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Schaerbeek/Schaarbeek

Gemeinde in der Region Brüssel-Hauptstadt, Belgien

Schaerbeek ([skaʁˈbek] (französisch) oder [ʃaʁˈbɛk] (deutsch)) oder Schaarbeek [ˈsxaːrbeːk] (niederländisch) ist eine von 19 Gemeinden der zweisprachigen Region Brüssel-Hauptstadt in Belgien.

Schaerbeek
Schaarbeek
Schaarbeek wapen.svg Schaerbeek Belgium.svg
Schaerbeek Schaarbeek (Belgien)
Schaerbeek Schaarbeek
Schaerbeek
Schaarbeek
Staat: Belgien
Region: Brüssel-Hauptstadt
Provinz: (seit 01.01.1995 „entprovinzialisiert“)
Bezirk: Brüssel-Hauptstadtwub
Koordinaten: 50° 51′ N, 4° 22′ OKoordinaten: 50° 51′ N, 4° 22′ O
Fläche: 8,14 km²
Einwohner: 133.010 (1. Jan. 2018)
Bevölkerungsdichte: 16.340 Einwohner je km²
Postleitzahl: 1030
Vorwahl: 02
Bürgermeister: Bernard Clerfayt (LB)
Adresse der
Kommunalverwaltung:
Maison Communale
Place Colignon
1030 Schaerbeek

Gemeentehuis
Colignonplein
1030 Schaarbeek
Website: www.schaerbeek.be
www.schaarbeek.be

Schaerbeek/Schaarbeek hat 133.010 Einwohner (Stand 1. Januar 2018) auf nur acht Quadratkilometern Fläche. Sie ist mit einer rasch wachsenden Bevölkerungszahl nach der Stadt Brüssel selbst die zweitgrößte Gemeinde der Region Brüssel-Hauptstadt. Die Gemeinde liegt nördlich der Brüsseler Innenstadt und grenzt, außer an die Stadt Brüssel, an die Gemeinden Saint-Josse-ten-Noode/Sint-Joost-ten-Node, Evere, Woluwe-Saint-Lambert/Sint-Lambrechts-Woluwe und Woluwe-Saint-Pierre/Sint-Pieters-Woluwe.

Der Ort wurde erstmals im Jahr 1120 urkundlich erwähnt. Die Gemeinde ist heute bekannt für ihr kosmopolitisches, multikulturelles Flair sowie für ihre Jugendstilvillen und umfangreichen Grünflächen, wie den Josaphat-Park. Zu den bekanntesten in der Stadt geborenen Persönlichkeiten zählen der berühmte belgische Sänger Jacques Brel und der Comicautor Jean Roba, Schöpfer von Boule und Bill.

GeschichteBearbeiten

 
Rathaus von Schaerbeek erbaut 1887

Schaerbeek wurde einst bekannt durch den Anbau von Sauerkirschen. Noch heute verwenden die belgischen Brauer eine alte Schaerbeeker Kirschenart zur Herstellung von Kriek-Bier. Die Kirschen werden jedoch nicht mehr im Stadtgebiet angebaut. Auf die vergangene Tradition des Kirschanbaus weisen unter anderem die Namen einiger Straßen oder Gebäude (Avenue des Cerisiers/Kerselarenlaan, Kulturzentrum De Kriekelaar) oder die Präsenz von japanischen Kirschbäumen in Alleen hin. Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts blieb Schaerbeek ein kleines Landstädtchen, dessen Bevölkerung von 600 Einwohnern im Jahr 1526 auf 1131 im Jahr 1800 anstieg. Ab 1819 begann mit der Zerstörung der alten Festungsmauern am heutigen Botanischen Garten und der Verlängerung der Rue Royale/Koningsstraat bis zur Place de la Reine/Koninginneplein die Urbanisierung von Schaerbeek. Eine weitere Etappe bildete der Bau der ersten Eisenbahnlinie 1835, die Errichtung des Brüsseler Nordbahnhofs an der Place Rogier 1836–1841 und der Ausbau der Fernstraße nach Antwerpen. Hiervon profitierte vor allem der Stadtkern (Bas-Schaerbeek/Laag-Schaarbeek), der aufgrund von günstigen Immobilienpreisen und einem guten Angebot an Dienstleistungen und öffentlichem Nahverkehr mehr und mehr Menschen anzog, so dass die Einwohnerzahl des Ortes 1850 8630 Personen erreichte. 1887 wurde an der Place Colignon/Colignonplein das heutige Rathaus errichtet und 1900 war die Einwohnerzahl auf 64.000 angestiegen. Gleichzeitig erreichte auch die Industrialisierung den Ort.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden mit der Avenue Louis Bertrand/Louis Bertrandlaan und der späteren Avenue Paul Deschanel/Paul Deschanellaan zwei neue bürgerliche Alleen geschaffen. Dadurch zeigte sich erstmals die soziale Spaltung in das Haut-Schaerbeek/Hoog-Schaarbeek und Bas-Schaerbeek/Laag-Schaarbeek. Letzteres war in den 1980er Jahren verarmt und heruntergekommen und hier siedelten sich viele Einwanderer an. Der damalige Bürgermeister Roger Nols war für seine fremdenfeindliche Einstellungen, Aussagen und Maßnahmen bekannt. Erst nach seinem Rücktritt 1989 rückten Schaerbeeker mit Migrationshintergrund in öffentliche Ämter auf. In den letzten Jahren setzte eine Gentrifizierung des alten Stadtzentrums ein.[1]

Bei einem Messerangriff am 5. Oktober 2016 wurden in Schaerbeek zwei Polizisten während einer Routineüberprüfung durch einen islamistischen Täter schwer verletzt.[2][3][4]

GemeindeBearbeiten

Die Hauptachse von Schaarbeek ist die vom Brüsseler Stadtschloss schnurgerade nach Norden verlaufende Achse Rue Royale/KoningstraatRue Royale Sainte Marie/Koninklijke Sint-MariastraatRue Maréchal Foch StraatRue Princesse Elisabeth/Prinses Elisabethstraat. Ihr Endpunkt ist der Bahnhof von Schaerbeek/Schaarbeek; Rathaus und Marienkirche stehen auf Schmuckplätzen in der Mitte der Straße. Die Gemeinde weist überwiegend dichte, gründerzeitliche Blockbebauung auf. Das früher industriell geprägte Niederschaarbeek an der Grenze mit Saint-Josse/Sint Joost hat viele türkische und marokkanische Einwanderer, Arbeitsmigranten der 1960er-Jahre und ihre Nachkommen. Hochschaarbeek, insbesondere um die Avenue Plasky/Plaskylaan herum hat eine eher wohlhabende, bürgerliche Bevölkerung, darunter viele Beschäftigte aus dem Umfeld der Europäischen Institutionen. Das Viertel Terdelt (Place Terdelt/Terdeltplein) ist eine Gartenstadt. Die wohlhabendsten Viertel sind das Quartier aux Fleurs/Bloemenwijk sowie die Straßenzüge um das Brusiliahochhaus und die Avenue Louis Bertrand/Louis Bertrandlaan.

SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Marienkirche
 
Bahnhof von Schaerbeek
 
Straßenansicht Schaerbeek
 
Kirche Saint-Servais
 
Jugendstil (65 Avenue Louis Bertrand)
  • Es gibt viele Jugendstil-Bauten, darunter herausragende Exemplare wie die 1893 von Victor Horta gebaute Maison Autrique (Chaussée de Haecht/Haachtsesteenweg; →Lage)
  • Entlang der Avenue Louis Bertrand reihen sich einige Jugendstilgebäude (→Lage)
  • Am Ende der Avenue Louis Bertrand steht die neugotische Kirche Saint-Servais (→Lage)
  • Die größte und auffälligste Kirche ist die romanisch-byzantinische Marienkirche (→Lage)
  • Das Rathaus (→Lage)
  • Der Bahnhof gilt als der schönste von ganz Brüssel (→Lage)
  • Eine beliebte Shopping- und Ausgeh-Straße ist die Chaussée de Haecht. Vor allem im Abschnitt zwischen der Marienkirche und der Kirche Saint-Servais findet sich eine Vielzahl an Restaurants, Cafés, Lebensmittelgeschäften und Boutiquen. Hier finden sich auch zahlreiche Geschäfte und Restaurants der türkischen Gemeinde, was der Gegend den Spitznamen Petite Anatolie eingebracht hat.
  • Gegenüber dem Bahnhof am Ende der Avenue Huart Hamoir steht die im Art Déco errichtete Kirche zur Heiligen Familie (→Lage)
  • Sehenswert ist der Josaphatpark, eine 1904 angelegte englische Gartenanlage mit Stadion, Spielwiesen, kleinem Zoo, Anlagen für Bogenschießen, Minigolf und vielen künstlerischen Skulpturen aus verschiedenen Epochen. Vom Park aus kann man eine gute Sicht auf Brüssel genießen (→Lage)
  • Architektonisch interessante Gebäude sind außerdem das Kulturzentrum Les Halles (→Lage), die Daillykaserne (→Lage) und die École Josaphat (Schule, im Jugendstil errichtet; →Lage)
  • Der 89 Meter hohe[5] Fernsehturm der RTBF und VRT.
  • Der Friedhof Schaerbeek gilt als Prominentenfriedhof.
  • Das Bier-Museum in der Avenue Louis Bertrand präsentiert traditionelle Methoden des Bierbrauens sowie eine umfangreiche Sammlung an Flaschen und Gläsern.

BevölkerungBearbeiten

Schaerbeek/Schaarbeek verfügt wie die meisten Orte in der Region über einen hohen Einwandereranteil. 2018 waren 36,3 % der Bevölkerung Ausländer,[6] was etwa dem Durchschnitt der Region Brüssel (34,8 %) entspricht. Die größten Ausländergruppen sind (in absteigender Folge) Marokkaner mit 4 % der Bevölkerung, Bulgaren (3,5 %), Franzosen (3,1 %), Rumänen (2,9 %), Polen und Türken (jeweils 2,8 %), Spanier (2,2 %), Italiener (2,1 %) und Portugiesen (1,1 %). Alle anderen Nationalitäten stellen jeweils weniger als 1 % der Bevölkerung, darunter kommen größere Gruppen aus Guinea und der Demokratischen Republik Kongo. Insgesamt hat eine Mehrheit der Schaerbeeker, nämlich 74 %, einen Migrationshintergrund (niederländisch allochtoone).[7] Nach einer Studie aus dem Jahr 2010 waren 38,5 % der Bewohner von Schaerbeek Muslime.[8]

PolitikBearbeiten

Schaerbeek/Schaarbeek gilt zwar als Bastion des Liberalismus, doch derzeit (2007–2012) regiert im Stadtrat nach einigen politischen Querelen zwischen Bernard Clerfayt (MR-FDF) und Laurette Onkelinx (PS) eine konservativ-liberal-grüne Mehrheit, zusammengesetzt aus vier Parteien.

VerkehrBearbeiten

Durch Schaerbeek/Schaarbeek verlaufen die Straßenbahnlinien 7, 25, 32, 55, 62, 92 und 94. Der Brüsseler Nordbahnhof liegt teilweise in Schaerbeek/Schaarbeek (die Stadtgrenze läuft mitten durch das Gebäude). Neben Nordbahnhof und Station Schaerbeek/Schaarbeek liegen im Osten der Stadt noch zwei weitere Bahnhöfe der Belgischen Eisenbahngesellschaft. Die Stadt Brüssel plant derzeit einen umfangreichen Ausbau der Metro in Schaerbeek. Die neue Linie soll vom Nordbahnhof entlang der Haltepunkte Liedts, Collignon (Rathaus), Riga und Paix zur Station Bordet führen.

StädtepartnerschaftenBearbeiten

Partnerschaften bestehen mit:

Söhne und Töchter der StadtBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Schaerbeek – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. https://global.handelsblatt.com/politics/in-schaerbeek-between-beers-and-beards-483023
  2. Berliner Zeitung: Terrorverdacht: Messerangriff auf Polizisten in Brüssel. In: Berliner Zeitung. (berliner-zeitung.de [abgerufen am 7. Oktober 2016]).
  3. Two policemen injured in Brussels stabbing in suspected terror attack, The Telegraph. 5. Oktober 2016. Abgerufen im 9. Oktober 2016. 
  4. Two Brussels police officers stabbed in terror attack, prosecutor says, CNN. 5. Oktober 2016. Abgerufen im 9. Oktober 2016. 
  5. Der Fernsehturm auf den Seiten von RTBF (französisch)
  6. Vgl. Bevölkerungsstatistik des Föderalen Öffentlichen Dienstes Wirtschaft: Nationalité actuelle de la population par commune (Memento des Originals vom 29. April 2012 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/statbel.fgov.be, hier Stand vom 1. Januar 2008
  7. http://www.npdata.be/BuG/51/BuG-51.htm
  8. http://www.npdata.be/Data/Godsdienst/Le-Soir/SOIR_20101117_BRUX_UNE_7.pdf