Sebastian Samuelsson

schwedischer Biathlet
Sebastian Samuelsson Biathlon
Sebastian Samuelsson
Verband SchwedenSchweden Schweden
Geburtstag 28. März 1997 (23 Jahre)
Geburtsort Katrineholm
Größe 183[1] cm
Gewicht 78 kg
Karriere
Beruf Profi
Verein I 21 IF
Trainer Wolfgang Pichler
Debüt im Europacup/IBU-Cup 2016
Debüt im Weltcup 2016
Weltcupsiege 3 Staffelsiege
Status aktiv
Medaillenspiegel
Olympia-Medaillen 1 × Gold 1 × Silber 0 × Bronze
WM-Medaillen 0 × Gold 0 × Silber 1 × Bronze
EM-Medaillen 1 × Gold 0 × Silber 0 × Bronze
Olympische Ringe Olympische Winterspiele
Gold 2018 Pyeongchang Staffel
Silber 2018 Pyeongchang Verfolgung
IBU Biathlon-Weltmeisterschaften
Bronze 2019 Östersund Single-Mixed-Staffel
IBU Biathlon-Europameisterschaften
Gold 2019 Minsk-Raubitschy Mixed-Staffel
Weltcupbilanz
Gesamtweltcup 22. (2018/19)
Einzelweltcup 9. (2018/19)
Sprintweltcup 16. (2018/19)
Verfolgungsweltcup 26. (2019/20)
Massenstartweltcup 28. (2018/19)
 Podiumsplatzierungen 1. 2. 3.
Sprint 0 0 1
Staffel 3 0 2
letzte Änderung: 23. April 2020

Sebastian Samuelsson (* 28. März 1997 in Katrineholm) ist ein schwedischer Biathlet. Er debütierte 2016 im Weltcup und gewann bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang die Goldmedaille mit der Staffel sowie die Silbermedaille in der Verfolgung.

KarriereBearbeiten

Anfänge (bis 2016)Bearbeiten

Samuelsson begann als Kind im Sollefteå Skidor IF mit Skilanglauf und nahm 2011 zunächst parallel auch den Biathlonsport im I 21 IF auf. Er bestritt mehrere Dutzend nationale Langlauf-Rennen im Nachwuchsbereich, bei denen er unter anderem einen vierten Platz bei den schwedischen Juniorenmeisterschaften 2015 im Freistil-Sprint belegte. Im Biathlon startete er im gleichen Jahr auf internationaler Ebene: Beim Europäischen Olympischen Winter-Jugendfestival gewann er im Sprint die Silber- und in der anschließenden Verfolgung die Goldmedaille[2], bei den Juniorenweltmeisterschaften erreichte er im Einzel den elften Platz. Der schwedische Verband zeichnete den 18-jährigen Samuelsson im März 2015 als Biathlet des Jahres (geschlechterübergreifend; im Original: „Årets skidskytt“) aus. Er trat damit die Nachfolge des zurückgetretenen Olympiasiegers Björn Ferry an.[3] Sein Debüt im IBU-Cup gab Samuelsson Ende Januar 2016 in Ridnaun, wo er im Sprint als 43. zunächst die Punkteränge verpasste, sich aber für das Verfolgungsrennen qualifizierte, in dem er als 37. erste Punkte gewinnen konnte. Im gleichen Winter belegte er bei der Jugend-WM einen sechsten Rang im Sprint und einen fünften in der Verfolgung.

Erste Weltcupeinsätze und Olympiamedaillen (2016 bis 2018)Bearbeiten

Der schwedische Biathlon-Cheftrainer Wolfgang Pichler baute ab 2015 mit Blick auf die vier Jahre später stattfindenden Heim-Weltmeisterschaften – und als Folge der Rücktritte mehrerer führender Athleten – ein verjüngtes Weltcupteam auf. Ab der Saison 2016/17 zählte dazu auch der mittlerweile 19-jährige Samuelsson, der zuvor zwei nationale Titel im Sommerbiathlon gewonnen hatte. In seinen ersten sieben Einzel-Weltcuprennen erreichte er durchweg die Punkteränge der vorderen 40 (mit einem 13. Rang als bestem Ergebnis) und belegte am Ende des Winters den 43. Platz im Gesamtweltcup. Vom Biathlon-Weltverband IBU erhielt er als bestplatzierter Neuling des Jahres die Auszeichnung als Rookie of the Year.

In der folgenden Saison, deren Höhepunkt die Olympischen Winterspiele 2018 in Pyeongchang bildeten, war Samuelsson in keinem vorolympischen Einzel-Weltcuprennen unter den ersten 20 klassiert. Bei Olympia wurde er dann aber zunächst Vierzehnter im Sprint, traf in der Verfolgung 19 von 20 Scheiben und setzte sich auf der Schlussrunde gegen Benedikt Doll im Duell um den zweiten Rang hinter Martin Fourcade durch. Samuelssons Silbermedaille wurde medial wie auch der Olympiasieg seiner Mannschaftskollegin Hanna Öberg im Einzelrennen der Frauen als große Überraschung aufgenommen.[4] Trainer Wolfgang Pichler begründete die Erfolge seiner Athleten damit, dass die Windbedingungen und das Streckenprofil in Pyeongchang denen im heimischen Östersund ähnelten.[5] Auch im olympischen 20-Kilometer-Einzelwettkampf belegte Samuelsson mit dem vierten Rang ein vorderes Ergebnis und hatte mit einem Fehlschuss lediglich 15 Sekunden Rückstand auf den fehlerfrei gebliebenen drittplatzierten Dominik Landertinger. Zum Abschluss der Olympischen Spiele gewann die schwedische Männerstaffel die Goldmedaille. Samuelsson lief an dritter Position, übernahm die Staffel mit leichtem Rückstand von Peppe Femling und Jesper Nelin und übergab in etwa zeitgleich mit dem führenden Norweger Johannes Thingnes Bø auf Schlussläufer Fredrik Lindström, der sich gegen Emil Hegle Svendsen durchsetzte. In ähnlicher Konstellation – mit Martin Ponsiluoma an Femlings Stelle – hatte die schwedische Staffel wenige Wochen zuvor in Oberhof erstmals seit neun Jahren wieder ein Weltcuprennen gewonnen.

Nach Olympia verzichtete Samuelsson auf die Teilnahme an den abschließenden Weltcuprennen im März 2018 im russischen Tjumen und begründete seinen Boykott damit, dass „Nationen ohne eine funktionierende Anti-Doping-Organisation keine Wettbewerbe auf internationaler Ebene veranstalten [sollten]“.[6] Er folgte damit – unabhängig vom schwedischen Verband und als einziger Vertreter seines Landes – der Entscheidung der kanadischen, tschechischen und US-amerikanischen Mannschaft, die ihre Biathleten kollektiv zurückgezogen hatten.[7] Samuelsson gab an, im Anschluss an seine Entscheidung Morddrohungen erhalten zu haben.[8] Im Oktober 2018 nahm er mit weiteren Sportlern, Ministern und Vertretern von Anti-Doping-Agenturen an einem Gespräch über dopingfreien Sport im Weißen Haus teil.[9]

Erweiterte Weltspitze (seit 2018)Bearbeiten

In den Wintern 2018/19 und 2019/20 war Samuelsson mit einem 22. und einem 28. Rang in den jeweiligen Gesamtweltcupwertungen der beste Schwede, konnte sich aber nicht unter den absolut führenden Athleten festsetzen. Sein erstes Einzel-Podestergebnis im Weltcup (zu dem die olympischen Wettkämpfe nicht zählen) erzielte er im Januar 2019 im Sprint von Oberhof, in dem er mit allen zehn Schüssen traf und hinter Alexander Loginow und Johannes Thingnes Bø den dritten Rang belegte. In der Verfolgung einen Tag später schoss er acht Fehler und fiel auf den 39. Platz zurück. Bei der WM 2019 in Östersund wurde er im 20-Kilometer-Einzelrennen Vierter und fuhr damit das beste Einzelergebnis eines schwedischen Mannes ein. Gemeinsam mit Hanna Öberg, die im 15-Kilometer-Wettkampf der Frauen Weltmeisterin wurde, gewann er bei dieser WM zudem die Bronzemedaille in der Single-Mixed-Staffel. Samuelsson und Öberg bestritten 2019 noch eine weitere gemeinsame Single-Mixed-Staffel erfolgreich: Im November gewannen sie – ebenfalls in Östersund – den Weltcupauftakt vor Franziska Preuß und Erik Lesser. Für Samuelsson war das, nach einem weiteren Erfolg mit der Männerstaffel in Hochfilzen im Dezember 2018, der dritte Weltcupsieg. Zudem gewann er 2019 den EM-Titel mit der Mixed-Staffel um Emma Nilsson, Mona Brorsson und Martin Ponsiluoma.

2020 erhielt Samuelsson den vom Sportprogramm des öffentlich-rechtlichen schwedischen Fernsehens verliehenen Sportspegelpriset für seinen überzeugten Einsatz gegen Doping.[10] Im Herbst 2019 hatte er die Welt-Anti-Doping-Agentur und ihren Vorsitzenden Craig Reedie scharf für ihren Umgang mit der russischen Anti-Doping-Agentur angegriffen. Reedie trage letztlich die Verantwortung für „den größten Dopingskandal aller Zeiten“ und symbolisiere als „78-jähriger weißer Mann“ vieles, was im modernen Sport falsch laufe. „Geld, Macht und ein luxuriöser Lebensstil“ sei den führenden Figuren wichtiger als der Sport selbst.[11]

PersönlichesBearbeiten

Samuelsson wuchs mit seinen Eltern und zwei jüngeren Geschwistern in Malmköping in der Provinz Södermanland auf, wo seine Eltern einen Bauernhof betrieben. 2006 zog die Familie auf einen anderen Hof ins nördlicher gelegene Sollefteå. Dort trat Samuelsson dem Sollefteå Skidor IF bei und begegnete als Kind seinen Vorbildern wie der Langläuferin Charlotte Kalla. Auf dem Gymnasium in Sollefteå besuchte er die gleiche Klasse wie Ebba Andersson, die im Skilanglauf ebenfalls 2018 eine Olympiamedaille in der Staffel gewann.[12] 2017 zog Samuelsson nach Östersund.[13]

StatistikenBearbeiten

WeltcupsiegeBearbeiten

 
Samuelsson und Hanna Öberg nach dem Weltcupsieg in der Single-Mixed-Staffel 2019
Nr. Datum Ort Disziplin
1. 07. Jan. 2018 Deutschland  Oberhof Staffel (4×7,5 km)1
2. 16. Dez. 2018 Osterreich  Hochfilzen Staffel (4×7,5 km)2
3. 30. Nov. 2019 Schweden  Östersund Single-Mixed-Staffel (6 km + 7,5 km)3

WeltcupplatzierungenBearbeiten

Die Tabelle zeigt alle Platzierungen (je nach Austragungsjahr einschließlich Olympische Spiele und Weltmeisterschaften).

  • 1.–3. Platz: Anzahl der Podiumsplatzierungen
  • Top 10: Anzahl der Platzierungen unter den ersten zehn (einschließlich Podium)
  • Punkteränge: Anzahl der Platzierungen innerhalb der Punkteränge (einschließlich Podium und Top 10)
  • Starts: Anzahl gelaufener Rennen in der jeweiligen Disziplin
  • Staffel: inklusive Mixedstaffeln
Platzierung Einzel Sprint Verfolgung Massenstart Staffel Gesamt
1. Platz 3 3
2. Platz  
3. Platz 1 2 3
Top 10 3 2 1 22 28
Punkteränge 6 22 19 7 25 79
Starts 7 29 22 7 26 91
Stand: Saisonende 2019/20

Biathlon-WeltmeisterschaftenBearbeiten

Ergebnisse bei Weltmeisterschaften:

Weltmeisterschaft Einzelwettbewerbe Staffelwettbewerbe
Jahr Ort Sprint Verfolgung Einzel Massenstart Herrenstaffel Mixedstaffel S.-M.-Staffel
2017 Osterreich  Hochfilzen 76. 52. 11.
2019 Schweden  Östersund 29. 16. 4. 26. 7. 5.   3.
2020 Italien  Antholz 11. 19. 10. 27. 10. 11. 4.

Olympische WinterspieleBearbeiten

Ergebnisse bei Olympischen Winterspielen:

Einzelwettbewerbe Staffelwettbewerbe
Sprint Verfolgung Einzel Massenstart Herrenstaffel Mixedstaffel
Olympische Winterspiele 2018   | Korea Sud  Pyeongchang 14.   2. 4. 23.   1.

WeblinksBearbeiten

Commons: Sebastian Samuelsson – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Sebastian Samuelsson. Eurosport, abgerufen am 23. Februar 2020.
  2. Svenska resultat, EYOF Vorarlberg Liechtenstein 2015 auf sok.se (PDF). Abgerufen am 23. April 2020.
  3. Marianne Tharaldsson: Årets auf skidskytte.se. Abgerufen am 23. April 2020.
  4. Sandra Degenhardt und Volker Gundrum: Schwedische Sensation auf neues-deutschland.de. Erschienen am 15. Februar 2018. Abgerufen am 23. April 2020.
  5. Saskia Aleythe: Herr Pichler und die schnellen Schweden auf sueddeutsche.de. Erschienen am 14. Februar 2018. Abgerufen am 23. April 2020.
  6. Hannes Nyberg: Sebastian Samuelsson bojkottar världscupavslutningen auf svt.se. Original-Tweet von Sebastian Samuelsson [@SebbeSamuelsson]: „Har bestämt mig för att bojkotta VC-avslutningen i Ryssland. Nationer utan en fungerande antidopingorginisation ska inte ha tävlingar på internationell nivå. Dessutom orolig för säkerheten både för mig själv och för de dopingtester som lämnas i Ryssland.“
  7. Samuelsson boykottiert Weltcup-Finale in Russland auf sport.de. Erschienen am 6. März 2018. Abgerufen am 23. April 2020.
  8. Simon Sjöstrand: ”De vill att jag och min familj ska dö i cancer” auf aftonbladet.se. Erschienen am 5. Dezember 2018. Abgerufen am 23. April 2020.
  9. Andreas Käck: Svenske hjälten på plats – i Vita huset auf aftonbladet.se. Erschienen am 31. Oktober 2018. Abgerufen am 23. April 2020.
  10. Tobias Dahlberg: Sebastian Samuelsson vinnare av Sportspegelpriset auf svt.se. Erschienen am 27. Januar 2020. Abgerufen am 23. April 2020.
  11. Daniel Grefve: Sebastian Samuelssons nya dopningsutspel: ”Jag blir förbannad” auf svt.se. Erschienen am 2. Oktober 2019. Abgerufen am 23. April 2020. „Jag blir förbannad på Wadas ordförande Sir Craig Reedie. Det är Reedie som har det yttersta ansvaret för den största dopningsskandalen någonsin. Ordförande Reedie är en 78-årig vit man och symboliserar på många sätt allt det som är galet med idrottsrörelsen i dag. Idrotten har blivit en bransch där vita män vill göra karriär på bekostnad av allt som idrotten egentligen ska handla om. Pengar, makt och en lyxig livsstil är viktigare än själva idrotten.“
  12. Johan Flinck: ”Blir inte förvånad om han blir statsminister” auf aftonbladet.se. Erschienen am 12. Februar 2018. Abgerufen am 23. April 2020.
  13. Ivanna Nikolskaya: Accio, Medaille! In: Biathlonworld, Nummer 50/2019, S. 70–75. Als PDF verfügbar.