss im Dezember 1430 Stralsund einen Separatfrieden mit König Erik. Rostock hatte bereits im August das Gleiche getan. Erst 1435 schlossen die übrigen Städte den Frieden von Vordingborg mit Erik.

Zweifel am Ort der SchlachtBearbeiten

Der pommersche Historiker Gustav Kratz bestritt im 19. Jahrhundert, dass die Insel Dänholm ihren Namen erst 1429 nach der Schlacht gegen die Dänen bekam, schon 1288 sei für die Insel Strale der Name Deneholm beurkundet gewesen. Überhaupt sei zweifelhaft, dass die Schlacht vor Stralsund stattgefunden habe, denn der pommersche Chronist Thomas Kantzow habe bereits im 16. Jahrhundert die Schlacht nicht am Dänholm, sondern in der Peenemündung lokalisiert, wo es ebenfalls eine Insel namens Dänholm gibt.[8]

LiteraturBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Friedrich Aschenfeldt: Lübeckische Chronik, Seite 195. Lübeck 1842
  2. Arnold Brandenburg: Geschichte des Magistrates der Stadt Stralsund, Seite 48f. Carl Löffler, Stralsund 1837
  3. Ludwig Albrecht Gebhardi: Geschichte der Königreiche Dännemark und Norwegen, Band 1, Seite 663. Johann Justinus Gebauer, Halle 1770
  4. Friedrich Wilhelm Barthold: Geschichte von Rügen und Pommern, Band 2, Teil 1, Seite 87ff. Friedrich Perthes, Hamburg 1843
  5. Andr Fryxell: Erzählungen aus der Schwedischen Geschichte, Seite 356. Fritze, Stockholm und Leipzig 1843
  6. Daniel Georg von Ekendahl: Geschichte des schwedischen Volks und Reichs, Band 2, Teil 1, Seite 37f. Landes-Industrie-Comptoir, Weimar 1828
  7. Johann Gottfried Ludwig Kosegarten: Geschichte der Universität Greifswald mit urkundlichen Beilagen, Band 1, Seite 41. Koch, Greifswald 1857
  8. Gustav Kratz: Die Städte der Provinz Pommern - Abriß ihrer Geschichte, zumeist nach Urkunden, Seite 465. Bath, Berlin 1865

WeblinksBearbeiten