Schornsteinbrand

Gebäudebrand in einem Schornstein

Ein Schornstein- oder ein Kaminbrand entsteht, wenn sich im Schornstein abgelagerter Ruß aus unvollständiger Verbrennung oder kondensierter Holzteer entzünden.

Dabei kann es zu Temperaturen von bis zu 1200° C im Schornsteinzug kommen.

Schornstein-/Kaminbrand

AllgemeinesBearbeiten

 
Schornstein-/Kaminbrand aus dem Korb einer Drehleiter heraus fotografiert

Durch unvollständige Verbrennung entsteht

  • Schmierruß, Glanzruß oder Hartruß bei festen Brennstoffen bzw.
  • Flockenruß bei flüssigen und gasförmigen Brennstoffen.

Im ersten Fall ist der eigentliche Ruß (= reiner Kohlenstoff, staubförmig) in hochsiedendem Kondensat klebrig gebunden, im anderen liegt der Kohlenstoff sehr fein verteilt und unter Einlagerung von reichlich Luft vor. Beides fördert die Entzündung und das Weiterbrennen von Ruß.

Unvollständige Verbrennung findet statt,

  • wenn man nasses Holz oder andere ungeeignete Brennstoffe (z. B. Fette) verheizt und/oder
  • wenn Brennstoffe unter Sauerstoffmangel verbrennen.
  • wenn Heizgaswege und Verbindungsstücke der angeschlossene Feuerstätten verschmutzt sind
  • wenn Kachelöfen fehlgeplant sind und der vorhandene Schornsteinauftrieb den notwenigen Förderdruck zur Überwindung der Widerstände nicht leistet.

Auch bei Heizkesseln für feste Brennstoffe besteht diese Gefahr: Wird keine Wärme abgenommen, fahren die Kessel in den Teillastbereich; durch eine gedrosselte Luftzufuhr erfolgt die Verbrennung unvollständig: Kohlenmonoxid und Ruß entstehen. Daher werden seit den 90er Jahren Pufferspeicher eingesetzt, die einen durch mangelnde Wärmeabnahme verursachten Teillastbetrieb oder ein Abregeln der Verbrennungsluft verhindern.

Die Ablagerung von Rußpartikeln im Schornstein wird begünstigt durch einen deutlich zu großen oder zu kleinen Schornsteinquerschnitt:

  • Ein zu kleiner Querschnitt bremst die Abgase; sie brauchen länger auf ihrem Weg bis zur Austrittsöffnung; im Abgas enthaltene Rußpartikel neigen eher dazu, sich an den Schornsteininnenwänden abzulagern.
  • Ein zu großer Querschnitt des Schornsteins führt dazu, dass die Schornsteininnenwände nach dem Beginn des Heizvorganges relativ lange kühl bleiben und bietet eine größere Fläche zur Kondensation. Im Abgas enthaltene Feuchtigkeit und Rußpartikel neigen dazu, an den Schornstein-Innenwänden zu kondensieren bzw. sich abzulagern.

Die Kondensation führt gelegentlich zur Versottung, dabei werden die Mörtelfugen durch chemische Prozesse in Gips umgewandelt. Verantwortlich hierfür sind maßgeblich H2So3 und H2So4 ( Schwelsäureverbindungen) Durch solche Mauerwerksfugen können heiße Rauchgase entweichen, die zusammen mit Funkenflug das trockene Holz eines Dachstuhls, dort hängende Spinnweben oder am Dachboden gelagerten Hausrat entzünden können. Durch die

hohen Temperaturen und der starken Längenausdehnung des Schornsteins kann es ebenso auch zu RIssen kommen. Dadurch kann die Standfähigkeit von Schornsteinen gefährdet sein. Bei Längsrissen besteht die Gefahr, dass

Teile der Schornsteinwange ausbrechen und der Schornsteinbrand ins Gebäude übergreift.

Moderne Schornsteine sind wärmegedämmt: Das abgasberührende Innenrohr (zum Beispiel aus Keramik oder Edelstahl) ist mit einer stehenden Luftschicht hinterlüftet oder von einer dämmenden Schicht aus Mineralwolle umschlossen. Vor 1970 baute man auch Keramikrohre, die von Granulatsteinchen. sogenannten Perliten umgeben waren. Diese Schornsteine weisen gute Wärmedurchgangswiderstände auf ; an ihren Innenwangen kondensiert weniger als an nicht wärmegedämmten einschaligen

(zum Beispiel gemauerten) Schornsteinen.

Moderne mehrschalige Schornsteinsysteme sind nur bedingt widerstandsfähig gegen Schornsteinbrände. Während sich die metallischen Innenschalen regelmäßig deformieren, besteht bei keramischen

EInsatzrohren die Gefahr von Rissen durch kinetische Kräfte.

GefahrenBearbeiten

Bei einem Schornsteinbrand werden die umliegenden Wände derart erhitzt, dass angrenzendes Mobiliar (z. B. Schränke) in Brand geraten kann. Es kann bis zu 6 Stunden dauern, bis die Hitze das Mauerwerk des Schornsteins durchdringt.

Bei unsachgemäßen Löschversuchen mit Wasser können erhebliche Schäden auftreten. Des Weiteren besteht die Gefahr einer Rauchgasvergiftung, wenn der Abzug des Schornsteins nicht mehr gegeben ist und der Rauch z. B. durch Reinigungsöffnungen in die Wohnräume eindringt.

Auslöser des BrandesBearbeiten

 
Komplett zugesetzter Schornstein nach einem Rußbrand

Mehrere Faktoren bzw. deren Zusammenwirken können einen ungewollten Schornsteinbrand hervorrufen:

  • Flammen können in Verbindungsstücke (Ofenrohre) oder Züge der Feuerstätte hineinschlagen und dort befindlichen Ruß entzünden
  • Glut wird durch starken Schornsteinzug in Verbindungsstück oder Schornstein hineingetragen und entzündet dort den Ruß
  • Langflammiges Brandgut (z. B. Nadelhölzer, vor allem deren Zweige) oder Brandgut, das den Brennraum extrem heiß macht

BrandbekämpfungBearbeiten

 
Stark aufgequollener Ruß nach einem Schornsteinbrand

Der Schornsteinbrand ist der einzige Brand, der in aller Regel nicht gelöscht wird.[1]

Ein Schornsteinbrand darf nicht mit Wasser gelöscht werden. 1 Liter Wasser ergäben bei einer Temperatur von 100 °C ca. 1700 Liter Wasserdampf. Wenn man Wasser in den Schornstein schütten oder spritzen würde, käme es zu einem schlagartigen Druckanstieg im Schornstein, der ihn schwer beschädigen könnte.[2]

Möglichkeiten zur Brandbekämpfung sind:

  • Den Schornstein unter ständiger Beobachtung („kontrolliert“) ausbrennen lassen. Dabei sollte man die Luftzufuhr „von unten“ minimieren, also die Tür des Ofens geschlossen halten. Falls an dem brennenden Schornstein mehrere Öfen angeschlossen sind, gilt das für alle Öfen.
  • Mit Kaminkehrerwerkzeug den brennenden Ruß von den Wänden des Schornsteinzuges lösen und diesen am Fuß des Schornsteins ausbrennen lassen oder dem Schornstein entnehmen und außerhalb des Schornsteins (zum Beispiel im Heizungskeller) ablöschen.
  • Da der Ruß durch die hohen Verbrennungstemperaturen aufquellen kann, muss ein Verschluss des Schornsteines mit geeignetem Gerät verhindert werden.
  • Pulverlöscher sind sehr effizient einsetzbar. Ein möglicher negativer Nebeneffekt ist aber die hohe Verschmutzung der Umgebung.
  • Der Schornstein kann mit Kohlendioxid geflutet werden.

Es empfiehlt sich, die Feuerwehr sofort nach Entdecken des Schornsteinbrandes zu benachrichtigen, diese wird dann im Regelfall den zuständigen Bev.Bezirksschornsteinfeger mitalarmieren.

Nachdem das Feuer gelöscht wurde, sollte der Schornstein noch mehrere Stunden beobachtet werden, da er noch sehr viel Hitze ausstrahlt und angrenzende brennbare Bauteile entzünden könnte .

GeschichteBearbeiten

Der Verhütung eines Schornsteinbrandes dienten beispielsweise Anordnungen unter Pfalzgraf Karl IV. aus dem Jahr 1772 im Zusammenhang mit häuslichen Feuerstätten. Nach gleichzeitigen Bauvorschriften durften keine Holzschornsteine mehr errichtet, keine hölzernen Schläuche mehr eingebaut werden, die den Rauch der Feuerstätte zum Kamin zu leiten hatten, wie es auch untersagt wurde, Ofenrohre zum Fenster hinauszuführen.[3]

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Schornsteinbrand – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Feuerwehr Marburg: Maßnahmen bei Schornsteinbränden
  2. Schornsteinbrand auf bosy-online.de, abgerufen am 28. August 2013.
  3. Franz-Josef Sehr: Das Feuerlöschwesen in Obertiefenbach aus früherer Zeit. In: Jahrbuch für den Kreis Limburg-Weilburg 1994. Der Kreisausschuss des Landkreises Limburg-Weilburg, Limburg-Weilburg 1993, S. 151–153.