Schilleningken (Kirchspiel Schirwindt)

Schilleningken (1938 bis 1946 Ostdorf (Ostpr.)) war ein Ort im Osten Ostpreußens im heutigen Gebiet der Dobrowolskoje selskoje posselenije (Landgemeinde Dobrowolsk) im Rajon Krasnosnamensk (Lasdehnen, 1938 bis 1946 Haselberg) der russischen Oblast Kaliningrad (Gebiet Königsberg (Preußen)).

Untergegangener Ort
Schilleningken (Ostdorf)
Föderationskreis Nordwestrussland
Oblast Kaliningrad
Rajon Krasnosnamensk
Frühere Namen Schillenincken (vor 1785),
Schilleningken, Ksp. Schirwindt (bis 1938),
Ostdorf (Ostpr.) (1938–1946)
Zeitzone UTC+2
Geographische Lage
Koordinaten 54° 49′ N, 22° 52′ OKoordinaten: 54° 48′ 46″ N, 22° 52′ 20″ O
Schilleningken (Kirchspiel Schirwindt) (Europäisches Russland)
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Lage im Westteil Russlands
Schilleningken (Kirchspiel Schirwindt) (Oblast Kaliningrad)
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Lage in der Oblast Kaliningrad

Geographische LageBearbeiten

Schilleningken lag 24 Kilometer nordöstlich der einstigen Kreisstadt Pillkallen (1938 bis 1946 Schloßberg) am Westufer der Scheschuppe (Шешупе, Šešupė), die hier die Grenze zwischen Russland und Litauen bildet.

Schilleningken war bis 1945 der östlichste Ort des Deutschen Reichs[1]. Dann wurde der östliche Teil von Ostpreußen der Sowjetunion zugeschlagen. Die überlebenden Einwohner gerieten in Gefangenschaft oder wurden vertrieben.

Von Schirwindt (heute russisch: Kutusowo) führte eine unwegsame Straße direkt in den Ort. Schirwindt war außerdem bis 1945 die nächste Bahnstation an der Bahnstrecke von Pillkallen über Grumbkowkeiten nach hier, die von der Pillkaller Kleinbahn betrieben wurde.

GeschichteBearbeiten

Im Jahre 1664 wurde das früher Schilleningken genannte Dorf erstmals erwähnt. Zwischen 1874 und 1945 gehörte der Ort zum Amtsbezirk Schirwindt[2] im Kreis Pillkallen (1939 bis 1945 „Landkreis Schloßberg (Ostpr.)“) im Regierungsbezirk Gumbinnen der preußischen Provinz Ostpreußen. Im Jahre 1910 hatte Schilleningken 62 Einwohner.[3]

Am 30. September 1928 vergrößerte sich Schilleningken, indem es sich mit dem Gutsbezirk Dwarischken (1938 bis 1945: Löbelshorst, heute nicht mehr existent) zur neuen Landgemeinde Schilleningken zusammenschloss. Die Zahl der Einwohner betrug 1933 insgesamt 195 und belief sich 1939 auf 142.[4] Am 3. Juni – amtlich bestätigt am 16. Juli – des Jahres 1938 wurde Schilleningken in „Ostdorf (Ostpr.)“ umbenannt, um dem ideologisch-politischen Verlangen nach Vermeidung fremdländisch klingender Ortsnamen Rechnung zu tragen. Der Zusatz „Kirchspiel Schwirwindt“ unterschied den Ort bisher von dem ebenfalls im Kreis Pillkallen liegenden Dorf Schilleningken, Ksp. Lasdehnen, heute russisch: Chlebnikowo.

In Kriegsfolge kam Schilleningken resp. Ostdorf 1945 mit dem ganzen nördlichen Ostpreußen zur Sowjetunion. Aufgrund von Flucht und Vertreibung waren keine Einheimischen mehr im Ort. Bis zum 4. Juli 1955 hatte er den russischen Namen к Шилленингкен, dann Самарское.[5]

Der Ort gilt inzwischen als erloschen. Nur noch Ruinenfragmente sind sichtbar. Er liegt jetzt im Grenzsperrgebiet der Grenze Russland zu Litauen.

KircheBearbeiten

Die Einwohner von Schilleningken resp. Ostdorf waren vor 1945 fast ausnahmslos evangelischer Konfession. Das Dorf war in das Kirchspiel der Immanuel-Kirche Schirwindt eingepfarrt, die zum Kirchenkreis Pillkallen (Schloßberg) in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union gehörte.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. 54° 48′ 48,7″ N, 22° 53′ 11,2″ O siehe Ostgrenze nach historischen Karten
  2. Rolf Jehke: Amtsbezirk Schirwindt
  3. Uli Schubert: Gemeindeverzeichnis, Landkreis Pillkallen
  4. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Landkreis Pillkallen (russ. Dobrowolsk). (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  5. Verordnung 745/3 des Präsidiums des Obersten Sowjets der RSFSR "Über die Umbenennung der Ortsnamen der Kaliningrader Oblast" vom 5. Juli 1950 Seite 13 / Указ Президиума Верховного Совета РСФСР 'О переименовании населённых пунктов Калининградской области' - 5 июля 1950 г. - №745_3