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Seeburg (Bad Urach)

Ortsteil von Bad Urach, Baden-Württemberg, Deutschland

Seeburg ist seit 1975 der kleinste Stadtteil von Bad Urach. Er hat 300 Einwohner und liegt auf 596 m ü. NN.

Seeburg
Stadt Bad Urach
Wappen von Seeburg vor der Eingemeindung
Koordinaten: 48° 26′ 47″ N, 9° 27′ 29″ O
Höhe: 596 m
Fläche: 2,21 km²
Einwohner: 300 (1. Jan. 2016)
Bevölkerungsdichte: 136 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1975
Postleitzahl: 72574
Vorwahl: 07381
Felswände bestimmen das Ortsbild
Felswände bestimmen das Ortsbild

Zwischen dem Dorf Trailfingen der Stadt Münsingen und Seeburg entspringt die Erms. Durch die beengte Lage im Ermstal hat sich Seeburg die Charakteristik eines Albdorfes erhalten.

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

Seeburg wurde bereits im Jahre 770 urkundlich erwähnt und ist damit eine der ältesten Siedlungen im Umkreis. Das Dorf wird im Lorscher Codex von 770 (C1183-95) erwähnt. Ein Graf Wigmann von Seburc ist um 1050 mit Dorf und Burg bezeugt, 1250 fand ein Bertholdus des Sebure Erwähnung. 1556 erwarb der Herzog Christoph von Württemberg Seeburc von Hans Ludwig von Speth.

Am 1. Januar 1975 wurde Seeburg in die Stadt Urach eingegliedert.[1]

SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Johanneskirche
 
Das Innere der Kirche

JohanneskircheBearbeiten

Die Johanneskirche wurde erstmals am 11. Juni 770 im Lorscher Codex Laureshamensis im Zusammenhang mit einer Schenkung des Waldo an Abt Gundeland erwähnt. Ihre Seccomalereien in der Apsis stammen aus der Zeit um 1280. Die Kirche ist, ebenso wie ihre Orgel, denkmalgeschützt. Die Kegelladenorgel aus dem Jahr 1853 aus der Hand Johann Viktor Gruols des Jüngeren wurde 1980 restauriert. Die Kirche bildet den Mittelpunkt des Friedhofes, auf dem sich einige Grabsteine hohen Alters finden.

Tuffbrüche und -bauwerkeBearbeiten

Das Ortsbild ist von offenen Kalktuffbrüchen geprägt. Zahlreiche Brücken, Mauern etc. im Ort sind aus diesem Stein gefertigt.

Ehemaliges PfarrhausBearbeiten

Das einstige Pfarrhaus wurde 1616 von Heinrich Schickhardt restauriert. Der heutige Bau stammt allerdings aus dem Jahr 1836. Er ist ein Beispiel für die typische Tuffquaderarchitektur der Gegend.

RathausBearbeiten

Auch das Rathaus, das früher auch als Schulhaus diente, ist aus Tuffquadern erbaut. Es stammt aus dem Jahr 1815.

Schloss UhenfelsBearbeiten

Hofmarschall Ernst Wilhelm Friedrich von Hayn ließ 1872 das Schloss Uhenfels erbauen, nachdem schon sein Vater den Uhenhof erworben hatte. Ab 1899 lebten die Eltern von Siegmund G. Warburg, Gabriel Warburg (1871–1923)[2] und Lucie Lea Kaulla (1866–1955) dort. Das rege gesellschaftliche Leben brach mit deren Vertreibung 1938 ab. Das Hofgut wurde 1938 „arisiert“. 1941 wurde das Schloss an Franz Fuchs verkauft und 1958 an seine Besitzer, die Familie Warburg, zurückgegeben. Im gleichen Jahr ging es in Privatbesitz über. Eine Besichtigung ist nicht möglich.

Hofgut UhenfelsBearbeiten

 
Seeburg um 1870, Zeichnung von General Eduard von Kallee

Der Mundschenk Hans von Aubern erhielt 1336 von den Grafen Ludwig und Ulrich den Weiler ob Seeburg. 1695 wurde der Auchenhof vom Herzog Eberhard Ludwig an vier Bauern verkauft. 1837 ging er in die Hände des Hofmarschalls C. von Hayn über; ab 1899 betrieben die neuen Besitzer des Schlosses, Familie Warburg, hier eine Landwirtschaft. 1938 wurde das Anwesen zwischen den Gemeinden Trailfingen und Seeburg aufgeteilt; das Hofgut wurde zur Jungviehweide der Vorgängerin der heutigen Rinderunion Baden-Württemberg. Später wurde es den rechtmäßigen Besitzern zurückgegeben.

EhrenmalBearbeiten

Auf dem Burgberg befindet sich ein Ehrenmal, das von Gabriel Georg Warburg und Lucie Lea Warburg in Auftrag gegeben wurde. Es wurde von Fritz Steisslinger entworfen und 1920 vom Steinmetzmeister Karl Gäter erbaut.

Grablegen der Familie von HaynBearbeiten

Grablegen zahlreicher Mitglieder der Familie von Hayn befinden sich in Seeburg.

ErmsquelleBearbeiten

Die in Tuff gehauene Brunnenstube aus dem Jahr 1895 wurde von Regierungsrat Deutelmoser ausgeführt, Staatsarchiv Ludwigsburg. Die mittlere Schüttung der Quelle beträgt 400 l/s.

StollenBearbeiten

Herzog Johann Friedrich von Württemberg beauftragte 1616 Heinrich Schickhardt, einen Auslass des heute nicht mehr zu sehenden Bodenlosen Sees anzulegen. Der Stollen ist 525 m lang und liegt 14 m unter der Erde und mündet unterhalb des Dorfes in die Erms. Der Stollen kann alle zwei Jahre (gerade Jahre) am Tag des offenen Denkmals im Rahmen einer Führung mit begrenzter Besucherzahl besichtigt werden. Über seinen Erbauer informiert das Ortsarchiv.

Kraftwerk ErmsBearbeiten

Das Kraftwerk aus dem Jahr 1920 wurde von Chr. Döbler gebaut und diente der Stromversorgung des Zementwerkes Münsingen und Seeburgs. Es wurde eingerichtet, nachdem die Untere Talmühle nicht mehr in Betrieb war. Der Strom wird heute ins Netz zum Umspannwerk Seetal eingespeist. Das Kraftwerk kann auf Anfrage bei den Stadtwerken Münsingen besichtigt werden.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 538.
  2. Informationen zu Schloß Uhenfels und der Grabstätte von Gabriel Warburg

WeblinksBearbeiten