Schiffsfunde von De Meern

archäologischen Relikte

Die Schiffsfunde von De Meern sind die archäologischen Relikte von insgesamt sechs römischen Schiffswracks unterschiedlicher Größe und Funktion. Sie wurden in der Nähe des antiken Auxiliarkastells Op de Hoge Woerd am Niedergermanischen Limes auf dem Gebiet des heutigen Vleuten-De Meern, einem Wijk (Stadtteil) der Gemeinde Utrecht in der niederländischen Provinz Utrecht, gefunden. Vleuten-De Meern ist damit neben den Schiffsfunden von Woerden und denen von Nigrum Pullum (Zwammerdam) einer der bedeutendsten Fundplätze römischer Schiffe in Nordwesteuropa[1], nicht zuletzt, weil die in diesem Teil der Niederlande unter dem Meeresspiegel gelegenen, permanent feuchten Böden die Hölzer sehr gut konserviert haben. Die sechs Wracks, deren Reste im Gebiet von de Meern geborgen werden konnten, werden in der Fachliteratur von „De Meern 1“ bis „De Meern 6“ durchnummeriert.

De Meern 1 bis 6Bearbeiten

 
Modell von De Meern 1.
 
Nachbau von De Meern 1 in Woerden
  • De Meern 1 wurde 1997 entdeckt[2], 2003 geborgen und anschließend vom Rijksdienst voor het Cultureel Erfgoed (Reichsdienst für das kulturelle Erbgut des Ministeriums für Erziehung, Kultur und Wissenschaften) in dessen Niederlassung in Lelystad konserviert. Das Schiff ist ein Prahm aus niederländischem Eichenholz, dessen Fälldatum dendrochronologisch auf das Jahr 148 n. Chr. ± 6 datiert werden konnte. De Meern 1 wurde mindestens zweimal in der zweiten Hälfte des zweiten Jahrhunderts (Fälldaten 157 und 164) ausgebessert und war vermutlich 50 bis 60 Jahre in Gebrauch, wofür die Beifunde von Ledersandalen sprechen, die einen Zuschnitt besaßen, wie er in den Jahren 190 bis 200 üblich war. Das Schiff war rund 25 Meter lang und gut zweieinhalb Meter breit. Als Decksaufbau war eine Kapitänskajüte vorhanden, in der sich bei den Untersuchungen noch eine Werkzeugkiste und persönliche Gegenstände des Schiffsführers befanden. Neben den Funden sprachen auch die Befunde dafür, dass der Prahm in größter Eile verlassen wurde und schnell gesunken ist, möglicherweise bei einem verunglückten Anlegemanöver.[3][4] Der Prahm De Meern 1 diente als Vorbild für den Schiffsnachbau Per Mare ad Laurium.[5] Das Originalschiff ist heute im Museum „Castellum Hoge Woerd“ ausgestellt.
  • De Meern 4 wurde 2003 entdeckt, eine Woche nach der Bergung von De Meern 1 und nur rund 150 m östlich davon gelegen.[6] 2005 fanden die wissenschaftlichen Untersuchungen an einem freigelegten Teilbereich des Schiffes statt. Es ist ein Prahm aus niederländischer Eiche, deren Fälldatum sich auf das Jahr 85 n. Chr. ± 5 datieren ließ. Damit ist De Meern 4 das älteste jemals in Nordwesteuropa gefundene römische Frachtschiff. Die einzelnen Planken waren mit Holzdübeln und -zapfen verbunden. Die maximal wahrgenommene Breite des Schiffes betrug 4,75 m. Bei einem postulierten Breiten-Längen-Verhältnis von 1:7 wurde die anzunehmende Länge auf knapp 30 m bis maximal knapp 35 m geschätzt. De Meern 4 weist in den Konstruktionsmerkmalen sowohl auf mediterrane als auch auf lokale Schiffbautraditionen hin und dürfte eine einzigartige Mischform aus beiden darstellen. Nach den Untersuchungen wurde De Meern 4 aus Gründen des Denkmalschutzes in situ im Erdboden belassen.[7][8][9]
  • De Meern 6 wurde im Jahr 2008 gefunden. Bei ihr handelt es sich um eine dem niederländischen Punter[10] ähnelnde Schiffsform mit sehr geringem Tiefgang. Die maximalen Breiten- und Längenmaße betrugen 1,05 m zu 9,00 m, der Tiefgang dürfte 10 cm nicht überschritten haben. Zur Verbindung der Spanten mit der Beplankung fanden im Gegensatz zur Bauweise bei De Meern 1 und De Meern 4 Nägel Verwendung. Das Boot weist auf italische Schiffsbautradition und stammt möglicherweise aus dem dritten Jahrhundert.[11] De Meern 6 diente als Vorbild für den Schiffsnachbau Fiducia.[12]

Die Funde zu De Meern 2 und De Meern 3 sind Fragmente von Einbäumen aus dem zweiten Jahrhundert. De Meern 5 wurde vor einigen Jahrzehnten entdeckt, jedoch ist der Fundort inzwischen nicht mehr lokalisierbar.[13][14]

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: De Meern 1 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

AnmerkungenBearbeiten

  1. Will Brouwers, Esther Jansma und Martijn Manders: Romeinse scheepsresten in Nederland. Archeobrief 2013-4, S. 21f.
  2. De Meern 1: 52° 4′ 51,5″ N, 5° 1′ 12,4″ OKoordinaten: 52° 4′ 51,5″ N, 5° 1′ 12,4″ O
  3. Aukjen Nauta: Dateren met behulp van jaarringpatronen. Het vergaan van het Romeinse schip ‘De Meern 1’. In: Gea 1 (2008), S. 19–22.
  4. Esther Jansma, Jaap-M. A. W. Morel: Een Romeinse Rijnaak, gevonden in Utrecht-De Meern. Resultaten van het onderzoek noor de platbodem ‚De Meern l‘. In: Rapportage Archeologische Monumentenzorg 144 (2007), S. 283–296.
  5. Per Mare ad Laurium. De eerste varende reconstructie van een Romeins vrachtschip. Website der Stiftung Romeins Schip Woerden, abgerufen am 20. Januar 2015.
  6. De Meern 4: 52° 4′ 50,2″ N, 5° 1′ 22,7″ O
  7. Erik P. Graafstal: Het schip De Meern 4. In: Maurice C. M. Langeveld, Annemarie Luksen-IJtsma, Erik P. Graafstal: Wegens Wateroverlast. LR 39 De Balije II: wachttorens, rivierdynamiek en Romeinse infrastructuur in een rivierbocht van de Heldammer Stroom. Basisrapportage Archeologie 11. Cultuurhistorie gemeente Utrecht, Utrecht 2010, ISBN 978-90-73448-30-8, S. 103–115.
  8. F. Dallmeijer, R. M. van Heeringen, D. J. Huisman, Esther Jansma, K. Linthout, Jaap-M. A. W. Morel, A. Smit: Het schip uit de Romeinse tijd De Meern 4 nabij boerderij de Balije, Leidsche Rijn, gemeente Utrecht. Waardestellend onderzoek naar de kwaliteit van het schip en het conserverend vermogen van het bodemmilieu. Rijksdienst voor Archeologie, Cultuurlandschap en Monumenten, Amersfoort 2007, ISBN 978-9057-991-05-9.
  9. R. M. van Heeringen, T. de Groot, Jaap-M. A. W. Morel, Esther Jansma, F. Dallmeijer, D. J. Huisman, A. Smit, K. Linthout: Romeins schip in Utrechtse bodem. (Memento des Originals vom 4. März 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.vakbladvitruvius.nl In: Vitruvius 1 (2007).
  10. Gait L. Berk: De Punter. De Boer Maritiem, Weesp 1984, ISBN 90-228-1858-6.
  11. Jaap-M. A. W. Morel: Unieke Romeinse punter gevonden. In: RCAM Nieuwsbrief 5 (2008).
  12. Fiducia. De enige varende reconstructie van een Romeinse punter. Website der Stiftung Romeins Schip Woerden, abgerufen am 19. Januar 2015.
  13. Annemarie Luksen-IJtsma, Erik P. Graafstal, Maurice C. M. Langeveld: Utrecht – Vleuten/De Meern. Balije II. In: Archeologische Kroniek Provincie Utrecht, 2002–2003. ISSN 1386-8527, S. 190–193.
  14. R. de Kam, Erik P. Graafstal, Herre Wynia: Utrecht Leidsche Rijn, Time Team. In: Archeologische Kroniek Provincie Utrecht, 2004–2005. ISSN 1386-8527, S. 114–120.