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Schloss Wehrden

Das Schloss Wehrden ist ein denkmalgeschütztes Gebäude in Wehrden, einer Ortschaft der Stadt Beverungen im Kreis Höxter (Nordrhein-Westfalen).

Inhaltsverzeichnis

Geschichte und ArchitekturBearbeiten

 
Hermann Werner von Wolff-Metternich zur Gracht
 
Schloss Wehrden um 1860, Sammlung Alexander Duncker
 
Wehrden mit Weser und Fürstenberg, alte Ansicht auf Porzellan

Der Fürstbischof von Paderborn Hermann Werner von Wolff-Metternich zur Gracht ließ das Herrenhaus ab 1696 von Ambrosius von Oelde auf den Resten eines älteren Gräftenschlosses errichten. Das Säulenportal in der elfachsigen Hauptfront ist über eine Freitreppe begehbar. Der zierlich geschweifte Giebel über den drei mittleren Fensterachsen stammt aus dem 19. Jahrhundert. Die Ausflucht am Herrenhaus ist aus zusammengebrachten Spolien aufgebaut. An der Rückfront sind zweiachsige, ursprünglich eingeschossige Eckpavillons mit sich durchkreuzenden Satteldächern vom Ende des 18. Jahrhunderts aufgestockt worden.

Im Park steht ein im Kern mittelalterlicher Turmbau, der 1696 umgestaltet wurde. Die Zinnen wurden später erneuert. Dieser sogenannte Drosteturm wurde gern von der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff genutzt, wenn sie ihre Tante in Wehrden besuchte.[1]

Von 1968 bis 1980 wurde das Schloss als Internat Weserberglandschule Schloss Wehrden genutzt. In dieser Zeit waren oft Künstler, wie u. a. der österreichische Violinist Luz Leskowitz oder der Göttinger Pianist Gerrit Zitterbart, zu Gast für ein Privat-Konzert.[2]

Aus der Internatsschule wurde in den 1990er Jahren ein Landerziehungsheim für schwer erziehbare Kinder, dabei nahm das Gebäude großen Schaden. Die Restaurierungsarbeiten dauern bis heute an, so wurde 2018 die Schloss-Bibliothek – die sich im ehemaligen Schlafzimmer des Fürstbischofs befindet – Buch für Buch aufwendig gereinigt und das Deckengemälde darüber restauriert. Hierbei wurden die Eigentümer von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, dem Landschaftsverband und der Bezirksregierung unterstützt.[3]

Jetzt sind im Schloss exklusive Mietwohnungen sowie ein »Trauzimmer«[4] und auf dem Gutshof ein Festsaal für Events, wie dem Herbst-Cocktail. Seit 1990, jeweils am letzten Wochenende im Oktober, werden in den historischen Räumen von Schloss Wehrden und in den restaurierten Gutsscheunen hochwertige Waren angeboten.[5]

Ab 2002 wurde der Schlosspark nach alten Originalplänen wieder instand gesetzt.[6] Im Park stehen einige, sehr alte, markante Solitärbäume wie Ginkgo, Süntel-Buche, Hainbuche, Hänge-Rotbuche, Lorbeereiche, Sommerlinde, Kastanie, Schwarznuss, Magnolien und Tulpenbäume, sowie mehrere Pyramiden-Stieleichen.[7] Drei Bäume sind als Naturdenkmale ausgewiesen.[8]

Das Gut blieb im Besitz der freiherrlichen Linie derer von Wolff-Metternich und wird heute von deren Erben, Alexander und Andrea von Köckritz genutzt, denen auch das benachbarte Schloss Amelunxen gehört.[9]

Zwischen Schloss und Ort Wehrden liegt die 1696 von Ambrosius von Oelde im Barockstil errichtete katholische Pfarrkirche Heilige Familie und St. Stephanus. An der Nordseite der Kirche ist seit 1853 das Erbbegräbnis der freiherrlichen Familie von Wolff-Metternich.

LiteraturBearbeiten

  • Jürgen Hövermann (Bearb.): Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 99 Göttingen. Bonn-Bad Godesberg (1963).
  • Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Nordrhein-Westfalen. Band 2, Westfalen, Deutscher Kunstverlag, München (1969).
  • Bernd Stiegele: Der historische Landschaftspark am Schloss Wehrden. Universität/Gesamthochschule Paderborn, Abtl. Höxter (Dipl.-Arb.), Höxter (1990).
  • Rainer Gering: Der "Annette von Droste-Hülshoff-Turm" in Wehrden. In: Jahrbuch Kreis Höxter (1995), Seite 223–227.
  • Jochen Luckhardt (Bearb.): Kreis Höxter, Kreis Paderborn. In: Westfalia Picta, Band 5, Bielefeld (1995), Seite 141–151.
  • Carsten Seick: Studien zu landschaftlichen Gärten und Parks in Westfalen-Lippe unter besonderer Berücksichtigung der Anlagen privater Auftraggeber. Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Dissertation (1996), Band 1 – 4, Bd. 3, Seite 443 f.
  • Florian Matzner / Ulrich Schulze: Barock in Westfalen – Ein Reiseführer. Kulturlandschaft Westfalen, Band 3, Münster, 2. unveränderte Auflage (1997), Seite 48.
  • Christoph Reichardt: Annette von Droste-Hülshoff – die Dichterin im Wesertal. In: Geschichte aus und um Beverungen, Bd. 9, Beverungen (1998).
  • Thomas Bufe: Gartenreise – Ein Führer durch Gärten und Parks in Ostwestfalen-Lippe. Münster (2000), Seite 209–211.
  • Gerd Rother, Ortsheimatpfleger: 1150 Jahre Weserdorf Wehrden – Geschichte und Geschichten eines Dorfes an der Weser | Weredun – Wehrden (860-2010) Herausgegeben von der Vereinsgemeinschaft Wehrden, Seite 35–63.

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Landschaftsverband Westfalen-Lippe: Schlossanlage Wehrden in LWL Geodaten Kultur.
  2. Weserberglandschule Schloß Wehrden auf facebook
  3. Westfalen-Blatt: Schloss-Bibliothek restauriert. Ausgabe vom 20. Oktober 2018.
  4. Trauzimmer im Schloss Wehrden. Webseite der Stadt Beverungen.
  5. Herbst-Cocktail auf Schloss Wehrden (YouTube 2017)
  6. Schloss Wehrden: Geschichte des Hauses und seiner Eigentümer
  7. Landschaftsverband Westfalen-Lippe: Schlosspark Wehrden in LWL Geodaten Kultur.
  8. Ordnungsbehördliche Verordnung zum Schutz von Naturdenkmalen innerhalb der im Zusammenhang bebauten Ortsteile und des Geltungsbereiches von Bebauungsplänen im Kreis Höxter. (PDF) 18. März 2004, abgerufen am 14. November 2016 (darin Anlage 1, lfd. Nr. 11–13).
  9. Georg Dehio; Dorothea Kluge; Wilfried Hansmann; Ernst Gall: Nordrhein-Westfalen. In: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Band 2. Deutscher Kunstverlag, München, Berlin 1969, OCLC 272521926, S. 583.

Koordinaten: 51° 42′ 49″ N, 9° 23′ 13,5″ O