Schweiter Technologies

Schweiter Technologies AG

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Rechtsform Aktiengesellschaft
ISIN CH0010754924
Gründung 1912
Sitz Horgen, Schweiz
Leitung Heinz Baumgartner
(Geschäftsleitung)
Beat Siegrist
(VR-Präsident)
Mitarbeiterzahl 4332 (31. Dez. 2016)[1]
Umsatz 1003 Mio. CHF (2016)
Branche Maschinenindustrie
Website www.schweiter.ch

Schweiter Fabriken um 1925

Die Schweiter Technologies AG mit Sitz in Horgen ist ein international tätiger Schweizer Maschinenhersteller. Das an der SIX Swiss Exchange kotierte Unternehmen beschäftigt rund 4300 Mitarbeiter und erwirtschaftete 2016 einen Umsatz von 1003 Millionen Schweizer Franken.

TätigkeitsgebietBearbeiten

Die Unternehmensgruppe umfasste bis 2017 die Geschäftsbereiche «SSM Textilmaschinen» und «Verbundwerkstoffe (3A Composites)».

Der zu Rieter wechselnde Bereich SSM Textilmaschinen ist auf die Herstellung von Maschinen zur Garnbearbeitung und Präzisionswicklungen mit besonderem Gewicht auf Feingarne und schnelle Prozesse spezialisiert. Er ist einer der weltweit führenden Anbieter für Präzisionsspulmaschinen in den Bereichen Färbe-, Weberei- und Nähgarnvorbereitung sowie in einzelnen Segmenten der Filamentgarnherstellung.[2]

Der heutige (2017) Schweiter Kernbereich Verbundwerkstoffe (3A Composites) beschäftigt sich mit der Herstellung und Vermarktung von Halbzeugen wie z. B. Aluminiumverbundplatten und Kernwerkstoffen für Sandwichkonstruktionen.

GeschichteBearbeiten

Das 1912 gegründete Unternehmen hat ihren Ursprung in der Mitte des 19. Jahrhunderts von Jean Schweiter und Heinrich Schrader betriebenen Reparaturwerkstatt. Schrader kam 1850 nach Horgen, wo zehn Seidenwebereien Stoffe auf Handwebstühlen produzierten. 1854 liess er im «Baumgärtli» (Ecke Zuger-/Lindenstrasse, heute «Senioren Begegnungszentrum Baumgärtlihof») ein Wohn- und Werkstattgebäude errichten, um dort mechanische Webstühle für die Seidenindustrie zu entwickeln und zu bauen. Mit seinen Söhnen und Jean Schweiter konstruierte er 1855 eine der ersten mechanischen «Pirn»-Spulmaschinen.[3]

1894 übernahm Schweiter die Konstruktionswerkstatt und betrieb sie als Maschinenbaufirma «Jean Schweiter, Maschinenfabrik, Horgen» weiter. 1896 zählte die Firma 25 Mitarbeiter. 1906 wurde anstelle der Werkstatt ein neues grosses Fabrikgebäude erstellt. Mit seiner Erfindung des horizontalen Spindelwechsels im gleichen Jahr gewann Schweiter und seine Unternehmung weltweite Anerkennung in der Textilbranche.

In der Folge wuchs die Firma zu einem international tätigen Unternehmen. Bei der Gründung der Schweiter AG 1912 waren 195 Angestellte und Arbeiter beschäftigt. 1925 wurde ein Fabrikneubau in Horgen-Oberdorf bezogen, weil das Baumgärtli zu wenig Platz bot.

1943 schlossen sich die vier Textilmaschinenfabriken Grob, Schweiter, Stäubli und Vollenweider zur Vertriebs- und Werbegemeinschaft «Die 4 von Horgen» zusammen, um die damaligen Schwierigkeiten zu meistern und ihre Selbständigkeit bewahren zu können.[4]

1973 erfolgte der Börsengang an der Schweizer Börse SWX. 1986 übernahm Hans Widmer[5], späterer Verwaltungsratspräsident, die Aktienmehrheit von Schweiter. 1989 wurde aus den Firmen Schärer (1880 gegründet), Schweiter (1854) und Mettler (1868) die SSM AG gegründet, welche eines der drei Standbeine der Unternehmensgruppe bildete. Gleichzeitig gab sich die Gruppe mit der Gründung der Schweiter Technologies als Dachgesellschaft eine Holdingstruktur.[6]

Zwischen 1998 und 2015 erfolgten verschiedene Übernahmen, die zur Bildung der Unternehmensgruppe führten: 1998 Satis Vacuum Group Baar, 1999. Stähle Eltex Deutschland und Hacoba Spultechnik Deutschland, 2000 Ismeca-Gruppe, 2004 Loh-Gruppe Dornach, 2005 Verkauf Ismeca Automation. Im Juni 2008 gab Schweiter bekannt, sich mit der französischen Essilor-Gruppe über den Verkauf des Geschäftsbereiches Satisloh für 340 Millionen Euro geeinigt zu haben. Am 1. Dezember 2009 wurde vom kanadischen Aluminiumunternehmen Rio Tinto Alcan der Geschäftsbereich Alcan Composites übernommen und in 3A Composites umbenannt. Weiter Käufe waren 2012 Foamalite Ltd Irland, Giudici Italien, Ismeca Semiconductor, 2015 PNG Balsa Papua New Guinea, Polycasa-Gruppe, Plastwag S.A. Polen.[7]

Das in den 1980er Jahren von der Credit Suisse erworbene Schweiter-Areal wurde 2015 an die Realstone Fondsverwaltung verkauft. Schweiter blieb Mieter.

Im Juli 2017 verkaufte Schweiter die Textilmaschinen-Division (Geschäftsbereich SSM Textilmaschinen) an Rieter und übernahm im Gegenzug die irische Athlone Extrusions um den Kernbereich «Verbundwerkstoffe» zu stärken.[8]

Ab 2017 werden auf dem Schweiter-Areal in Horgen-Oberdorf neben den denkmalgeschützten Fabrikgebäuden 230 Mietwohnungen erstellt.[9]

WeblinksBearbeiten

Commons: Schweiter AG – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Schweiter: Geschäftsberichte
  2. Rieter: Medienmitteilung vom 3. Juli 2017
  3. SSM: Firmaprofil
  4. Mittex, die Fachzeitschrift für textile Garn- und Flächenherstellung im deutschsprachigen Europa, 5/1993: Die 4 von Horgen, über 100 Jahre Textilmaschinenbau
  5. Bilanz vom 6. Mai 2011: Interview mit Hans Widmer
  6. Horgner Jahrheft 2001: Maschinenfabrik Schweiter
  7. Schweiter: Meilensteine
  8. Cash vom 3. Juli 2017: Textilmaschinen-Rochade. Ein Meilenstein für Schweiter und Rieter
  9. Zürichsee-Zeitung vom 13. Juli 2017: Auf dem Schweiter-Areal entsteht «Lebensqualität in hoher Dichte» Das Grossprojekt mit 230 Mietwohnungen oberhalb des Bahnhofs Oberdorf wird vom Architektenteam Galli Rudolf geplant. Dessen Projekt «Homage» soll städtisches Flair und ländliches Grün vereinen