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Die Markthalle mit Scharn in Duisburg im Corputius-Plan von 1566

Die Scharn (auch Scharne, Scharren, Scharrn) waren in mittelalterlichen Städten Stände, an denen Brot (Brotscharren, Brodscharren) oder Fleisch (Fleischscharren) angeboten wurden. Oft befanden sich die Scharren in einer Markt- oder Fleischhalle. Als Scharn sind solche Orte beispielsweise in Berlin, Braunschweig, Duisburg oder Minden überliefert. In Warendorf hat sich das 1653 erneuerte Gebäude bis heute erhalten.

EtymologieBearbeiten

Laut Aufzeichnungen der Brüder Grimm, kamen in Deutschland unterschiedliche Schreibweisen für diese Verkaufsstellen für Brot oder Fleisch vor.

  • Neben Scharre auch Scherne oder Scharn.
  • Der Begriff „die Scharre[n]“ kommt von „Scharne“ oder „Schranne“.
  • Es kann auch als „der Scharren“ (Scharn) vorkommen.
  • Daraus konnte „Scherne“ werden was wiederum im 15. Jahrhundert zu „Schirn“ umgelautet wurde.[1]

Das Wort hat vermutlich keinen Bezug zu dem Verb „scharren“ sondern ist wohl durch eine Umstellung des Buchstaben „r“ aus „schranne“ (althochdeutsch scranna) entstanden. Dies steht im Zusammenhang mit italienisch scranna ‚Feldstuhl, Gerichtsstuhl‘ („Bank, auf die Verbrecher bei der Züchtigung geschnallt werden“ oder Sitzbank der Beisitzer bei Gericht) und ist eventuell verwandt mit französisch escran, écran ‚Ofenschirm‘.

  • „Schranne“ ist die Bezeichnung für einen Verkaufsstand, eine gedeckte Halle, ein Laden oder ein Sammelbegriff für Bank, Tisch, Anstalt, Local, Gebäude, die zum Kauf und Verkauf, insbesondere von Brot, Getreide oder Fleisch gedacht waren.
  • In Hamburg und anderen Orten war es in der Form „Schrange“ für den Fleischmarkt oder eine Fleischbank üblich.[2]

Erhalten auch in den Bezeichnungen für Straßen und Plätze (Schrangen, Schrangenplatz, Schrangenstraße). Verwandt sind die Schranke, als Absperrung eines Bereiches und der Schrank, als Aufbewahrungsplatz von Waren.

Vorkommen als Schar(re)n oder SchirnBearbeiten

 
Schirnen unter einem Scharnhaus in Frankfurt um 1875
  • In Braunschweig hat sich diese Bezeichnung für den Fleischmarkt in den Straßennamen Hagenscharrn und Scharrnstraße erhalten. Es Bezeichnete die Verkaufsstände der Knochenhauergilde.
  • In Duisburg entstand die Scharn als ein Teil der Markthalle durch deren Untergliederung in Gerichtshalle und Fleischhalle im Spätmittelalter. Die Grundmauern der Duisburger Scharn sind in der Archäologischen Zone am Duisburger Alten Markt erhalten.[3]
  • In Berlin-Mitte und Charlottenburg wurde und wird durch Scharrenstraßen an Standorte der ehemaligen „Scharren“ erinnert.[4][5]
  • In Frankfurt am Main wurden die Verkaufsstände der Metzger Schirn genannt. Eine sehr bekannte Schirn, bei der warme Würstchen verkauft wurden, stand auf dem Römerberg, bekannt als Neues Rotes Haus am Markt. Insbesondere am Abend vor Theaterbesuchen versammelten sich dort viele Bürger zu einer schnellen warmen Mahlzeit vor dem anstehenden Kulturereignis. Die Bezeichnung ist auf die Schirn Kunsthalle übergegangen.
  • Im nordhessischen Frankenberg/Eder befindet sich eine sehr große Schirn im dortigen renaissancezeitlichen Rathaus, wo jeden Sonnabend ein Wochenmarkt stattfindet.
  • In Riga gibt es ebenfalls eine Scharrenstraße, deren Name sich vom Fleischerhandwerk ableitet.

Vorkommen als Schrange oder SchranneBearbeiten

LiteraturBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Scharn, m. In: Jacob Grimm, Wilhelm Grimm (Hrsg.): Deutsches Wörterbuch. Band 14: R–Schiefe – (VIII). S. Hirzel, Leipzig 1893, Sp. 2211–2212 (woerterbuchnetz.de).
  2. Schranne, f. In: Jacob Grimm, Wilhelm Grimm (Hrsg.): Deutsches Wörterbuch. Band 15: Schiefeln–Seele – (IX). S. Hirzel, Leipzig 1899, Sp. 1642–1643 (woerterbuchnetz.de).
  3. Matthias Untermann: Der Baukomplex der Markthalle am „Alten Markt“ in Duisburg. In: Günter Krause (Hrsg.): Stadtarchäologie in Duisburg 1980 - 1990 (= Duisburger Forschungen). Band 38. Walter Braun, Duisburg 1992, ISBN 3-87096-049-3, S. 394–462.
  4. Scharrenstraße (Mitte). In: Straßennamenlexikon des Luisenstädtischen Bildungsvereins (beim Kaupert)
  5. Scharrenstraße (Charlottenburg). In: Straßennamenlexikon des Luisenstädtischen Bildungsvereins
  6. Friedrich Georg Buek: IV. Fleischer. In: Handbuch der hamburgischen Verfassung und Verwaltung. Hoffmann und Campe, Hamburg 1828, S. 397–398 (archive.org).